Das „andere“ Jugenheim: Stadecken-Elsheim – Jugenheim in Rheinhessen – Partenheim mit Foto (15 km)

17. Dezember 2009

Heute mittag: Mainz.
Ein letztes Mal an die Uni, um die endlich fertig gewordene Urkunde für meinen Abschluss in Empfang zu nehmen.

Also noch einmal auf der vertrauten Autobahnstrecke über die Weisenau-Brücke, noch einmal auf der vertrauten Essenheimer Str. an Bretzenheim vorbei, noch einmal zu Fuß über den vertrauten Campus, der an so vielen Ecken allerdings schon ein bisschen anders aussieht, als ich ihn in Erinnerung habe und voll mit milchgesichtigen Kiddies ist, die wohl sowas wie Studenten sein sollen (pfft, das sind ja noch halbe Kinder. Also zu meiner Zeit war das alles gaanz anders…:D), zum Endpunkt meiner akademischen Karriere.

Der findet ohne großes Tamtam statt, keine hochgeworfenen viereckigen Hüte, keine Marschkapelle, keine gerührt flennenden Verwandten auf Klappstühlen.
Gut so.
Stattdessen einfach ins Dekanat meines Fachbe… meines EHEMALIGEN Fachbereichs, wo mir die freundlichste, hilfsbereiteste, großartigste Sekretärin, die ich in meiner langen Unizeit kennengelernt habe, meine Urkunde und das ganze drumrum überreicht.
Wir freuen uns beide ein bisschen, dann verabschiede ich mich.

Ein letzter Blick zurück aufs gute, alte SBII…

…ein kleiner Schlenker am ReWi vorbei, um auch noch einen kurzen Blick aufs Philosophicum zu werfen…

…dann verlasse ich meine Alma Mater, wahrscheinlich für immer, durch genau denselben Haupteingang, auf dem ich sie vor gefühlt mindestens einem halben Leben zum allerersten Mal betreten habe:

Mit einem ordentlichen akademischen Grad in der Tasche (hart erarbeitet und mit exzellenter Abschlussnote), stolz geschwellter Brust, und vielleicht auch einem kleinen wehmütig-sentimentalen Klos im Hals, lasse ich die Uni hinter mir und laufe raus in meine Zukunft (und zum wartenden Auto :D).
Vor mir, am Ende der Strasse, erhebt sich das Funkhaus des SWR.

Vielleicht ja ein gutes Omen… 😉

.
.
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Und dann wird gelaufen.

Vor fast auf den Tag genau vor einem halben Jahr, als ich noch etwas öfter in Mainz war, hab´ ich mir vorgenommen, das „andere“ Jugenheim zu entdecken, also die kleine Gemeinde in den Hügeln südwestlich von Mainz, die genauso heisst wie mein Heimatort.
Wollte nämlich schon lange mal sehen, wie´s dort so aussieht…

Angefangen hab´ ich damit dann auch schon gleich um Juni, mit zwei Touren von Mainz nach Nieder-Olm und kurz darauf von Nieder-Olm weiter bis Stadecken-Elsheim.

Dann war aber erstmal Schluss.
Bis heute.
Quasi die letzte Chance, Jugenheim zu erlaufen „wenn man eh schon mal in der Gegend ist“ (denn wer weiss, ob und wann ich das nächste Mal in die Ecke um Mainz komme) – die gilt´s natürlich zu nutzen!

Also: Kurz die A63 runter, an Nieder-Olm vorbei ins kleine Örtchen Stadecken-Elsheim, das bisher den Jugenheim-nächsten Punkt meines Streckennetzes markiert hat.
Genauer gesagt in die Poststr. am Rand des mittelalterlichen Ortskerns von Stadecken, die ich zu meinem heutigen Startpunkt auserkoren habe.

Fühlt sich etwas seltsam an, als zwischen den engen, alten Häusern aus dem Auto steige – als ich das letzte Mal hier durchgekommen, war´s ein bullenwarmer Sommertag, an dem ich vor Durst und Hitze beinahe eingegangen wäre. Heute hingegen hat´s -4° Celsius, in bin ziemlich dick eingemummelt und friere trotzdem ein bisschen.

Aber immerhin ist es sonnig und schön, auf eine blasse, wintrige Art und Weise, und die Kälte werd´ ich mir schon noch aus den Knochen rennen.
Na denn: Los!

Kurz die Poststr. hoch bis zur nächsten Abzweigung unterhalb des kleinen Dorfplatzes zwischen Burg (von der man nicht mehr viel sieht, weil sie im Dorf aufgegangen ist) und Kirche…

Bild #1: „Am Kirchenthing“, Stadecken

…wo ich links in eine schmale Gasse zwischen hohen, alten Hauswänden einbiege…

Bild #2

…an deren Ende ich mich dann nach rechts Wende und den Ortsringweg entlanglaufe, der – Nomen est Omen – zwischen den letzten Häusern von Stadecken und einem schmalen Streifen mit Kleingärten und Wiesen (hinter dem bereits die Häuser von Elsheim aufragen) nach Norden führt:

Bild #3: Ortsringweg

200 m. Ortsringweg, dann geht´s nach links, zwischen den Gärten hindurch und auf einer kleinen Brücke über den Saubach…

Bild #4: Saubach zwischen Stadecken und Elsheim

…hinter dem direkt die ersten Häuser von Elsheim stehen (nicht umsonst heisst es „Stadecken-Elsheim“, die beiden Dörfer sind quasi zusammengewachsen).

In Elsheim geht´s erstmal durch ein ruhiges Neubaugebiet, die Talstr. entlang bis zur Rupt-sur-Mosell-Str., auf der dann nach rechts über die Selz, der ich damit schon zum zweiten Mal in dieser Woche begegne – erst letzten Samstag bin ich ja unten in Alzey schon mal auf sie gestoßen, hier oben, fast mehr als 30 km flussabwärts ist sie allerdings schon deutlich breiter.

Nach der Selz aufwärts in die Spielbergstr., auf der runter in den Ortskern von Elsheim (dabei muss ich ein bisschen zwischen diversen Schulkindern durchlavieren, die gerade auf dem Heimweg sind), dann einem Radwegschild folgend durch die Gasse „Im Weinklauer“ zur Raiffeisenstr. am Ortsrand…

Bild #5: An der Raiffeisenstr. in Elsheim

…und auf der und der darauf folgenden Mühlstr. schließlich zum westlichen Ende von Elsheim, wo der Radweg an der hübschen Ruine des Elftausend-Mägde-Turms vorbei aus dem Ort hinaus nach Süden abknickt:

Bild #6: Elftausend-Mägde-Turm

Das gehört natürlich genauer inspiziert…

Bild #7: Elftausend-Mägde-Turm von Nahem.
Der ungewöhnliche Name geht auf eine Legende zurück, derzufolge die heilige Ursula von Köln hier mal auf einer Pilgerfahrt mit einem Gefolge von 11 000 Jungfrauen durchgekommen sein soll (sehr nett der letzte Satz der Infotafel: „In der Hoffnung, dass nochmals 11 000 Jungfrauen den gleichen Weg beschreiten, übernahmen die Elsheimer Schnorressänger 2006 die Patenschaft“. Das treibt mir unwillkürlich ein Schmunzeln ins Gesicht – viel Erfolg, Elsheimer Schnorressänger! :D)


Bild #8: Und nochmal. Hier kann man gut die ursprüngliche Funktion des Gebäudes erahnen, das einstmals als Zollstation am Handelsweg zwischen Mainz und Bad Kreuznach gedient hat.

Direkt hinter der Ruine geht´s dann ein weiteres Mal über die ruhig dahinfließende Selz…
Bild #9: Die Selz am Elftausen-Mägde-Turm

…und hinaus in den breiten, offenen Grund des Selztals.
Typisch rheinhessische Landschaft: Ein weites, leicht gehügeltes Tal mit Äckern und Wiesen, eingerahmt von massigen, sanft geschwungenen Hügeln, an deren Hängen sich kleine Ortschaften und eschier ndlose Weinberge hinaufziehen, bis hinauf zu den langen Höhenrücken, auf denen immer noch ein bisschen hell strahlender Schnee im Sonnenschein schimmert, über dem sich immer mal wieder ein Windrad, ein Funkmast oder ein kleines Türmchen gegen den weisslichblauen Himmel abzeichnet.
Dazu eine diesige Eisdunstatmosphäre, die über den Tälern und Hügeln hängt und im Mittagslicht einen leicht goldenen Schimmer verbreitet.
Das gefällt mir hier…

Ich folge einem vereisten Asphaltweg durch den Talgrund, vorbei am mit Schilf und Kopfweiden bewachsenen…

Bild #10: „Im Mayen“

…Naturschutzgebiet „Im Mayen“, hinter dem sich bereits der hohe Hügelrücken des Bleichkopfes vor Jugenheim abzeichnet, den ich gleich übequeren möchte:

Bild #11: Vorne das NSG „Im Mayen“, dahinter der Bleichkopf mit Sendemast, der in Natura wieder mal irgendwie steiler aussieht als auf dem Foto… 😉

Richtig schön hier draußen mit der Wintersonne und dem schönen Blick ins weite Selztal…

Bild #12: Panoramablick zurück, am NSG vorbei nach Stadecken-Elsheim


Bild #13: Blick nach halbrechts das Selztal runter.
Der Ort am Hang ist wahrscheinlich Schwabenheim an der Selz

…auch wenn mir die scheppernde (ganz klirrend ist sie zum Glück noch nicht…) Kälte die Ohren so langsam zu schmerzenden Eisklumpen gefriert:

Bild #14: Matthias MA – das erste ganzhochoffizielle Foto! :D!

Die Strecke schlägt einen kleinen Bogen um das NSG, geht etwas durch die Äcker, und biegt dann schließlich links auf den Mainzer Weg ab (zumindest nennt Google Earth ihn so), der erst die etwas schilfige Delle eines flachen Seitentals durchquert…

Bild #15: Am Mainzer Weg

…und dann mit ordentlicher Steigung hinauf in die Weinberge am Nordosthang des Bleichkopfes führt:

Bild #16: In den Weinbergen, auf der anderen Seite des Selztals erkennt man wieder Schwabenheim a.d. Selz

Huijuijui.
Die paar Steigungsgrade heizen gut ein, aber sie beschleunigen naturgemäß auch die Atmung, so dass man mit jedem Atemzug einen großen Happen harscher, schneidender Frostluft in die Lungen saugt, die so kalt ist, dass es fast schon ein bisschen weh tut.
Brrr…

Aber dafür wird natürlich auch der Ausblick über das weite, freundliche Selztal, je höher man kommt. Das entschädigt für die eisigen Ohren und die rissigen Lippen:

Bild #17: Blick von der Flanke des Bleichkopfes übers Selztal:
Ganz links wieder Schwabenheim, dann der lange Höhenzug am nördlichen Talrand, hinter dem man in der Bildmitte die Spitze des Fernsehrturms bei Ober-Olm erkennt. Rechts darunter Elsheim, davor der helle Mainzer Weg, den ich gerade entlanggekommen bin.
Rechts davon (da wo der Kirchturm aufragt) liegt dann Stadecken, dahinter kann man dann am Hang Nieder-Olm und darüber die Windräder auf der verschneiten Anhöhe vor Ebersheim erkennen

Knapp einen halben Kilometer aufwärts durch die Weinberge, dann biege ich erst links und kurz darauf rechts ab, auf einen holprigen, richtig steilen, hartgefrorenen Weinbergsweg, auf dem´s geradewegs hinauf auf den langen, flachen Rücken des Bleichkopfs geht:

Bild #18: Uffa!

Oben gibt´s keine Weinberge mehr, stattdessen ziehen sich weite, von firnigem Schneepuder bedeckte Äcker über den kahlen Hügelrücken, dessen Rand hier mit struppig-undurchdringlichem Buschland bewachsen ist.
Oh, und die Aussicht ist natürlich noch viel besser als eben auf halber Höhe :):

Bild #19: Im Prinzip nochmal dasselbe Panorama wie auf Bild #18, aber von deutlich höher.
Links hinter Schwabenheim sind nun auch noch Groß-Winternheim und – ganz schemenhaft im Dunst dahinter – die Höhenzüg des westlichen Taunus auf der anderen Rheinseite sichtbar. Über Stadecken-Elsheim erkennt man nun nicht nur den Fernsehtrum besser, sondern kann auch Teile von Essenheim auf der Anhöhe erkennen.
Und auch Nieder-Olm, ganz rechts, sieht man von hier oben wesentlich besser…

Ich folge dem tramplig-gefrorenen Feldrainweg am Rand des Plateaus nach Osten, in Richtung des einsam in den eisigen Himmel aufragenden Sendemasts…

Bild #20: Sendemast auf dem Bleichkopf, links darunter die Spitze des Friedenskreuzes

Nach vielleicht 250 m. öffnet sich der Buschwald am Plateaurand zu einem steil abfallenden Wiesenabhang, der laut einem danebenstehenden Schild als Startplatz für einen Mainzer Modellverein dient.
Mehr Aussicht, noch ein Pano, weíl´s so schön hübsch und weit und Rheinhessisch ist:

Bild #21: Blick über das Modelfluggelände des „Ikarus Mainz“ am Rand des Bleichkopfes nach Nordosten, wieder mal über Stadecken-Elsheim hinweg in Richtung Nieder-Olm.
Sehr schön!

Direkt danach ein treffen mit zwei freundlichen Landarbeitern (oder so?), dich ich zur Sicherheit mal kurz nach dem Weg frage.
Ja, da vorne hinterm Hügel liegt Jugenheim, da wäre ich ganz richtig, sagen sie.
Sehr schön, dann passt ja alles! 🙂

Inzwischen bin ich am östlichen Rand des Plateaus angekommen, und damit über der Taldelle, in der Jugenheim liegen müsste.
Erkennen kann´s man´s allerdings noch nicht so richtig, einerseits weil´s noch ein Stück weiter südlich liegt, andererseits weil das ganze Tal in diesigen Eisnebel gehüllt ist.
Dafür gibt´s aber andere Dinge zu sehen, zum Beispiel das meterhohe Friedenskreuz, das sich am Plateaurand kurz vor dem Sendeturm über die rheinhessische Weite erhebt…

Bild #22: Friedenskreuz am Bleichkopf über Jugenheim

…oder auch den Funkmast selbst, der das Kreuz nochmal um ein Mehrfaches überragt und sich wie eine spitze Nadel in den hohen, blauen Himmel bohrt:

Bild #23: Sendemast

Dann geht´s südwestwärts, weiterhin am Plateaurand entlang, während sich rechts unter mir langsam aber sicher die ersten Häuser von Jugenheim ins Blickfeld schieben:

Bild #24: Ein über erster Blick über die Weinlage Goldberg aufs eisdunstige Jugenheim

800 m. auf dem bequemen, ebenen Weg, bis zur nächsten Überraschung: Die haben hier ein Aussichtstürmchen, direkt auf dem Berg über dem Ort. Wie cool!!!! 🙂

Bild #25: Der „weisse Turm“

Da muss ich natürlich hoch.
Ist ein klein wenig abenteuerlicher als bei den meisten anderen Aussichtstürmen, denn statt einer bequemen Treppe führt hier eine enge, eisige Metallleiter zu Aussichtsplattform hinauf.

Bild #26: Wer schauen will muss klettern!

Aber es lohnt sich!
Vom Türmchen aus gibt´s nicht nur eine schöne Aussicht auf die leicht angeschneiten Rebenreihen am Berg…

Bild #27: Wahrscheinlich immer noch „Jugenheimer Goldberg“

…und in die umliegenden weiten Täler…

Bild #28: Blick ostwärts, zurück nach Stadecken-Elsheim und weiter bis Nieder-Olm.
Und natürlich auf den Weg, den ich gerade vom Sendemast gekommen bin – immerhin 800 m., auch wenn´s irgendwie gar nicht so weit aussieht

…sondern auch und vor allem auf dieses geheimnisvolle andere Jugenheim, das sich auf äußerst hübsche Art und Weise in die eisnebelige Talmulde zwischen Weinhängen schmiegt:

Bild #29: Jugenheim in Rheinhessen, dahinter und schon etwas höher an der gegenüberliegenden Talseite Partenheim (das lernen wir heute auch noch kennen)


Bild #30: Und noch mal en Détail: Jugenheimer Ortsmitte samt Kirche

Noch schnell ein „Ich-war-auch-wirklich-hier-Beweisfoto“…

Bild #31: Notizen an mich selbst:
1) Beim nächsten Mal zur Sicherheit den Blitz abschalten, das gibt so eine unnatürlich pinkige Gesichtsfarbe, wenn der losgeht
2) Beie Selbstportraits NICHT MEHR SO VIEL GRINSEN, da seh´ ich aus unerfindlichen Gründen immer viel pausbäckiger und fetter aus, als ich Wirklichkeit bin (zumindest hoffe ich das… 😀 )

…dann steige ich wieder ab, bevor ich hier oben vollends vereiszapfe, und mache ich man den Abstieg, am Türmchen vorbei…

Bild #32: Nochmal der weisse Turm, dieses Mal mit ohne Gegenlicht.
Die Inschrift der kleinen Holztafel über dem Fensterchen lautet:
„So stehe ich auf Goldbergshöhen
Wanderer, von meinen Zinnen
kannst du unser schönes Dorf besehen
Kehr dort ein
bei einem guten Glase Jugenheimer Wein“
Vielleicht nicht ganz auf Goethe oder Schiller, aber nett… 😉

…auf einem geschwungenen Betonweg…

Bild #33: Durch den Goldberg

…mit bequemem Gefälle abwärts…

Bild #34: Jugenheim rückt näher

…bis ich schließlich unten bin:

Bild #35: Jugenheimer Ortseingang

Jugenheim in Rheinhessen – ich bin da!
Macht mich total happy, nicht nur weil ich mir schon seit Jahren mal angucken wollte, wie es hier so ausschaut, sondern auch, weil Jugenheim zugleich auch der 300ste Ort ist, den ich an mein Streckennetz anschließe – lang gehegten kleinen Wunsch erfüllt und ein rundes Laufjubiläum – was willste mehr?
😀 😀 😀

Etwas ernüchternd ist allerdings, dass die einzigen Bewohner Jugenheims, die meinem Triumph beiwohnen, vollkommen desinteressiert sind:

Bild 36: Die lässt das im wahrsten Sinne des Wortes kalt…

Na ja, macht nix, dann erkunden wir das Örtchen doch mal ein bisschen.

Kurz nach dem Ortsanfang biege ich rechts in die schmal Kirchgasse ein, die – wie der Name vermuten lässt – direkt an der Jugenheimer Kirche vorbeiführt.

Von oben hat die schon sehr hübsch ausgehen, aber direkt aus der Nähe – WOW:

Bild #37: Ok, ich geb´s zu: Die rheinhessischen Jugenheimer haben eine noch schönere Bergkirche als wir an der Bergstrasse

Kompakte Barockkirche am Hang über dem Dorf, beeindruckend groß (eines der größten Gotteshäuser in ganz Rheinhessen, fasst bis zu 1000 Personen) und wunderschön, selbst mit dem Gerüst, das gerade den Kirchturm einhüllt.
Natürlich schaue ich mir das auch noch mal kurz genauer an.
Abstecher auf den baumbestandenen Kirchof (schnell noch Mütze ab, weil geweihter Boden und so… 😉 ):

Bild #38: Haupteingang der Martinskirche.
Nettes Detail am Rande: Der Kleinbus hat ein Darmstädter Kennzeichen, den würde man also eigentlich im anderen Jugenheim vermuten…

…Umschauen, Mögen, dann weiter die Kirchgasse runter.

Direkt an der Außenmauer des Kirchhofs entdecke ich diesen kleinen Vorgarten, der mit seinem freundlichen Kitsch irgendwie einen sehr netten Kontrapunkt zur sakralen Erhabenheit der Martinskirche setzt…

Bild #39: Vorgarten an der Kirchgasse

…dann geht´s abwärts in den Dorfkern, in dem die hübschen alte Häuser dichtgedrängt an den schmalen Gassen stehen.

Ich überquere die Hauptstr. am obligatorischen Denkmal für den Krieg von 1870/71…

Bild #40: An der Jugenheimer Hauptstr.

…und laufe geradeaus durch die kurze, enge Kreinergasse…

Bild #41: Blick zurück aus der Kreinergasse zur Kirche

…dann links in die Hintergasse hinein und schließlich rechts den „Edelsberg“ hinauf.
Gefällt mir übrigens sehr gut hier – schmale Gassen, eng stehende alte Häuser, Weingüter an jeder Ecke. Irgendwie ganz anders als „mein“ Jugenheim, irgendwie kleiner, älter, beschaulicher, aber auf sehr aparte Art und Weise.

Am Edelsberg entdecke ich auch den ersten schriftlichen Beleg dafür, dass ich tatsächlich in Jugenheim bin…

Bild #42: Fühlt sich schon ein bisschen seltsam an, den Namen „Jugenheim“ in diesem fremden Ort schwarz auf weiss (bzw. grün auf beige) zu sehen… 🙂

…dann biege ich links in die Strasse „Auf dem Wallgraben“ ein, auf der ich den alten Dorfkern endgültig verlasse und nunmehr durch neuere Wohngebiete laufe.

150 m. geradeaus, dann geht´s über einen Fußgängertreppe runter auf die Ruländerstr….

Bild #43: Neubaugebiet im Jugenheimer Süden

…und von dort aus über Silvanerstr. und Rieslingstr. zum südlichen Ortsrand, wo sich ein Betonweg durch die Weinlagen an Hang hinauf in Richtung des nahen Partenheim windet:

Bild #44: Am Ende der Rieslingstr.

Den nehm´ ich, wieder mal aufwärts durch die Weinberge, in denen es nun schon ziemlich frostig ist, da die Sonne mehr und mehr von einer dunklen, schweren Eiswolke am Horizont verdeckt wird.
Da spürt man die leichten Minusgrade hier draußen doch schon ganz gut.
Brrrr…

Aufwärts, den Hang hinauf, während Jugenheim im flachen Talgrund hinter mir zurückbleibt:

Bild #45: Jugenheim von Süden. Dahinter der lange Rücken des Bleichkopfes, den ich vorhin entlanggelaufen bin, mittig rechts im Hintergrund der Hügelrücken hinter Stadecken-Elsheim, und noch weiter rechts in der Entfernung wieder die Windräder hinter Nieder-Olm

So einen ganz genauen Plan habe ich für dieses Stück nicht – irgendwie durch die Weinberge hoch nach Partenheim, das hatte bei der Planung ausreichend ausgesehen.
Zur Sicherheit frage ich ich deshalb unterwegs noch mal kurz eine nette Passantin mit enthusiastisch-überschwänglichen Golden Retriever nach dem Weg („Einfach bergauf, irgendie kommt man dann schon nach Partenheim rein“), bevor ich auf einem steilen Trampelpfad im Buschland am Rand der Weinlagen den Buckel erklimme…

Bild #46: Aufwärts in Richtung Partenheim

…und kurz danach im Neubaugebiet an der Freiherr-von-Wallbrunn-Str. in Partenheim einlaufe:

Bild #47: Am Rand von Partenheim

Eigentlich hatte ich vorgehabt, den Ort nur zu touchieren und auf dem kürzesten Weg zurück in Richtung Stadecken-Elsheim zu laufen.
Aber jetzt, vom oberen Ortsrand runter übers Dorf schaue, da lacht mich die die etwas mittelalterlich anmutende Ortsmitte den burgartigen Mauern um die leicht erhöht stehende Dorfkirche regelrecht an.
Hmmm…

Ach komm, so ein kleiner Umweg nach Partenheim rein, warum nicht?
Schließlich werd´ ich hier so bald wahrscheinlich nicht mehr herkommen, wär´ doch schade, wenn ich was verpass´… 😉

Also: Geradeaus, den abschüssigen Stiegelpfad hinunter, über die Obergasse…

Bild #48: Obergasse in Partenheim

…auf die obere Zwerchgasse, dann rechts die Schmiedegasse hoch, vorbei an schwerem, uraltem Mauerwerk auf die kleine Erhebung in der Dorfmitte…

Bild #49: Schmiedegasse

…und schließlich wieder links, auf die enge Pfarrgasse, die zwischen der Rückseite des imposanten Schlosses Wallbrunn und der Peterskirche über die kleine Kuppe führt:

Bild #50: Pfarrgasse

Richtig hübsch, selbst in der eisigen Trübe, die sich angesichts der wolkenverdeckten Sonne über die engen Gassen gelegt hat.
Der Umweg durch den Dorfkern hat sich also voll und ganz gelohnt!

Am Ende der Pfarrgasse, direkt unterhalb der hoch aufragenden Kirche…

Bild #51: St. Peter in Partenheim

…biege ich links ab und laufe die hübsche Vordergasse runter…

Bild #52: Vordergasse

…am Schloss entlang abwärts…

Bild #53: Schloss Wallbrunn und St. Peter von der Vordergasse aus

…vorbei am ebenfalls sehr gefälligen Wambold´schen Hof

Bild #54: Der Hof ist übrigens nach derselben Adelsfamilie benannt, der auch das 60 Kilometer entfernte Schloss in Birkenau gehört, an dem ich vor ein paar Wochen vorbeigelaufen bin

…dann noch ein kleiner Schlenker nach links…

Bild #55: Der Grund für diesen Schlenker ist übrigens vor allem das Eckhaus in der Bildmitte, das so unglaublichstrahlendintensivrot ist, dass es mich regelrecht vom Kurs abdrängt… 😉

…durch die Mittelgasse…

Bild #56: Mittelgasse

…die ich ganz runterlaufe, dann wieder auf die Vordergasse wechsle, und schließlich die L413 am Ortsrand erreiche, die ich überquere und mich dann auf den Rückweg nach Stadecken-Elsheim mache:

Bild #57: Ende von Partenheim, Anfang vom Rückweg

Der Weg, den ich gewählt habe, ist unmarkiert und namenlos, zeichnet sich aber immerhin dadurch aus, dass er genau der Grenze zwischen den Landkreisen Mainz-Bingen und Alzey-Worms folgt (mal wieder so eine „mit dem linken Bein im einen Landkreis, mit dem rechten in einem anderen“-Situation… 😉 ).

Hier geht´s geradewegs nach Nordosten, auf einem niedrigen, breiten Hügelrücken durch die endlosen Weinberge:

Bild #58: Nordostwärts…

Links, jenseits der flachen Talmulde, ziehen noch einmal Jugenheim und der Bleichkopf vorbei…

Bild #59: Jugenheim und Bleichkopf von Süden

…vor mir öffnet sich die Weite der rheinhessischen Hügel…

Bild #60: …und zwar zur Kerbe des Selztals hin…

…während hinter mir die Sonne langsam aber sicher aus der schweren Eiswolken am Himmel hervortaucht, und die Landschaft mit einem seltsamen, stimmungsvollen fahlrötlichgelben Winterlicht flutet:

Bild #61

Lange, lange einfach nur geradeaus durch die frostige Pampa (dank einem leichten Wind wird´s so langsam wirklich etwas ungemütlich), die bis auf mich und Scharen krächzender Rabenvögel…

Bild #62

…vollkomen entvölkert scheint und sich still und einsam unter dem frostblauen Himmel erstreckt, während Jugenheim langsam im schrägen Winterlicht hinter mir zurückbleibt…

Bild #63: Letzter Blick auf Jugenheim

und die anämische Sonne den eisigen Dunst hinter mir mit einem unwirklich-gelben Schimmer erstrahlen lässt:

Bild #64: In echt sieht das fast noch unwirklicher aus als auf dem Foto, zumal auch noch leichter Schneefall eingesetzt hat, bei dem die dicken, wattigen Flocken träge aus dem luminösen Himmel herabtanzen

Insgesamt sind´s drei Kilometer im offenen Agrarland dem flachen Rücken, nach anderthalb werden die Weinberge durch weite, graubraune Ackerflächen ersetzt, während der Weg von „etwas uneben“ zu „knöchelbrechend holprig“ wechselt:

Bild #65: Die Kombination von schwer aufgewühltem Erdreich und Bodenfrost schafft so eine Art steinhartes Miniaturgebirge, auf dem sich´s nicht so wirklich gut läuft…

Über eine Viertelstunde nachdem ich Partenheim verlassen habe, endet der Holperpfad an einem Querweg, der mich links runter zum Partenheimer Bach bringt, neben dem ein ordentlicher Radweg (aaaah!) neben dem halbgefrorenen Wasserlauf weiter in Richtung von Stadecken-Elsheim führt, dessen erste Häuser nun schon in einem knappen Kilometer entfernung hinter den Feldern sichtbar sind:

Bild #66: Das Ziel rückt näher

Nach 350 m. gibt´s noch eine kleine Linkskurve…

Bild #67: Ab hier ist die Strecke auch eine markierte Lokale Nordic-Walking-Route

…danach geht´s parallel zum Bachverlauf weiter Richtung Elsheim, vorbei an einem zugefrorenen Weiher…

Bild #68: Vielleicht auch nur eine vollgelaufene Brachfläche, zumindest ist das Gewässer auf dem Ortsplan nicht verzeichnet

…und schließlich links durch die Felder nach Stadecken (oder Elsheim?) rein.
Fast geschafft.
Ist auch gut so, denn inzwischen ist mir doch ein bisschen kalt (was vielleicht auch daran liegt, dass ich nocht nicht die ganz schweren Winterklamotten gewählt habe).

Rechts durch das ruhige Neubaugebiet an der Fasanenstr….

Bild #69: Fasanenstr.

…an deren Ende dann über die breite Kreuznacherstr. (nachdem ich minutenlang an einer Fußgängerampel gewartet habe, die Partout nicht auf grün springen will. Bibber…), kurz die Talstr. hoch, dann rechts und auf der Bahnhofstr. noch einmal über den Saubach zur Poststr. im Stadecker Dorfkern, wo bereits das eisige Auto wartet.
Und fertig.

Seehr nett. Interessante Gegend in stimmungsvollem Winterlicht, abwechslungsreiche Strecke mit viel zu sehen, und dazu auch noch die lange erwartete Entdeckung des „anderen Jugenheim“ und der dreihunderste erlaufenen Ort.
Prima, prima, prima! 🙂

Strecke: 15 km
Zeit: Nicht genommen
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 98,73% (14,81 km von 15 km)
Karte:

M.

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5 Antworten to “Das „andere“ Jugenheim: Stadecken-Elsheim – Jugenheim in Rheinhessen – Partenheim mit Foto (15 km)”

  1. Evchen Says:

    Ich habe Fragen.

    Wo bitteschön ist der Schnee?

    Du hast freiwillig in so einem häßlichen Gebäude studiert? Bei Deinem Feingeist in Sachen Architektur (den ich im Übrigen teile) finde ichd as verwunderlich. Ich hätte erwartet, daß Du Mietdemonstranten einsetzt. ;-)Ach nee, das sind ja normalerweise auch Studenten…äh…

    Uhund wie schaffst Du es, daß Deine Brille nicht beschlägt, wenn Du mal mit was um die Mund oder die Nase laufen tuest?

    Ich habe übrigens gelesen, Du würdest um Kiddies herumKlavieren. Auch nicht übel. Hm.

    In großen Gotteshäusern habe ich immer das spontane Bedürfnis, mich ungebührlich zu verhalten; sprich, die Akkustik zu testen. Du hättest mich mal in Notre Dame erleben sollen. Hoahaha! *blödel*

    Achja und mein Blitz macht blau. Auch nicht besser. Dann bin ich zombielookalikedingens.

    So, der Rest ist mir schon wieder entfleucht. Ähm. *meditier*

  2. matbs Says:

    Ich habe Antworten.

    Der Schnee war am Donnerstag im rheinhessischen Hinterland schonfastwiederweg und nochnichtwiederda.

    Ja, habe ich.
    Aber wenn man drin sitzt, sieht man´s nicht von außen. 😀

    Ich schaff es leider gar nicht, dass meine Brille nicht beschlägt, wenn ich mal mit was um die Mund (habe ich überhaupt eine Mund??) oder die Nase laufen tuen tue.
    Deswegen tue ich meistens auch nur ohne was um die Mund oder die Nase laufen tuen.
    Was zugegeben etwas problematisch für die Lippen werden kann.
    Meine sind zum Beispiel gerade nach den letzten zwei ungebloggten Miniwochenendwinterläufchen bei fetten, fetten Minusgraden total trocken, rissig und schmerzig (die Tatsache, dass ich Labellos irgendwie nicht mag, verstärkt das Problem noch).
    Aber da muss mer halt dorsch!

    Klavieren kann ich leider garnicht.
    Nicht mal den Flohwalzer.

    In und an Gotteshäusern und anderen geweihten Orten bin ich immer ganz brav und korrekt, denn obwohl ich selbst überhaupt nicht religiös bin, habe ich vor sowas ganz viel Respekt.

    Also ich persönlich mag ja den Roten Blitz ganz gerne. Der ja hat auch gerade mit Zombies zu tun… (Sorry, Comic-Nerd-Insider… 😉 ).
    Wobei: Sind Zombies nicht eher grünlich?
    Blau klingt jetzt mehr nach den Schlümpfen… 😀

    Uuuund: Weitermeditieren!

  3. Daniel Kopp Says:

    trommelwirbel….. paukenschlag…… standing ovations……. congratulations!!! ne, ich bin auch nicht der freund von großen zeremonien. alles gute trotzdem.

    …und natürlich wieder schöner FLIESSTEXTBERICHT 😉 mit feinen bildern. ich fühl mich schon ganz daheim bei dir.

    übrigens, hier sind bei mir schon ein paar panos bei 🙂
    http://koppdaniel.wordpress.com/2009/12/18/biketour-um-reinhartshofen-naturpark-westl-walder/

    jetzt lob mich mal 😦

    viele grüße
    daniel

  4. matbs Says:

    Vielen Dank! 🙂
    (auch wenn die eigentliche Hauptsache ja inzwischen schon ein Weilchen zurück liegt, da musste wirklich nur noch der ganze Bettel schwarz auf weiss abgeholt werden…).

    Und loben soll ich.
    Aber da bin ich doch so schlecht drin! 😀


  5. […] hiermit schon so ein bisschen vollendet. Partenheim hab´ ich nämlich nun zweimal erlaufen, einmal im letzten Dezember von Nordosten kommend aus Richtung von Mainz, und heute von Südwesten aus dem Herzen des Rheinhessischen Hügellandes. Entsprechend gibt es ab […]


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