Sonne, Schnee und Rheinufer: Eicher See – Gimbsheim mit Fotos (12,5 km)

14. Januar 2010

Ok, Berglaufen bei den ordentlichen Schneemengen, die momentan allenthalben rumliegen, ist so ein bisschen anstrengend, das haben wir gestern gelernt.

Macht nix, mir ist heute eh´ nach Flachland.
Draußen scheint nämlich zum ersten Mal seit Tagen die Sonne aus einem klaren, milchigblauen Himmel, das macht irgendwie richtig Lust, durch endlos-gleißende schneebedeckte Ebenen zu rennen.
Vielleicht noch mit ein bisschen Rheinufer als Dreingabe, das ist immer total nett, auch bei Schnee.

Blöd nur, dass ich inzwischen praktisch das gesamte rechte Rheinufer zwischen Worms und Mainz abgelaufen habe (mit Ausnahme von ein paar Kilometern bei Nonnenaue und Mainspitze, aber das ist mir heute zu weit).
So ein bisschen neue Strecke würd´ ich ja schon gern mitnehmen…
Hmm…

Bleibt noch das linke Rheinufer, auf Rheinland-Pfälzer Gebiet.
Da gibt´s noch mehr als genug Lücken. Würde zwar ein paar Euros kosten, weil man da mit der Fähre übersetzen muss, aber das isses mir heute mal wert.

Kurzer Blick auf meine nigelnagelneue Radwanderkarte für Rheinhessen (endlich hab´ ich eine aufgetrieben, yaaay!!) zur Routenfestlegung: Von der Wochenendsiedlung am Eicher See, die ich letztes Jahr auf einer wunderschönen Frühlingsfototour erlaufen habe, ein paar Kilometer Flußabewärts, dann rüber nach Gimbsheim und schließlich durch die weiten, platten Felder zurück zum Eicher See.
Yep, so wird´n Schuh draus!


Fährgeld eingesteckt, in die neuen Schuhe geschlüpft, dem entäuschten Nemo zu verstehen gegeben, dass er heute mal nicht mit darf (boah, was hat der geschmollt) und schließlich noch schnell den Foto mitgenommen (keine besonders ausgefallenen Motive zu erwarten, aber die letzte Fototour mit Schnee und Sonne ist inzwischen über ein Jahr her, da kann man ja mal wieder) und irgendwann am Nachmittag aufgebrochen.

Rüber nach Gernsheim, dann mit der Fähre übergesetzt…

Bild #1: Auf der Gernsheimer Rheinfähre (die ich – wie üblich – genau so erwische, dass es gleich losgeht. Für Fähren hab´ ich wirklich ein Händchen… 😉 )

…dann durch die bügelbrettflache Ebene zwischen Rhein und den rheinhessischen Hügeln…

Bild #2: L440 nach Eich. Über dem Flachland hängt übrigens ein leichter, eisiger Dunst, in dem sich das überraschend kräftige Sonnenlich fängt und die ganze Umgebum zum Glimmern bringt. Wunderschön! (Noch wunderschöner wird´s dadurch, dass das Wetterberichtsfrollein im Radio behauptet, ganz Hessen und die angrenzenden Regionen wären unter einer grauen Wolkendecke gefangen, ohne Sonne in Sicht. HA! Vielleicht bei euch oben in Frankfurt, liebes Unrecht habendes Wetterberichtsfrollein, aber wir hier unten im Süden haben SONNE SATT!!! :D)

…nach Eich und weiter über einen ungeräumte und mit festgefrorenem Schnee bedeckten schmalen Asphaltweg bis zum westlichen Teil der Ferienhaussiedlung am Eicher See.
Da wird dann ein Parkplatz gesucht und gefunden, beim Wendehammer am Ende des Nachtigallenwegs, und gleich mal in den schönen, sonnigen Wintertag gestartet.

Und zwar zuerst mal hoch auf den Hochwasserdamm, der direkt hinter den Wochenendhäusern vorbeiläuft:

Bild #3: Am Start

Hier geht´s erstmal kurz nach Südosten, im knöchelhohen und leicht angefirnten Schnee auf dem Damm bis zur Weggabelung von Schwalbenweg und dem Radweg rüber zur Rheinfähre:

Bild #4: Rechts an den Bäumen vorbei geht der Europaradweg durch die Felder in Richtung Rheinfähre, links geht´s ab in die Wochenendsiedlung

Ist zwar eigentlich genau die falsche Richtung, aber ich will ja die Verbindung mit dem Lauf von letztem April herstellen, und das geht nur hier. Was sein muss, muss sein.

Dann geht´s links in die Wochenendsiedlung hinein, erst kurz auf den Sperberweg, dann gleich wieder links auf den Falkenweg.

Kurzinfo: Der Eicher See in der großen Gernsheimer Rheinschleife ist eigentlich gar kein richtiger See, denn das Gewässer ist durch einen ca. 40 m. breiten Durchlass unmittelbar mit dem Rhein verbunden, der direkt daneben vorbeifliesst. Genaugenommen handelt es sich beim Eicher See also eher um eine Art toten Nebenarm oder große Bucht des Flusses (zur Veranschaulichung, das sieht dann so aus). Um den See herum hat sich in vor einigen Jahrzehnten eine Wochendhauskolonie gebildet, die inzwischen eine der größten Deutschlands ist, mit insgesamt ca. 750 Häusern. Da sie mitten im Hochwassergebiet liegt (wie wir eben schon gelernt haben, verläuft der erste Damm ja erst HINTER den Gebäuden) hat die Siedlung eine sehr charakteristisches Erscheinungsbild, dass an ein bisschen indonesisches Pfahldorf erinnert: Die Wochenendhäuser stehen fast alle auf stockwerkhohen Sockeln oder Stelzen, vor jedem Grundstück erhebt sich ein Sicherungungskasten auf einer 3 oder 4 m. hohen Betonsäule, damit das Wass im Fall einer Überflutung nicht die Wohnräume und die Elektrik erreichen kann).

Nordwestwärts, auf dem schmalen Falkenweg an den kleinen (und nicht so kleinen) Wochenendhäusern entlang in Richtung Fluss:

Bild #5: Falkenweg am Eicher See. Man beachte die Allee aus Verteilerkästen, die links und rechts des Strässchens auf meterhohen Betonsäulen sitzen

Läuferisch überraschend anspruchsvoll, denn der Schnee über dem alten Asphalt des Falkenwegs ist von unzähligen Reifenspuren so hart und glatt gepresst, dass man schon ein bisschen aufpassen muss, um nicht ins Schlittern zu geraten.
Dafür fühlen sich die neuen Schuhe aber schon wesentlich angenehmer und besser an als gestern, das entschädigt wieder ein bisschen… 😉

Rechterhand schimmert immer mal wieder der Eicher See zwischen den Grundstücken durch…

Bild #6: Eicher See vom Südwestufer aus gesehen

…und nach knapp 500 m. kommt direkt voraus die Rheinpromenade am Flussufer in Sicht:

Bild #7: Kurz vor der Rheinpromenade. Das kleine Schild, das man in der Bildmitte erkennt, zeigt den Rheinkilometer 467 an und steht am anderen Flussufer, einen guten halben Kilometer entfernt

Und dann bin ich da: Am Rhein!

Bild #8: Großes Rheinpanorama

Aaaah.
Ich mag den Rhein, wie er sich ruhig und erhaben seinen Weg nordwärts bahnt, als breites, schimmerndes Band zwischen zwischen Auwäldern und -wiesen, eingerahmt von turmhohen Pappelreihen, bevölkert mit Wassergeflügel und den langen Lastkähnen, die einen kleinen Hauch Fernweh zu transportieren scheinen (vor allem diejenigen, die mit der rotweißblauen Fahne der fernen Niederlande beflaggt sind).
Das ist richtig schön, vor allem bei Schnee und Sonne…

Von nun an hab´ ich´s ganz leicht – einfach immer dem Uferweg hinterher. Gibt auch ein Paar Radweg- und Nordic-Walking-Routen-Schilder, aber die braucht man hier nicht – solange das Land links ist und das Wasser rechts, passt das schon:

Bild #9: Rheinuferweg am Ende der Rheinpromenade

Und gut zu laufen ist´s auch, denn der Schnee auf dem Rheinuferweg ist nicht zu tief, nicht zu locker, nicht zu glattgetreten, das klappt prima.

Nordwärts am Flussufer entlang.
Links zieht ein kleines Waldstück vorbei, hinter dem sich das Türmchen des Damwachthauses erhebt…

Bild #10: Dammwachthaus

…von dem aus ein kleiner Kanal in den Rhein fliesst,…

Bild #11: Entweder der „Seegraben“ oder das „Meerwasser“, da ist das Kartenmaterial nicht ganz eindeutig

…dahinter leuchtet die gelbe, schräge Wintersonne durch den leicht lumineszenten Dunst und erfüllt die Uferlandschaft mit einem sanften, warmen Schimmern, das von tiefen, blauen Schatten konterkariert wird, die überall dort auftreten, wo das direkte Sonnenlicht nicht mehr hinfindet:

Bild #12

Und rechts, nur ein paar Meter neben dem Weg, da fliesst der Rhein…

Bild #13

…ruhig, breit, träge und breiter als jede Autobahn:

Bild #14: Am rechten Bildrand erkennt man hier übrigens die Stelle, wo der Altrheinarm abzweigt, der den Kühkopf umschliesst.

Wie gesagt: Hier läuft sich´s total gut – ordentlicher Untergrund, ein bisschen Sonne, der mächtige Strom und die hübsche Landschaft, und dazu ist es auch noch schön einsam, denn das Rheinufer hier ist auf viele Kilometer weitgehend unbesiedelt (einerseits weil´s seit jeher Überschwemmungsgebiet ist, andererseits weil die Rheinbegradigung im 19. Jahrhundert dafür gesorgt hat, dass viele ehemalige Fischerdörfer, die einst direkt am Ufer standen, durch die Änderung des Flusslaufs plötzlich ein paar Kilometer im Binnenland waren).

Bloß hin und wieder begegnen mir mal ein paar Spaziergänger, ein kurzes freundliches Nicken, dann ist man auch schon wieder aneinander vorbei. Einzige Ausnahme: Irgendwo zwischen Rheinkilometer 468 und 469 stürmen auf einmal die beiden Hunde eines älteren Ehepaars laut bellend auf mich zu.
Nur gut, dass ich weiß, wie man´s richtig macht – bleibe kurz stehen, freunde mich mit den beiden Hunden an („Nein, sorry, keine Leckerlis dabei“), plaudere noch etwas nett mit den Besitzern und dann geht´s weiter, ohne dass es irgendeinen Grund für irgendwen gegeben hätte, sich aufzuregen… 😉

Ansonsten – Rheinufer, oafach schee:

Bild #15


Bild #16: Frage des Tages: Weiß irgendjemand, wie diese Steinvorsprünge genannt werden, die an ganz vielen Stellen in den Rhein hineinragen?
Und wozu sind die gut?
Ich hab´ nämlich keine Ahnung!


Bild #17: Die Sonne sinkt derweil immer tiefer in den schweren Eisdunst, der über dem Boden hängt. Dadurch wird das Licht zwar insgesamt schwächer, aber der Himmel im Westen färbt sich zugleich auch immer rosiger ein, das ist total hübsch.


Bild #18: Hier hat irgendjemand am Ufer ein Feuerchen mit ein paar massiven Pappelstämmen entzündet, das nun lustig und mit etwas beißendem Holzfeuergeruch vor sich hinkokelt.
Interessanterweise nicht die einzige offene Flamme, die ich heute fotografieren werde…


Bild #19: Eine von diesen herrlichen Reihen aus uralten Pappeln, die so charakteristisch für diesen Abschnitt des Oberrheins sind


Bild #20: Whoa, das sieht ja so langsam schon fast nach Sonnenuntergang aus, was sich da im Westen abspielt. Liegt zum Glück auch teilweise daran, dass die Kamera ein bisschen unterbelichtet, aber ewig Zeit bleibt mir wohl nicht mehr, bis die Sonne weg ist.


Bild #21: Ich. Am Rhein. Im Winter. Unrasiert. Und mit beschlagener Brille. Weil halt…

Irgendwann, nach mehr als drei angenehmen, schönen entspannten Kilometern am Ufer ist dann Schluss mit Fluss.
Bei Rheinkilometer 470…

Bild #22: Da steht´s! 😀

…erreiche ich Gimbsheimer Fahrt, wo ein einsames Haus mit ein paar Nebengebäuden direkt am Rheinufer steht (eine ehemalige Fährstation, wie der Name ja schon nahe legt…):

Bild #23: Gimbsheimer Fahrt

Hier geht´s links, weg vom Ufer, landeinwärts, auf einen tiefverschneiten, einsamen Asphaltweg, der geradewegs über die weiten, offenen Felder in Richtung Gimbsheim führt (und offiziell sogar als Kreisstrasse K28 designiert ist, auch wenn er eher den Eindruck eines etwas besseren Feldwegs macht).
Westwärts, der rötlich schimmernden sinkenden Sonne entgegen.

Über einen kleinen Deich…

Bild #24: Deich und Deichhäuschen kurz hinter Gimbsheimer Fahrt

…an einem Graben entlang…

Bild #25: Möglicherweise der Haarlachgraben.
Möchlicherweise auch nicht.
Das verfügbare Kartenmaterial schweigt sich dazu aus…

…vorbei am einsam gelegenen Platanenhof und ein paar zugeeisten Teichen, die von struppigem Buschland umgeben sind…

Bild #26: Die „Große Grube

…und schließlich um eine kleine Kurve…

Bild #27: Kurz nach dem Platanenhof

…hinter der eine schier endlos lange Gerade wartet, die durch schier noch endlosere Schneefllächen westwärts führt:

Bild #28: K28 zwischen Gimbsheimer Fahrt und Gimbsheim


Bild #29: Großes 270°-Panorama, um mal einen Eindruck von der leeren, weissen Weite zu erhalten, die hier draußen herrscht

Objektiv sind´s vielleicht 1,3 km, subjektiv zieht sich´s doch schon ein bisschen, zumal es immer dämmriger wird.
Zum Glück lässt sich auch hier gut laufen, und es gibt so ein paar Dinge, die ein bisschen Zerstreuung bieten.

Zum Beispiel die Sonne, direkt schräg vor mir – die ist inzwischen schon so tief in den frostigen Bodendunst gesackt, dass man sie mit bloßem Auge als helle Scheibe über dem Horizont ausmachen kann, ohne dass es unangenehm wäre. Der Himmel um sie herum erstrahlt dabei in einem grandiosen Spektakel von unglaublich intensiven Sonnenuntergangstönen.
Noch bevor ich die Hälfte des Weges nach Gimbsheim zurückgelegt habe verschwindet sie vollends im Dunst, doch ihr letzter Gruß für heute ist schlichtweg atemberaubend:

Bild #30: In Echt noch viel schöner!!!

Oder auch die paar verhärmten Rehe, die auf den verschneiten Feldern nach ein bisschen was Essbarem suchen:

Bild #31: Rehe vor Gimbsheim. Nicht gerade scharf, aber angesichts von schlechter werdendem Licht und maximalem Digitalzoom ging´s halt nicht besser

Und natürlich die erste Reihe der rheinhessischen Hügel, die sich im Westen langsam herausschält und wie eine dunkle Mauer die Ebene begrenzt:

Bild: 32: Schemenhaft in der „Ferne“ (2,5 km) erkennbar: Der Anfang des Rheinhessischen Hügellands. Ebenfalls im Bild: Die ersten Häuser von Gimbsheim

Kurz darauf erreiche ich dann Gimbsheim:

Bild #33: Gimbsheimer Ortseingang

Freundliches kleines Flachlanddorf, das etwas verschlafen in den blauen Winterabend hineindämmert. Keine Ahnung, ob hier jemals zuvor gewesen bin – vielleicht bin ich mal durchgefahren, aber wenn, dann kann ich mich nicht dran erinnern.
Also echtes Neuland, so wie ich´s mag… 🙂

Ich laufe immer geradeaus, die breite, von unprätentiösen Wohnhäusern mit kleinen Gärten gesäumte Rheinstr. hinunter.
Übrigens auf der Fahrbahn, denn der Schnee auf den Bürgersteigen ist etwas unheinheitlich geräumt. Geht aber gut, hier hat´s kaum Verkehr.

Nach 300, 400 m. nähere ich mich dem Ortskern, in dessen Mitte eine große, schöne alte Kirche in den rosigen Dämmerhimmel ragt:

Bild #34: Gimbsheimer Kirche

Sieht nett aus, und ich würd´s mir auch gerne aus der Nähe anschauen, aber leider geht´s vorher links ab, in den Alleeweg, der zwischen Kleingärten und den rostigen Gleisen einer stillgelegten Kleinbahn nach Süden führt, vorbei an einem großen Parkplatz nebst Sportgelände und einer baumbestandenen Grasfläche mit (gut frequentiertem) Rodelhügel am südlichen Ortsrand auf die nächste Gerade, auf der´s nun südwärts geht, so langsam aber sicher zurück in Richtung Eicher See:

Bild #35: Weg am gimbsheimer Rodelhügel vorbei

Zur Abwechslung ist das sogar mal ein markierter Weg, nämlich die lokale Nordic-Waling-Strecke Nr. 2 namens „Schiffsmühlenroute“.
Gut zu wissen…

Zuerst mal geht´s zwischen mehreren großen Baggerseen durch, zum Beispiel dem halb zugefrorenen See „An der Aubrücke“…

Bild #36: See „An der Aubrücke“, komplett mit Eisschicht und verfrorenen Enten

…und dem zum Baden zugelassenen Pfarrwiesensee…

Bild #37: Badestrand Pfarrwiesensee. Sieht heute irgendwie nicht sooo einladend aus… 😉

…dann finde ich mich wieder mal in den endlosen, verschneiten Feldern des rheinhessischen Hügelvorlands wieder, mit einer weiteren unglaublich lang aussehenden Gerade vor mir:

Bild #38: Schiffsmühlenroute nach Süden.

Hier drücke ich so langsam auch mal etwas ernsthafter aufs Tempo, denn inzwischen dämmert es ernsthaft, und ohne Sonne fallen die Temperaturen unter dem klaren Wintersternenhimmel langsam aber merklich ab. Brrr.
Ernsthafte Sorgen mache ich mir zwar nicht, denn ich weiß ziemlich genau wo ich bin und wie ich zurück zum Auto komme – aber irgendwie erzeugt es doch ein gewisses Gefühl der Dringlichkeit, wenn man sich in noch nie besuchtem Terrain wiederfindet während langsam und unerbittlich die eisigblaue Winternacht heraufzieht…

Trotzdem zieht sich die Gerade endloooos.
Gleich am Anfang erkenne ich weit, weit vor mir einen anderen Jogger, der mir entgegenkommt, aber es dauert Stunden (gefühlt)/Minuten (real), bis wir endlich aneinander vorbeilaufen.
Ansonsten ist es ganz einsam hier, wenn man mal von der großen Schar Wildgänse absieht, die sich laut honkend und krächzend auf einem verschneiten Acker links des Weges niedergelassen hat und durch ständig neu einfliegende Gänsegrüppchen vergrößert wird:

Bild #39: Grobkörnig-unscharfe Wildgänse in der Dämmerung.
Weil mein Kopf auf der laaaaaaaaangen Gerade nichts Besseres zu tun hat, verbringe ich ein paar aufregende Sekunden damit, mir auszumalen, wie es wäre, wenn die Gänse wegen das harten Winterwetters zu Fleischfressern mutieren und auf Joggerjagd gehen würden.
Dann mache ich, dass ich schnell weiterkomme (better safe than sorry… 😀 )

Ansonsten fixiere ich mich ganz auf ein einziges Geländemerkmal, das weit, weit vorne, am mutmaßlichen Ende der Geraden auszumachen ist: Direkt vor mir zeichnet sich ein einzelner, heller Leuchtpunkt flackernd vor dem samtigen Himmel ab (wer auf Bild #38 genauer hinschaut, kann ihn schon erkennen), der langsam aber stetig näherrrückt und dabei mehr und mehr wie eine große offene Flamme.

Und tatsächlich – da brennt eine mannshohe hellgelbe Flamme aus einem schlanken Metallschornstein:

Bild #40: Das zweite offene Feuer, das ich heute fotografiere. Und deutlich größer als das erste…

Offenbar bin ich hier auf eine der letzten aktiven Ölförderanlagen in der oberrheinischen Tiefebene gestoßen (früher waren die gar nicht so selten, als ich klein war´ gab´s auch überall drüben im Ried noch die großen Hammerpumpen) – das find´ ich spontan sehr interessant und spannend, und mach´ deshalb auch gleich noch ein Foto von der großen Stichflamme, die angenehm warm gegen die herabsinkende Dunkelheit anleuchtet:

Bild #41: Ölförderanlage bei Eich

An der Ölförderanlage ist auch Schluß mit der langen Geraden, denn es geht links ab (zusammen mit der Schiffsmühlenroute) – auf die nächste endloooos lange Gerade, dieses Mal in Richtung Osten, Rheinufer und (hoffentlich) Ziel.

Immer geradeaus, mit schnellem Schritt und schnellem Atem auf dem trocken knirschenden Schnee des namenlosen Feldwegs durch die bläulichweiße Weite, die immer mehr im Dunkel versinkt…

Bild #42: Ostwärts

…vorbei an schneebedeckten Stoppeläckern, kleinen Baumreihen, ein paar kleineren und größeren Seen und ein paar verwaisten Baufahrzeugen, die wie die festgefrorenen Kadaver urzeitlicher Riesentiere in der Dämmerung ruhen…

Bild #43: Stehen am letzten der Seen (wo offenbar Kies abgebaut wird)

…während am Himmel hinter mir langam die letzten rosigen Überreste der Dämmerung verglühen und in die Winternacht schmelzen:

Bild #44: Was vom Tage übrig blieb

Ich beeile mich weiter, die neuen Schuhe machen das mit, die Ausdauer auch. Zu sehr in die Nacht geraten will ich heute nicht, nicht hier draußen, wo ich mich nicht richtig auskenne, und nicht im Januar, bei Temperaturen, die langsam tiefer unter den Gefrierpunkt sinken.

1,75 km ostwärts, dann ein kleiner Schlenker an einem dunklen Wäldchen entlang, schließlich taucht vor mir in der Dämmerung der Deich auf, der das Rheinufer vom Hinterland trennt.
Obendrauf: Zwei Spaziergänger auf dem Weg nach Süden, wo der Eicher See liegt (liegen sollte…).
Sehr gut, damit hab´ ich´s fast geschaft.

Durch den tiefen, verkarsteten Schnee auf den Deich hinauf, dann die Deichkrone, vorbei an den Spaziergängern nach Süden, bis vor mir im letzten Dämmerlicht Türmchen des Dammwachthauses auftaucht, das mir ja schon mal kurz nach dem Start begegnet ist:

Bild #46: Dammwachthaus beim Eicher See (vgl. Bild #10)

So ein bisschen erleichtert bin ich da schon… 😉

Von hier aus ist es dann nur noch ein Katzensprung zum Anfang der Wochenendhaussiedlung…

Bild #46: Eingang der Wochenendhaussiedlung Eicher See

…wo ich links runter auf den anheimelnd beleuchtenden Nachtigallenweg wechsle…

Bild #47: Nachtigallenweg

…an dessen Ende das Auto wartet.

Sehr schöne Tour.
Abwechslungsreich und (bis aufs Ende) schön entspannt, mit fast 100% neuer Strecke in einem bisher weitgehend unerlaufenen Teil von Rheinhessen, Sonne und Schnee, ein paar interessanten Entdeckungen zwischen Rheinufer und Binnenland, und gegen Ende sogar nochmal sowas wie ein bisschen Spannung.
Das war die paar Euro für die Fähre allemal wert! 🙂
Und die Schuhe haben auch schon ein bisschen besser funktioniert – noch nicht perfekt, aber das lässt sich ganz gut an…

Strecke: 12,5 km
Zeit: Wees ick ooch nüsch
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 99,68% (12,46 km von 12,5 km)
Karte:

M.

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16 Antworten to “Sonne, Schnee und Rheinufer: Eicher See – Gimbsheim mit Fotos (12,5 km)”

  1. Benny aus P. Says:

    Haiho,

    nachdem ich bisher mehr still mitgelesen habe (und etwas Zeit hatte), melde ich mich mal wieder nach sehr langer Zeit zurück.

    Zu deiner Frage des Tages: diese senkrecht zur Fließrinne laufenden Steinwälle bezeichnet man als Buhnen; sorgen dafür, dass das Wasser in der Fließrinne schneller fließt.
    Weiß dass, weil ich auch Kanut bin und man darin Zuflucht suchen kann, wenn ein Assi-Rennboot oder Frachter Wellen schlägt.

    Zweifellos, die Strecke ist nicht nur mit dem Boot eine Perle.

    Man sieht sich

    Benny

  2. matbs Says:

    Hi Benny,

    hey, schön, mal wieder von dir zu hören! 🙂

    Vielen, vielen Dank für die Info, ich glaub´ das Wort „Buhnen“ hab´ ich noch nie gehört, um so mehr freu´ ich mich, wieder was gelernt zu haben!

    Deine Abneigung gegen Assi-Rennboote kann ich gut nachvollziehen, die gehen mir schon immer tierisch auf die Nerven, wenn ich nur am Ufer unterwegs bin und die Deppen vorbeibrettern.

    Nochmal vielen Dank!

    Matthias

    PS: Jepp, das ist ´ne schöne Ecke da!

    PPS: Du kommst ja ganz schön rum – nicht nur mit dem Rad in den Odenwald sondern auch noch mit dem Kanu auf dem Rhein – alle Achtung!

  3. Daniel Kopp Says:

    dieser gesichtsausdruck immer auf deinen selbstporttraits – einfach köstlich.

    ein schöner all-over-lauf. was will die läuferseele mehr?

    lg
    daniel

  4. matbs Says:

    Was heisst denn hier „köstlich, dieser Gesichtsausdruck“?
    Das ist gar nicht so einfach, vollkommen natürlich zu gucken, wenn man leicht außer Atem den Foto auf Armeslänge hält und sich selbst abknipst – versuch´s nur mal selbst, dann wirst du sehen, was ich meine… 😉

    Oh, und die Läuferseele will Sonnenschein, 19° bis 23° und Tageslicht bis 22:00 Uhr.
    Wie immer, also… 😀

  5. Daniel Kopp Says:

    ich weiß, schwierig genug überhaupt den kopf aufs foto zu kriegen 🙂 ich kenn das 🙂

    tageslicht bis 22:00 uhr. das und kurze klamotten sind ja echte freiheit 😦

  6. Hannes Says:

    Hm, ja, doch, dein „Rheinpanorama“ ist genehmigt. Eigentlich sind ja die ganzen möchtegern-Gewässer da unten in Süddeutschland etwas uncool, aber die Tour am Rhein sieht nett aus, das akzeptiere ich x)

  7. matbs Says:

    Wie bitte? „Möchtegerngewässer“??

    Ui ui ui, da hat aber jemand in Erdkunde nicht gut aufgepasst: Der Rhein ist mit einer Küstenlänge von 1730 km das zweifellos bedeutendste Gewässer des Landes. Nix mit möchtegern, da können Nord- und Ostsee, die´s ja selbst zusammengenommen gerade mal auf 2389 Kilometer Küste bringen (also jeweils elfhundertebbes für beide, wenn´s paritätisch verteilt ist), nun wirklich nicht gegen anstinken… 😀

  8. Hannes Says:

    Wen interessiert denn hier die Küstenlinie? Ist ein Land toll, nur weil es lange Grenzen hat? Also wirklich …

    Frag doch mal die UNESCO, was die bezüglich Weltnaturerbe vom Rhein hält … *grübel*

  9. matbs Says:

    Die UNESCO sagt dazu das hier.

    😉

    (wobei das zugebenmaßen nicht ganz „mein“ Stück vom Rhein ist, aber nah dran – vielleicht wird das ja mal was, diesen Sommer…)

  10. Evchen Says:

    Na gut, ich muß zugeben, daß ich mich bisher immer um diesen Post von Dir gedrückt habe: absichtlich! Wahail…ich Dich sonst nicht mehr hätte leiden können (ich mußte bei der Überschrift schon grummel-grunzen). Mir ging das triste, dunkle und äh so auf den Kittel und dann läufst Du einfach in der Sonne! Ich habe ernstlich am Sinn meines Daseins gezweifelt! Ok, a litle less drama. 😉
    Du läufst nie morgens oder?

    Und jetzt Obacht, Kompliment im Anmarsch:
    Nein, nicht zu Deinen Porträt. 😉
    Aber zu Deinen „Randnotizen“. Ich behaupte mal, ein recht interessiertes Menschlein zu sein, aber was Du da immer an Infos rauskramst…ts. Hammer! Wäre ich an den 750 Häusleins vorbei gelaufen, hätte ich mich vielleicht vage gefragt, warum die Stromkästchen da so hoch hängen und das war`s. Wenn Du aber kurz, knapp und interessant darüber berichtest…. oje, jetzt muß es raus: Matthias, durch Dein Blog lerne ich dazu! Puh. 😀

  11. matbs Says:

    Ok, dann werd´ ich meine nächste schöne Tour am besten mit sowas wie „Alles Scheiße im Odenwald und ich hab mir ein Bein gebrochen“ titulieren, damit du sie auch ja nicht verpasst. 😀
    Abgesehen davon: Irgendwann demnächst isses auch wieder umgekehrt, und du läufst durch hawaiianisch anmutendes Kaiserwetter, während ich hier unten im grauesten Nieselregen aller Zeiten sitze und von Unlust und Tristesse gebeutelt werde.

    Morgens lauf´ ich nur ganz ganz selten, und eigentlich nie besonderen ohne Grund – ist einfach nicht so meins, zumal ich ja eher ein Nachtmensch bin, der jegliche Freie Zeit, die er möglicherweise fürs Laufen zur Verfügung hätte, für wichtigere Dinge (=Wachwerden) braucht… 😉

    Und was das Lernen angeht: Sorry, ich werd´ versuchen, in Zukunft weniger informativ zu sein…
    Aber wenn du irgendwann mal in ´nem Fernsehquiz eine Million gewinnst, weil du weißt, dass am Eicher See die Sicherungskästen in 3,50 m. Höhe angebracht sind, will ich trotzdem was abhaben! 😀

  12. Evchen Says:

    Ach, Du wärst einer meiner Telefonjoker!

  13. matbs Says:

    Jaaja, das hat man mir schon öfter gesagt… 😉 😀


  14. […] im Süden der Mannheimer Innenstadt und alle Strecken am westlichen Rheinufer, die ich mit der Fähre erreicht habe, sind noch nicht ans restliche Streckennetz angeschlossen, das muss noch nachgeholt […]


  15. […] aber dann auch irgendwie wieder nicht – zwar bin ich hier schonmal langgelaufen, aber das war letzten Januar, bei Schnee, Kälte und aufziehender Dunkelheit (sogar mit Fotos!). Eigentlich nur ein gutes halbes Jahr her, aber im Moment fühlt es sich eher […]


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