Zick und zack und mittenrüber: Irgendwie um Beedenkirchen (12 km)

12. November 2009

Über den ersten Lauf der Woche am Dienstag gibt´s nicht viel zu schreiben: Einer von diesen Mini-Füllsel-Läufen, die sich ab der Übergangszeit regelmäßig ergeben: Fünf Kilometer (Fünf!! Für so´ne Lullerdistanz wär´ ich vor ein paar Wochen überhaupt nicht erst gestartet!) mit Nemo durch den dämmrig-grauen Wald hinterm Haus, eigentlich mehr Gassi-Gehen im Jogging-Tempo als eine richtige Tour.
Aber der Hund ist bewegt, ein paar Kilometer kommen dann doch zusammen, und es geht schnell vorbei. Ho hum.
mittelweg-katharinenberg

Aber wenigstens war dann heute (= Donnerstag) ein bisschen mehr drin.

So langsam gewöhne ich mich wohl an den Gedanken, dass die Saison und die richtig schönen, langen, entspannten Touren weit weg von zuhause, erstmal vorbei sind. Nicht, dass mir das mistige Herbstwetter und die frühe Dunkelheit wirklich schmecken würden, aber ich ärgere mich nicht mehr ganz so sehr drüber (zumindest nicht die ganze Zeit… 😉 ), fange an, mich irgendwie zu arrangieren – Erwartungen reduzieren, Laufgewohnheiten ändern, die Definition davon, was eine „gute Tour“ ausmacht anpassen, sowas in der Art.
Kein Allheilmittel gegen den Übergangszeitlaufblues, aber es hilft zumindest…

Glücklicherweise gibt´s ein paar Tricks, mit denen man einen unambitionierten grauen Herbstlauf im eigenen Hinterhof ein bisschen interessanter und stimulierender gestalten kann:

Zum Beispiel, indem man dem Unbekannten im Bekannten (und nicht im Unbekannten 😉 ) nachspürt – man versucht bewusst, in eigentlich schon bekannten Gebieten neue Ecken, neue Wege, neue Blickwinkel zu entdecken, die einem bisher verborgen geblieben sind. Das kann sehr spannend sein.
Ebenfalls spannend: Der vollkommen ungeplante Lauf. Keinerlei Vorgaben bezügleich Zeit, Distanz oder Strecke, man sucht sich einfach einen Startpunkt aus, und läuft los, ohne zu wissen, wo man hin will – das findet sich dann spontan unterwegs, wenn man an jeder Abzweigung neu entscheidet, wo´s hingehen soll.

Heute will ich mal Beides probieren – sowohl das Unbekannte im Bekannten zu suchen, als auch den vollkommen ungeplanten Lauf ins Graue (Blau ist heute wenig…).
Ist auch bitter nötig, denn der Tag ist wieder mal furchtbar trüb und hässlich, mit einer geschlossenen uniformen Wolkendecke, die so tief hängt und so dick ist, dass sich die Sonne darüber nicht mal erahnen lässt.
Da kann so ein bisschen Extrastimulanz für den Lauf keinesfalls schaden.

Als Startpunkt habe ich mir den Wanderparkplatz an der Kuralpe ausgesucht, auf der Passhöhe zwischen Balkhäuser Tal und dem Tal des Wurzelbachs, wo die dichten Wälder der Felsbergflanke auf die Wiesen und Weiden an der Hutzelstrasse treffen.
Kalt und neblig hier oben, gerade mal 5 Grad, und der gerade mal 100 m. höher liegende Gipfel des Felsbergs ist von grauen Wolkenfetzen verhüllt. Brr, da lauf´ ich lieber schnell mal los.

Uuuund zwar nach… Süden.
Geradewegs den steilen Weg hoch, der von der Kuralpe auf den Felsberg führt, erst kurz durch die Wiesen, dann in den dunklen, feuchten Wald hinein (Markierungen: Was das Herz begehrt – Das weiße Andreaskreuz vom Europäischen Fernwanderweg 1, der rote Balken vom Weitwanderweg Odenwald-Vogesen, das rote S des Alemannenwegs, dazu die gelbe 7 und der SJ2-Marker, alles da…).

Aber nur kurz, nach 100 m. geht links ein schmaler, unmarkierter Waldweg ab, den ich noch nie gelaufen bin.
Den nehme ich natürlich, von wegen Unbekanntes im Bekannten und so.
Ostwärts durch den Wald an der Nordflanke des Feldbergs, links erkennt man zwischen den kahlen Bäumen die Wiesen über Staffel, auf denen ein paar zottelige Pferde weiden, rechts verliert sich der steil aufsteigende Hangwald schnell in grauem, stimmungsvollen Nebel.
Der Weg selbst ist nicht besonders gut, ein selten gebrauchter Forstwirtschaftsweg, keine gepflegte Wanderroute. Aber er läuft sich angenehm, mit wenig Steigung und einem dicken Teppich aus nassem Herbstlaub, der die Schritte dämpft, während er sich über dem Waldrand durch die Bäume windet.

Nach 750 m. eine bekannte Kreuzung: Links runter geht´s hier auf den Rosenweg, rechts führt der Alemannenweg (rotes S) runter nach Beedenkirchen.
Den nehm´ ich dann auch. Steil und holprig abwärts, an einer Schonung vorbei zum Waldrand über dem schönen Seitental von Holzwiese und Steckwiese – (leere) Pferdeweiden am Hang mit Obstbäumen, alles leicht eingenebelt und herbstlich, nett.

Kurzer unnötiger Schlenker am Waldrand um die Steckwiese rum (´cause I can, that´s why!! 😀 ), dann auf dem Alemanneweg bis zum südwestlichen Zipfel von Beedenkirchen („Am Stotz“. Das sind noch Strassennamen… 😉 ).
Wo ich mich überrasche.
Irgendwie habe ich erwartet, dass ich hier links laufe, durch Beedenkirchen durch und auf den Höhenweg nach Brandau.
Mach´ ich aber nicht, stattdessen biege ich rechts ab, folge dem Alemannenweg weiter, auf einem blätterglitschigen Pfädchen durch das Bachtal westlich von Beedenkirchen bis zum Parkplatz Römersteine vor dem Felsenmeer.
Wer hätte das gedacht?
Ich nicht.
Klappt gut, diese „ich lauf vollkommen ohne Plan“-Geschichte.

Von den Römersteinen laufe ich links runter an die L3098, die von Beedenkirchen in tief eingeschnittene Lautertal führt.
Nächste Überraschung: Anstatt hier links nach Beedenkirchen zu laufen, entscheide ich mich spontan dafür, der Landstrasse rechts runter zu folgen.
Eigentlich genau die entgegengesetzte Richtung zu meiner ursprünglichen Idee, vielleicht ins Modautal zu laufen.
Gefällt mir.

An der L3098 läuft sich´s nicht so gut.
Schmale, enge Odenwaldstrasse mit vielen Kurven und ohne viel Platz.
Natürlich kein Randstreifen, kein Radweg, nur die Fahrbahn selbst, da muss man aufpassen.
Aber es geht bergab, gewunden durch die steilen Hangwiesen über Reichenbach, und nach den ersten paar hundert Metern (die ich im wesentlich sonnigeren August 2008 schon mal gelaufen bin), ist die Strecke vollkommen neu (zumindest läuferisch, gefahren bin ich sie schon oft genug).

Ich folge der Strasse ein ganzes Stück, immer wieder muss ich auf den schmalen Randstreifen ausweichen, um entgegenkommenden Autos Platz zu machen, die im Gegenzug langsam machen und große, vorsichtige Bögen um mich fahren.

Nach 700 m. geht ein Waldweg links von der Strasse ab, schmal, wucherig, unmarkiert, keine Ahnung, wo genau er hinführt.
Den nehme ich.
Es geht aufwärts, ziemlich steil über einen schmalen Bergvorsprung, durch eine Lichtung mit frisch aufgeforstenen Bäumchen, die noch so klein sind, dass sie von kastigen Plastikschienen vor Wildverbiss geschützt werden müssen, dann an ein paar Gärten mitten in der Pampa vorbei, weiter durch die Wiesen unterhalb vom Gassenkopf und schließlich erreiche ich… Beedenkirchen?
Schon wieder.
Entweder ist der Ort deutlich größer, als ich ihn in Erinnerung habe, oder ich laufe heute einen total wirren Zickzackkurs… 😀

Dieses Mal ist es übrigens der äußerste Südzipfel von Beedenkirchen am Ende der Hechlergasse.
Kenn´ ich natürlich, hier bin ich schließlich schon gelaufen (November ´08 war das, wenn ich mich nicht irre, halberfroren im ersten Schnee).

Ich laufe rechts, wieder mal dem Alemannenweg hinterher. Der führt in ein kleines, schlammiges Wiesentälchen und führt dann an einer T-Kreuzung nach links zum Höhenweg in Richtung Brandau.
Rechts hingegen geht ein schmales, unmarkiertes Pfädchen talwärts, von dem ich wieder mal keine Ahnung habe, wo es rauskommt – das ist natürlich viel spannender als der olle, bekannte Alemannenweg, keine Frage, ich laufe rechts.

Abwärts, in den Hangwald des Seitentals hinein, bis ich schließlich schräg vor/unter mir die L3098 oberhalb von Reichenbach erkenne, also genau die Landstrasse, von der ich vorhin gerade abgebogen und zurück nach Beedenkirchen gelaufen bin.
Ok, die Zickzack-Theorie erhärtet sich so langsam… 😀

Der Weg mündet direkt auf die Fahrbahn, aber nochmal Landstrasse will ich nicht. Zum Glück gibt´s eine Alternative, nämlich ein winziges Proto-Pfädchen, das links in den steilen Bergwald führt.
Vielleicht ist es auch kein Proto-Pfädchen sondern nur ein Streifen etwas weniger überwucherte Wildnis, das lässt sich unter dem dicken Laubteppich nicht so ganz feststellen…

Aufwärts durch die Wallachei, während der Pfad rapide desintegriert, von diverse umgestürzten Bäumen blockiert wird, an ein paar verwitterten Bänken und einer moosigen und halbverrotteten Schutzhütte vorbeiführt (deutliche Anzeichen, dass hier zumindest mal ein Pfad WAR, aber in spätestens ein paar Jahren nichts mehr davon übrig sein wird), und sich schließlich gänzlich in der Wildnis verliert.

Kein Problem, da vorne schimmert bereits eine Bergwiese durch die finsteren Kiefern, da wird´s ja wohl irgendwie weitergehen, also schlage ich mich noch ein wenig durchs Dickicht, bis ich wieder offenes Gelände erreiche und keuche dann querfeldein und Rehe vor mir hertreibend die extrem steile Wiese hinauf, bis ich den nächsten Höhenrücken erreiche.
Wo ich erstmal kurz innehalten muss, um mich zu orientieren.
Hmm, ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wo genau ich gerade bin…
Sonnenstand als Richtungsmerkmal fällt aus (der Himmel ist uni-grau und überall vollkomen gleich finster), ebenso wie die umliegenden Bergmassive, deren bewaldete Flanken ich zwar gut sehen kann, deren charakteristische Rücken und Gipfel (auch bekannt als“ die Teile, an denen man einen Berg erkennt“) aber vollkommen von den tief hängenden Wolken verschleiert werden.
Hmmm…

Naja, das wird schon, ich laufe einfach mal weiter, über die Wiesen auf dem Bergrücken, bis ich sowas wie einen anständigen Feldweg erreiche, von dem aus ich auch ein Dorf unten im Tal erkennen kann.
Sieht wie Lautern aus, also bin ich wohl auf der Anhöhe zwischen Reichenbach und Lautern kurz hinter dem Zehnes (ja, der Berg da, das ist er wohl). Prima, dann ist ja alles gut.

Ich folge dem Weg abwärts durch die Wiesen, bis er nach 300 m. auf den Hohensteinweg (Re4) trifft, den ich schon mal gelaufen bin. Dem folge ich links runter, durchs Weideland in Richtung Lautern.

Zumindest kurz, dann geht links ein weiterer Feldweg ab, der eigentlich ganz bequem aussieht, und von dem ich keine Ahnung habe, wo er hinführen könnte.
Sieht spannend aus, also versuche ich mich einfach mal daran…

300 m. am Hang eines Seitentals, dann wird klar, warum ich keine Ahnung habe, wo dieser Weg hinführt: Er führt nirgendwohin!
Stattdessen endet er einfach so, am Fuß einer weiteren großen Bergweide, die von Wald umrahmt wird.

Umkehren ist natürlich nicht, sowas machen nur zaghafte Wankelmütler, stattdessen pflüge ich geradewegs weiter, die steile Weide hoch, einmal kurz Limbo durch einen rostigen Stacheldrahtzaun, bis ich das obere Wiesenende am Waldrand erreiche.
Rien ne va plus.
Hier gibt´s nichts, was auch nur annähernd wie ein Weg, Steg oder Pfad aussieht.
Einfach nur wilden Wald, links, rechts, geradeaus.

Umkehren?
Nä, niemals!
Wenn hier kein Weg ist, mach´ ich mir eben einen!
Harrr!!!

Ich schlage mich in den Wald, am rechten oberen Ende der Wiese, über Stock und Stein grob ostwärts, unterhalb der bewaldeten Kuppe des Knorz (das ist mal ein cooler Name für einen Berg, oder?).
Klappt eigentlich ganz gut, nach ein paar Metern passiere ich eine schluchtartig klaffende Spalte im Hang (ein alter Steinbruch??), danach geht´s durch ein nachtschwarzes Kieferndickicht voller Wildtauben (die fliegen alle auf einmal los, als ich knackend und ächzend durchs Unterholzbreche, mit pfeifenden Flügeln und empörtem Gurren), und schließlich komme ich auf einer weiteren Hangwiese raus, von der ich – wieder mal – nicht den leisesten Schimmer habe, wo sie sich befinden könnte.

Das löst sich allerdings schnell von alleine, denn während ich zwischen alten Kuhfladen und Nebelfeuchtem Gras grob ostwärts wackele, kommt links unten im Tal ein kleines Dorf auf, das ich nach kurzem Studium eindeutig als Beedenkirchen identifiziere (was auch sonst?).

Kurz darauf erkenne ich dann auch am unteren Ende der Wiese die Kreuzung am Pflasterweg, die den Anfang des Höhenwegs rüber nach Brandau markiert.
Damit bin ich wieder voll orientiert.
Ist auch ganz gut so, denn so langsam wird das fahle Licht merklich schwächer, was darauf hin deutet, dass der Sonnenuntergang näherrückt und ich mir so langsam Gedanken über den Rückweg machen sollte (wie es sich für einen echten Lauf ins Blaue gehört, habe ich natürlich keine Uhr an, entsprechend kann ich nicht rausfinden, wie spät es gerade ist).

Soo eilig ist das aber noch nicht (denke ich mir), und biege am unteren Wiesenende spontan auf einen (natürlich unmarkierten) Schleichweg ein, der unter einem Baldachin aus alten, knorrigen Bäumen von Beedenkirchen Weg ins östlicher Richtung durch die Weiden am Rand des Lautertals führt und schließlich über dem Lauterner Sportplatz den Weg Verbindungsweg zwischen Lautern und dem Höhenweg Beedenkirchen-Brandau stößt (Markiert mit einem V-Marker).

Geradeaus (und damit immer noch nicht zurück), vorbei an einer wolligen Schafherde in die Felder des Brandauer Hochplateaus, wo ich mich dann schließlich doch auf einem Trampelfpfädchen zwischen braunen Äckern zum Höhenweg bequeme (hat ja lange genug gedauert… 🙂 ) und mich nach links auf den Rückweg mache (Markierung: Weißer Balken).
Höchste Zeit, das Licht wird knapper…

Kurzes Stück westwärts, ein paar hundert Meter auf dem bequemen Weg durch die Felder und Wiesen des flachen Rückens (oder leicht gewellten Plateaus?) zwischen Brandau und Beedenkirchen, dann rechts ab und den Knorz-Weg (Be1) runter. Der ist bequem asphaltiert, durchaus nicht unhübsch (soweit man das im schwindenden Licht beurteilen kann) und zudem auch noch weitgehend neu für, weil ich ihn irgendwie noch nie gelaufen bin.

800 m. gepflegt abwärts durch dämmrige Äcker, dann erreiche ich die K69, an deren randstreifen- und radweglosem Rand ich noch ein kurzes Stück entlanglaufen muss (etwas unangenehm, angesichts einbrechender Dunkelheit und dem recht frequenten heimwärts strebenden Berufsverkehr) und schließlich auf der Modaustr. in – wie könnte es anders sein – Beedenkirchen einlaufe.

Östlicher Ortsteil, hier bin ich schon tausendmal durchgefahren (ist die Hauptroute von daheim in den Odenwald rein) aber noch nie gelaufen.
Vorbei am kleinen alten Friedhof, dann rechts und am Rand der Landstrasse (L3098) gleich wieder aus dem Ort raus, in Richtung Wurzelbach.
Zum Glück nicht lang, denn so ein bisschen mulmig fühle ich mich schon im Dämmerlicht bei starkem Gegenverkehr (haben meine Klamotten auch genug Reflektoren???).
Glücklicherweise geht´s nach 300 m. links ab, einen rissigen alten Feldweg hoch, der den langen, bergwiesigen Buckel des Oälsch (wer denkt sich eigentliche diese Namen aus) hinaufführt.

Hier wird´s so langsam ungemütlich. Die Steigung ist machbar, der Weg an sich total hübsch (zumindest in der Sonne, das weiss ich vom letzten Mal, als ich hier langgekommen bin), aber der Aufstieg ist über einen Kilometer lang, und es wird von Minute zu Minute finsterer, nieseliger und kälter. Mein Nacken ist bereits ein steifer Eisklumpen (hab´ dummerweise den Nackenwärmer vergessen), meine Ohren sind ebenfalls eiskalt, und meine Beine wollen nach den ganzen Cross-Country-Strapazen auch nicht mehr so recht.
Ganz ehrlich: Hier bin ich mal richtig froh, dass ich mal in fremdem Gebiet unterwegs bin, sondern in einem Landstrich nahe an zuhause, in dem ich mich gut genug auskenne, um mich auch bei fast-schon-Dunkelheit noch zurechtzufinden…

Am Ende des Aufstiegs erreiche ich den Rosenweg (gelbe 7) an der Flanke des Felsbergs, hoch über Beedenkirchen, dessen Lichter aus den bläulichen Nachtschatten des Tals heraufblinken.
Dem muss ich jetzt nur noch folgen, nach Rechts/Westen, wo er sich durch die dunklen Hangwiesen windet und überraschend schöne (wenn auch kalte) Einblicke ins nächtliche Modautal gewährt.

Licht gibt´s inzwischen fast keins mehr, der Weg ist ein etwas hellerer Schemen in der Dunkelheit, dessen Details von der beginnenden Nacht und dem dichter werdenden Nebel verborgen werden.
Etwas zu meinem Leidwesen, denn der Rosenweg ist aufgewühlt und feucht, mit tiefen Schlammpfützen, die sich so kaum vermeiden lassen. Bereits nach ein paar Metern bin ich sowohl links als auch rechts mehrmals Schienbeintief in den Morast gequatscht, zum allgemeinen Diskomfort von Kälte und Dunkelheit gesellt sich somit auch noch die exquisite Unbequemlichkeit von mit eiskaltem Schlammwasser durchtränkten Schuhen und dicken Wollsocken (hätte wohl doch die Laufsocken anziehen sollen…)

Entsprechend froh bin ich dann auch, als das Ziel in Sicht kommt.
Erst die lange Strasse von Staffel hoch zur Passhöhe auf der anderen Talseite, auf der langsam Autos hinauf- und hinabkriechen und mit ihren langen, strahligen Scheinwerferlichten durch den Nebel tasten, dann schließlich die Lichter der Kuralpe auf der Passhöhe, warm und freundlich in der blaugrauen nebligen Dunkelheit.

Als ich schließlich wieder am Auto ankomme, ist es Rabennacht.
Und das um 20 nach Fünf. Doofe Winterzeit!

Ok, ich geb´s zu: Trotz trübem, drögen Wetter und pitschnassen Füßen war das eine von den guten Touren, mit überraschend viel neuer Strecke, ein paar Entdeckungen, und ordentlich Abenteuer, besonders natürlich an den Stellen, wo ich halbverirrt durchs Niemandsland geirrt bin. Hat Spaß gemacht. Irgendwie. 😉
Vermutlich keine Trendwende, wahrscheinlich werden mich die nächsten mieses-Herbstwetter-Läufe mich schon wieder tierisch ankotzen – aber gut getan hat´s trotzdem, sich mal wieder ein bisschen freizuschwimmen und dem saisonalen Laufblues zu trotzen…

Strecke: 12 km
Zeit: Pffft. Viel, wie das halt so ist, wenn man sich mitten durch die Wildnis schlägt… 😉
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 58,08% (6,97 km von 12 km)
Karte:
Zickzack um Beedenkirchen

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5 Antworten to “Zick und zack und mittenrüber: Irgendwie um Beedenkirchen (12 km)”

  1. Christian Says:

    Guten Morgen Matthias,

    meine Rede:

    man versucht bewusst, in eigentlich schon bekannten Gebieten neue Ecken, neue Wege, neue Blickwinkel zu entdecken, die einem bisher verborgen geblieben sind. Das kann sehr spannend sein.

    Da siehst Du mal, was Du alles hättest verpassen können, wenn es Dich immer in die Ferne zieht. Die Tour ist ganz nach meinem Geschmack, nicht mit dem Plan in der Hand, sondern fast an jeder Kreuzung spontan entscheiden, wie es weiter geht, super.
    Umkehren iss nicht, gehört auch zu meinen Grundsätzen, auch wenn Dornen und Stacheldrahtzaun sowie massenweise Krabbelviecher einen aufhalten wollen, immer weiter.

    danke für den meines Erachtens schönen Lauf-Bericht

    Salut

  2. matbs Says:

    Naja, ich hätte auf jeden Fall weniger verpasst als wenn ich zur Reichsburg Annweiler in der Pfalz/ans Niederwalddenkmal im Rheingau/auf die Tromm im mittleren Odenwald/am Mainufer bei Aschaffenburg/durchs Neckartal hinter Heidelberg gelaufen wäre… 😀

    Nett war´s trotzdem. 🙂

    Aber es ist natürlich keine Dauerperspektive, denn das Unbekannte im Bekannten wird nahe an Zuhause immer knapper – und man will ja auch nicht den Rest seines Läuferlebens immer nur dieselben ollen ausgelatschten Pfade zwischen Balkhausen und Alsbach (respektive zwei beliebige Ortsnamen aus deinem Laufrevier, die aber womöglich nicht genannt werden dürfen, weil du sie ja selbst immer so dezent unter den Tisch fallen lässt… 😉 ) laufen, oder? 😀

    Umkehren geht selbstverständlich nicht, auch wenn Stachel- und Elektrozäune mich persönlich immer vor gewisse Probleme stellen: Als unsportlicher, schwerfälliger Fettsack kann ich da nicht einfach so mit einem Satz drüberhüpfen, zum Überkletten sind sie meist zu fragil, und untendrunter durchkriechen ist immer so dreckig und würdelos…
    Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, selbst wenn man sich dabei ein bisschen Stacheldraht in den Lycrabedeckten Hintern rammen muss!!! 😀

    In diesem Sinne: Vorwärts immer, rückwärts Nimmer!!!

    Schönes WE!

  3. Evchen Says:

    Hi Matthias,

    Knorz rollt sich in meinem Rachen wie Hurz. *hehe*

    Ich muß ehrlich gestehen, bei dem Lauf hätte ich mich gefürchtet. Dunkel, feucht UND unbekannt? Nöhöhö. Vielleicht kommt das noch irgendwann (?), aber bisher bin ich immer froh, wenn ich zumindest ungefähr weiß, wo ich bin. Dann kann ich auch gaaanz mutig sein und mal einen Weg später erst abbiegen, boah! 😉

    Du betreibst aber schon einen relativen Aufwand, um Deinen Kopf zu beschäftigen, hm?

    Wie wäre es denn mir Umziehen, wenn Du hier schon fast alles kennst? 😀

    • matbs Says:

      Der Knorz ist leider nicht zum Rollen gedacht, in der lokalen Mundart dürfte das „r“ stumm sein, und das ganze eher wie „Knotz“ (oder vielleicht „Knoatz“) mit einem ganz kurzen Vokal klingen. 🙂
      Aber diese uralten halbvergessenen Namen für irgendwelchen Geländemerkmale, die sind schon total interessant, da möchte man die Menschen von vor 200 (400? 600?) Jahren manchmal fragen, was sie sich dabei gedacht haben.
      Aber das geht ja leider nicht, denn selbst wenn die nicht tot wären, könnte man das Kauderwelsch, dass die damals benutzt haben, unmöglich verstehen… 😀

      Verirren ist eine ganz tolle und spannende Erfahrung, die man als Läufer auf jeden Fall mal gemacht haben sollte.
      Also probier´s ruhig mal aus, wenn sich die Gelegenheit bietet! 😉

      Und das mit dem Umziehen könnte schon bald Realität werden, schaun mer mal…


  4. […] Zick und zack und mittenrüber: Irgendwie um Beedenkirchen (12 km) […]


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