Von der angenehmen Freiheit, nicht laufen zu müssen…

29. Dezember 2009

Heute mittag war ich mal kurz in der Stadt, ein bisschen Weihnachtsgeld unters Volk bringen (mein Comichändler hat eine Familie zu ernähren, da muss man seine Verantwortung als Kunde ernst nehmen… 😉 ).

Eigentlich wollte ich dabei auch gleich noch eine kleine Runde drehen, durch die bisher noch unerlaufen nördlichen Darmstädter Stadtteile. Die Strecke hatte ich schon fix und fertig geplottet (vom Steinbrücker Teich via Jagschloss Kranichstein und Dianaburg nach Arheilgen und durch Kranichstein zurück), das Plänchen war vorbereitet, die Laufklamotten bereit gelegt…

Einziges Problem: Sowas von gaaar keine Lust!!!
Draußen herrscht ein stockfinsterer, beschissener Tag, es regnet Bindfäden, dazu ein abscheulich eisiger Wind, die Welt ist grau und schlammig und nasskalteklig und einfach nur abgrundtief hässlich – allein der Gedanke, heute Laufen zu gehen (und dabei auch noch die schönen Ecken im nordwesten Darmstadts an so ein Mistwetter zu verschwenden) erfüllt mich mit Widerwillen und monumentaler Unlust.

Aber es muss halt mal sein, sag´ ich mir, immer dranbleiben, schließlich ist schon wieder Dienstag, da wird´s so langsam Zeit, und laufen ist halt nicht immer ein Wunschkonzert, manchmal muss man halt auch raus, wenn´s mies ist und man im Voraus weiss, dass man jede verdammte einzelne Sekunde hassen wird…
Oder?

Und dann sag´ ich mir: NÄ!
Weil, 2009 ist eh vorbei, meine 2000 Jahreskilometer hab´ ich runter, was ich erreichen wollte ist entweder erreicht oder es wird eh nix mehr in den letzten paar popligen Tagen – mal ehrlich, warum soll ich mich da auf Teufel komm raus noch zu einer ungewollten übellaunigen Misttour prügeln, wenn ich absolut keinen Bock hab?

Also lass´ ich´s ganz einfach bleiben.

Einfach so. Fällt überhaupt nicht schwer und tut auch gar nicht weh.
Keine erzwungene Ekeltour durch den nasskaltwindigschlammiggraudoofen Scheisstag, die Laufschuhe bleiben daheim, das Plänchen für später auf der Festplatte.

Stattdessen gönn´ ich mir einen entspannten, gemütlichen Nachmittag.
Bequem auf der Couch, mit heißem Tee und ´ner Decke über den Beinen und ein bisschen Beirut im Hintergrund, und natürlich mit viel gutem Lesestoff, wie dem neuen Joe Sacco (aufwühlend und brillant), Maurice Tillieux (magnifique) und den gesammelten Kurzgeschichten des großen Roald Dahl (delightfully twisted and clever).
Total nett, und ganz ohne schlechtes Gewissen oder das Gefühl, was verpasst zu haben. 🙂

Für den Darmstädter Nordosten und bleierne Selbsdisziplin (die ist so ähnlich wie eiserne Selbstdisziplin, aber schwerer und weicher) ist nächstes Jahrzehnt nämlich auch noch Zeit.

Und morgen schau´ ich dann einfach mal, wie´s um Wetter und meine generelle Laune bestimmt ist.
Wenn die passen, geh´ ich vielleicht laufen.
Und wenn nicht, dann eben nicht.
So einfach ist das zwischen den Jahren! 😉

M.

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12 Antworten to “Von der angenehmen Freiheit, nicht laufen zu müssen…”

  1. Evchen Says:

    Och, das hab ich am Sonntag auch gemacht. Diiiiickes Buch, Decke, ABS-Söckchen, Tee und weg war se. 😉

    Siehste, den Post hab ich schon mal locker geschafft. *hehe*

  2. bas Says:

    Der Darmstädter Nordosten ist zwanzigzehn ja auch noch da.
    Gute Einstellung. Lass es gemütlich angehen.

  3. Bernd Says:

    Mit 2000 Jahreskilometern, da kann man sich doch den entspannten gemütlichen Nachmittag gönnen.

    Ich wünsche Dir einen guten Rutsch ins neue Jahr und für das neue Jahr viele schöne Läufe, Gesundheit und Verletzungsfreiheit. 🙂

    • matbs Says:

      Naja, solange man´s nicht einreissen lässt… 😉

      Und die guten Wünsche geb´ ich einfach mal alle genauso wieder zurück in den hohen Norden: Alles Gute Bernd, auf ein perfektes Laufjahr 2010!

  4. Gerd Says:

    Du altes Weichei! 😉
    Aber ich kann ausnahmsweise mal keinen Zeigefinger heben. Ich bin seit drei Tagen nicht rausgekommen und muss Morgen dringend ein paar Kilometer drehen. Sonst passt im neuen Jahr die Hose nicht mehr!
    Ich wünsche Dir und deiner Familie eine guten Start ins neue Jahr. Bleibe gesund und freu dich auf die Touren die wir 2010 absolvieren!
    Gruß Gerd

    • matbs Says:

      Tsss, wer hat denn hier bittschön keinen Mumm – ICH hab´ bereits meine nächste Tour durch Regen, Wind und das Unbekannte absolviert, während ich das hier schreibe, da brauch´ ich mir also gaaarnix vorwerfen, jawollja!

      Aber es hat halt nicht jeder soviel Mumm, das ist schon ok… 😉 ;D

      Auch für euch noch mal alles Gute, und lass´ uns nicht so lange mit dem verdammten Nibelungensteig warten, der wird bald bis Wertheim verlängert, wenn wir also behaupten wollen, ihn ganz gelaufen zu sein, müssen wir uns ranhalten…

      PS: Oh, und was diese ganze Guten-Rutsch-Wünscherei angeht: Immer schön gemächlich, das Jahr ist schließlich noch nicht rum.
      So ein oder zwei Läufe/Einträge krieg´ ich schon noch hin, bevor die Dekade den Löffel abgibt… 😀

  5. Daniel Kopp Says:

    sehr gut, sehr gut. ich mag leute die sich auch mal die beine baumeln lassen können und nicht nur ans sporteln denken. irgendwo da draussen gibts ja auch noch das leben.
    … ja, und die couch 🙂

    es gibt ja auch diese täglichläufer, daß wäre nix für mich, das wäre wie ein psychisches gefängnis. ich brauche die freiheit auch mal NEIN sagen zu können und gut is.

    wie angenehm so ein tage ohne sport sein kann wenn man zuvor viel gemacht hat weißt du ja sicherlich. das grenzt schon fast an luxus.

    lg
    daniel

  6. matbs Says:

    Ja, so ein Aussetzer muss manchmal einfach sein, sei´s weil andere Dinge vorgehen oder auch einfach mal so – schließlich ist das ganze ein Hobby und kein starres Korsett, dass den Alltag dominieren soll.

    Streaking hab´ ich vor vielen Jahren mal ausprobiert, das geht wirklich gar nicht, da hast du vollkommen recht. Wenn man täglich MUSS, dann geht der Spaß ruckzuck flöten und das ganze wird zu einer Pflicht mehr, die ggf. Stress erzeugt anstatt ihn zu reduzieren.
    Außerdem habe ich festgestellt, dass Täglichlaufen nicht mit meiner Art zu Laufen vereinbar ist, denn es geht eigentlich nur, wenn einem Strecken und Umgebung egal sind.
    Wirklich entdecken und sich auf Neues einlassen geht da auf Dauer einfach nicht. Stattdessen muss man immer seine Standardstrecken abrennen, und das wird sehr schnell unerträglich öde und sinnfrei.

    Dann lieber etwas entspannter, aber mit der Muße, nach Lust und Laune drauflosstarten zu können, ohne Zwang und ohne Limitationen.


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