Nacht hinter Offenbach: Bürgel – Mühlheim am Main – Rumpenheim (12 km )

20. Januar 2010

Heute Abend: Termin in Frankfurt.
Eine ideale Gelegenheit, um das Streckennetz ein bisschen weiter in den fernen, fremden Osten des Rhein-Main-Gebiets auszuweiten.
Das letzte Mal war ich vor zwei Monaten da oben und hab´ eine sehr interessante Tour in tiefer Nacht am Offenbacher Mainufer gemacht.
Heute will ich da ansetzen, wo ich damals aufgehört habe: Vom Offenbacher Stadtteil Bürgel, den ich seinerzeit angekratzt habe, weiter ostwärts, nach Mühlheim am Main, und von dort aus dann am Flussufer via Rumpenheim zurück nach Bürgel.
Ob´s landschaftlich schön wird weiß ich vorher nicht, aber auf jeden Fall wird´s ganz, ganz spannend, denn dahinten war ich noch nie.
Nicht mit dem Auto, nicht mit dem Rad, nicht mit der Bahn, nicht zu Fuß. Ehrlich gesagt hatte ich bis zur Vorbereitung dieser Tour nicht mal eine konkrete Vorstellung, was genau hinter Offenbach überhaupt für Orte liegen – ein weißer Fleck auf der meiner persönlichen Landkarte, jenseits vom Rand der bekannten Welt, absolut neu und unerforscht. Wie gesag: Total spannend!
Um so mehr, als meine Verabredung in Frankfurt auch heute erst gegen 19:00 Uhr angesetzt ist, und ich den vorherigen Lauf entsprechend spät starte – das wird wieder eine Runde nach Einbruch der Dunkelheit, in finsterer Nacht durch vollkommen unbekanntes Gebiet.


Bereits während ich durch den trüben, nieselig-kalten Spätnachmittag nordwärts fahre, beginnt das graue Tageslicht langsam zu schwinden.
Dazu muss ich dann auch noch während der späten Rush Hour durch Offenbach (bei uns im Rhein-Main-Gebiet sagt man ja, dass die Offenbacher [Kennzeichen OF, das steht laut Volksmund für „Ohne Führerschein“] die schlechtesten Autofahrer weit und breit sind – und so ein bisschen sehe ich dieses Vorteil heute im Verkehrsgewusel schon bestätigt… ;)) und danach durch den Bürgeler Ortskern, der aus einem verworrenen Knäuel enger Einbahnstrassen besteht, das den Ortsfremden (= moi) in seiner Komplexität stark an das große Labyrinth von Kreta erinnert.
Uijuijui…
Folgerichtig dauert die Anreise länger als geplant, so dass ich erst um kurz nach 17:00 am Ausgangspunkt der heutigen Tour, einem Parkplatz neben der Sportanlage in der Bürgeler Jahnstr. ankomme.
Da ist die Dämmerung, die an so einem trüben und leicht nebligen Tag wie heute ohnehin etwas früher eingesetzt hat, fast schon vorbei.
Keine Zeit verlieren, gleich los, runter vom Parkplatz und auf der von dreckigbraunen Schneeresten gesäumten Jahnstr. ostwärts, an der nächsten Kreuzung rechts in die Frankenstr., dann wieder links auf die Schönbornstr., die aus Bürgel hinausführt.
Schlichtes Wohngebiet, mit kleinen, schmucklosen Ein- und Mehrfamilienhäusern aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Vielleicht im richtigen Licht ganz hübsch, heute Abend, im dunstig-bleiernen Halblicht der Winterdämmerung wirkt alles jedoch ein bisschen traurig und trist auf mich.

Am Ende von Bürgel stoße ich auf den Mainzer Ring, der ein Stück von den letzten Häusern entfernt durchs Niemandsland verläuft – hier soll wohl mal ein Neubaugebiet entstehen, die breite Strasse samt Laternenpfählen gibt´s schon (auch wenn sie offensichtlich so neu ist, dass Google Maps/Google Earth sie noch nicht verzeichnet hat), der Rest fehlt noch.
Da lauf´ ich links hoch.
Fühlt sich etwas seltsam an, auf dem breiten, neuwertigen Asphaltband durch graubraunweißes Brachland zu rennen.
Oh, und richtig behaglich ist es auch nicht – die grautrübe Dämmerung geht zunehmends in eine graubschwarze Januarnacht über, die Luft ist feucht, klamm, klebrig, kalt und riecht nach Kläranlage, die struppigen Wiesen und Kleingärten in der Umgebung wirken verödet und leer. Dazu noch dieses leise nagende „Ich bin am Rand der Großstadt, wer weiß, was hier alles passieren kann“-Gefühl, das Landeier wie mich immer mal wieder beschleicht, besonders wenn sie im vollkommen Unbekannten in die Nacht rennen…
Das treibt alles an, ich mache richtig Tempo, mehr unbewusst als bewusst, so als wollte ich´s schnell hinter mich bringen (morgen werden mir meine tempoungewohnten Beine dafür die Rechnung präsentieren, aber vor Ort läuft´s gut, nicht zuletzt auch dank der neuen Schuhe, mit denen sich´s sehr gut etwas schneller läuft).

400 m. auf dem verwaisten Mainzer Ring durchs Ödland des zukünftigen Neubaugebiets, dann geht´s scharf rechts auf einen Weg, der zwischen Schrebergärten und ein paar einsamen Wohnhäusern hindurch bis auf das Müllergäßchen (später Klingenweg), einen schmalen Asphaltweg, der ostwärts durch die in der beginnenden Nacht versinkenden Felder führt.

Flachland, braune Äcker mit dreckigweißer Schneerestgarnitur und ein paar Heckenreihen und Baumgruppen beiderseits des Weges, nur rechts zeichnet sich in der Ferne ein ansehnlicher Hügel gegen den bleigrauen Himmel ab, wohl der Bieberer Berg/Schneckenberg (aber das finde ich erst hinterher raus), und weit vor mir leuchten die Lichter des nächsten Ortes, von dem ich hoffe, dass es auch wirklich Mühlheim am Main ist.
Ganz sicher bin ich mir nämlich nicht, denn wie gesagt: Diese Gegend hier ist absolutes, vollkommenes Neuland für mich, in dem ich noch nie gewesen bin und von dem ich praktisch nichts weiss – normalerweise läuft ja fast immer meine „Karte im Kopf“ mit, die mir ungefähr sagt, wo ich mich im Verhältnis zu anderen bekannten Orten gerade befinde, doch heute gibt´s diese anderen bekannten Orte in der Umgebung eben nicht, außer vielleicht Offenbach und Bürgel, die irgendwo hinter mir liegen.

Entsprechend laufe ich kaum orientiert durch die Fremde und die Nacht, ein einsamer Punkt halbverloren im Unbekannten und der Dunkelheit, der sich nur auf einen zerknitterten Stadtplanausdruck in der linken und eine winzige Minitaschenlampe (zum Plänchenlesen in der Finsternis – das erweist sich übrigens als gute Idee) in der rechten Hand verlassen kann, um am Ende wieder dort rauszukommen, wo er gestartet ist.
Ganz ehrlich: Das fühlt sich irgendwie schon ein bisschen unangenehm an, so losgelöst jenseits aller bekannten Gefilde durch die Nacht zu driften und nicht genau zu wissen, ob man überhaupt in die richtige Richtung rennt (und wenn nicht – was dann???).
Aber es prickelt auch irgendwie, ist extrem spannend und abenteuerlich, eine ungewohnte Herausforderung, bei der man ganz auf sich allein gestellt ist und die Umgebung äußerst bewußt wahrnimmt, mit hellwachem Geist und weit geöffneten Sinnen.
Die Sache fängt an, mir richtig Spaß zu machen…

Ein knapper Kilometer immer geradeaus, im Eilschritt den asphaltierten Klingenweg entlang, dann komme ich beim nächsten Ort an, dem Offenbacher Stadtteil Waldheim (der so nahtlos an Mühlheim am Main anschliesst, dass ich vor Ort gar nicht merke, dass ich noch im offenbacher Stadtgebiet bin).
Direkt am Ortseingang steht ein staksiger moderner Glockenturm, der auch auf meinem Plänchen verzeichnet ist – ich bin also richtig.
Gut gemacht! 🙂

Auch hier geht´s immer weiter geradeaus, immer weiter ostwärts, durch das ruhige Wohngebiet am alten Frankfurter Weg nach Mühlheim am Main hinein.

Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen:
Das ist vollkommen neu für mich.
Wenn ich mich vor zwei Tagen gefragt hättet, wo Mühlheim am Main liegt, hätte ich wild drauflos geraten und es wahrscheinlich irgendwo in Franken verortet.
Dass es eine Stadt mit mehr als 25 000 Einwohnern direkt hinter Offenbach (und damit eigentlich noch relativ nah an zuhause) ist, hätte ich nicht gewusst.
Und jetzt bin ich da, laufe mitten durch einen Ort, der mir bis gestern noch fast so fremd und unbekannt war wie das Hinterland des Kongo.
Solche Momente liebe ich! 🙂

Der alte Frankfurter Weg ist lang, nochmal fast einen Kilometer vorbei an unspektakulären aber freundlichen Wohnhäusern mit kleinen Gärten, bevor ich halblinks in die breite Offenbacher Str./B43 einbiege, die nordwestwärts in Richtung Stadtmitte führt.
Typische Kleinstadt wie es vermutlich hunderte in Deutschland gibt – Kneipen und Dönerbrater, kleine Geschäfte und Bäckereien, Friseursalons und Apotheken ziehen vorbei, mit hell erleuchteten Schildern die ein grell in feuchten Nachtlut schimmern. Viel los ist nicht, ein wenig Verkehr auf der breiten Strasse, ein paar Passanten auf den Bürgersteigen, das war´s.
Um so besser, dann ist auch niemand zur Stelle um mitanzusehen, wie ich fast über eine etwas zu hohe Bordsteinkante falle und meterweit mit rudernden Armen und zweifellos dämlichem Gesichtsausdruck vorwärts taumele… 😉

Irgendwann geht´s links ab, in die Markststr., die noch mal wesentlich schummriger und einsamer daherkommt als die gut beleuchtete B43.
Hier ist wohl irgendwo der historische Stadtkern, ob und wie ansehnlich er ist, kann ich angesichts von Dunkelheit und weiterhin hohem Tempo allerdings nicht feststellen (ich habe den Verdacht, dass Mühlheim keine außergewöhnlich hübsche Stadt ist, aber ich könnte mich irren).
Einmal kurz falsch rechts abgebogen (Kirchborngasse = Sackgasse) dann die richtige Abzweigung entdeckt, direkt hinter der Markuskirche bis ans Flüsschen Rodau, an dessen Ufer (bzw. der ziemlich großen Hochwasserschutzmauer am Ufer) es dann nordwärts geht, erst aus Mühlheim raus, dann durch die Felder bis an den Main, der unvermittelt in der Dunkelheit vor mir auftaucht.

Damit ist der navigationstechnisch schwierige Teil erstmal vorbei: Von nun an muss ich einfach nur dem Flussufer zurück nach Westen folgen, solange das Wasser rechts von mir ist, müsste ich dann automatisch nach Rumpenheim und weiter um den Offenbacher Mainbogen kommen.

Also: Westwärts auf dem Main-Radweg, links die mit Schneeresten bedeckten Felder vor Mühlheim, rechts der schmale Uferwaldstreifen, dann der in der Dunkelheit öligschwarzschillernde Main, hinter dem die Licht von irgendeinem vollkommen unbekannten Ort leuchten (wohl Dörnigheim), der – zumindest nach meinem Bauchgefühl – eigentlich schon mitten in Osthessen liegen müsste, irgendwo kurz vor Fulda (stimmt nicht so ganz, aber hey… :D).

Still und einsam ist es hier draußen, nur manchmal begegnet mir ein Hundegassigeher oder ein anderer Jogger (übrigens: die Jogger grüßen alle mit vorbildlicher Freundlichkeit, die schlechten Manieren der Großstadt sind hier wohl schon wieder passé. Find´ ich gut!).
Und dunkel ist es natürlich auch, wenn auch nicht wirklich stockfinster – die neblige Luft hält das Streulicht der beiden nahen Großstädte Frankfurt und Offenbach wie unter einer Käseglocke in Bodennähe, so dass es es heller als erwartet ist (auch dank den hellen Schneeresten auf den Feldern). Das geht ganz gut.

Insgesamt folge ich dem Ufer gute 1,5 Kilometer durch die Nacht, dann taucht vor mir eine Art etwas erhöht liegendes Wäldchen an einem Damm aus der Dunkelheit auf – ich bin am Rumpenheimer Schlosspark angekommen.

Den lass´ ich mir natürlich nicht entgehen, trotz Finsternis und Kälte. Noch ein Stück am Damm entlang, dann hinauf und mitten in den dunklen, verwaisten Schlosspark hinein.
Wahrscheinlich sehr hübsch im Hellen (und vielleicht noch zu einer anderen Jahreszeit), im Dunkeln erkenne ich allerdings herzlich wenig, nur die Silhouetten vieler hoher alter Bäume, die den etwas dunkleren Streifen des Weges säumen, auf dem ich in die Parkanlage hineinlaufe.

Nach knapp 100 m. glaube ich rechts eine Art Trampelpfad zu erspähen, der zwischen den Bäumen hindurch in Richtung Schloss führt. Den nehme ich.
Oder auch nicht, denn schon nach den ersten Schritten zeigt sich, dass mir meine Augen in der Finsternis einen Streich gespielt haben – der vermeintliche Trampelpfad entuppt sich als wucherige Schlossparkpampa voller dürrer, meter-hoher Jungbäumchen, die im Dunkel der Nacht quasi unsichtbar sind, mein Fortkommen jedoch nichtsdestotrotz nach besten Kräften zu behindern versuchen. Bei jedem Schritt peitschen mir dünne Zweige entgegen, klammern sich Wurzeln und brüchige Efeuranken um meine Beine.
Zum Glück sind´s nur ein paar Meter Wildnis, dann spuckt mich das Unterholz am Rand einer kleinen Wiese aus, hinter der sich das Rumpenheimer Schloss erhebt.

Sehr ansehnlich, selbst im Dunkeln – ein großer, weißgetünchter Barockbau mit unzähligen Fenstern, bestehend aus einem zentralen Mittelteil samt Türmchen, von dem rechtwinklig zwei lange Flügel abgehen. Sollte eigentlich in den Siebzigern abgerissen werden um hier einen Plattenbau hinzustellen (mal ehrlich: Die ham doch ihren schlaghosenverpackten Arsch auf, die Siebziger), stattdessen hat man sich aber doch eines Besseren besonnen und das Schloss saniert.
Gute Idee!

Ich laufe am Innenhof vorbei zum Ausgang des Schlossparks, hinter dem direkt der beschaulich-hübsche Ortskern von Rumpenheim beginnt und mit schmalen, verwinkelten Gässchen und schönen alten Häusern aufwartet.

Nett, aber ich will ja am Mainufer bleiben, also geht´s gleich wieder rechts, am Westflügel des Schlosses entlang, über eine Terrasse an der imposanten Nordseite des Schlosses, und schließlich auf einer Treppe runter in die Ufergasse, wo gerade die voll mit Autos beladene Rumpenheimer Fähre ablegt und in Richtung andere Flussseite schippert.

Hier geht´s dann wieder nach links, weiter westwärts, weiter am Flussufer entlang. Linkerhand ziehen noch ein paar hundert Meter Rumpenheim vorbei, dann macht der Weg einen kleinen Schlenker vom Main Weg und führt wieder hinaus ins dunkle, einsame offen Gelände des Offenbacher Mainbogens.
Links Kleingärten, dann weite Felder begrenzt durch eine Ansammlung von Bäumen (da liegt wohl der Schultheis-weiher hinter), rechts der schwarze, ruhige Fluss, hinter dem unzählige Autoscheinwerfer auf einer unbekannten Schnellstrasse (die B8, wie sich bei der Nachsorge herausstellt) ostwärts hetzen.
Am schönsten ist allerdings der Blick direkt nach vorne, wo weit jenseits des Mains die 10 Kilometer entfernte Frankfurter Skyline unter einer gelben Korona in den blauschwarzen Nachthimmel leuchtet. Das gefällt mir irgendwie.

Ansonsten ist hier gar nichts mehr los, ich habe die Mainschleife quasi für mich alleine, laufe auf dem Main-Radweg (der laut Google Earth hier auch Almeiweg heisst) weiterhin mit schnellem Schritt durch die nächtlichen Felder und Auen am Flussufer. Schon ein bisschen einsam, aber nicht unangenehm, bis auf das leicht Schaudern, das mir über den Rücken läuft, als mir zwischendurch mal kurz einfällt, das laut Christine (die hier ja regelmäßig unterwegs ist) vor ein paar Monaten nachts ein Angler am Mainufer nicht weit von hier ermordet worden ist.
Brrr…
Aber heute ist hier alles ganz ruhig und nicht bedrohlich, ich gleite in einem friedlichen Gleichschritt durch die Nacht, während sich meine Wahrnehmung von Zeit und Raum in der Dunkelheit seltsam verformt und dehnt, so dass die folgenden knappen drei Kilometer surreal lang und zeitlos erscheinen.
Ungewohnt, aber nicht unangenehm…

Die einzigen klar sichtbaren Fortschrittszeichen auf diesem Streckenabschnitt sind die Veränderungen am anderen Flussufer – irgendwann zieht ein Knoten aus Strassenüber- und unterführungen vorbei (wohl die Auffahrt auf die B8 am Heinrich-Kraft Park – sieht auf den ersten Blick in der Dunkelheit übrigens so nah aus, dass ich mich erst frage, ob mir nicht irgendwo der Fluss abhanden gekommen ist und ich mich verfranst habe [zum Glück ist der Main noch genau da, wo er hingehört, aber ich bin wohl den drei bis viermal breiteren Rhein gewöhnt, bei dem Dinge am anderen Ufer naturgemäß viel weiter weg sind]), etwas später dann ein paar große siloartige Industrieanlagen am Fechenheimer Ufer, die wohl zum ehemaligen Casella-Werk gehören.

Kurz darauf erreiche ich dann den grazil geschwungenen Arthur-von-Weinberg-Steg.
Beim letzten Mal hab´ ich hier den Main zur Fechenheimer Seite hin überquert, heute knicke ich in die entgegengesetzte Richtung ab und laufe ins Landesinnere, zurück in Richtung Bürgel.
Mach´s gut Main, bis irgendwann mal wieder…

Das ist jetzt die Gerhard-Becker-Str., führt zwar erstmal durch Schrebergärten und Wiesen, hat aber nichtsdestotrotz eine anständige Beleuchtung, durchaus angenehm nach mehreren Kilometern am dunklen Flussufer.

Nach einem halben Kilometer geht´s über einen kleinen Deich, kurz danach erreiche ich den Nordwesten von Bürgel.
Offensichtlich ein frühindustrielles Industriegebiet, heute abend wie ausgestorben. Am Gelände einer alten Fabrik geht´s weiter in den Ort hinein, unter einem schönen alten Bogenübergang hindurch und schließlich geradeaus in die Arnoldstr., dann links durch die schmale Lehrstr. bis in den hell erleuchteten kleinstädtischen Ortskern, der sich viel leichter navigieren lässt, wenn man die vielen Einbahnstrassen nicht beachten muss (manchmal ist es eben von Vorteil, zu Fuß unterwegs zu sein… ;)).

Fast geschafft, jetzt muss ich nur noch über eine belebte Y-Kreuzung, dann ein kurzes Stück die von kleinen Geschäften gesäumte Langstr. hinunter und schließlich wieder links in die Jahnstr., wo ich nach 200 m. das wartende Auto erreiche.

Keine wirklich angenehme Tour.
Aber eine ganz, ganz spannende, dank Dunkelheit und absolutem Neuland. Anders als normal, das hat dann doch irgendwie wieder viel Spaß gemacht.
Und außerdem ist mein Ende der Welt wieder ein kleines Stück weiter weg verschoben worden, in Regionen, die mir bisher vollkommen unbekannt waren – wer weiß, vielleicht schaff´ ich es von hier aus ja noch in den wilden unerforschten Main-Kinzig-Kreis, das fremdartig-geheimnisvolle Hanau, oder irgendwann sogar in die sagenumwobene Wetterau… 🙂

Bottom Line: Wenn ihr mal was Anderes ausprobieren wollt, fahrt irgendwohin, wo ich euch kein bisschen auskennt, lauft in die Dunkelheit, und seht, was ihr da findet.
Kostet Überwindung, ist es aber allemal Wert! 😀

Strecke: 12 km
Zeit: Nicht genommen, aber sehr zügig
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 99,5% (11,96 km von 12 km)
Karte:

M.

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18 Antworten to “Nacht hinter Offenbach: Bürgel – Mühlheim am Main – Rumpenheim (12 km )”

  1. fechi Says:

    Ha, die Strecke durch die Offenbacher, Bürgeler und Rumpenheimer Bebauung bin ich auch noch nie gelaufen. Und ich glaube nicht, dass ich das nachholen werde….. Am Mainufer (also Dein Rückweg) ist die schöne Strecke.
    Lustig finde ich, dass Dich als „Landei“ es am Rande der Grosstadt das Nackenhaare-Aufstell-Gefühl ergreift. Mich als „Stadt-Ei“ ergreift es immer eher IN der GROSSTADT, in dunklen Parkhäusern, dunklen Strassen, spärlich besuchten U-Bahn Stationen etc.. Stelle mir nämlich vor, dass Bösewichter die Natur scheuen und keine Lust haben – womöglich mit herungergelassener Hose – am Mainuferweg zu warten, bis mal ein Jogger kommt.
    Ausnahmen gibt es natürlich, Du hast es ja erwähnt.
    Vielleicht verirrst Du Dich mal bei Tageslicht ans Mainufer, das wird Dir bestimmt gefallen.
    Ach und übrigens …. Die freundlich grüssenden Jogger, die waren bestimmt alle vom Fechenheimer Lauftreff 🙂

    • matbs Says:

      Ehrlich gesagt kann ich das Laufen durch die Orte auch nur eingeschränkt empfehlen – die älteren Ortskerne von Bürgel und vor allem Rumpenheim sind offensichtlich nett (wenn auch im Fall von Bürgel arg wuselig), aber die Wohn- und Neubaugebiete drumrum – naja, da kommt das Mainufer schon etwas besser… 😉

      Für mich als Landei ist das ja schon Großstadt wenn „Offenbach“ draufsteht, selbst wenn weit und breit nur Felder zu sehen sind. Wobei ich mich glaub´ ich auch wesentlich unwohler fühlen würde, wenn ich im Dunkeln mitten durch einen sozialen Brennpunkt voller Plattenbauten laufen müsste (was vorerst jedoch nicht geplant ist…). 😀

      Das nächste Mal komme ich wahrscheinlich spätestens im März in eure Ecke, da ist es ja schon wieder etwas länger hell, vielleicht probier´ ich es dann nochmal mit einer Alternativroute, z.B. von Fechenheim über den Weinbergsteg, am Schultheis-Teich vorbei nach Rumpenheim, Schloss im Tageslicht, mit der Fähre übersetzen und am Nord/Westufer zurück (auch wenn mich andererseits natürlich das unbekannte Neuland in Richtung Hanau lockt).
      Mal schauen…

      Zu guter letzt: Solltest du in naher Zukunft irgendwelche vorbildich grüßenden Jogger vom Fechenheimer Lauftreff sehen, kannst du ihnen hiermit meine Hochachtung für ihren hervorragenden Manieren mitteilen! 🙂


  2. […] Verwegene laufen natürlich auch im Dunkeln, zum Beispiel Matthias, der meine alte Laufstrecke besucht hat. Schade, dass er die schöne Strecke am Mainufer nicht sehen […]

  3. Daniel Kopp Says:

    Aus OF kommen immer viele Firmenwagen bei uns vor der Firma. Wenn ich an Offenbach denke, fällt mir als erstes Industrie ein. Vermutlich ein Vorurteil.

    Aber auf alle Fälle hast Du recht. Neue Läufe braucht das Land. Jungfräulich und unberührt. Da vergeht Zeit und das bringt Spass wenngleich es auch nicht immer die Topläufe sind die dabei rausspringen.

    LG
    Daniel

  4. matbs Says:

    Wirklich falsch ist deine Assoziation keineswegs, Offenbach ist in der Tat eine klassische Industrie- und Arbeiterstadt. Aber man darf nicht vergessen, dass zum Autokennzeichen auch noch ein ganzer Landkreis gleichen Namens gehört – und der ist zwar dicht besiedelt, verfügt aber auch über riesige Waldgebiete (Genaueres kann ich dir dazu allerdings [noch?] nicht sagen, denn obwohl´s nicht wirklich weit bis da hoch ist, kenn´ ich mich da [noch?] nicht besonders gut aus.

    Und die Topläufe? Ach naja, die stellen sich irgendwann auch wieder ein, egal wo… 😉

  5. matbs Says:

    Sicher dass wir hier dasselbe Offenbach meinen? Mir ist es da bisher immer ziemlich flach vorgekommen, bis zum Taunus ist es von da noch ein ordentliches Stück, bis Spessart und Odenwald sogar noch ein bisschen mehr…

    Wobei das vielleicht auch der unterschiedlichen Wahrnehmung liegen kann – wenn man weiter von einer Gegend weg wohnt, erscheinen einem die Entfernungen dort ja immer etwas geringer, als sie tatsächlich sind (deswegen bin ich ja auch überzeugt davon, dass du quasi direkt in München wohnst. Und im Allgäu. Und an der Österreichischen Grenze. Das liegt ja alles ganz nah beieienander… 😉 ).

  6. Daniel Kopp Says:

    doch, doch, schon euer hessisches offenbach. ich dachte da auch an den taunus. ist das so weit? ich dachte mal eben auf die bundesstraße und ab ins paradies 🙂

    • matbs Says:

      Naja, von Offenbach bis in den Taunus rein sind´s schon noch so 25 oder 30 Kilometer… 😉

      • Daniel Kopp Says:

        ok, das is ne ecke. lohnt eher für geplante panoramatouren. also eher für was besonderes.
        ich scheu mich ja nicht für einen besonderen lauf mal 100km zu fahren.

        • matbs Says:

          Kann ich gut verstehen, würd´ ich auch gerne öfter machen, zumal´s noch soo viel zu entdecken gibt.

          Aber ich hab´ mir ja selbst die Regel gemacht, dass alle meine Läufe miteinander verbunden sein müssen, so dass ich erstmal die alle dazwischen liegenden Landstriche durchlaufen muss, bevor ich irgendwo in 100 km Entfernung rennen darf.
          Das dauert dann eben immer etwas länger, bevor man dann dort angekommen ist… 😀

  7. Daniel Kopp Says:

    nach münchen brauch ich mit dem pendlerbomber der bahn 30min. also quasi verlängertes wohnzimmer 🙂

    • matbs Says:

      Ich seh´ schon, du bist die Strecke bisher noch nie zu Fuß gelaufen, oder?
      Das verändert die Wahrnehmung vom „verlängerten Wohnzimmer“ erfahrungsgemäß ganz gewaltig… 😀

      • Daniel Kopp Says:

        🙂 wird in diesem leben nicht mehr passieren das ich so ne distanz jogge. auf ultras bin ich nicht aus. ok. 50km kann ich mir noch vorstellen, dann is aber schicht im schacht.

        für so ne nummern bin ich zu zerbrechlich 🙂

        • matbs Says:

          Ach gott bewahre, natürlich nicht am Stück – sowas muss man natürlich in Etappen machen, immer ein Stück des Weges, beim nächsten Mal dann das Anschlusssück, und so weiter, bis man da ist.

          Klappt prima, so baue ich ja auch mein Streckennetz aus… 🙂

  8. Evchen Says:

    Matthias, was machst Du denn dann erst im Mai? So von wegen alles neu und so, hm? 😉

    Ganz im Ernst: ich bin ja ein Wahlstadtkind, aber gerade das, was Du da beschreibst, beunruhigt mich. Wenn ich im Moment im Dunkeln laufen muß, finde ich es beängstigender, in der Stadt und um die Laternen rum zu laufen (mit all ihren zwielichtigen Gestalten), als auf`s offene Feld hinaus. Nee, keine schöne Tour. Es freut mich zu lesen, daß Du Spaß hattest, ausnahmsweise hat es mich aber eher gegruselt. Dennoch: Jawoll! Auf zu neuen Strecken! 🙂

  9. matbs Says:

    Über den Mai mach´ ich mir ´ne Kopf wenn´s soweit ist. Jetzt muss ich erstmal den drögen Jänner rumkriegen.

    Und das mit dem Laufen in der Dunkelheit…
    Naaja, also erstmal: Wenn ich mich nicht irre, hat die Neuwieder Kernstadt mit Heddesdorf paarundzwanzigtausend Einwohner . so´ne richtige Großstadt ist das jetzt wirklich nicht gerade (guut, vielleicht für Rheinland-Pfälzer Verhältnisse… :D). 😉
    Und das kennst du ja auch noch gut, klar dass du da nach Einbruch der Dämmerung durchläufst.

    Aber wie wär´s denn damit: Fahr demnächst mal nach Bonn hoch und geh da im Dunkeln laufen. Nicht im hellen, belebten Stadtzentrum, eher in den Außenbezirken, wo man als Durchreisender sonst nie hinkommt und wo du noch nie gewesen bist.
    Und hinterher meldest du dich dann nochmal hier und berichtest über deine Gefühle und Erfahrungen beim Laufen in der dunklen, fremden Stadt… 😉 😀

    Abgesehen davon: Jawolljawoll – NEUE STRECKEN!!! 😀


  10. […] Nacht hinter Offenbach: Bürgel – Mühlheim am Main – Rumpenheim (12 … […]


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