Bei Kaiserwetter über die Knodener Höhe: Reichenbach – Meerbachtal – Schannenbacher Eck – Eulsbach – Schlierbach (14 km)

19. November 2009

Doppel-Yaaayyy!!!
Der zweite Sonnentag in Folge, und dann auch gleich nochmal eine Ecke hübscher, klarer und wärmer als der gestrige!!!
Wahrscheinlich der schönste Tag, den dieser November aufbieten wird, da muss gelaufen werden!!!

Und zwar nicht wie gestern mitten in der Nacht.
Ohooo nein, heute geht´s über Mittag raus, wenn die Sonne am höchsten steht und alles hell und bunt und freundlich ist, jawollja!!
Und zwar in den Odenwald, der ist an solchen Tagen nämlich wun-der-schön!!!

Eine passende Strecke hab´ ich schon lange parat, ein wunderbar anstrengender kleiner Berglauf vom Meerbachtal aus über die Knodener Höhe ins Schlierbachtal. Wollte ich schon vor Wochen in Angriff nehmen, hab´s aber wegen dem drögen, trüben Trauerwetter immer wieder aufgeschoben (so eine Strecke verschwendet man nicht an hässlichen Herbsttag!).
Und weil ich so richtig Lust hab´, verlängere ich die Route spontan sogar noch ein bisschen und lege den Aufbruchspunkt rüber nach Reichenbach im benachbarten Lautertal – das sind nochmal ein paar Kilometer und ein paar hundert Höhenmeter extra, heute nehm´ ich die liebend gerne mit. 🙂


Start also in Reichenbach, dem kleinen Hauptort des schmalen Lautertals, das tief eingeschnitten zwischen den mächtigen bewaldeten Höhenzügen des Felsbergs und der Knodener Höhe liegt.

Es ist später Vormittag, die Sonne scheint angenehm warm aus einem hellen milchigblauen Himmel herunter, mit herbstlichgelbem Licht auf die grünen Hangwiesen und die weiten Bergwälder über dem Tal, in denen sich noch ein paar Reste herbstlicher Farbenpracht gehalten haben. Es ist herrlich hier oben, die Luft riecht klar und frisch, und ich platze fast vor lauter Vorfreude.
Mannmannmann, das wird ja sooo gut!!! 😀

Und los geht´s!
Ich folge der engen Friedhofstr. (die ist heute mein Startpunkt), die schon etwas erhöht am südlichen Ortsrand über dem Kerndorf liegt, nach Osten.
Das ist schonmal falsch.
Eigentlich will ich ja auf dem Höllbergweg (Marker: Re2) durch steilen Bergwiesen am Hang südlich von Reichenbach bis hinauf zum europäischen Fernwanderweg 1 hinter dem Hahnenbusch.
Und um den zu erreichen, müsste ich vom Start aus eigentlich nach Westen…
Dummerweise hab´ ich Reichenbach ja erst ganz spontan zum Ausgangspunkt der heutigen Tour erkoren, deswegen fängt mein Plänchen erst im nächsten Tal an, und ich laufe hier eben erst mal in die falsche Richtung.

Macht aber nix, es läuft prima, ich fühl´ mich richtig gut, und die Tatsache, dass mein Wegmarker nicht auftaucht, stört mich nicht weiter. Nehm´ ich halt einfach einen anderen Weg rechts hoch in die steilen Hänge.
Zum Beispiel den Plasterweg, der von der Knodener Str. rechts abgeht und aus Reichenbach hinaus in die Wiesen führt.
Der sieht gut aus.

Leicht aufwärts, durch die mittagsonnigen, strahlendgrünen Weiden „Auf der Binn“. Vor mir erhebt sich der beeindruckend hohe und steile Bergmassiv der Knodener Höhe, halbrechts vorne erkenne ich die vorgelagerte bewaldete Kuppe des Hahnenbuschs, zu der ich eigentlich hoch möchte.
Hmm, sieht nicht so aus, als ob ich da gerade hinlaufen würde, und auch der sehr freundliche ältere Herr, der gerade mit seinen zwei Hunden vorbeispaziert, bestätigt mir, dass ich nicht ganz richtig bin.
„Awwer“, meint er, „sie kenne hier oafach waiderlaafe, do owwe kimme se donn in de Woald un da is dann sou e klaa Trambelfäädsche, des fiehrt houch aufn rischtische Woaldwesch, den nämmese noach reschts, dann kimme se doa raus wou se hiiwolle“.
Ja perfekt!
Ich bedanke mich herzlich und mache mich wieder auf.

150 m., dann entdecke rechts unter mir in einer kleinen Taldelle einen querweg, der etwas besser aussieht und auch in Richtung Wald führt.
Sieht gut aus, also wechsle ich mal schnell, direktemang über eine schräge Weide mit offenem Gras runter auf den anderen Weg.
Und dem folge ich dann aufwärts zum Waldrand.

Kurz davor schaue ich mich nochmal um, der Blick über das weite, sonnige, idyllische Lautertal ist herrlich.
Wenn ich den Foto dabei hätte, würde ich hier ein herrliches Panoramabild schießen.
Aber ich hab´ den Foto daheim gelassen, absichtlich, weil ich um kurz nach Eins in Schlierbach sein will, und das zeitlich mit Foto zu eng geworden wäre.
Blöde Entscheidung, der helle, strahlende Tag und das intensive Herbstlich sind eigentlich wie für Bilder gemacht.
Aber jetzt lässt sich´s nicht mehr ändern.
Seufz! 😦

Und rein in den Wald, der inzwischen so licht ist, dass die warme Mittagssone praktisch ungehindert durch die kahlen Wipfel fallen kann und grandiose Schattenmuster auf die schrägen, dichtbelaubten Hänge malt.
Aufwärts, auf einem kaum vorhanden, unmarkierten Trampelfpad der in einem Hohlweg voller Steine und loser Äste mit extrem nickliger Steigung geradewegs nach oben führt.
Aaaanstrengend, aber auf eine richtig gute Art und Weise.

Nach 200 oder 300 m. geht´s rechts, ein quasinichtexistentes Protopfädchen hinauf, auf dem ich kurz darauf einen anständigen Waldweg erreiche. Sogar mit Markierung, ist nämlich der Höllbergweg (Re2) über Reichenbach. Kenn ich, bin ich im August schon mal gelaufen, bei der zweiten Nibelungensteigetappe mit Gerd.
Damals ging´s ostwärts zum Hofgut Hohenstein, ich laufe heute jedoch in die andere Richtung, nach Westen, bis ich die große Wegkreuzung auf dem Bergkamm hinter dem Hahnenbusch erreiche, wo sich Knodener Höhenweg (gelbes Dreieck) und europäischer Fernwanderweg 1 (weißes Andreaskreuz) ein Stelldichein geben.
Damit bin ich dann auch wieder genau da, wo ich sowieso hinwollte.
Kleiner Navigationsfehler vom Anfang: Ausgewetzt!! 😀

Kurz verschnauft und den schönen Panoramablick übers Lautertal hin zum Felsberg genossen (Verdammt, warum hab´ ich bloß den mistigen Foto liegen lassen?!?!), dann links, der weißen Raute des europäischen Fernwanderwegs 1 hinterher, die von hier runter ins Meerbachtal führt.

Der Fernwanderweg 1 ist so ein richtiger fieser Bastard, der sich nicht um Bequemlichkeit oder leichte An- und Abstiege schert.
Stattdessen pflügt er geradewegs durch den Odenwald, hangauf und hangab, manchmal auf bequemen Wegen, oft aber auch querbeet durch die Wildnis, auf schmalen steilen Ziegenpfädchen, die zuweilen selbst einem bedächtigem Wanderer mit gutem Schuhwerk und festem Tritt Einiges abverlangen können.
Also genau die Art von Weg, die ich gerne jogge! 😀

Steil abwärts, mal auf guten Wegen durch den mit Sonnenlicht gefluteten Herbstwald, mal auf steinigen Pfädchen durch verwucherte Dickichte, bis ich schließlich den Fuß des Höhenzugs erreiche und hinaus in die schönen Weiden des hinteren Meerbachtals laufe, wo es außer dem gluckernden Meerbach, weiten hellen Wiesen und glücklichen Kühen praktisch nichts gibt.
Hach, schööön!

Ich durchquere den Meerbach im Talgrund auf der alten Asphaltstrasse und erreich kurz danach den einsamen Naturparkplatz Märkerwald am Waldrand. Hier wollte ich ursprünglich starten, ab jetzt kann ich mich also auch mit Plänchen orientieren, wenn´s nötig sein sollte…

Hier ist dann auch Schluss mit lustig.
Von nun an geht´s aufwärts, aus dem tiefen Meerbachtal (dessen selbst hier hinten an seinem obersten Ende auf unter 200 m. ü.NN liegt) hinauf auf die mächtige Knodener Höhe, deren vorgelagerte Flanken sich wie dunkelbewaldete Wände vor mir erheben.
Das wird ein hartes Stück arbeit, los geht´s!

Erstmal folge ich weiter dem Fernwanderweg 1, über den Parkplatz, dann mit erklecklichem Anstieg in die Hänge hinein.
Wenn man hier aufwärts läuft, bedeutet das vor allem eins: Serpentinen, Serpentinen, Serpentinen.
Schier endlos schlängelt sich der Weg bergauf, Kurve um Kurve um Kurve, erst auf uraltem, rissigen Asphalt (ob hier wohl mal ein Fahrweg war?), dann auf ordentlichen Waldwegen, die eigentlich ganz bequem wären, wenn es nicht so gnadenlos unablässig immer nur bergauf ginge.

In der ersten Kurve schnaufe ich bereits ein bisschen, in der zweiten mehr, in der dritten fliesst mir der Schweiss in die Augen.
Aber ich halte durch. Bin halt doch ein harter Hund, zumindest wenn die Sonne scheint und es schön ist (im trüben bin ich zugegebenermaßen eine weinerliche Heulsuse. Aber das ist heute egal! 😀 )
In der vierten verabschiedet sich der Fernwanderweg 1, er führt hier geradeaus weiter in Richtung Ober-Hambach, auf einer Passage, die so unsagbar grausam ist, dass ich mir beinahe alle Knöchel gebrochen hätte, als ich sie vor fast genau zwei Jahren zum ersten (und einzigen?) Mal gelaufen bin.

Das bleibt mir heute immerhin erspart, ich folge weiter den Serpentinen bergauf, die av hier mit der gelben Zwei des Eichelbergwegs markiert sind.

Fünfte Kurve, der Wald ist inzwischen schattig und kühl, die schräge Mittagsonne reicht nicht bis hierher in den Nordhang hinein.

Sechste Kurve, steil unter mir kann ich die bisherigen Serpentinen erkennen, die sich mit Unschuldsmiene den Hang hinabschlängeln.

Siebte Kurve, der Weg verflacht etwas und führt um einen kleinen Bergvorsprung, eine willkommene Gelegenheit, um etwas durchzuatmen.

Achte Kurve, hier führt die gelbe 2 geradeaus am Hang entlang.
Würde liebend gerne hinterher, aber ich will ja weiter bergauf, also folge ich dem nun unmarkierten Weg scharf nach links.

Hier ist erstmal Schluss mit Serpentinen, stattdessen geht´s in einer lange geschwungenen Kurve an der steilen Bergflanke nach Nordosten.
Wunderschön: Links und rechts des Weges ziehen sich große Gruppen moosiger Findlingsbrocken durch den Wald, dazwischen plätschern immer wieder kleine Bäche und Rinnsaale talwärts, die Wipfel der Kiefern sind in strahlendes Sonnenlicht getaucht, während die unteren Regionen des Waldes in Schatten gehüllt sind.
Und weil Herbst ist gibt dazu herrliche Aussicht, durch die kahlen Baumwipfel hindurch, die im Sommer den Blick versperren würden, über das langgezogene Meerbachtal hinweg bis zur Bergstrasse, zum Auerbacher Schloss und dem Melibokus, die im warmen Mittagslicht erstrahlen, und auf den langgezogenen Felsberg, der sich wie der Rücken eines gewaltigen Tieres hinter dem niedrigeren Höhenzug zwischen Lauter- und Meerbachtal erhebt.
(Wenn ich doch nur den Foto hätte…)

Nach einigen hundert Metern geht´s um die neunte scharfe Kurve, dahinter natürlich weiter aufwärts, inzwischen bin ich allerdings bereits so weit oben, dass die Sonne wieder ihren Weg durch die Wipfel bis zum Boden findet und den Wald in eine etwas verwunschene dunstige Herbstatmosphäre aus warmem, rotgelben Licht und kühlem, blauschwarzen Schatten taucht.
Einmalig.

In den letzten Minuten ist immer mal wieder das Röhren von Kettensägen durch den Wald gehallt, 150 m. nach der neunten Kurve stoße ich dann auch auf seine Verursacher.
Vor mir im Wald steht ein Trupp Waldarbeiter in voller Montur, der Weg selbst ist mit einem der allseits bekannten und beliebten Warnschilder abgesperrt:
„Baumfällarbeiten. Weg gesperrt. LEBENSGEFAHR!“
Ist aber zum Glück halb so wild, einer der Waldarbeiter bemerkt wie ich etwas ratlos vor dem Schild stehe und winkt mich mit einem freundlichen Lächeln durch.
„Alles klar“, meint er als ich vorbeilaufe, „grad is´ frei“.
Anscheinend haben auch die Waldarbeiter heute gute Laune.
Wunderbar.

Noch einen halben Kilometer folge ich dem Weg weiter bergauf, um ein großes Tal herum, dann stoße ich auf eine Kreuzung unterhalb des Heiligenbergs, an der ich im Sommer schon mal vorbeigekommen bin.
Hier geht´s links, um die Zehnte und letzte Serpentine, dann noch ein Stück bergauf und schließlich etwas unterhalb einer kleinen Waldhütte nach links auf den Hochmoorweg in Richtung Schannenbach, der mit der gelben Zwei markiert ist.

Heidenei, ist der mies (auf eine coole, abenteuerliche Art und Weise)!
Holprig, schlammig, mit riesigen Pfützen und umgeben von hohen, dicht wachsenden Waldbodenpflanzen geht´s ostwärts, hin und wieder muss auch mal vorsichtig über einen kleinen Bachlauf balancieren oder eine meterlange Matschsuhle überwinden.
Heute macht das richtig Spaß!
(Und außerdem ist der Weg eben bzw. geht sogar ein bisschen bergab, das ist nach dem ewig langen Aufstieg aus dem Meerbachtal höchst willkommen).

Ich folge dem Hochmoorweg für 600 oder 700 m. durch den wucherigen Wald, bis sich rechts so eine …Art Weg auftut, der steil den Hang hinaufführt. Weiter oben verläuft der Wanderweg HW22 auf den ich eigentlich will, also versuche ich hier einfach mal mein Glück.

Der „Weg“ hat diese Bezeichnung nicht verdient. Eigentlich ist es nur eine aufgewühlte Rinne, wo vor ein paar Jahreszeiten wohl mal ein Forstarbeitspanzer durch den Hang gepflügt ist – die Steigung ist beträchtlich, der Untergrund ruschig und matschweich, aber zugleich voller gerölliger Steine und stolperiger Äste, die vom dichten Herbstlaub versteckt werden. Dazu gibt´s dann noch einen dichten Bewuchs aus Dornen und Nesseln (von denen mir eine sehr schmerzhaft die Hand verätzt, als ich aus Versehen reingreife. Nur gut, dass die Sonne scheint, sonst müsste ich jetzt flennen… 😀 ).
Joggen ist hier nicht, aber immerhin schlidderndes Stapfen, und am oberen Ende erwartet mich tatsächlich die weiße Raute des OWK-Wanderwegs HW22.
Geht doch!

Dem HW22 folge ich nun nach links.
Noch ein Stück auf verworrenen Pfaden durch den Wald, dann öffnet sich vor mir plötzlich eine weite, idyllische Wiese, in die der HW22 mitten hineinführt – ich bin am Schannenbacher Hochmoor (dem einzigen Hochmoor im gesamten Odenwald) angekommen, und damit auch fast am Ende des langen Aufstiegs!

Geradeaus durch die Wiese, die sich – wie es sich für eine Moorwiese gehört – mit leisen Quatschgeräuschen auf meine Schritte reagiert und sich dabei ein bisschen wie ein fester, vollgesogener Schwamm anfühlt.
Richtig angenehm, vor allem in der prallen, glorreichen Sonne, die aus dem nunmehr azurblauen Himmel herunterscheint (hier oben auf 500 m.ü.NN ist es deutlich klarer als im Tal) und die Wiese und die umgebenden Wälder in hellem Herbstlicht erstrahlen lässt.

Nach 250 m. eine sanfte Kurve um ein knorriges Wäldchen herum, dahinter tauchen dann auch schon die obersten Häuser vom Schannenbach am Ende der Krehbergstr. auf, die wie auf einer Perlenkette am Waldrand über den Wiesen aufgereiht sind und von der rotweißen Nadel des Funkturms auf dem bewaldeten Krehberggipfel überragt werden.

Hier geht´s dann noch einmal rechts, ein paar letzte Höhenmeter aufwärts durch die Wiese (der Weg selbst ist eine unlaufbare schlammige Ruine, doch die Grasnarbe daneben ist trittsicher und wunderbar weich) bis zum Asphaltweg von Schannenbach nach Ober-Hambach, dem ich nach links bis zum Schannenbacher Eck folge, einer Wegkreuzung zwischen Wald und Wiesen auf dem Höhenrücken hinter Schannenbach.

Ge-schafft! Puuh!
Höchster Punkt der heutigen Tour auf 540 m.ü.NN, da gönne ich mir doch mal eine kurze und ein bisschen stolze Verschnaufpause:
Auf den letzten neun Kilometern habe ich mindestens 500 Höhenmeter geschrubbt, und eigentlich fühle ich mich noch topfit und tatendurstig.
So wie´s sein soll eben. Kaiserwetter sei dank! 🙂

Allzulange kann ich allerdings nicht im warmen Sonnenschein der Knodener Höhe und dem Glanz meiner Berglaufleistung sonnen, denn schließlich will ich um kurz nach Eins unten im Schlierbachtal sein, und das ist noch ein ganzes Stück, auch wenn´s von jetzt an fast nur noch bergab geht.
Weiter geht´s!

Von Schannenbacher Eck aus folge ich vorerst weiter der weißen Raute des HW22, die durch den Wald abwärts in Richtung Seidenbuch führt. Auch hier hat´s wieder wunderbares Herbstlicht mit einem Mix aus einzelnen Sonnenstrahlen und tiefen Schatten, dazu mehr moosige Findlinge und Felsformationen und einmal mehr das idyllische Röhren mehrerer Kettensägen.
Oh halt, mein Fehler, das Röhren ist gar nicht so idyllisch, hab´s mit dem Zwitschern der Vögel verwechselt… 😉

Hinter der nächsten Kurve stehen sie dann auch schon – ein schwerer Forstkran, ein Pulk Waldarbeiter, und ein weiteres „Forstarbeiten, Gesperrt, LEBENSGEFAHR !“-Schild.
Und dieses Mal winkt mich niemand durch, wahrscheinlich sind sie alle zu sehr mit der riesigen hundertjährigen Buche beschäftigt, die sie gerade umgesägt haben und die nun mit einem Ohrenbetäubenden Krachen und dem Knacken splitternder Äste auf den Weg gestürzt ist.

Hmm, da will ich jetzt wirklich nicht durch…
Aber Umkehren ist auch doof, deshalb entscheide ich mich dafür, die Baumfällarbeiten zu umgehen, indem vom Weg auf den Hang nebendran ausweiche und zwischen Felsen und Baumstämmen durch die Pampa laviere, bis der Forstarbeits-Ground-Zero hinter mir liegt und der Weg wieder frei ist.
Dauert etwas, und Joggen kann man auch nicht auf dem wilden Waldboden, aber es klappt, und ein paar Minuten später kann ich meinen Weg auf dem HW22 fortsetzen.

Weiter ostwärts, weiter abwärts durch den schönen Wald an der Krehbergflanke, bis ich den Asphaltweg vor Seidenbuch erreiche und runter auf die offene Bergwiese „Auf dem Eck“ laufe.

„Auf dem Eck“ ist einer meiner Lieblingsorte im gesamten Odenwald.
Eine große, weite, herrliche Bergwiese, die wie auf einer Stufe oder Terasse auf 450 m. ü.NN unter der Südflanke des Krehbergs sitzt, und von der aus man einen überwältigenden 270°-Panoramablick, der von Lindenfels im Osten über praktisch das gesamte Weschnitztal und die dahinterliegende Tromm im Süden bis zur Bergstrasse, der Rheinebene und dem Pfälzerwald im Westen hat (das sieht heute ganz besonders irre aus, denn die gesamte Vorderpfalz ist in Nebel gehüllt, so dass nur die Gipfel der 50 Kilometer entfernen Haardt wie ein fernes Atoll aus dem Dunst ragen) .
Wunder-, wunderschön (Ich Depp, warum liegt bloß der Foto daheim…).

Auch hier verweile ich nicht so lange, wie ich gerne würde, die Zeit drängt so langsam ein bisschen. Geradeaus zum einsamen Wegweiser mitten in der Wiese, dort geradeaus dem blauen Balken des HW13 hinterher in Richtung des nahen Bergtierparks (den habe ich ja vor gut zwei Monaten besucht. Muss ich jetzt gerade wieder dran drenken, weil ich gerade vor ein paar Tagen gelesen habe, dass der freundliche Zebresel, dem ich damals die Schnauze gestreichelt habe, Anfang November gestorben ist. 😦 ).

Es geht wieder in den Wald, der HW13 knickt nach rechts ab, ich laufe hingegen geradeaus weiter, der Markierung S1 des Eichelswegs hinterher.
Ist eigentlich gar kein Weg, sondern ein weiterer extrem holpriger Mini-Pfad, den man vor lauter welkem Herbstlaub kaum erkennen kann.
Steil, rutschig und stolprig geht´s erst ein paar hundert Meter einen langen Hohlweg runter, dann am Rand einer Hangwiese entlang, über die Hinweg sich eine tolle Aussicht übers das Schlierbachtal bis hinauf nach Lindenfels bietet, das im warmen Sicht der Mittagssone hoch über dem Tal herüberleuchtet (Foto? Wo bist du?!!).

Insgesamt geht´s nach dem unteren Waldrand noch über einen Kilometer bergab, bevor ich schließlich das Dörfchen Eulsbach am Rand des Schlierbachtals erreiche.

Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung rüber zum Ziel in Schlierbach. Den eigentlichen Fußweg, das hübsche Gerichtspfädchen durch die Weiden, hab´ ich ja schon vor einem Monat abgelaufen (damals mit Foto, obwohl das Wetter viel schlechter war. Grrr!), deswegen will ich´s heute mal mit einer unerlaufenen Alternativstrecke probieren und dem Verlauf der L3098 im Talgrund folgen.

Eigentlich rechne ich ja mit einem unbequemen Endspurt auf der Fahrbahn, tatsächlich gibt´s aber einen gut laufbaren Kiespfad neben der Strasse, dem ich folgen kann, ohne Befürchten zu müssen, von einem überschnellen Ureinwohner mit einem SUV erlegt zu werden.
Prima!

Vielleicht ein halber Kilometer, dann erreiche ich den südlichen Ortseingang des pittoresken Dorfes Schlierbach, laufe noch ein Stück an der Fürther Str. in den Ort hinein, biege dann links in den den alten Dorfkern mit den vielen schönen Fachwerkhäusern ab (vgl. hier, Fotos #58-#62) und erreiche schließlich
gegen 13:20 das Ziel der heutigen Tour, nämlich das gemütliche
Gasthaus Zur Krone, wo´s zur Belohnung eine kalte Cola und ein leckeres Kochkässchnitzel gibt!

Hachja.
Die mit Abstand beste Tour, die ich diesen Monat gemacht habe, mit herrlichem Wetter, wunderschöner Landschaft und ganz viel Spaß.
Hat unendlich gut getan, sich die unlustig-trüben letzten Wochen vom Gemüt zu laufen und endlich mal wieder so richtig schön drauflos zu genießen.
Nur die Sache mit dem Foto, die stört mich immer noch, denn die Bilder, die ich heute hätte machen können, wären zweifellos phänomenal geworden.
Aber hey, wie sagt der Anglophone doch richtigerweise: It´s no use crying over spilled milk…

Strecke: 14 km
Zeit: Genug.
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 76,5% (10,71 km von 14 km)
Karte:

M.

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7 Antworten to “Bei Kaiserwetter über die Knodener Höhe: Reichenbach – Meerbachtal – Schannenbacher Eck – Eulsbach – Schlierbach (14 km)”

  1. Kümmel Says:

    Die Erfahrung mit dem fehlenden Foto sollte ja eigentlich jeder von uns schonmal gemacht haben. Aber du solltest doch darin eigentlich schon viel mehr Erfahrung haben. Mitnehmen und nicht benutzen kannst du immer noch, andersrum ist es deutlich schwieriger.

    Aber eins muss ich sagen: Die Abstecher ins Weschnitztal scheinen dir immer wieder zu gefallen 😉

    • matbs Says:

      Ich hab´ ihn ja absichtlich daheimgelassen, wegen der Zeit…

      Und ja, Abstecher ins Weschnitztal sind immer wieder schön.
      So ganz allgemein gesprochen, schließlich hab´ ich ja bei dieser Tour keinen gemacht… 😉

      • Kümmel Says:

        Es ist ja schon länger unbestritten, dass wir mit dem selben Wort („Weschnitztal“) nicht das selbe meinen.

        Mein „Weschnitztal“:
        Sämtliche Flächen, die ihr Regenwasser in Richtung Weschnitz am Weinheimer Talausgang abgeben (oder von ihnen eingeschlossen werden; nur um mal vorsorglich auch jeden Gartenteich etc einzuschließen).
        Anders ausgedrückt das gesamte „Weschnitzsystem“ oberhalb von Weinheim. Eingeschlossen z.B. Lindenfels und Breitenwiesen.

        Dein Weschnitztal:
        Nur der Haupt-/Mittelteil des Weschnitzsystems entlang der Hauptorte Birkenau, Mörlenbach, Rimbach und Fürth bis hoch zur Quelle nach Hammelbach mit nicht näher bestimmten/-baren Grenzen zu den Seitentälern.
        Nicht eingeschlossen: z.B. Norteil von Ellenbach, Schlierbach, Lindenfels, ..

        Und demnach hast du hier eine Tour außerhalb „deines“ Weschnitztals gemacht, aber ab dem Schannenbacher Eck warst du in „meinem“ Weschnitztal. Schon erstaunlich 😉

        Du kannst „deine“ Definition natürlich gerne mal selbst definieren oder auch in GE einen Grenzpfad oder auch nur Grenzpunkte zeichnen.

        Und natürlich bist du im Weschnitztal immer herzlich willkommen, egal ob nun in deinem Weschnitztal oder auch nur den Bereichen, die sich außerhalb deines aber innerhalb meines Weschnitztals befinden.

        • matbs Says:

          Also bitte, was heisst denn hier „nicht näher bestimmten/-baren Grenzen“?

          Die sind doch ganz genau bestimmbar: Das Schlierbachtal hört beispielsweise da auf, wo´s bei Ellenbach ein bisschen hoch geht. Oder nehmen wir das Pfalzbachtal, das ist genau dort zu Ende, wo der Pfalzbach durch das enge, schluchtartige Stück vor dem oberen Orsteingang von Mittershausen fliesst.

          Alles gaaanz klar und eindeutig, so wie sich´s gehört… 😉

          Wobei diese verschiedenen Weschnitztäler schon irgendwie verwirrend sind. Vielleicht sollten wir mal irgendwas machen, um die Deutungshoheit in dieser Sache eindeutig festzustellen. – Armdrücken, oder Mensch Ärgere Dich Nicht Spielen, oder vielleicht ein Wettlauf auf die Tromm, oder sowas… 😀

  2. Hannes Says:

    Hach ja, wie schön wären Bilder gewesen. So behältst du die traumhafte Tour eben für dich. Ts!

    Immerhin beschreibst du sie uns wie immer schön – danke dafür, auch wenn es die Bilder natürlich nicht ersetzt 😉

  3. matbs Says:

    Sorry.
    Aber ein paar Bilder aus der Ecke hast du ja immerhin schon mal gesehen, z.B. hier, hier und hier.


  4. […] kleinen Wäldchen vorbei abwärts in die Wiesen über dem Schannenbacher Moor. Hier bin ich ja erst vor ein paar Wochen in entgegengesetzter Richtung hochgeschnauft, heute fliege ich den schmalen, schlammigen Trampelfpad durch die Wiesen hinunter (schnaufen tu´ […]


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