Nacht über dem Mainufer: Offenbach – Bürgel – Fechenheim (12,1 km)

18. November 2009

Yaaay!!!!
Gutes Wetter!!!

Nach wochenlanger dröger Novemberwitterung ist die Sonne wieder aufgetaucht, und sie hat warmes Licht, blauen Himmel und wunderbare Herbststimmung mitgebracht.
Das gibt instante Lauflaune, da möchte man sofort raus und sich ein bisschen die Sportschuhe vertreten, am liebsten natürlich irgendwo weit weg, wo man noch nie zuvor gelaufen ist.
Zum Beispiel in Frankfurt oder so.

Hey, Moment mal …
Neeeiin, so ein Zufall – Frankfurt, da wollte ich heute Abend doch sowieso hin!
Na prima, dann würd´ ich doch einfach irgendwo da oben eine kleine Runde durch den plötzlich angenehmen Herbst drehen!
Uuuund zwar…
*[kurzes Studium von Google Earth, Wanderkarten und Stadtplänen]*
… nicht durch Frankfurt selbst, sondern mal durch Offenbach, die kleinere und weniger prominente Schwesterstadt auf der anderen Seite des Mains.
Spannend, denn Offenbach ist sowas wie die vergessene Großstadt des Rhein-Main-Gebiets: Stets im Schatten des weitaus größeren Frankfurt, wenig glamourös, gilt so ein bisschen als graumäusig und wenig interessant. Selbst die meisten Menschen aus der weiteren Region kennen die Stadt kaum, wissen nicht viel drüber, kommen kaum hierher – zumindest ist es mir bisher so gegangen.
Also höchste Zeit, Offenbach und seine verborgenen Reize ein bisschen besser kennenzulernen!

Deswegen heute auf dem Programm: Einmal durch Downtown Offenbach, am Mainufer weiter bis nach Bürgel, rüber auf die Frankfurter Flussseite nach Fechenheim, am Nordufer zurück um den Mainbogen und schließlich wieder durch Offenbach zum Ausgangspunkt.
Sah gut aus!


Einziges Problem: Meine Verabredung in Frankfurt war eigentlich erst so gegen 19:00 Uhr, also fast zweieinhalb Stunden nach Sonnenuntergang (Flüche auf die verfluchte Winterzeit! FLÜCHE!!!!!).
Da ist es gemeinhin gerne mal dunkel, und im Dunkeln Entdeckungzuslaufen, das ist irgendwie kontraproduktiv, weil da siehste ja nix.
Andererseits… „Ist ja Großstadt“, denk´ ich mir, „da sind viele Lichter an, das geht schon irgendwie. Außerdem: Schönes Wetter bleibt schönes Wetter, auch wenn´s dunkel ist. Das musste ausnutzen!“
Na dann.

Um kurz vor Sonnenuntergang nordwärts, um in dunkler Nacht* zum allerersten Mal in meiner mehr als drei Jahrzehnte währenden Existenz die unbekannten Eingeweide Offenbachs zu erkunden.
Wie Livingstone, oder Lewis und Clark.
Wer weiss, vielleicht finde ich ja sogar Dinosaurier oder eine vergessene Eingeborenenstadt ganz aus Gold… 😀

* Na ja, also so zwischen Fünf und Halb Sieben, es geht sicher noch nächtlicher… 😉

Der Sonnenuntergang ist schon mal traumhaft schön, auch wenn ich ihn nur aus dem Augenwinkel/im Rückspiegel bewundern kann, während ich auf der A5 und der A661 nordostwärts ins urbane Herz des Rhein-Main-Gebiets tuckere, schließlich am Kaiserlei-Kreisel abfahre und durch die westliche Vorstadt meinen heutigen Ausgangspunkt erreiche.
Dreieichring, am südwestlichen Stadtrand Offenbachs zwischen Bahndamm und Dreieichpark gelegen.
Hier hab´ ich Offenbach vor einem halben Jahr schon mal angekratzt, heute ist die Ecke mein Sprungbrett für die Innenstadt.

Als ich mich aufmache, ist der Sonnenuntergang bereits eine Viertelstunde vorbei, die Dämmerung drängt merklich in die Dunkelheit, am Himmel schimmert ein purpurrosanes Abendglühen, die Strassenlaternen brennen.
Ungewohnt, aber irgendwie gefällt mir die Abendstimmung am Rand der nahen, fremden Stadt total gut.
Das wird interessant heute! 🙂

Ich starte Ostwärts, durch den südlichsten Zipfel des freundlich begrünten Dreiechparks, dann am hell erleuchteten Polizeipräsidum Südosthessen vorbei die Geleitstr. hinunter in Richtung Innenstadt.

Offensichtlich eine etwas bessere Wohngegend, links und rechts der Strasse stehen überwiegend repräsentative Bürgerhauser (spätes 19. oder frühes 20. Jahrhundert, würde ich schätzen) mit eigenen Gärten, dazu mindestens eine Kirche, auf beiden Strassenseiten stehen schöne alte Ahornbäume, deren große, welke Blätter unter meinen Schuhen knacken und knistern, während ich stadteinwärts laufe.
Verkehr ist kaum, das läuft sich gut, trotz der etwas funzligen Laternen.

Nach einem knappen halben Kilometer wird´s innerstädtischer: Die Häuser sind nun mehrstöckig und stehen direkt an der Strasse, in ihren Parterres leuchten die Auslagen kleiner Geschäfte und Restaurants, die Fußgängerdichte nimmt ebenfalls zu (das erfordert nun ein bisschen Alte-Damen-mit-Einkaufstüten- und Kinderwagen-Dodging, aber nichts, womit ich nicht fertig werden würde. Nicht umsonst bin ich wendig wie ein eingeöltes Wiesel [mit Hüftschaden. Und balancestörender Mittelohrentzündung. Und 1,2 Promille Blutalkohol.
Aber irgendwie komm´ ich trotzdem durch… :lol:]).

Zwischendurch geht´s über den Schillerplatz, in dessen Mitte ein eingezäuntes Bäumchen steht, dann erreiche ich Kaiserstr. am Rand der Innenstadt. Der folge ich nach links/Norden, weil hier so viele bunte Geschäftsschilder leuchten (die Lichter der Großstadt… 😉 ).
Allerdings nur 150 m. dann geht´s wieder rechts, in die Große Marktstr. und kurz darauf wieder links den Aliceplatz hoch.

Fußgängerzone, das Herz von Offenbach.
Die üblichen Fußgängerzonengeschäfte und Schnellrestaurants, in der Mitte des breiten Platzes steht bereits ein Pulk von Weihnachtsmarktholzbüdchen – man kann ja nie früh genug anfangen…
Viel los ist allerdings nicht, die Buden sind unbeleuchtet, die Geschäfte eher leer, relativ wenige Passanten flanieren durch die Dämmerung (Wirtschaftskrise? Oder vielleicht das nahe Frankfurt, das mit seiner Shoppingmeile Zeil Kunden abzieht? Oder werden hier auch einfach um halb sechs die Bürgersteige hochgeklappt? Keine Ahnung).

Ich laufe den Aliceplatz hoch, der nordwärts direkt in den Stadthof mündet, einen weiteren Platz direkt am Offenbacher Rathaus, einem mindestens mal 15- oder 20-stöckigen Betonkoloss aus den Siebzigern, der mir vor dem samtblauen Abendhimmel aber gar nicht so schlecht gefällt (vielleicht macht mich auch das gute Wetter nachsichtig, wer weiss… 😉 )

Um den Rathauskomplex laufe ich rechts herum, bis an die breite, vielbefahrene Berliner Str., die ich an einer Fußgängerampel überquere und mich halblinks in den dunklen aber freundlichen Büsingpark schlage.

Auch hier geht´s noch ein bisschen nordwärts, auf einem etwas schlammigen Kiesweg durch die Parkwiesen, erst vorbei am hypermodern-glasigen Veranstaltungszentrum einer großen Hotelkette, dann an der geschmackvoll ausgeleuchteten Rückfront des neobarocken und äußerst gefälligen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Büsing-Palais (na schau mal einer an, wer hätte sowas mitten in Offenbach erwartet? 😉 ).

Direkt hinter dem Palais geht´s dann nach rechts, am Nordflügel des Gebäudes entlang, in dem sich Klingspor-Museum für Buch- und Schriftkunst und die Offenbacher Stadtbibliothek befinden, aus deren großen, hohen Fenstern helles, warmes Licht zu mir hinausflutet.

Rechts, am prächtigen Haupteingang des Büsing-Palais vorbei, dann wieder links und durch die verwaiste Kirchgasse und den winzigen D’Orville-Park.
Hier ist es ziemlich finster, und auf einer Parkpank hockt ein Haufen biersaufender Stadtjugendlicher, die mich als Landei in der großen, dunklen Stadt etwas beunruhigen, deswegen spute ich mich ein bisschen und erreiche nach 100 m. die breite Mainstr. auf der anderen Parkseite, die – Nomen est Omen – in Ost-West-Richtung am Mainufer verläuft.

Kurz ostwärts, an der Mainstr. bis zum nahen Isenburger Schloss, dann links über eine Fußgängerampel und unter einer kleinen Brücke durch auf den Mainuferweg direkt neben dem Fluss.

Erste Erkenntnis: Huh, ganz schön finster hier.
Keine Beleuchtung, und auch auch das Restlicht der Stadt reicht nicht so recht hier herunter.
Na gut, dann eben im Dunkeln.

Rechts den Mainuferweg entlang, dem ich nun für über drei Kilometer direkt am Main flussaufwärts folgen will, um den Mainbogen herum bis hinter Bürgel.

Läuft sich eigentlich sehr gut.
Der Weg ist asphaltiert und eben, da braucht´s kein Licht, und die Navigation ist kinderleicht – solange links der Fluss ist, kann eigentlich nichts schiefgehen.
Lediglich auf Radfahrer muss ich ein bisschen achten, eine Kollision in der Dunkelheit steht heute nämlich nicht auf der Agenda.
Aber hier ist so wenig los, da klappt auch das ganz gut.

Nordostwärts, durch die Parkwiesen zwischen Stadt und Wasser in die Finsternis.
Links der Main, ein blauschwarzes Band, das ruhig unter dem samtigem Nachthimmel dahinfliesst, dahinter das andere Ufer am Fechenheimer Mittelfeld, stockdunkel weil´s dort nur Wald und Felder gibt.
Rechts der Widerschein von Offenbach, die Stadt selbst ist von der hohen Flutmauer an der Mainstr. verdeckt, über die nur ein paar Strassenlaternen ragen (die übrigens gewaltig stören, denn ihr Licht ist zwar nicht stark genug, um die Uferpromenade zu erhellen, reicht aber aus, um meine Nachtsicht zu kompromittieren).
Hinter mir, im Westen kann man die Spitzen der Frankfurter Skyline erkennen, leuchtende Wolkenkratzergipfel unter einem immer noch roséfarbenen Abendleuchten, vor mir hingegen schimmern die Häuser des Offenbacher Stadtteils Bürgel über die Flussschleife.
Eigentlich richtig hübsch hier…

Und so gleite ich durch die Dunkelheit am Ufer, angenehm verloren in der samtenen Schwärze neben dem Fluss, in der Zeit und Distanz sich seltsam verformen. Dabei wird´s immer einsamer, bald gibt´s keine Radler, keine Gassigeher, keine Spaziergänger mehr.
Nur noch mich und den ruhigen, dunklen Main.

Nach eineinhalb Kilometern erreiche ich Bürgel, einen kleinstädtisch wirkenden Stadtteil in der Mainschleife. Hier mache ich erstmal einen kurzen Schlenker hoch zu den ersten Häusern über der Hochwasserschutzmauer (damit ich auch sagen kann, dass ich wirklich IN Bürgel gewesen bin), dann geht´s wieder runter, zurück auf den Mainuferweg, der durch die finsteren Parkanlagen auf den Uferwiesen weiter nach Norden führt.
Vorbei am Bürgeler Ortskern (mit einer großen, hübsch beleuchteten Kirche), immer weiter nordwärts, bis die Lichter des Ortes langsam hinter mir zurückbleiben, während vor mir gleichzeitig die Lichter von Frankfurt-Fechenheim auf der anderen Mainseite herüberzuschimmern beginnen.

Hier muss ich so langsam ein bisschen aufpassen – der Mainuferweg wird zunehmend schlechter, mit Rissen, Schlaglöchern und rutschigen Pfützen, während rechts von einem großen Sportgelände grelles Flutlicht herüberstrahlt, das meine Pupillen klein und meine Nachtsicht piefig macht.
Nicht ideal, aber die gute alte Hüftkrankesbesoffeneseingeölteswieselmitmittelohrentzündung-Trittsicherheit hält.
Boo-Yah! 😀

Nach insgesamt über drei Kilometern am Flussufer taucht vor mir der Arthur-von-Weinberg-Steg auf, eine schlanke, sanft geschwungene Fußgängerbrücke über den Main.

Zeit, um ans Frankfurter Ufer zu wechseln: Rechts die zweimal geknickte Brückenrampe hoch, dann unter funzligen Kugellaternen den Brückenbogen hinauf und über die trägen, dunklen Fluten, bis rüber nach Frankfurt-Fechenheim, dessen Lichter still und freundlich über den Fluss leuchten.

Die Brücke deponiert mich an einer hellerleuchteten Strassenbahnhaltestelle. Kurz aufs Plänchen geschaut (zum ersten Mal seit Offenbach, selbst wenn ich gewollt hätte, wär´s auf den letzten Kilometern zu dunkel dafür gewesen), dann links, neben den Schienen den Fechenheimer Leinpfad entlang, einen alten Weg direkt am Flussufer, auf dem früher mal schwere Gespanne Schiffe flussaufwärts getreidelt haben.
Die letzten Kilometer bin ich dem Mainbogen am Offenbacher Ufer flussaufwärts gefolgt, nun geht´s am Frankfurter Ufer in genau die entgegengesetze Richtung zurück.

Der erste halb Kilometer ist relativ hell, da ich an der Tram-Trasse am Rand von Fechenheim entlanglaufe. Aber spätestens hinter dem Friedhof ist Sense mit Licht und Sicht, denn Fechenheim ist nun zuende, rechts des Weges öffnen sich nun dunkle Felder, über die zwar der Abglanz und die Turmspitzen der Frankfurter City herüberleuchten, aber nicht hell genug, um irgendenen Unterschied zu machen.
Und auch die Lichter von Bürgel am anderen Flussufer stören allenfalls ein bisschen (vor allem wieder dieses verdammte Flutlicht von der Sportanlage).

Ergo wird´s hier richtig krass sackdunkel. Ich kann mit Ach und Krach den Pfad erahnen, dazu ein paar große Bäume am Wegrand und den nahen Fluss ein paar Meter links von mir.
Ansonsten – Schwärze.

Einerseits schon ein bisschen schade. Das könnte bei Licht eine ziemlich hübsche Ecke sein, vermute ich (mit schönen, alten Bäumen am Flussufer), und außerdem ist das hier ja das absolute Kernlaufrevier von Christine, das hätte ich mir schon gerne mal ein bisschen genauer angeschaut.

Andererseits hat es aber auch was, so ganz allein mit sich selbst durch die Nacht zu schweben. Schärft so ein bisschen die anderen Sinne.
Ich spüre den Untergrund durch die Schuhsolen, Herbstlaub auf hartem, glatten Boden, wohl kein Asphalt, eher ein sehr festgetretener Erdweg.
Es riecht nach Wasser, Fluss, Herbst, ein bisschen modrig, aber auch aromatisch, immer wieder aufgefrischt durch kräftige Windböen aus Südwest, in denen sich eine leichte Winternote mit dem etwas rußigen Geruch von Industrie und großer Stadt vermischt.
Und es ist relativ still, bis auf das ruhige Plätschern des Mains, das Rascheln des Windes in den fast Kahlen Wipfeln und das monotene aber gar nicht so unangenehme Hintergrundrauschen der beiden nahen Großstädte, das von der Brise über den Main getragen wird.
Dazu quackt hin und wieder mal eine schläfrige Ente am Ufer, oder ein Flugzeug schraubt sich jaulend vom nahen Flughafen in den Nachthimmel, oder eine Hupe oder ein Stimmenfetzen hallt von der Offenbacher Seite herüber.

Das hat was, hier draußen.
Immer wollt´ ich´s nicht machen, aber heute Abend ist es irgendwie angenehm und spannend.

Irgendwann, nach einer kurzen Ewigkeit, oder vielleicht auch nur einem langen Moment, taucht schräg vor mir an der anderen Uferseite die leuchtende Skyline der Offenbacher Innenstadt, nicht so beeindruckend wie die der großen Schwester Frankfurt, aber trotzdem hübsch und hell und leuchtend.

Kurz darauf passiere ich das einzeln stehende Uferrestaurant Schloßblick, direkt gegenüber vom Isenburger Schloss auf der anderen Flusseite, an dem ich vorhin auf den Mainuferweg gelaufen bin.
Hier hat´s ein paar Menschen, Autos, vermeintlich grelles Licht, das irritiert mich alles ein bisschen nach den langen zwei Kilometern, die ich seit Fechenheim durch die Schwärze gelaufen bin.

Geht aber schnell vorbei, nach fünfzig Metern wird der Leinpfad wieder ruhig und dunkel, wenn auch etwas weniger einsam.
Da ist zum Beispiel eine junge Frau, die durch die Dunkelheit spaziert (sie hat eine helle Tasche, sonst hätte ich sie gar nicht gesehen).
Als ich mich ihr von hinten nähere, versuche ich´s erstmal mit ein bisschen Füße schleifen lassen, um auf mich aufmerksam zu machen.
Keine Reaktion.
Na gut, dann: Demonstrativ husten.
Keine Reaktion.
Dann eben ein freundliches „Entschuldigung“.
Auch das bemerkt sie nicht, offensichtlich hat sie sich Ohrhöhrer in die Gehörgänge gestöpselt.
Erst als ich sie überhole, bemerkt sie mich.
Offenbar etwas abrupt, denn sie kreischt erstmal los, in schriller, durchdringender Horrofilmtonlage:
„AAAAAAAAAAAIIIIIIIIIEEEEEEEHH!!!!“
Ich schreie beinahe mit, so laut und unerwartet ist das, jetzt haben wir uns beide fast einen Herzkasper geholt.
Zum Glück holt sie dann nicht ihr CS-Gas oder ein Klappmesser raus, sondern kriegt einen Lachkrampf.
Ich entschuldige mich und suche das Weite.
(Und die Moral von der Geschicht: Wenn man durch die Dunkelheit spaziert, sollte man vielleicht den Ipod auslassen…).

Noch 600 m. auf dem Leinpfad am Main nach Westen, dann führt der Weg ein bisschen vom Ufer weg und unter der Carl-Ulrich-Brücke hindurch, direkt danach wende ich mich dann nach rechts und erklimme eine steile Treppe, die auf die Brücke hinaufführt.
Oben angekommen geht´s neben der Fahrbahn über den Main, zurück nach Offenbach, übrigens schneller als die Blechlawine neben mir, die nur mit Stop’n’Go vorankommt. Das mag ich. 🙂

In Offenbach wird´s erstmal ein bisschen wirr, dank einer großen Baustelle am Nordring (das erklärt auch die stauenden Autos), durch die sich der Fußweg etwas fahrig hindurchwindet.
Danach bin ich wieder auf der Kaiserstr., der ich dieses Mal nach Süden folge. Links zieht noch einmal der Büsingpark vorbei, dann geht´s rechts ab, die Berliner Str. runter, vorbei an Bürohäusern, Einkaufsmärkten, einem Multiplex-Kino.

Insgesamt 750 m. westwärts, schließlich links, die ruhige und nur spärlich beleuchtete August-Hecht-Str. bis zur Frankfurter Str., auf der ich mich rechts wende, die Zentrale des Deutschen Wetterdiensts passiere, und schließlich das Nordende des Dreieichparks erreiche.
Von hier aus ist es dann nur noch ein Katzensprung durch die Parkanlagen nach Südwesten bis zum Ziel.

Sehr interessante Tour.
Einerseits wegen der äußeren Bedingungen – nachts durch eine fremde Stadt und deren Vororte zu laufen, das hat was.
Andererseits aber auch wegen Offenbach selbst, das offensichtlich mehr zu bieten hat, als sein Ruf erst einmal vermuten lassen würde.
Mir zumindest hat´s richtig gut gefallen, trotz (oder vielleicht gerade wegen) dem fehlenden Tageslicht!

Strecke: 12,1 km
Zeit: 1:11 h (= 10,23 km/h bzw. 5:52 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 99,83% (12,08 km von 12,1 km)
Karte:

M.

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18 Antworten to “Nacht über dem Mainufer: Offenbach – Bürgel – Fechenheim (12,1 km)”

  1. Christian Says:

    Guten Morgen Matthias,

    Deine Städtetouren haben etwas, so richtig dahinter gekommen bin ich zwar nicht, da es für mich ein Greuel wäre, durch Möchte-Gern-Großstädte zu laufen, aber irgendwie liest sich der Bericht interessant.
    Auf Radwegen kann ich Dir nur empfehlen eine kleine Stirnlampe,oder auch kleine Handtaschenlampr, zu tragen, die den unmittelbaren Laufbereich vor Dir ausleuchtet, denn meist sind geteerte Radwege in einem erbärmlichen Zustand, so meine Erfahrung.
    Flutlichtanlagen von Sportstätten sind in der Dunkelheit eine echte Qual, das kenn ich zu genüge, da ist man an die Dunkelheit adaptiert und wird ständig geblendet und ist dann wieder im Blindflug unterwegs 😉

    Lass es Dir gut gehen

    Salut

    Christian

    • matbs Says:

      Tsssk. Das ist jetzt aber nicht nett, Offenbach einfach so als „Möchte-Gern-Großstadt“ zu bezeichnen, wo´s doch deutlich über 100 000 Einwohner hat und damit ganz offiziell und ob´s will oder nicht als Großstadt gelten darf. 🙂

      Abgesehen davon kann ich so einen kleinen Ausflug in die urbanen Gefilde der Nation aber nur immer wieder empfehlen, das ist total interessant, spannend und bietet eine deutlich andere Lauferfahrung.
      Muss ja keine Möchte-Gern-Großstadt sein, gerne auch eine richtige.
      Wie wär´s denn z.B. mal mit einer Durchquerung deines lokalen Maultaschenmolochs?
      Einfach mal rüber, durch das Tal mit den schönen Weinbergen, am nächsten Ort hinter dem Begrücken vorbei hoch zum Aussichtsturm auf dem Kernen, dann runter nach Canstatt, über den Fluss, durch den Rosensteinpark, den Park am Killesberg, Feuerbach und das NSG Greutterbach bis nach Korntal, und von da aus dann geradewegs mit der S-Bahn heim.
      Schöner langer Lauf, ich würd´ gerne einen Bericht dazu lesen (aber bitte mit Fotos! 😀 ) und du wärst wahrscheinlich der erste Laufblogger, der die Stadt vollständig durchquert hat.
      Unendlicher Ruhm und vielerlei Entdeckerehren wären dir gewiss, also denk´ mal drüber nach!
      Schließlich wird ja jemand, der sich nicht von Dornen und Schlamm und Hagel abhalten lässt nicht vor so´nem bisschen Innenstadt kuschen, oder? 😉 😀

      Gut gehen lass´ ich es mir übrigens gerade wirklich, dank dem Zwischenhoch hab´ ich mein Minimalwochenpensum bereits in drei schönen Touren abgearbeitet, der Rest ist jetzt Bonus… 🙂

  2. milesmore Says:

    Für Laufstrecken in Gebieten die ich nicht kenne nutze ich meist GPSies.com
    Da gibt stehen jede Menge Laufstrecken zur Verfügung.
    Den Bericht finde ich klasse, prima Morgenlektüre neben dem Kaffee.

    Axel

    • matbs Says:

      Hi Axel,

      jaaaa, aber dann macht man die Strecken ja gar nicht selber!
      Da ist doch mindestens mal der halbe Spaß bei der Sache weg… 😉

      Freut mich, wenn´s dir gefallen hat! 😀

      Gruß

      Matthias

  3. Gerd Says:

    Ich wusste gar nich wie intensiv Du auf Frauen wirkst. 😉
    Das Wetter wird zewar Morgen mitspielen, aber leider meine Hüfte nicht. Ich werde schonend testen ob ich überhaupt je wieder Laufen kann. 😦 (Heul!)

    • matbs Says:

      Wusste ich auch nicht. 😀

      Was die andere Sache angeht – kein Problem, ich bin´s ja inzwischen gewöhnt, von dir versetzt zu werden… 😉

      Viel Erfolg beim Testen (oder alternativ der Anschaffung von einem dieser hochtechnisierten Rennrollstühle für Marathonis… :lol:)

  4. Torsten Says:

    Schöner Lauf, jetzt aber das wichtigste: War die Amateur „Jamie-Lee-Curtis“ wenigstens hübsch?

    • matbs Says:

      Pffffjooaaa, weiss ich nicht so genau.
      War dunkel, und ich hab´ nicht so genau hingeschaut.

      Aber wahrscheinlich nicht so sehr, hatte eher den Eindruck, dass es so ein aufgetakeltes Girlie-Mädel war…

  5. An-Kas Says:

    Mich hat es schon beim Lesen gegruselt.
    Ganz allein in der Dunkelheit auf unbelebten Strecken laufen, käme mir ja nicht in die Tüte, schon erst recht nicht, wo ich mich nicht auskenne. Aber toll, dass du das machst, und uns an deinem Abenteuer teilhaben lässt!
    Viele Grüße, Anke

    • matbs Says:

      Ich hoffe nicht zu schlimm, eine erschreckte Frau pro Lauf reicht mir eigentlich… 😀

      Laufen wo man sich nicht auskennt ist ja der Hauptspaß an der Sache, da muss man eben manchmal auch im Dunkeln raus – und zumindest das Unbelebte ist ja eigentlich gar nicht so gruselig, wenn man drüber nachdenkt – wenn das Bedrohlichste im Umkreis von 500 Metern ein paar verschlafene Enten sind, kann man sich beruhigt auf den unsichtbaren Weg konzentrieren. 😉

      Gruß zurück 🙂

      Matthias

  6. Hannes Says:

    Bitte, gerne. Das gute Wetter hattest du dir inzwischen durch deine Geduld verdient, da gebe ich es gerne mal ab x)

    Dass du dir dann aber extra die dunkle Zeit und die dröge, graue Stadt aussuchen musst – ich fasse es nicht. Glück gehabt, dass es trotzdem richtig gut geworden ist. Sonst hätte ich gemeckert, das kannst du mir glauben. Da überlasse ich dir einmal das gute Wetter und dann … achso, war ja gut gegangen.

  7. Ruben Says:

    Maultaschenmoloch…. wie redest du über die schönste GroßStadt am Neckar?

    Das DU frewillig in urbanen Gegenden laufen gehst schockt mich – bist doch sonst immer der möglichst minimalistische Naturerleber.

    • matbs Says:

      Äh, ummm, tjoaaa, also auf die Gefahr, mich jetzt noch mehr in die Nesseln zu setzen und bei allem Respekt für Stuttgart und seine beträchtlichen Reize, die ich keinesfalls klein reden will – die schönste Großstadt am Neckar ist doch eigentlich eher Heidelberg, oder?
      Mark Twainund Zehntausende fernöstlicher Touristen pro Jahr können sich schließlich nicht irren… 😉

      Minimalismus und die große Stadt schliessen sich übrigens gar nicht so sehr aus, und die etwas reduziertere Natur wird durch eine größere Dichte an Kultur und Sehenswürdigkeiten wieder wett gemacht.
      Von daher sind Städte eigentlich ganz ok, solange man sie nicht ständig erlaufen muss… 🙂

  8. Christine Says:

    Da warst Du ja wirklich an meiner Heimatstrecke! Am Weinberg-Steg, den Du sehr poetisch als „schlanke, sanft geschwungene Fussgängerbrücke“ beschreibst, ist der Treffpunkt des Lauftreffs. Allerdings geht die Strecke dann immer auf die andere, also die Offenbächer Seite. Und dann nach links – nicht nach Rechts Richtung Offenbach. Da hast Du noch was zu erforschen, da isses wirklich grün und schön.
    Den von Dir beschriebenen Dunkelweg laufen wir nur bei Tageslicht. Da ist es den Mädchen nicht sicher genug … http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/index.jsp?rubrik=5710&key=standard_document_32543222

  9. matbs Says:

    Tja, man muss ja auch mal sehen, wo der Rest der Welt so läuft… 😉
    Hübsch habt ihr´s dahinten (glaube ich zumindest, war ja etwas dunkel) – vielleicht ein bisschen flach, aber Abwechslungreich, sehr nett.

    Richtung Rumpenheim will ich auf jeden Fall nochmal, falls ich ich mal wieder in die Gegend komme – da soll´s ja ein Schloss mit Park geben, das möcht´ ich mir schon gerne anschauen.

    Und gut, dass ich die Mordgeschichte vom Leinpfad vorher nicht gekannt habe, da wäre mir´s glaub ich in der Dunkelheit doch etwas mulmig gewesen.


  10. Hi Matthias,

    habe erst deine Beschreibung über die „hübsche, harte Runde“ gelesen. Als Offenbacher bin ich ja beruhigt, dass du nach dem wirklich nicht sehr angenehmen Kaiserlei, noch den schöneren Westen mit dem Dreieichpark etc. entdeckt hast.
    Mit Freude habe ich gelesen, dass du dir mit der „Nacht über dem Mainufer“ noch einen Teil II gegeben hast.
    Natürlich ist Offenbach nicht New York, Berlin oder Frankfurt, aber auch hier gibt es eine Menge zu sehen. Deine Route war schon nicht schlecht, aber ich lade dich mal zu einer noch besseren ein. Schau mal unter http://www.sightjogging-offenbach.de und dann die „Große Stadttour“! Nächstes Jahr, wenn du Lust hast!
    Kannst auch mal beim Stadtteile-Halbmarathon reinklicken, da ist dein Rumpenheimer Schloß!

    Grüße

    Bastian

    P.S.: Die Frankfurter und Offenbacher Läufer sind übrigens nicht die besten Grüßer – ist wohl so ein regionaler Gendefekt!

  11. matbs Says:

    Hi Bastian,

    so, sorry dass es etwas länger mit der Antwort gedauert hat, hab´ deinen Kommentar zuerst irgendwie etwas übersehen…

    Ja, natürlich bin ich nicht am Kaiserlei umgedreht, so leicht abzuschrecken bin ich dann doch nicht, besonders wenn´s ums geheimnisvolle, unbekannte Offenbach geht (das übrigens ganz gut daran tut, nicht New York oder Berlin oder Frankfurt zu sein, das ist nämlich viel spannender so)… 😉

    Ob und wann ich mal wieder nach Offenbach komme, ist leider absolut nicht klar, da muss man einfach mal schauen. Aber wenn sich da was findet – hey, warum nicht, diese Sightjogging-Geschichte klingt auf jeden Fall nicht uninteressant (auch wenn ich ja eigentlich bevorzuge, meine eigenen Routen zu machen und abzulaufen. Aber ein bissken Abwechslung kann ja nie schaden).

    Und das mit dem Grüßen hab´ ich euch Stadtfräcken inzwischen so ein bisschen verziehen, damit muss man wohl leben, wenn man am Main unterwegs ist. 😀

    Gruß zurück aus dem wintrigen Südzipfel des Rhein-Main-Gebietes

    Matthias


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