Mit Nemo im Nebel durch die Täler hinter Jugenheim (11,6 km)

19. Januar 2010

In den letzten Monaten hab´ ich die Laufwoche ja meistens erst Mittwochs begonnen.
Ehrlich gesagt nicht aus irgendwelchen hochtrabenden trainingstechnischen Überlegungen oder vergleichbarem Schnickschnack, sondern vor allem deshalb, weil dazu neige, den Wochenstart angesichts von drögem Wetter und nebensaisonaler Unlust so lange wie möglich aufzuschieben.
Und Mittwoch ist eben der letztmögliche Starttag, an dem man vier Läufe die Woche machen kann und trotzdem noch einen Regenerationstag dazwischen hat…

Aaber diese Woche nicht.
HA!
Weil: Es ist Dienstag, und ich geh´ laufen, dank eisernen Entschlossenheit und schier übermenschlicher mannhafter Willenskraft.
(Oder vielleicht auch, weil der Hund ja eh raus muss und man da gleich laufen gehen kann, weil ja eh alles egal ist. Hmmm… 😉 ).

Selbes Programm wie letztes Mal: Keine Strecke, kein Plan, einfach den Köter geschnappt und los, raus in den unglaublich dicken, zähen Nebel, der heute über der Bergstrasse hängt und die Welt in ein wattig-graues Halblicht taucht (das mir eigentlich total gut gefällt, weil´s so was Geheimnisvolles hat – zumindest heute, wenn das Zeug morgen immer noch da ist, werden die Karten neu gemischt…).


Aufwärts, hoch in den Wald, Standartaufstieg via Burgen-/Alemannenweg und dem Weg am Merck´schen Wasserturm vorbei auf den Pürschweg (SJ2) in Richtung Melibokus.
Da wollen wir aber nicht hin, deswegen biegen wir gleich wieder links ab und laufen der gelben 2 (Bauernhöhenweg. NICHT BaYernhöhenweg, auch wenn das die Wanderkarte fälschlicherweise behauptet) hinterher, die auf einem Minipfad geradewegs auf den Bergrücken vor der Bauernhöhe (NICHT BaYernhöhe, auch wenn das die Wanderkarte fälschlicherweise behauptet) führt.
Kurzer Anstieg aber happig, mit knapp 20% anstieg auf schlechtem Untergrund.
Klappt aber prima, jetzt wo der rutschige Schnee weitgehend weggetaut ist, huffe und puffe ich das langsam und stetig hoch, ohne dass es Probleme gäbe (und Nemo ist sowas eh egal).
Geht also noch, vielleicht nicht mit demselben scharfen Antritt wie in der Sommersaison, aber es geht… 😉

Oben angekommen geht´s auf den unmarkierten Waldweg zwischen Höhenkamm und Melibokusweg. Gut in Schuss, moderate Steigung, viele Kurven, mit denen man die oberen Enden der Seitentäler in der bewaldeten Bergflanke umrundet.
Auch das klappt bestens.

Der Nebel wird übrigens dichter, je höher wir kommen, bald verliert sich die Welt bereits in 50 oder 60 m. Entfernung in einem wabernden grauen Dunst. Hat was.
Und auch der Schnee nimmt deutlich zu, wird mehr und mehr, bis die Bergflanke schließlich wieder mehr weiß als braun ist – faszinierend, wieviel die vielleicht 150 oder 200 Meter Höhenunterschied zwischen dem Fuß der Berge und diesen unteren bis mittleren Höhenlagen ausmachen…

An der einsamen Kreuzung auf dem Bergrücken unterhalb des Darsbergs erreichen wir den höchsten Punkt der heutigen Tour auf ca. 340 m.ü.NN – absolut gesehen nicht viel, aber dank Schnee und dickstem Nebel fühlt sich´s so an, als wär´s das Ende der Welt.
Nett.

Wie an höchsten Punkten üblich geht´s ab hier wieder bergab. Wir nehmen die kurze, miese, unmarkierte Verbindungspassage schräg den Hang abwärts auf den Melibokusweg und laufen den wieder runter.
So langsam zeichnet sich ab, dass das heute eine von diesen coolen „Zickzacktouren“ wird, für sich die zerklüftete Mittelgebirgslandschaft zwischen Bergstrasse und Odenwald ideal eignet – einen Weg hoch, den nächsten wieder runter, rein und raus in ein Seitental und gleich weiter ins nächste.
Das gibt ordentlich Distanz und überraschend viele Höhenmeter auf wenig Fläche, nette Sache.

Einige hundert Meter den Melibokusweg runter, auf dem der Schnee noch so tief ist, dass jeder Schritt ein leises Knirschen erzeugt, das unwirklich laut durch den Nebelwald hallt, der ansonsten vollkommen still daliegt (als ich Nemo einmal zur Ordnung rufen muss, weil er ansonsten einm schnell im Dunst verschwindenden Hasen [das einzige andere lebende Wesen, das uns heute hier oben begegnet] hinterherrennen würde, erschrecke ich mich selbst, so laut und schallend hallt meine erhobene Stimme durch die wattige Stille).

Nach einem guten halben Kilometer biegen wir rechts ab, auf den Balkhäuser-Tal-Weg (gelbe 3), der an den steilen Hängen hinab ins Balkhäuser Tal führt.

Selbst bei gutem Wetter muss man hier ein bisschen aufpassen, denn der Pfad ist höchstens 30 cm breit, längs zur Laufrichtung etwas abschüssig, und links fällt der Hang mit beachtlich steilem Gefälle zum weit unten liegenden Talgrund ab. Heute, bei Schlamm und Schnee und Nebel erfordert das höchste Konzentration, sehr zu Nemos Leidwesen, der mit seinen stabilen vier Stummelbeinchen immer wieder ungeduldig vornewegrennt und dann mit einem genervten „ja was, kommste jetzt endlich mal“-Gesichtsausdruck auf mich waren muß.

Unten angekommen geht´s am Waldrand beim Kisselsgrund vorbei, von dessen nebligen Weiden ein paar Schafe und Pferde unser vorbeilaufen mit gedämpften Huftier-Interesse (Marke „nicht besonders interessant, aber trotzdem das spannendste, was heute passiert ist“) verfolgen, dann über die verwaiste Landstrasse (L3103) im Balkhäuser Tal auf den Parkplatz Talhof, über die Quattelbach und schließlich den alten Asphaltweg (Hechlersgrundweg, gelbe 6), zwischen Waldrand und Talhof hinauf (wieder aufwärts. Klappt immer noch prima…) bis zur Kreuzung an der Kaiserbuche.

Kurze Entscheidungspause: Links oder geradeaus geht´s auf den Heiligenberg und damit zurück in Richtung zuhause.
Rechts geht´s in Richtung Stettbach und Kuralpe, und damit weg von zuhause.
Hmmm.

Hund: Bright-eyed and bushy-tailed.
Matthias: Auch.
Zeit: Öääh, keine Ahnung, hab´ die Uhr vergessen.

Ochjoa, das geht.
Rechts, über die offenen Wiesen am Hechlersgrund (von hier oben hat man an klaren Tagen einen netten Blick über Balkhausen zum Melibokus. Heute hat man einen netten Blick auf die 50 m. entfernten Nebelschwaden…), hoch in den Wald unterm Vogelherd und jenseits des kleinen Zwischenrückens dann links auf den Goschenrod-Weg der – man könnte es ja schon fast vermuten – um die bewaldete Kuppe des Goschenrod führt.

Leicht abwärts auf knirschigem Schnee, mit beschlagener Brille (fast 100% Luftfeuchtigkeit bei Temperaturen unter 5° Celsius, da passiert sowas) und zusehends eingesautem Hund (meine neuen schwarzen Schuhe hingegen werden offenbar nicht dreckig. Bin mir noch nicht sicher, ob ich das gut finde… :D).

Schließlich rechts, Hofgrundweg, erst noch ein bisschen Wald, dann grünweißnebelige Wiesen – wir sind im Stettbacher Tal.

Fühlt sich eigentlich noch nicht besonders spät an, aber tatsächlich beginnt es bereits ganz leicht zu dämmern, vielleicht auch wegen dem dichten Nebel, der das Tageslicht früher als normal abwürgt.
So langsam wird´s Zeit, über den Rückweg nachzudenken.

Dafür gibt´s prinzipiell zwei Möglichkeiten: Wir können von hier aus entweder der schmalen Fahrstrasse folgen, die im Talgrund von Stettbach nach Jugenheim führt. Kurz und bequem, aber bei den momentan herrschenden Sichtverhältnissen ziemlich unsicher, besonders mit dem Hund im Schlepptau. Fällt aus.

Bleibt noch Möglichkeit 2, nämlich über die Fahrstrasse rüber und auf der anderen Talseite hoch in den Wald an den Hängen von Kniebrecht und Tannenberg. Weiter (weil´s wieder im Zickzack um die Täler geht) und nochmal einige Höhenmeter, aber dafür kein Verkehr.
Besser.

Also runter zur K144, kurz auf der Fahrbahn nach rechts, dann bei der ersten Gelegenheit links in den Wald, wo der Sachsenbergweg (gelbe 3) durch ein schmales, steiles Seitental aufwärts ins Tannenberg-Massiv führt. Hier hängt der Nebel so dicht zwischen den dürren Kiefern, dass man ihn mit dem Messer schneiden könnte, und ganz schön finster ist es auch schon, wir beeilen uns ein bisschen.
(Wie sich hinterher herausstellen wird, bin ich diesen Weg seit Blogbeginn vor zweieinhalb Jahren nicht mehr gelaufen – ist also defacto neue Strecke, und das, ohne dass ich es bewußt drauf angelegt hätte. Yay!!).

Bei der ersten Gelegenheit geht´s um eine scharfe Linkskurve, auf einem unmarkierten Wegstück um den Bergvorsprung ins nächste Seitental. Dort biegen wir dann falsch ab (links runter statt rechts hoch – hab´ ich einfach nicht aufgepasst) und finden uns auf einmal auf einem gewundenen Waldweg wieder, der durch die tief eingeschnittenen Mini-Canyons in der Bergflanke (sehr stimmungsvoll bei diesem Mix aus Nebel, Schneeresten und heraufziehender Dunkelheit) abwärts führt, bis zum Parkplatz Tannenberg, der wieder an der K144 im Stettbacher Tal liegt, gerade mal 150 m. von der Stelle entfernt, wo wir vorhin die Strasse überquert haben.
(Netto-Umweg: 1 Kilometer und 50 HM. Das hätten wir auch einfacher haben könne… 😉 ).

Macht nix, nächster Versuch: Tannenberg-Weg (gelbe 1), der führt wiederum um den nächsten Bergvorsprung und am Rand des nächsten Seitentals hinauf, bis zum hinteren Talende, zur nächsten Kreuzung.
Hier geht´s scharf rechts zum Kniebrecht hoch, und weniger scharf rechts zur Tannenburg, und geradeaus auf den ewig langen gewundenen Weg, der durch den Hangwald über dem Stettbacher Tal in Richtung Alexanderhöhe führt. Den wollen wir eigentlich nehmen.

Uneigentlich gibt´s da aber noch einen vierten Weg, der mir noch nie aufgefallen ist. Links, geradewegs in den schmalen Talgrund rein und steil abwärts zurück ins Stettbacher Tal.
Eigentlich nicht ganz die richtige Richtung, aber hey – ganz neue, bisher nicht mal bekannte Strecke…
Hmmm….

Wir biegen links ab.
Schon auf den ersten Metern wird klar, warum mir dieses „Weg“ noch nie aufgefallen ist – es ist eigentlich gar kein Weg!
Bestenfalls ein Pseudopfad (der nicht mal in der Wanderkarte auftaucht), ein steiles, rutschiges Stück Waldhang auf dem etwas weniger Bäume wachsen, aber das deswegen noch lange nicht zum Laufen geeignet ist. Im Hellen und im Sommer (wenn hier offensichtlich alles überwuchert ist), hätt´ ich den als Weg identifiziert, aber heute, bei schlechtem Licht und Nebel… tja.

Höllenritt abwärts, in der beinahe schon nächtlichen Finsternis auf einem knietiefen rutschigen Laubteppich, der mit Schlamm und Schneeresten garniert ist, über Stock, Stein und Wurzelwerk abwärts durch die Wildnis, teilweise mehr rutschend als laufend.
Und am Ende wartet wieder die Strasse im Stettbacher Tal auf uns, dieses Mal immer 200 m. nach der letzten Stelle, an der wir sie gesehen haben…

Das reicht jetzt, zumal´s hier auch keinen Weg mehr gibt, der zurück in den Wald führt – wir folgen der Fahrbahn der K144 in Richtung Jugenheim. Mit einem mulmigen Gefühl, denn inzwischen ist es fast schon dunkel, und der schmale Asphaltstreifen ist unbeleuchtet und voller uneinsichtiger Kurven.

Nee, das is nix, wird mir zu riskant mit dem Hund an der Leine.
Bei der nächsten Gelegenheit verlassen wir die Strasse, laufen über den Parkplatz beim Brandhof hoch in den Wald und nehmen dort den ersten Querweg in Richtung Heiligenberg.
Inzwischen bin ich ganz froh, dass noch etwas Schnee liegt, sonst wär´s echt schwierig, den Weg in der nebligen Dunkelheit zu erkennen.

Immerhin, weit ist es nicht mehr – nach vielleicht 700 m. erreichen wir den Waldrand am kleinen Wiesental hinter Schloss Heiligenberg, dessen Lichter freundlich durch den nächtlichen Nebel herüberblinzeln.
Ums Tal herum, am Schloss entlang, dann den Fahrweg nach Jugenheim runter, vorbei am still daliegenden und immer noch etwas vereisten Schlossteich und schließlich die steilen Serpentinen des Fahrwegs hinab, bis ins Dorf, das sich friedlich und mit dem warmen Schimmern unzähliger Lichter in die Winternacht träumt.
Noch ein paar hundert Meter auf dem Blütenweg, dann sind wir zuhause, eingesaut und angefroren, aber guter Dinge.

Nette Tour bei stimmungsvoller Witterung, schön entspannt, mit ein paar hundert Metern zufälliger neuer Strecke. Und am Ende war´s sogar deutlich weiter als erwartet, denn dank der vielen Kurven und Windungen sind´s schließlich 11,6 km geworden (und immerhin etwas über 400 HM), obwohl wir keinen einzigen Moment weiter als 2,6 km Luftlinie von zuhause entfernt waren.
Durchaus ok für einen trüben Dienstag im Januar… 🙂

Strecke: 11,6 km
Zeit: Von hell bis nicht mehr hell
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 5,17% (0,6 km von 11,6 km)
Karte:

M.

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4 Antworten to “Mit Nemo im Nebel durch die Täler hinter Jugenheim (11,6 km)”

  1. Evchen Says:

    Hey Matthias, ich werde in unbekannte Gefilde entführt! Ha! Drück die Daumen, daß auch ein paar nette Bilder bei rumkommen und ich durchhalte. Uffz. 😉

    Und saubere Schuhe sind bah! Ich krieg meine aber auch nicht ordentlich eingewutzt.

  2. matbs Says:

    Cool!
    Daumen sind hiermit gedrückt, und ganz viel Spaß wünsch´ ich dir außerdem noch!!! 😀

    Und was das Durchhalten angeht: Das schaffst du schon, wenn die Umgebung neu und spannend ist, erhöht das die Ausdauer nämlich ungemein! (und wenn nicht hast du ja immer noch den Foto, mit dem du dir ein paar Pausen erschleichen kannst… 😉 )

    Ich freu´ mich auf Details! 🙂

    PS: Genau, saubere Schuhe sind was für weichrige Laufpriemeln, nicht für echte Kerle mit Haaren auf der Brust wie uns! 😆

  3. Evchen Says:

    Auf den Zähnen, mein Lieber, auf den Zääääähnen! *zeig*

  4. matbs Says:

    Da auch.
    😀


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