Blütenweg nordwärts mit altem Nemo und neuen Schuhen (10,3 km)

13. Januar 2010

So.
Neue Schuhe sind da, die müssen jetzt eingelaufen werden.
Am besten gleich noch heute.

Passend dazu: Heute Nachmittag ein Termin in Seeheim.
Prima, da lauf´ ich doch hin!
Und weil einfach nach Seeheim Laufen zu kurz wäre, bau´ ich noch einen Schlenker ein, indem ich den Blütenweg bis Malchen nehm und von da aus dann nach Seeheim zurücklaufe.
Und damit ich nicht der Einzige bin, der was davon hat, darf die Töle auch mit. Die rennt ja gern durch den Schnee und von der Entfernung passt´s auch.

Geplant getan.


Start am frühen Nachmittag, nur ein bisschen unter Null, dafür aber leichter bis mittelschwerer Schneefall, der uns von einem eisigen Nordwind direkt ins Gesicht geblasen wird. Brrr…

Nordwärts, immer dem gelben B des Blütenweg hinterher (der Blütenweg ist einer der zwei Haupt-Fernwanderwege an der Bergstrasse. Er startet im südlichsten Darmstädter Stadtteil Eberstadt und folgt der Bergstrasse insgesamt knapp 90 Kilometer, bis hinunter nach Wiesloch am Rand des Kraichgaus. Im Gegensatz zu seinem Pendant, dem höher liegenden Burgenweg [blaues B] verläuft er meist am Fuß der Berge oder in den unteren Höhenlagen, durch Wald, Felder, Weinhänge und kleine Orte. Wie der Name vermuten lässt, ist er besonders reizvoll während der Baumblüte im Frühjahr, die hier i.d.R. so früh einsetzt wie nirgendwo sonst in Deutschland).

Durch Jugenheim, erstmal auf ungeräumten Strassen und Wegen, auf denen die geschlossene Schneedecke von unzähligen Füßen und Reifen zu einer glatten, harten Schicht zusammengepresst ist.
Die neuen Schuhe lassen sich ordentlich an (ahh, endlich mal wieder ein bisschen Dämpfung), allerdings sitzen sie noch etwas stramm und leisten an ein paar Stellen Widerstand, wo sie´s nicht sollten. Da steht auf jeden Fall noch ein bisschen Einlaufarbeit ins Haus.
Problematischer ist allerdings der Nemo, der – wie beim Laufen üblich – mit einer Riesenportion Überschwang und Enthusiasmus gestartet ist. Wäre an sich nicht schlimm (das läuft sich raus), aber da wir erstmal durch den Ort müssen, ist er natürlich angeleint. Das gibt dann immer mal wieder ein kurzes Tauziehen, wenn er´s zu eilig hat oder unbedingt stehenbleiben muss, um eine besonders ekligen Placken gelben Schnee genauer zu inspizieren…

Wir durchqueren den Pauerweg, laufen am unteren Ende des Balkhäuser Tals vorbei und die Hauptstr. hoch, passieren den Eingang zum Bergpark des Heiligenbergs, das alte Rathaus, das Roseneck, und erreichen schließlich durch die Seeheimer Str. den Nordrand des Dorfes, wo der Blütenweg rechts auf einen kleinen Trampelfpad oberhalb der Felder abbiegt, der uns zwischen Gärten und Feldern ins nicht mal 500 m. entfernte Seeheim bringt (Sorry, Nemo, die Leine bleibt noch dran…).

Fazit bisher: Hund hat die erste Drangphase überwunden, die Schuhe funktionieren grundsätzlich, sitzen aber noch nicht perfekt. Wie das halt so ist.

Auch durch Seeheim laufen wir dem gelben B hinterher, einmal mitten durch den Ort: Vorbei an den großen, repräsentativen Häusern der Albert-Schweitzer-Str., dann den engen Fußweg am unteren Ende der Villastr. runter und rechts auf der Bergstr. durch den kleinen Platz im alten Ortskern (der wirklich hübsch ist, vor allem seit man ihn vor ein paar Jahren verkehrsberuhigt und gepflastert hat), vorbei am alten seeheimer Rathaus, dann immer weiter nach Norden, erst noch ein Stück durch die Gassen von Alt-Seeheim, denen man noch so ein bisschen ansieht, dass das hier vor ein paar hundert Jahren ein kleiner, beschaulicher Weinort war, wie man sie heute noch drüben in Rheinhessen zu Hauf findet (Schloßstr., Burgstr.), dann auf der Lohndorfstr. und „Im Hainböhl“ durch die etwas neueren Wohngebiete im Seeheimer Nordwesten.

Hier geht´s auch zum ersten mal bergauf, vor allem der „Hainböhl“ hat eine kurze aber ordentliche Steigung zu bieten, wegen dem dommeligen Schnee fällt das wieder mal etwas schwerer als es sollte (aber immerhin nicht ganz so schwer, wie´s in den alten Tretern gewesen wäre, dem besseren Profil sei dank).
Am oberen Ende des Hainböhl kurz ein Mini-Trampelfpad am Ortsrand, dann knickt der Blütenweg rechts hoch in die offene Garten und Wiesenlandschaft der Blütenhänge über Seeheim.
Hier darf Nemo endlich von der Leine, das freut ihn sichtlich (und mich auch, denn von nun an ist es nicht mehr mein Problem, wenn er trödeln will… 😀 ).

Hier hinten tu´ ich mir meistens etwas schwer.
Zwar hat der Blütenweg hier keine gewaltigen Höhenunterschiede aufzuweisen, aber es geht ständig auf und ab (und insgesamt mehr auf als ab), und das mit einigen fiesen, hinterfotzigen Anstiegen, die zwar ziemlich kurz sind, aber dafür ganz gehörig steil – und da ich diese Strecke irgendwie immer laufe, wenn ich saisonal bedingt nicht so richtig fit bin… puuuh!

Auch heute strengt das wieder gut an, wobei der stramme Nordwind von schräg vorne und die rutschige, festgetretene Schneekruste auf dem Boden nicht wirklich helfen.

Auf – bisschen ab – auf – bisschen ab – auf, bis in die mittleren Höhenlagen wo der Wald am Frankenstein-Massiv anfängt.
Kurze Pause (offiziell zum Hundbeinhebenlassen, inoffiziell zum Durchatmen und vor allem zum Reinigen meiner Brille, die dank den schrägen, fetten, eisigen Schneeflocken direkt von vorn und meiner schweissig-feuchten Körperwärme von hinten vollkommen angelaufen ist), dann geht´s weiter, leicht aufwärts in den stillen, einsamen Hangwald hinein.

An der nächsten Gabelung will der Blütenweg nach links, um am Hang des Schützenbers nach Malchen runterzuführen.
Nettes Stück, aber schon bekannt und außerdem etwas zu kurz (laut Uhr haben wir noch ordentlich Zeit, bis wir in Seeheim sein müssen), als lassen wir den Blütenweg spontan mal Blütenweg sein und nehmen stattdessen den unmarkierten Waldweg, der sich halbrechts/geradeaus weiter den Hang hinaufzieht.

Argl, dieser Schnee nervt total. Auf ebenen und abfallenden Stücken ist er ja noch ok, aber beim Bergauflaufen?
Entweder ich halte mich an die festgedrückten Reifenspuren, die irgendein Förster samt Geländewagen hier hinterlassen hat.
Die sind glatt, so dass ich bei jedem Schritt leicht wegrutsche.
Oder ich nehm´ stattessen den schienbeintiefen leicht angefirnten Pulverschnee dazwischen, der ist total locker, so dass ich bei jedem Schritt leicht wegrutsche.
So oder so, es wird weggerutscht, wodurch eine Unmenge an Kraft verloren geht, die eigentlich dazu gedacht ist, mich die Steigung hinaufzubefördern.
Schlipps, weg isse, ohne was gebracht zu haben.
Und um das auszugleichen muss ich auch noch meine Körperstatik kompromittieren, Oberkörper weiter nach vorne und Beine krummer als sonst, das strengt extra an.
Entsprechend schnaufe und japse und hänge ich mich aufwärts, wie ein Auto, dem die Reifen durchdrehen, den eigentlich moderaten Anstieg hoch, den ich ohne Schnee doppelt so schnell und fröhlich pfeifend bewältigt hätte*
(*leichte Übertreibung möglich).
Nee, nee, nee, Berglaufen bei zuviel Schnee, das is´ nicht das Wahre für mich, ich brauch´ einen soliden Untergrund für optimale Kraftübertragung.

Immerhin: Die Töle hat Spaß und pflügt mit einem weißen Frostbärtchen um den Schnauzer fröhlich vor mir her.
Kein Wunder, bei dem Vierbeinanantrieb und dem niedrigen Schwerpunkt…. 😀

Immer weiter geradeaus, immer weiter leicht aufwärts. Ein oder zwei bekannte Kreuzungen lassen wir aus, bis wir uns schließlich auf einem unmarkierten Wegstück am Hang befinden, auf dem ich – soweit ich mich erinnern kann – noch nie gelaufen bin.
Wohl nur ein Trampelfpad, entsprechend tief und relativ unberührt ist der Schnee.
Läuft sich auch nicht so doll, vor allem, weil man die holprigen Bodenunebenheiten unter der Schneedecke bestenfalls erahnen kann. Gut, dass die neuen Schuhe fest sind und guten Halt geben.

Immer schön weiter. So ganz genau weiß ich gar nicht, wo wir uns befinden, aber das ist auch nicht nötig – rechts geht der steile Hang hoch, da oben muss irgendwo der Ilbeskopf sein, oder vielleicht schon die Burg Frankenstein.
Links fällt der steile Hang ab, irgendwo da unten liegt Malchen.
Und geradeaus, das gebietet die Logik, geradeaus müssen wir irgendwann automatisch auf den Wanderweg HW12 kommen, der von Malchen zum Frankenstein hinauf führt, und da kenn´ ich mich dann wieder aus.
Alles gar kein Problem.

Der Pfad umrundet langsam eine Vorkuppe, dann geht´s endlich wieder abwärts. Nicht, dass das bequemer wäre, auf dem schmalen Holperpfädchen mit dem rutschigen, halbangefirnten Schnee runterzueeiern ist auch nicht viel besser.
Aber es bringt uns tatsächlich auf den HW12, erkennbar am weißen Doppelbalken-Marker.
Den laufen wir nun runter, in Richtung Malchen.
Das ist schon deutlich bequemer.

Unterwegs begegnet uns eine Passantin mit einem mittelgroßen weissen Hund, der so lieb und harmlos ist, dass der Nemo ihn gleich mal furchtbar zur Sau macht (weil: Zuviel Freundlichkeit ist ein Zeichen von Schwäche, zumindest in Nemos macho-Hundewelt).
Ich nehm´ ihn lieber wieder an die Leine, bevor er noch ernsthaft Streit anfängt…

Kurz darauf laufen wir in Malchen ein, einem netten Hangdorf am Nordende der Bergstrasse, dass sich in den letzten Jahrzehnten zu einer der besten Wohnlagen des gesamten Landkreises entwickelt hat.

Hier geht´s immer nur abwärts, auf der Frankensteiner Str. durchs Dorf, vorbei an ein paar schönen alten Häusern, der knorrigen alten Dorflinde und der kleine Dorfkapelle, runter, runter, runter, bis zu den Strassenbahngleisen und der alten Bergstrasse am unteren Ende von Malchen.
Hier ist Schluss mit Bergstrasse, von nun an kommt nur noch Flachland.
Ist mir ganz recht, heute… 😉

Über die Alte Bergstrasse, vorbei am Malcher Friedhof und auf der Malchwerwegschneise geradwegs in den großen Flachlandwald zwischen Seeheim und Eberstadt rein.
Und geradeaus.
Immer die Schneise hoch.
Schnee ist halbfestgetreten aber noch nicht glatt, keine Steigung, guter Grip, läuft sich gut.
Dafür fängt allerdings der Hund an zu trödeln, so langsam will er nicht mehr so, das sieht man ihm an.
Ist aber auch kein wunder – wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr eine knappe Stunde bergauf und bergab durch teilweise brusthohen Schnee rennen müsstet…

400 m. in den Wald rein, dann an der ersten Kreuzung links auf die Josephschneise. Die wird uns nun direkt nach Seeheim bringen und praktisch genau dort deponieren, wo wir hinwollen.
Wird auch Zeit, der Termin ist in ein paar Minuten.

Und geeeeeeeeraaaaadeeeeeeeeaus…
Mannomann, die Schneise ist länger, als ich sie in Erinnering hab´ (was auch daran liegt, dass das hier reizarmer Wald ist, da erinnert man sich zwar daran, dass es die Schneise gibt, aber wie lang sie ist, das geht aufgrund mangelnder herausragender Merkmale irgendwie verloren).

Immer mal Blick auf die Uhr, danach wird jeweils das Tempo leicht nach oben geschraubt, irgendwann muss Nemo wieder an die Leine, weil er sonst zu viel trödeln würden. Und weiter, mit krunchigen schnellen Schritten durch den halbtiefverschneiten, hübschen Kiefernwald.

Nach etwas über einem Kilometer kommt ein kurzer Zwischenanstieg, irgendwo bei der Seeheimer Düne.
An den kann ich mich noch erinnern, weil er kurz aber bannig steil ist.
Argl!
Hochprügeln, mit brennenden Lungen und dem unkonzentrierten Köter im Schlepptau, der nun an jeden zweiten Baum pissen will und sich von mir den Berg hochziehen lässt. Illoyaler Sack!

Oben angekommen ist Seeheim immer noch nicht in Sicht, also weiter, weiter, weiter. Anstrengend, aber die neuen Schuhe fühlen sich bei höherem Tempo irgendwie fast ein bisschen besser an als bei niedrigem. Interessante Erkenntnis.

Endlich: Der Waldrand, direkt dahinter die Häuser von Seeheim.
Wie müssen noch einmal kurz in die Pampa ausweichen, um an einem Renterpaar mit Hund vorbeizukommen, das so mit Plaudern beschäftigt ist, dass es meine wiederholten Fußscharrer, Räusperer und „Entschuldigungs“ schlichtweg ignoriert und den ganzen Weg versperrt. Grrr.

Dann sind wir in Seeheim drin, Breslauer Str. hinterm REWE, die müssen wir nur noch runterlaufen, dann sind wir da, wo ich hinwill, und das auch quasi noch pünktlich.

Erkenntnisse:
1) Die neuen Schuhe machen sich ganz gut, müssen aber noch ein bisschen mehr eingelaufen werden. Duh.
2) Bei Schneehöhen ab „knöcheltief“ fallen mir Steigungen deutlich schwerer, als sie sollten. Geht einfach nicht mit meinem Laufstil zusammen. Vielleicht vorerst vermeiden…
3) Mit Nemo läuft sich´s am besten, wenn er gleich am Anfang keine Leine umhaben muss. Dann kann er sich erstmal ein bisschen austoben, und wenn der erste Enthusiasmus verflogen ist, ist er dann auch richtig konzentriert.

Strecke: 10,3 km
Zeit: ??
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 10% (1,03 km von 10,3 km)
Karte:

M.

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2 Antworten to “Blütenweg nordwärts mit altem Nemo und neuen Schuhen (10,3 km)”

  1. Evchen Says:

    Nice. 🙂 Trotz Schnee. Putzt Du Deine Brille einfach an `nem Stoff/Tempo ab, wenn sie Dir beschlägt oder naß wird?
    Wenn Du schon bei Regen losläufst, trägst Du dann eine Schirmmütze?

    Und mußtest Du Deine Schuhe jetzt nachpolstern lassen?

  2. matbs Says:

    In letzter Zeit hab´ ich immer Tempos dabei, das reicht. Wenn ich die vergesse, wird´s allerdings schnell blöd, denn an den Laufklamotten mit ihren speziellen Textilien kann man ja keine Brille abwischen (verschmiert nur, und hinterher ist man dann noch blinder als vorher).

    Die Schirmmütze setz´ ich eigentlich immer auf, wenn ich mit Niederschlägen rechne, die hält wenigstens ein bisschen was ab – wobei´s bei dem schräg treibenden Schnee fast egal war.

    Und Auspolstern – bisher noch nicht, allerdings merke ich, dass meine Hüften etwas muckern, wahrscheinlich weil die Fußstellung doch ein bisschen anders ist (dafür beschweren sich die Beine aber gar nicht mehr, die´s in den alten Tretern am Ende doch arg gebeutelt hat).
    Mal gucken, wie´s in 100 km ausschaut… 🙂


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