Willkommen im Laufblues (10,1 km)

6. Januar 2010

Und dann ist er wieder da, der Winteralltag:

Den ganzen Tag hab´ ich mich gefragt, wo ich heute laufen möchte.
Nichts ist mir eingefallen.

Irgendwohin wo´s neu und interessant ist?
Naa, kein Antrieb, zuviel Aufwand, Wetter ist eh häßlich und doof, und außerdem soll der Hund mit, das schränkt die Optionen ein.

In der Nähe?
Oah, nee. Draußen ist´s so grau und trübsinnig, allein der Gedanke daran, heute die ausgelutschten, traurigen Feld- und Waldwege zu laufen, die ich schon tausendmal gelaufen bin, erfüllt mich mit aktiver Unlust, das wäre so sinnlos, so öde, so eine monumentale, schreckliche, beschissene Verschwendung von Kraft und Zeit…

Dann vielleicht ein Kompromiss?

Halbnah und wenigstens ein bisschen neue Strecke?
Aber da gibt´s nichts mehr, im Umkreis von einigen Kilometern war ich überall, wirklich VERDAMMT NOCH MAL ÜBERALL!!!!

Kartenstudium, schon leicht verzweifelt.
Ohohohooo, ja da oben im Wald zwischen Darmstadt und dem Mühltal, da gibt´s noch ein paar ungelaufene Pfädchen. Unmarkiert, kaum zu finden, und an einem Tag wie heute zweifellos vollkommen reiz- und charmefrei, aber neu.
Mal schauen, da müsste ich in dieses Wäldchen da rein, und dann die Zweite links abbiegen, aber auch nur die Zweite, und dann rechts (unbedingt rechts) an der Hügelkuppe vorbei und dann…
Oh Mann, was mach´ ich hier eigentlich?
Was für´n blöder Aufwand, nur um am Ende 500 m. bisher unerlaufene dröge Forstwege rauszukriegen.
Nee, das will, das kann ich heute nicht.

Aber was dann?
Nachdenken, den Vor- und Nachmittag über im Hinterkopf glanzlose, stumpfe Ideen wälzen und wieder verwerfen, weil sie halbgar sind, uninteressant, den Aufwand nicht wert, während der Tag unaufhaltsam vorbeirinnt, und mit ihm die Zeit zum Laufen.

Am Ende kapituliere ich und nehme den Weg des geringsten Widerstands.
Standartzehner von zuhause aus, der den ich immer laufe, wenn mir überhaupt nichts besseres einfällt.
Nicht weil ich´s will, oder weil ich mich drauf freue, sondern… weil halt.
Kopf aus, Erwartungen aus, Spaß aus, ohne Enthusiasmus auf grauen, drögen Wegen und Strassen durch den stumpfen Frost, unter dem grauen, drögen Januarhimmel durch graue, dröge Orte und graue, dröge Felder. Grau und dröge, drinnen wie draußen.
Eine Tour wie Fließbandarbeit, emotionslos, mechanisch, ohne Zweck und Verstand, die sinnentleerte Erfüllung einer lästigen Pflicht, die eigentlich gar nicht erfüllenswert erscheinen würde, wenn man mal genauer drüber nachdenken würde (was man aber lieber vermeidet).

Nicht mal wirklich schlimm, dafür ist einfach zu uninteressant, dominiert wird das ganze von den kleinen Unbilden, den etwas zu einengenden Winterklamotten, den leicht schmerzigen Füßen und Beinen, dem ebenfalls vollkommen unenthusiastischen Hund, dem allgemeinen Gefühl von „Blah“.
Und am Ende, da fühl´ ich mich dann leer und vage unzufrieden, wie ein Verhungernder, der gerade ein Pfund Styropor gegessen hat.

Willkommen im Laufblues…

Bleibt die Hoffnung auf den großen Schnee, der für´s Wochenende angekündigt ist. Vielleicht macht der alles wieder ein bisschen spannend. Oder sorgt zumindest für eine gute Ausrede, um ein, zweimal auszusetzen und auf das Elend zu verzichten.

Und wenn das nicht hilft, dann muss ich mich eben durchbeissen, bis zum großen Befreiungsschlag, der herrlichen Tour mit Allem, was dazu gehört, die unweigerlich irgendwann kommt.
Morgen vielleicht. Oder nächsten Monat.
Bis dahin: Meh.

Strecke: 10,1 km
Zeit: Eh, who gives a crap?
Neue Strecke: Pfff.
Karte:

M.

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13 Antworten to “Willkommen im Laufblues (10,1 km)”

  1. Hannes Says:

    „Spannend.“ war dein Urteil zum Lautern-Vorschlag … ich warte ;P

    Alternativ musst du sonst erstmal noch Urlaub machen – das geht ja echt nicht, dass du alles kennst und alles langweilig ist 😉

    • matbs Says:

      Spannend? Auf jeden Fall!

      Aber auch wenn´s vom hohen Norden aus so aussieht, als ob das nur ein Katzensprung wäre (genauso wie´s von hier unten so aussieht, als würden Bremen, Hamburg und Kiel direkt nebeneinander liegen… 😉 ), ist Lautern in Wirklichkeit mehr als 100 km von zuhause weg, und das ist leider zuviel Aufwand für die Nebensaison.
      Zumal die Strecke, die ich da laufen würde, auch mitten durch den vollkommen Siedlungs- und Menschenleeren Pfälzerwald führt, wo´s quadratkilometerweit nichts gibt außer Bäumen, Bergen und Bachtälern.
      Das ist nichts für den Winter, da müssen wir leider abwarten, bis die äußeren Bedingungen so sind, dass ich nicht für immer verschütt gehe, wenn´s mit der Navigation mal nicht klappt…

      Und Urlaub?
      Ach ja, Urlaub…

  2. Christian Says:

    Mein lieber Matthias,

    diese Läufe gibt es und auch Du bist dabei keine Ausnahme. Warte nur auf den Frühling, dann wird sich alles wieder zum Besten wenden und Du kannst wieder…was schreibe ich denn da eigentlich?

    Also los, ein wenig mehr Moral und auf in die Wildnis, beweg Dich!!!! 😉

    Hört sich schon besser an, oder?

    Salut und jammer ruhig Mal ein wenig

    • matbs Says:

      Frühling?
      Ach ja Frühling… 😀

      Aber wenn´s dich beruhigt – heute war ein bisschen Sonne, also bin ich gleich mal ´nen 15er in halbbekanntem Gelände gelaufen, bei dem ich am Ende in die Dämmerung gekommen und fast im winternächtlichen Hügelwald verloren gegangen wäre.
      Das war schon wieder überhaupt nicht bluesig…

  3. Evchen Says:

    Meeeeh. Mach ich mit. Meine Hausstrecken gehen mir dermaßen auf den Zeiger und…ach, das hatten wir ja schon. *augenroll*

    Ich glaube, es wird Zeit, daß Du umziehst oder Dir zumindest eine BahnCard zulegst, mit der Du dann neue Laufziele anfahren kannst? ;-)Wie weit fährst Du eigentlich so maximal für eine normale Unter-der-Woche-Tour mit dem Auto?

  4. matbs Says:

    Umziehen?
    Ach ja, umziehen… 😀

    Wie weit ich fahre?
    Hmm, mal überlegen – normalerweise habe ich eine Faustregel, nach der ich immer versuche, auf jeden Fall länger zu laufen als ich fahren muss.
    Damit kommt man schon rum, besonders natürlich im Autobahn- und Bundesstrassengespickten Rhein-Main-Gebiet.
    Ist aber nur Pi-Mal-Daumen, und wird ggf. auch mal aufgeweicht, vor allem, wenn ich eh irgendwo anders bin und dann auch gleich laufen gehe (was ich ja total gerne mache, so kommt man rum und verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen. Oder so… 😉 ).

    Wobei das natürlich auch bedeutet, dass die ganz weit entfernten Touren, im Taunus, im Pfälzerwald, im hinteren Odenwald usw. automatisch besonders lang und besonders gut sein müssen, damit sich´s auch wirklich lohnt (was letztes Jahr ja auch prima geklappt hat). Der Nachteil: Jetzt im Winter, wo das Wetter ungünstig, die Tage kurz und die Form suboptimal sind, erscheinen solche Premiumtouren weit weg kaum machbar, also bleibt man in der Nähe – und wenn da schon fast alles erlaufen ist…
    Tja…

    😀

  5. Daniel Kopp Says:

    so einen standartzehner hat jeder in peto.
    meiner sieht so aus:
    5km absolut gerade an der b2 entlang
    +
    5km absolut gerade an der bahntrasse ausgbur-münchen zurück.
    das ist nur noch widerlich. das ist nur noch gerade. das ist nur noch flach. das ist langeweile pur. drum laufe ich den auch nicht mehr 🙂

    und wie dein urban run auch zu mindestend 50% innerhalb geschlossener ortschaften.

    viele grüße
    daniel

  6. matbs Says:

    Ou ja, das sieht schon bei Google Earth fast so reizarm aus, wie´s klingt. Wie weit läufst du da? Bis Steinach und Hochdorf oder sogar bis Althegnenberg? In letzterem Fall wären das ja sogar deutlich mehr als 10 km…

    Wobei mir ja zumindest die geschlossenen Ortschaften eigentlich nichts ausmachen, und auch die Gesamtstrecke unter den richtigen Bedingungen durchaus hübsch sein kann – aber in Verbindung mit Unlust und grauem Wetter –
    Naja, muss auf Dauer net sein…

    • Daniel Kopp Says:

      Kleiner Spitzel 🙂
      Richtung Hochdorf is ja noch nett.
      Die Killerstrecke geht durch Kissing und wieder am Gleis zurück. Ekelhaftes Teil sag ich dir.
      Kleine Ortschaften können durchaus schön sein. Mit alten Bauerhöfen und so.

  7. matbs Says:

    Tja, Laufgebiete und Strecken interessieren mich eben, und wer ein vollständiges Impressum hat und Bundesstrassen beim Namen nennt…
    Und im Gegenzug spiel´ ich ja auch mit weit offenen Karten, was meine Strecken angeht. 😉

    Ach Gott, die Nordstrecke nach Kissing sieht ja wirklich schrecklich aus, da kann ich dich gut verstehen, wenn du dir da was Netteres suchst! Da reicht einmal wahrscheinlich voll und ganz aus…

    Kleine Ortschaften können schön sein.
    Mittlere auch.
    Und große auch.
    Immer durch, sag´ ich, wer von einem bewaldeten Berg nicht aufgehalten wird, der braucht sich auch vor der Großstadt nicht zu fürchten… 😀

    • Daniel Kopp Says:

      Du darfst ruhig spitzeln 😉
      Deswegen fahr ich auch immer in den Naturpark. Erstens ist es da schön hügelig und zweitens schön waldig und naturig.

      LG
      Daniel

  8. matbs Says:

    Dankeschön, dann mach´ ich das doch! 😀


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