Mit Hund und Foto durchs Schneetreiben: Fürstenlager – Elmshausen und zurück (10,4 km)

3. Januar 2010

Eigentlich wollt´ ich die Woche ja mit einem ungebloggten und vollkommen unspektakulären Minigassiründchen mit dem Hund ausklingen lassen, irgendwo im Wald hinterm Haus.

Aber dann ist der Schnee zurückgekommen.
Sonntagmorgen war alles wieder weiss, und den Rest des Tages hat´s munter weitergeschneit.
Das wollte ich mir dann doch nicht entgehen lassen – wer weiss schon, wie lange der Winter noch anhält (bzw. wie lange er noch Spaß macht, bevor er wieder ernsthaft zu nerven anfängt… 😉 ).

Also schnell umdisponiert: Kein Wald hinterm Haus, stattdessen eine Runde im wunderbaren Staatspark Fürstenlager bei Auerbach, samt kleinem Abstecher in den vorderen Odenwald via Ludwigs- und Amalienhöhe und ins Lautertal.
Eine der schönsten Ecken der gesamten Bergstrasse, sicher auch mit Schnee reizvoll, außerdem war´s inzwischen schon wieder über ein Jahr her, dass ich zum letzten Mal durchs Fürstenlager gekommen bin.
Da war´s eh mal wieder Zeit.

Foto eingepackt (Schnee und Fürstenlager, ist beides Fotogen, und wenn die Bilder scheisse werden kann ich´s immer noch auf das Wetter schieben. Eine Win-Win-Situation, perfekt 😀 ), den Hund auch (den wollte ich schließlich nicht um´s versprochene Gassilaufen bringen nur weil der Wald hinterm Haus ausfiel) und los, am mittleren Sonntagnachmittag durchs träge Schneetreiben die Bergstrasse runter nach Auerbach.

Start auf dem Parkplatz Fürstenlager am oberen Rand der Auerbacher Altstadt…

Bild #1: Parkplatz Fürstenlager

…direkt unterhalb des kleinen Bergrückens mit der wunderschönen Auerbacher Bergkirche:

Bild #2: Auerbacher Bergkirche von unten

Kurz sortiert (Winterklamotten und Hund und Kamera, das ist gar nicht so einfach), dann gleich aufgebrochen.
Und zwar leicht aufwärts, die historische Bachgasse hoch zur Schranke, die den Anfang des Fürstenlagers markiert:

Bild #3: Eingang zum Fürstenlager

Kurzinfo: Das Fürstenlager ist ein Landschaftspark im frühen englischen Stil, der im späten 18. Jahrhundert vom Haus Hessen-Darmstadt als Sommerresidenz eingerichtet wurde. Es liegt eingebettet zwischen zwei steilen aber niedrigen Höhenzügen im Grund des langgezogenen, schmalen Rossbachtälchens oberhalb von Auerbach. Herzstück der Anlage ist das „Dörfchen“, eine Ansammlung wunderschöner Barockbauten, die um den Gesundbrunnen herum drapiert sind, eine kleine Quelle, der früher eine heilkräftige Wirkung zugesprochen wurde. Oberhalb und unterhalb des Dörfchens breitet sich der Park aus, u.a. mit einem Weiher, Alleen, Tempelchen und Aussichtspunkten, sowie einigen wunderschönen Wiesen mit exotischem Baumbestand und mehreren kleinen Wäldchen und Hainen, die sich die Hänge hinauf bis zum Talrand ziehen.
Die Anlage ist weitgehend im Ursprungszustand erhalten und ist zweifellos einer der schönsten Parks im südlichen Hessen.

An der Schranke vorbei und bei leichtem Schneefall weiter die breite Lindenallee entlang, die hinauf ins Parkinnere führt.
Und zwar im Slalom, denn hier ist heute die Hölle los – der Schnee und das lange Wochenende haben offensichtlich halb Bensheim und Auerbach hier hoch getrieben, außer uns tummeln sich hier Dutzende von Spaziergängern und Sonntagsausflüglern, Kinder rutschen auf dem glatten, festgetreten Schnee der Allee mit ihren Schlitten herunter, ältere Herschaften mit Regenschirmen tasten sich vorsichtig auf- und abwärts.
Gar nicht so einfach, hier ohne Kollisionen durchzukommen, vor allem wenn man neben der Lauferei auch noch die bildbegierige Kamera in der einen und den tatendurstig an der Leine zerrenden Nemo in der anderen Hand verwalten muss.
Gut dass ich multitaskingfähig bin… 🙂

Am Schwanenteich entlang…

Bild #4: Schwanenteich, dahinter der Hang des Altarbergs am Südrand des Rossbachtals, hinter dem bereits die Weinberge anfangen

…zur unteren Gebäudegruppe…

Bild #5: Infotafel vor dem Stallbau

…dann durch die kurze Platanenallee…

Bild #6: Die Infotafel weiss dazu zu berichten: „Doppelte Platanenallee, Rest eines siebenreihigen Baumsaales, der als Wandelhalle für die Kurgäste diente“.
Mannmannmann, die hatten´s echt nett hier, früher…

…ins Dörfchen hinein:

Bild #7: Von links nach rechts: Weißzeughäuschen, Damenbau, Prinzenbau, Küchenbau und Haus des Brunnenverwalters

Weiter geradeaus, weiterhin im Extremslalom (die Schneespaziergänger-samt-Kiddies-auf-Schlitten-Dichte nimmt stetig zu, so dass ich mich schließlich genötigt sehe, Nemo abzuseilen, damit wir keine Passanten mit der gespannten Leine umreißen. Muss ihm halt mal vertrauen, dass er selbst durch das Gewühl findet und keine Dreijährigen im Schneeanzug erlegt… :D) , vorbei am Wachthäuschen…

Bild #8: Das Wachthäuschen, direkt gegenüber vom Herrenhaus

…und dem prächtigen Herrenhaus:

Bild #9: Herrenhaus, beherbergt heute übrigens ein gutes Restaurant und ein Hotel.

Die hübsche Herrenwiese mit den Mammutbäumen, die sich direkt gegenüber vom Herrenhaus fast 250 m. lang am Talrand hinaufzieht (und die heute als primärer Rodelhang für die Auerbacher Jugend dient) fotografiere ich auch, aber das Bild wird aus irgendwelchen vollkommen unpostbar (Schneefall + Kälte + Foto + Matthias = Klappt nicht immer…) – aber wenn ihr euch noch ein bisschen geduldet (so bis Bild #46, würd´ ich sagen) gibt´s noch einen Blick auf die Herrenwiese, versprochen… 😉

Immerhin schaff´ ich´s, erfolgreich den Schneemann auf dem Brünnchen vor dem Herrenhaus erflgreich abzulichten:

Bild #10: Yay for me!
And double-yay for the unknown snowman-builders! 😀

Direkt nach dem Herrenhaus wird´s ruhiger, der Weg schlängelt sich an diversen exotischen, halbexotischen und überhauptgarnichtexotischen Büschen und Bäumen vorbei…

Bild #11: Kurz nach dem Herrenhaus

…in den oberen Teil des Rossbachtals, wo die gepflegte Parklandschaft durch naturbelassene Hangwiesen mit Obstbäumen drauf abgelöst wird:

Bild #12: Anfang vom oberen Rossbachtal

Hier läuft sich´s deutlich entspannter, der Schnee ist nicht mehr ganz so hart und glatt getreten, die Spaziergängerdichte hat sich etwas reduziert (auch wenn scheinbar jedes Spaziergängergrüppchen einen Hund dabeizuhaben scheint. Ist aber kein Problem, die Hunde freuen sich alle so über den Schnee, dass sie sich prima vertragen, inklusive Nemo).

700 m. das hübsche, gaaanz sanft ansteigende Tal hoch, dann links ab und hoch zur Eremitage, einer kleinen Kapelle aus Baumrinde und Reet, die leicht erhöht am Waldrand über dem Tal sitzt:

Bild #13: Zur Eremitage

Steiles Stück, aber nur ganz kurz. Oben werden wir noch schnell einen Blick zurück über´s verscheite Rossbachtal…

Bild #14: Rossbachtal von der Eremitage aus.
Als ich ganz klein war, sind wir immer mal zum Spazieren hergekommen, und manchmal hab´ ich einen Ball diesen Hügel da vorne runterollen lassen.
Das war das absolut Größte, so ca. Anno 1981 oder 1982… 🙂

…machen ein schreckliches unscharfes Bild von der Eremitage…

Bild #15: In scharf sieht die übrigens ungefähr so aus…

…und weiter geht´s, nun auf dem Nibelungenweg (gelbes Quadrat)/Alemannenweg (rotes S) am Rand des kahlen, weissbedeckten Waldes ostwärts und weiterhin leicht aufwärts:

Bild# 16: Nibelungenweg und Alemanneweg am Waldrand

Das Fürstenlager ist hier zu ende, die Spaziergänger auch, entsprechend haben wir den schmalen, tiefverschneiten Trampelpfad für uns alleine. Auch mal nett…

Nach ein paar hundert Metern geht der Trampelpfad in den regulären Waldweg in Richtung Ludwigshöhe über, wir folgen, einfach immer weiter dem roten S und dem gelben Quadrat hinterher, immer schön weiter auf dem leise knirschenden Schnee, unter träge herabtanzenden Flocken durch den Wald:

Bild #17: Übrigens wesentlich weniger angestrengt als ich hier aussehe…

Nach einem knappen halben Kilometer biegen die beiden Wanderwegsmarker nach links vom Hauptweg ab und führen auf einem steilen Pfädchen, auf dem der Schnee nur von wenigen Fußspuren eingedrückt ist, direkt hinauf auf die kleine Gipfelkuppe der Ludwigshöhe:

Bild #18: An der Ludwigshöhe.

Kurz verschnauft, dann an der Schutzhütte „Zeppelinshäuschen“ vorbei und gleich wieder bergab, runter zur Kreuzung am Toten Mann:

Bild #19: Die Sage vom Toten Mann hab´ ich glaub´ ich schon mal erzählt, aber die ist so cool, dass ich´s einfach nochmal mache.
Das war nämlich so: Vor langer soll hier oben eine Tagelöhnerin ihren ungeliebten Ehemann mit dem Beil erschlagen haben.
Nun verlief verlief damals genau an dieser Stelle die Landesgrenze zwischen Hessen-Darmstadt und Erbach-Schönberg, und die Leiche fiel so unglücklich, dass der abgetrennte Kopf auf Erbacher Land, der kopflose Körper jedoch auf dem Territorium der Darmstädter zum Liegen kam.
Als die Mörderin dann gefasst wurde, brach deshalb ein Streit zwischen den Grafen aus, wer denn nun das Recht besäße, sie an den Galgen zu bringen. Die Darmstädter Seite verwies auf die Leiche auf ihrem Gebiet, die Erbach-Schönberger beharrten jedoch auf ihrer Zuständigkeit, weil der ja Kopf bei ihnen gelandet war.
Schließlich einigte man sich darauf, die Mörderin vorerst wechselseitig im erbachschem und in darmstädter Gewahrsam festzuhalten, bis die Zuständigkeit eindeutig geklärt sei.
Leider passierte das nie, denn beide Seiten beharrten auf ihrem Recht, und so kam es, dass die Verbrecherin immer wieder hin und her überführt wurde – einen Monat war sie in Zwingenberg eingesperrt, den nächsten dann in Schönberg, den Monat darauf wieder in Zwingenberg.
Das ging nun mehrere Jahre so, bis schließlich beide Seiten genug von der Angelegenheit und den damit verbundenen Kosten hatten. Deshalb beschloss man, das Ganze stillschweigend unter den Teppich zu kehren: Der Zwingenberger Kerkermeister bekam die Weisung, eines Nachts „aus Versehen“ die Kerkertür aufzulassen, und am nächsten Morgen war die Gefangene verschwunden.
Wohin sie geflohen ist, das weiss niemand – aber man sagt, wenn man in mondlosen Nächten am Toten Mann vorbei kommt, dann kann man auch heute noch Wehklagen hören, weil ihr ruheloser Geist dazu verdammt ist, so lange am Ort ihrer Untat zu wandeln, bis sie das Verbrechen gesühnt ist…

Nach dem Toten Mann wird´s wieder bequem, der Nibelungenweg führt praktisch eben durch den Wald auf dem langen Rücken der Amalienhöhe tiefer in den Odenwald rein:

Bild #20: Nibelungenweg auf der Amalienhöhe

Viel zu fotografieren gibt´s hier nicht…

Bild #21: Außer vielleicht Hundeportraits. Aber dafür sind wir ja nicht hier…

…deshalb laufen wir zügig durch, bis zum nördlichen Waldrand am offenen Bergsattel zwischen Mühltal und Lautertal. An klaren Tagen gibt´s hier eine nette Aussicht, heute jedoch reicht der Blick dank tiefen Eiswolken und Schneefall gerade mal bis zum Selterswasserhäuschen ein paar hundert Meter vor uns:

Bild #22: Da vorne irgendwo, in der rechten Bildmitte am Waldrand vor dem Teufelsberg, da isses…

Da laufen wir jetzt hin, durch den immer dichter werdenden Schneefall, dessen Flocken nun nicht mehr verträumt und flaumig aus dem hellen Himmel tanzen, sondern uns nunmehr schnell und schräg aus grauen Eiswolken entgegengeblasen werden:

Bild #23: Zum Selterswasserhäuschen

Ist nicht mehr weit, kurz über die Bergwiese, danach noch mal eine ordentliche kleine Steigung in einem Hohlweg hoch, ein Stück Waldrand, dann sind wir da:

Bild #24: Kreuzung am Selterswasserhäuschen. Geradeaus geht´s in Richtung Borstein und Felsberg, links runter nach Hochstädten, und rechts runter durch ein langes Wiesental nach Elmshausen.

Kurze Pause im Schutz der Hütte, um die Brille ein bisschen vom Schnee und dem Kondenswasser zu befreien (ich) bzw. sich mal so richtig einzuschneeen (Nemo)…

Bild #25: „Was?“

…dann geht´s weiter, rechts auf den Weitwanderweg Odenwald-Vogesen (roter Balken), der sanft bergab in Richtung Elmshausen führt:

Bild #26: Weitwanderweg Odenwald-Vogesen kurz nach dem Selterswasserhäuschen

Wunderbareres, sehr bequemes Stück, mit leichtem Gefälle abwärts durch das weite freundliche Wiesental zwischen Langer Irr und Amalienhöhe:

Bild #27: Das letzte Mal bin ich hier an einem warmen Sommerabend vor ungefähr tausend Jahren vorbeigekommen, im Winter ist´s aber auch sehr hübsch

Läuft sich quasi wie von selbst, zumindest für Nemo und mich.
Die Kamera hingegen kriegt immer mehr Probleme – die (eigentlich nicht mal übermäßige) Kälte macht ihr ein bisschen zu schaffen, der dichte Schneefall ebenso, aber vor allem auch das schwächer werdende Licht, das angesichts der dicken grauen Eiswolken über uns und der bereits einsetzenden ersten Vordämmerung (ca. 16:00 Uhr im Januar, da bleibt nicht mehr viel Tag…) deutlich im Nachlassen begriffen ist.
Da werden viele Bilder ziemlich unscharf…

Bild #28: Das obligatorische Odenwaldfotolaufberichtskuhfoto darf natürlich trotz der widrigen Bedingungen nicht fehlen

…oder der Blitz geht automatisch los und jagt die Belichtung zum Teufel:

Bild #29: Hat zwar auch was, aber irgendwie wär´s mir lieber gewesen, wenn die kleine Mühle an der Brücke zum Strietteich etwas besser zu erkennen gewesen wäre…

Kurz vor Elmshausen biegt der Weitwanderweg Odenwald-Vogesen rechts zum Strietteich ab, wir laufen allerdings geradeaus weiter, auf dem verschneiten Asphaltweg am Strietteich vorbei…

Bild #30: Strietteich

…und nach Elmshausen hinein, das still und ruhig unter der dicken Schneedecke in den wintrigen Nachmittag hineindämmert:

Bild #31: Elmshäuser Ortsrand

Wir laufen weiter abwärts, in Richtung Dorfmitte und Talgrund, halbrechts durchs eingeschneite Wohngebiet „Im Heidenfeld“, dann nach ein paar hundert Metern rechts eine kurze, steile Rampe hoch („Im Halben Morgen“), dann wieder rechts, auf den Auerbacherweg, der als Verbindungsweg (Markierung: Weisses V) aus dem Dorf hinaus zurück auf die Amalienhöhe führt:

Bild #32: Ortsausgang am Auerbacher Weg

Neue Strecke, dieses Stück bin ich noch nie gelaufen.
Dass es steil wird, das hab´ ich schon vorher gesehen, an den dicht an dicht liegenden Höhenlinien, die das Wegstück auf der Wanderkarte überwindet.
Aber wie steil…
15% Durchschnittsteigung auf 700 Meter Strecke und das im lockeren Neuschnee – heidenei, das zieht gut rein…

Zum Glück gibt´s unterwegs ein paar wunderbare Aussichtspunkte, an denen man prima Luft schnappen schöne Panoramabilder von Elmshausen im eisdunstigen Talgrund schießen kann…

Bild #33: Elmshausen im Lautertal vom Hang der Amalienhöhe aus, Teil 1…


Bild #34: …und Teil 2. Unten im Talgrund kann man schön den Verlauf der B47 erkennen, der ich ja gerade erst letzten Mittwoch bis nach Bensheim gefolgt bin. Im Schnee und von oben sieht´s aber schon irgendwie netter aus als bei Regen…

Und weiter aufwärts, schwitzend, dampfend, schliddernd, keuchend, im Schneckentempo den steilen und etwas holprigen Weg durch die Hangwiesen und Heckenwäldchen hinauf…

Bild #35: Puuuh!

…und schließlich wieder in den Wald am Bergrücken hinein, durch ein stockdunkles Fichtendickicht…

Bild #36: Urksfhahahrhrgghhh… Hört das denn nie auf?

…bis zur letzten Abzweigung vor dem Nibelungenweg, wo wir links auf einen unmarkierten und von jungfräulichem Neuschnee bedeckten Forstpfad abbiegen, der sich am Hang des Höhenrückens westwärts durch den Wald windet:

Bild #37: Namen- und Markierungsloser Forstweg am Südosthang der Amalienhöhe

Der Plan sieht vor, dass wir uns hier unten irgendwie zurück zum Fürstenlager durchschlagen, auf unmarkierten (und bisher unbekannten) Wegen und Pfädchen unterhalb des Höhenwegs (den wir vermeiden wollen, weil wir ihn ja schon auf dem Hinweg genommen haben – und dasselbe Wegstück auf einer Tour zweimal zu laufen, das mögen so rauhbeinige Draufgängertypen wie wir nicht… 😉 ).

In der Theorie ist das ein total guter Plan. Auf dem Plänchen sind die Pfade sauber eingezeichnet, hier mal hoch, dort wieder runter, sollte alles kein Problem sein.

In der Realität allerdings offenbart sich schnell ein fataler Fehler, den ich bei der Planung nicht mit einberechnet habe:
Der ganze Wald liegt unter einer unberührten Schicht Neuschnee begraben, die so dick ist, dass man die verdammten unmarkierten Trampelpfädchen schlichtweg nicht erkennen kann!!!

Bild #38: Äääääääh…
Ist das jetzt ein Ziegenpfad oder ein Stück Hangwildnis????

Natürlich lassen wir uns von solchen Details nicht aufhalten und rennen tapfer voran, über Stock und Stein und vielleicht Trampelpfädchen immer tiefer in den Wald hinein, wird schon irgendwie klappen…

…bis wir uns dann schließlich im Nirgendwo wiederfinden, mitten im unwegsamen Urwald am Steilhang.
Null Orientierung, kein Weg mehr in Sicht und kein Steg, dafür schneit´s wie verrückt und langsam bricht die Dunkelheit über der Wildnis herein. Es ist kalt, in der Ferne ertönt das klagende Heulen eines Wolfsrudels auf der Jagd*.
(*Dichterische Freiheit, in Wirklichkeit wohnt das nächste Wolfsrudel mehr als 20 Kilometer entfernt im Wormser Tiergarten, und das hat Sonntags keinen Ausgang… :D).

Ääääh.
Okayyyyy.
„Nemo, irgendwelche Ideen?“
(*Nemo glotzt mich verständnislos aus eingeeisten Hundeaugen an*)

Gut, mal Nachdenken:
Bergab geht´s ins Lautertal. Da gibt´s Häuser und Strassen und Menschen, aber es ist eigentlich nicht die Richtung, in die wir wolen.
Und bergauf geht´s auf die Ludwigs- und die Amalienhöhe.
Da ist Wald, aber auch der Nibelungenweg, von dem wir genau wissen, dass er zurück zum Fürstenlager führt.

Hm…
Ok, Bergauf it is!

Mehr kletternd als laufend pflügen wir aufwärts durch den tiefen, rutschigen Schnee, den schieren Hang hinauf.
Nach ein paar Metern stoßen wir auf halbverschneite Fußspuren – Hallelujah, hier war offensichtlich schon mal ein anderer Mensch – denen wir weiter bergauf folgen…

Bild #39: Nemo reicht der Schnee hier bis zum Bauch, aber dank Vierbeinantrieb wird er mit dem Querfeldeinanstieg trotzdem besser fertig als ich

…bis wir schließlich tatsächlich einen ordentlichen, anständigen, breiten, quasibeinaheschonzivilisierten Forstweg erreichen, der quer am Hang entlangläuft.

Dem folgen wir nach links, ein paar hundert Meter, dann vereinigt er sich mit dem Nibelungenweg, an der Abzweigung, wo wir auf dem Hinweg zur Ludwigshöhe abgebogen sind.
Orientierung: Wiederhergestellt.

Wir folgen dem Nibelungenweg zurück in Richtung Fürstenlager.

Das ist zwar ein bisschen doof, weil´s derselbe Weg ist, den wir schon vorhin in der anderen Richtung gelaufen sind, aber immerhin noch deutlich weniger doof, als in einer eisigen Winternacht unorientiert durch den wilden Wald zu irren und am Ende den Hund schlachten zu müssen, um das eigene Überleben zu sichern… 😀

Am Waldrand hinter dem Rossbachtal biegen wir ab, nicht zurück zur Eremitage sondern halblinks runter…

Bild #40: Dieses Stück ist unmarkiert aber hübsch

…auf den Höhenweg, der auf dem südlichen Talrand direkt über dem Fürstenlager nach Westen führt:

Bild #41: Anfang vom Höhenweg

Wunderschönes Stück.
Der Weg folgt geradewegs dem schmalen, niedrigen Bergsattel durch Wäldchen und Wiesen, links hat man einen wunderschönen Blick über Schönberg und das Lautertal hinweg bis zum mächtigen Bergmassiv der Knodener Höhe, rechts öffnet sich direkt unter einem das Rossbachtälchen samt Fürstenlager, dahinter erhebt sich das Melibokusmassiv mit Auerbacher Schloss und Melibokusgipfel.
Ok, also heute nicht, bei Schnee und Eisdunst und Dämmerung ist´s mit der Aussicht nicht so weit her, weder nach links…

Bild #42: Schönberger Kirche hoch über dem Lautertal

…noch nach rechts…

Bild #43: Mit etwas Fantasie kann man die Silhouette des gerade mal 1,2 km entfernten Auerbacher Schlosses erkennen, mittig links über dem einzelnen hellen Scheinwerfer, der durch den Dämmerdunst herüberfunzelt

…aber schön ist es trotzdem!

Immer geradeaus den Weg runter, vorbei am einsamen Waldhaus, an dem der Weg zum Schönberger Schloss abknickt, dann irgendwann links durchs Wäldchen zum Aussichtspunkt Ludwigslinde (Aussicht heute: Keine) über dem Mühlbachtälchen, an dem die Weinberge anfangen:

Bild #44: Weinlage „Auerbacher Fürstenlager“ über dem Herrenwingert

Weiter auf dem Fürstenlagerweg (gelbe 8), immer noch auf dem schmalen Höhengrat, nun aber am Rand der Weinberge:

Bild #45: Fürstenlagerweg

Rechts unter uns zieht noch einmal das Fürstenlager vorbei…

Bild #46: Freundschaftstempel, Herrenwiese und das Herrenhaus unten im Fürstenlager, das freundlich durch die bläuliche Winterdämmerung heraufleuchtet (erinnert ihr euch? Vor ca. 2000 Wörtern hab´ ich euch versprochen, dass ihr die Herrenwiese nochmal zu Gesicht bekommt – et voilà! 🙂 ).

…dann erreichen wir die Anhöhe, wo sich der Weinberg in die dämmrige Rheinebene hinausstülpt…

Bild #47: Lieber nicht großklicken, das ist alles furchtbar unscharf… 😉

…und wechseln halbrechts auf den Blütenweg (gelbes B), der abwärts durch die Weinberge nach Auerbach runterführt:

Bild #48: Blütenwe…
Nee, halt, so dunkel war´s da aber nicht, das probieren wir lieber nochmal ohne Blitz…


Bild #49: Jaa, das kommt schon eher hin:
Blütenweg vor dem Fürstenlager

Auch das hier wieder ein tolles Stück, vor allem weil die Weinberge am Wegrand so steil, dass man fast senkrecht auf die verwachsenen Stadtteil Auerbach und Bensheim hinunterblicken kann, die am Fuß der Berge wunderschön in der aufziehenden blauen Winternacht versinken:

Bild #50: Bensheim und Auerbach vom Blütenweg aus

Jetzt ist es auch nicht mehr weit, wir folgen dem Blütenweg um die Bergkurve herum, laufen abwärts durch schmalen, steilen Hohlgassen im Löß der Bergflanke durchschneiden, vorbei an den ersten Wohnhäusern oberhalb des Fürstenlagers bis zur Auerbacher Bergkirche…

Bild #51: Einfach nur schön, oder?

…an wir rechts über ein Trampelfpfädchen und eine steile Treppe geradewegs zurück runter zum Ziel am dämmrigen Parkplatz Fürstenlager gelangen.

Wunderbare kleine Tour, auch wenn wir ziemlich lange unterwegs waren. Aber wenn man im ersten Schnee des neuen Jahrzehnts in einer der mit Abstand schönsten Ecken der Bergstrasse unterwegs ist, darf man eben nicht hetzen… 🙂

Strecke: 10,4 km
Zeit: Joa.
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 23,65% (2,46 km von 10,4 km)
Karte:

M.

Advertisements

8 Antworten to “Mit Hund und Foto durchs Schneetreiben: Fürstenlager – Elmshausen und zurück (10,4 km)”

  1. Gerd Says:

    Bis auf die Millionen von Menschen war es richtig toll. Mach so was mal am frühen Morgen und Du hast richtig Spaß dabei! 😉

  2. matbs Says:

    Wie, „früh morgens“?
    Gerd, ich versteh´ zwar die einzelnen Worte, aber zusammen ergeben die irgendwie überhaupt keinen Sinn. 😀

    Außerdem hab´ ich doch so geschickt um die Leute rumfotografiert, die fallen doch gar nicht auf…

    Wie schaut´s denn eigentlich jetzt im Januar mit dem Reststeig aus? Wenn wir da warten, bis du deine zehn-mal-im-Kreis-durch-irgendson-Wäldchen-bei-Offenbach-rennen-Geschichte durchgezogen hast, bist du ja wieder Wochenlang außer gefecht… 😉

    • Gerd Says:

      Definitiv Februar!
      Im Januar steht noch mein 50er im Rodgau an. Da passt so ein Lauf nicht unbedingt mit rein. Aber Februar, außer dem Fastnachts-WE, passt. Mach mal ein paar Terminvorschläge!

      • matbs Says:

        Jaja, ich weiss. Und wenn du den genauso gut wegsteckst wie den Marathon, dann wird aus „definitv Februar“ wieder ganz schnell Mitte April… 😉

        Terminvorschläge: Spontan jedes schöne Februarwochenende. Ich meld´ mich dann ein oder zwei Tage vorher und wir machen´s ganz kurzfristig. Wie bereits besprochen.

  3. Daniel Kopp Says:

    tolle sache. da bin ich direkt wieder neidisch. morgen werde ich auch ein tänzchen wagen, die cam kommt auch mit.

    bei euch sieht es zur zeit wirklich wundervoll aus. hast wirklich schöne bilder gemacht und der kleine laufpanzer macht auch eine gute figur.

    lg
    daniel

  4. matbs Says:

    Na dann schon mal viel Spass im Voraus (und übertreib´s nicht 😉 ).

    Wünscht übrigens auch der „Laufpanzer“… 😀


  5. […] Bild #3: Direkt hinter den Weinhängen befindet sich das Rossbachtal mit dem Fürstenlager, auf dem Höhenweg über dem Tal sind wir erst vor ein paar Wochen zum letztenmal vorbeigekommen […]


  6. […] englischen Landschaftsparks in den Regionenen Rhein-Main und Rhein-Neckar (Fotos gibt´s hier und hier). Weiter aufwärts, die alte prächtige Allee am Rand des engen Rossbachtals hoch, vorbei […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: