Darmstädter Nordosten mit Foto, Schnee und Sonne: Oberwaldhaus – Schloss Kranichstein – Arheilgen – Kranichstein (14,1 km)

16. Februar 2010

Heute gibt´s endlich mal wieder richtig schönes Winterwetter: Draußen herrschen milde 2 Grad plus, dazu strahlt die Sonne aus einem klaren, hellblauen Himmel herunter auf die immer noch geschlossene (wenn auch schnell dünner werdende) Schneedecke.
Herrlich, das weckt Lauflust und Lebensgeister und treibt einen nachgerade vor die Tür.

Weil´s so hübsch ist, entschließe ich mich spontan zu einer Fototour durch läuferisches Neuland (die letzte ist inzwischen schon wieder drei Wochen her, da wird´s allerhöchste Zeit), nämlich den Nordosten des Darmstädter Stadtgebiets. Sehr aparte Ecke mit einer netten Mischung als Flachland und Hügeln, schönem Wald, weiten Feldern und ein paar mehr oder weniger unerforschten Darmstädter Stadtteilen, dazu gibt´s noch einige richtig schöne Sehenswürdigkeiten, wie das Jagdschloss Kranichstein, den Messeler Waldpark oder die Dianaburg.
Wollte ich mir schon lange mal erlaufen, heute ist es so weit.
Foto kommt mit, Nemo bleibt daheim (mit waidwundem Blick).


Als heutigen Startpunkt hab´ ich mir den Parkplatz am Steinbrücker Teich ausgesucht, dem wichtigsten Naherholungsziel Darmstadts, idyllisch gelegen in den Wäldern östlich der Stadt.

Das letzte Mal war ich Juli hier, an einem ruhigen, schwül Sommerabend, an dem die Welt grün und warm war.
Heute sieht´s hier schon ein bisschen anders aus:

Bild #1: Beim Start auf dem Parkplatz am Oberwaldhaus neben der Dieburger Strasse

Hübsch ist es aber trotzdem, ein Tag in bayerischen Farben (Blau und Weiß), nicht zu kalt, frische, klare Luft, in der bereits ein leichtes Geschmäckle von Frühling mitschwingt, die Sonne glitzert herrlich auf dem angeschmolzenen aber immer noch durchgängigen Schneedecke.
Wunderbar.

Kurzer Blick über den Steinbrücker Teich, der heute nicht ganz so viel hermacht…

Bild #2: Steinbrücker Teich – mit niedrigem Wasserstand (letzten November ist er zur Entschlämmung geleert worden, anscheinend ist das noch nicht fertig), zugefroren und eingeschneit

…dann starte ich, über die Dieburger Str. und in den Wald in Richtung Jagdschloss Kranichstein:

Bild #3: „Eingang“ zum Kranichsteiner Wald

Marker der Stunde ist übrigens das weiße Andreaskreuz vom Europäischen Fernwanderweg 1, das mich die nächsten fünf Kilometer problemlos und auf schönen Wegen nordwärts führen wird.

Lässt sich prima an.
Ich fühle mich entspannt und tatendurstig, durch die kahlen Wipfel der hohen, alten Bäume streicheln überraschend warme Sonnenstrahlen den Waldboden, der festgetretene Schnee auf den Wegen ist trittsicher und griffig.
Und die Umgebung ist ebenfalls äußerst ansprechend. Hier am Rand des Messeler Hügellandes ist die Landschaft leicht gewellt – fast schon Flachland aber eben noch nicht ganz, denn hin und wieder erhebt sich noch ein steiler aber niedriger Hügel über die Bäume, oder eine flache, kaum merkliche Taldelle mit naturbelassenem Bachlauf zieht sich durch den Wald.

Nach ein paar hundert Metern geht´s auf einer kleinen, alten Brücke über den Ruthsenbach,…

Bild #4: Ruthsenbach-Brücke

…dessen dunkles Wasser wunderschön in der schrägen Nachmittagssonne glitzert,…

Bild #5: Ruthsenbach

…dann links und parallel zum Gewässerverlauf weiter nordwärts auf dem Steinbrückerteichweg/Europäischen Fernwanderweg 1 durch den hellen, schönen Winterwalds,…

Bild #6: Am Steinbrückerteichweg

…bis ich schließlich die Rückseite des alten Zeughauses:

Bild #7: Kranichsteiner Zeughaus von hinten.
Das über 100 m. lange Zeughaus gehört bereits zu den eigentlichen Schlossanlagen und diente ursprünglich dazu, die Ausrüstung für die aufwändigen Parforce- und Lappenjagden aufzubewahren, die die Landgrafen von Hessen Darmstadt im 17. und 18. Jahrhundert in den Wäldern um Kranichstein durchführten. Heute beherbergt es das Bioversum
, ein Museum zur biologischen Vielfalt des Waldes

Am Zeughaus vorbei geht´s auf der alten Allee in Richtung Osten…,

Bild #8: Zwischen Zeughaus und Schloss

…dann links auf den Dammweg, entlang am idyllisch zugefrorenen Backhausteich…

Bild #9: Am Backhausteich

…hinter dem bereits die Giebel der Schlossanlage in den hellblauen Himmel ragen…

Bild #11: Blick über den Teich zum Schloss

…bis ich das Jagdschloss erreiche:

Bild #11: Jagdschloss Kranichstein

Das dreiflügelige Renaissanceschloss stammt aus dem 16. Jahrhundert und erlebte seine Blütezeit im 17. und 18. Jahrhundert, als es als Ausgangspunkt für die elaboraten (und nicht gerade waidgerechten) Jagden des absolutistischen Hochadels diente. Entsprechend sind Schloss und Umgebung angelegt – die Anlage samt Nebengebäuden und englischem Garten liegt direkt am Rand des großen Waldgebietes zwischen Darmstadt und Messel, das einstmals das private Jagdrevier der Landgrafen von Hessen Darmstadt war und noch heute von einer alten, kilometerlangen Mauer eingefasst wird. Auch im Inneren dieses urwüchsigen Waldstücks finden sich noch viele Spuren dieser Zeit, in Form von langen Sichtschneisen und offenen Waldwiesen, die die Jagd erleichtern sollten, und den Resten diverser Pavillons, Jagdschirme und Saufanghäuschen, in denen die hohen Herren bequem sitzen und alles abknallen konnten, was ihnen die Treiber vor die Flinten scheuchten.
Heute sind ein Hotel mit Restaurant und ein sehr interessantes Museum im Schloss untergebracht.
Insgesamt eine extrem hübsche Ecke, auf jeden Fall einen Besuch wert, selbst wenn man von den absolutistischen Jagdgeflogenheiten des barocken Landadels eher wenig abgewinnen kann…


Bild #12: Ostflügel von Schloss Kranichstein

Den Schlosshof lasse ich heute mal links liegen, da schaue ich irgendwann mal wieder vorbei, wenn etwas mehr Zeit ist und ich vielleicht auch das Museum mitnehmen kann, stattdessen geht´s rechts, auf dem hübschen Weg zwischen der Schlossparkmauer und dem Backhausteich nach Osten (immer dem weißen Andreaskreuz des Fernwanderwegs 1 hinterher):

Bild #13: Zwischen Backhausteich und Schlossparkmauer

Wirklich herrlich hier, der unberührte Schnee auf dem Teich strahlt blendend weiß…

Bild #14: Licht im Überfluss

…und in der hellen Nachmittagsonne ist es richtig schön mollig warm.
Tut gut:

Bild #15: Aaaaaaahngenehm

Zwischendurch gibt´s einen schönen Blick durch ein Seitentor in den Schlosspark…

Bild #16: Nochmal Jagdschloss Kranichstein, dieses mal von Osten mit Schlossgarten

…dann geht´s links hoch, am hinteren Ende des Parks nach nordwärts durch den Wald…

Bild #17: Statt der Parkmauer steht hier nun ein Lattenzaun


Bild #18: Auch hier lugt immer mal wieder das Schloss zwischen den Büschen und Bäumen des Parks hervor

…bis zum nordöstlichen Ende des Schlossparks an der Kranichsteiner Str., die durch den dichten Wald nach Messel hochführt:

Bild #19: Links nochmal ein Eingang zum Schlosspark, daneben verläuft die Kranichsteiner Str./L3097, rechts führt der Europäische Fernwanderweg 1 auf der Feldschneise weiter nordwärts durch den Wald.

Über die Landstrasse rüber und auf der Feldschneise immer weiter geradeaus nach Norden. Angenehmes Stück, eben, sonnig, gut zu laufen.

Auf den ersten paar Metern geht´s durch die „Galerie der Namensbäume“, einen etwas breiteren offenen Streifen im Wald, auf dem links und rechts des Weges Exemplare von den Bäumen des Jahres der letzten drei Jahrzehnte gepflanzt sind…

Bild #20: Galerie der Namensbäume

…danach folgt noch ein Stück auf dem Kranichsteiner Jagdlehrpfad, bei dem ich an jeder Infotafel anhalten muss, weil die Dinge, die da drauf stehen, wirklich interessant sind (wusstet ihr, dass man Hundemeuten für Parforcejagden nach dem Gesichtspunkt zusammengestellt hat, dass ihr Bellen besonders melodisch und gut klingt? Oder dass die Könige von Sachsen dafür bekannt waren, dass in ihren Hundemeuten die schärfsten „Saupacker“ mitliefen, die so aggressiv waren, dass sie manchmal sogar Pferde und Reiter angegriffen haben? Ich nicht, aber ich find´s total spannend!)…

Bild #21: Feldschneise

…und schließlich erreiche ich den Waldrand irgendwo östlich von Kranichstein…

Bild #22: Am Waldrand

…wo der Weg zwischen gleissend-schneebedeckten Feldern…

Bild #23: Passenderweise heisst diese Gemarkung laut Wanderkarte „Weiße Sandkaute“

…und schlanken Kiefern, die sich turmhoch in den blauen Himmel recken…

Bild #24: Kiefern

…mich immer weiter nach Norden führt.
Fühlt sich wunderbar an, so ganz entspannt im wohlig-warmen Licht der prallen Spätwintersonne durch den blauweißgrünen Nachmittag zu gleiten:

Bild #25: Lediglich um´s Kinn ist es ein bisschen kühl, aber das liegt daran, dass ich gerade erst meinen Sechs-Wochen-Rauschebart abrasiert habe und die Haut sich noch nicht ganz dran gewöhnt hat… 🙂

Nach einem halben Kilometer geht´s dann wieder in den Wald rein, vorbei am Naturschutzgebiet um den – natürlich ebenfalls wieder zugefrorenen – Strohhauer Teich…

Bild #26: Am Strohhauer Teich

…dann eine lange, flache Rampe hinauf…

Bild #27

…an deren Ende eine hübsche alte Steinbrücke über die Bahnstrecke Darmstadt – Messel führt…

Bild #28: Brücke über die Bahn

…dann wieder etwas abwärts…

Bild #29

…dann vorbei an den unzähligen Abstellgleisen des Kranichsteiner Rangierbahnhofs, der einsam und verlassen am Waldrand liegt…

Bild #30: Rangierbahnhof Kranichstein

…wieder in den Wald…

Bild #31

…und auf die weiter nach Norden führende Nymphenschneise…

Bild #32: Nymphenschneise

…an deren Ende bereits die Dianaburg auf einer kleinen Anhöhe zu erkennen ist:

Bild #33: Dianaburg von der Nyphenschneise aus

Bevor ich dort ankomme macht der Weg allerdings noch einen kleinen Bogen durch ein flache Walddelle, durch die sich ein pittorekses Bächlein namens Silz schlängelt…

Bild #34: Die Silz

…danach geht es ein paar freundliche Höhenmeterchen bergauf, und dann bin ich an der Dianaburg,…

Bild #35: Dianaburg

…einem schlichten kleinen Pavillon auf einer Schneisenkreuzung, der ursprünglich mal eine der bereits erwähnten Jagdhütten im Kranichsteiner Umland war.

Ist hübsch, außerdem war ich hier noch nie, als drehe ich eine kleine Ehrenrunde drumherum,…

Bild #36: Dianaburg

… goutiere kurz die löblicherweise aufgestellte interessante Infotafel…

Bild #37: Infotafel an der Dianaburg

…orientiere mich noch kurz…

Bild #38: Hmm. Nur noch zehn Kilometer bis ins vollkommen unerforschte Dreieichenhain. Das ist nicht mehr soo weit… 😉

…und nehme dann die vorerst letzten paar hundert Meter im Schatten der Bäume in Angriff, auf der Damenschneise bis an den Kalkofenweg, auf dem ich links abbiege (Neuer Marker: Das weiße Quadrat vom Wanderweg HW6) und den Wald verlasse…

Bild #39: Waldrand am Kalkofenweg

…vorbei am Forsthaus Kalkofen, das heute ein Ausflugslokal mit Biergarten und kleinem Wildgehege ist…

Bild #40: Damhirsche und Pfauen am Forsthaus Kalkofen. Erstere Glotzen, letztere Kommentieren mein Vorbeilaufen mit lauten, durchdringenden Pfauenrufen.

Schluss mit Wald, jetzt kommen die Spargeläcker – weißes Flachland so weit das Auge reicht, so gleissend hell in der Sonne, dass ich mir fast wünsche, ich hätte die Schirmmütze mitgenommen, um zumindest ein bisschen von den Unmengen an Licht wegzufiltern.
Hab´ ich aber nicht, deswegen geht´s mit zusammengekniffen Augen westwärts, der strahlenden Sonne entgegen, auf dem bequemen Kalkofenweg mit dem weißen Quadrat des HW6 in Richtung Arheilgen und Wixhausen:

Bild #41: Kalkofenweg mit Gegenlicht…


Bild #42: …und Kalkofenweg mit der Sonne im Rücken (= Blick zurück zum Forsthaus und dem Wald)

Nach ziemlich genau einem Kilometer neigt sich der Kalkofenweg ein bisschen nach links, um mit einer kleinen Brücke die bisher parallel verlaufende Silz zu überqueren:

Bild #43: Kalkofenweg an der Silzbrücke

Ich biege allerdings kurz vorher rechts auf den Stumpfen Weg (immer noch HW6) ab, der weiter am Nördlich des Baches nach Westen durch die Felder führt.
Während ich schön bequem der Sonne entgegen trabe, kommt mir so ein bisschen der Verdacht, dass ich diese Gegend hier an einem trüben, schneelosen Tag vermutlich als furchtbar flach und dröge bezeichnen würde.
Heute aber nicht, da ist es hier einfach nur schön, in der frischen Luft und der warmen Sonne und mit dem hellschimmernden, weiten, offenen Gelände.

Rechts am Waldrand jenseits der verschneiten Felder ziehen langsam die Gebäude des GSI vorbei…

Bild #44: Das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung ist ein bedeutendes Forschungszentrum für Teilchenphysik, dessen Herzstück ein großer Ionenbeschleunigerring ist. Hier wurde beispielsweise eine Reihe neuer chemischer Elemente entdeckt (unter anderem das nach der Stadt Darmstadt benannte „Darmstadtium

…kurz danach passiere ich linkerhand eine Baungruppe, deren Stämme bereits lange Schatten im schrägen Nachmittagslicht werfen…

Bild #45

…direkt danach kommt schräg vorne rechts jenseits der Äcker bereits der (noch unerlaufene) darmstädter Stadtteil Wixhausen ins Sicht:

Bild #46: Wixhausen.
Der Name verliert übrigens sehr schnell an Lustigkeit, wenn man ihn regelmäßiger hört… 😉

Und gleich drauf, an einem Bauernhof, geht´s dann links, runter vom HW6 auf einen unmarkierten Asphaltweg (Name unbekannt), der schnurgerade südwärts durch die Felder nach Arheilgen läuft:

Bild #47: Südwärts

Das erste nicht so ganz angenehme Stück der heutigen Tour.
Zuerst mal ist es eine von diesen ellenlangen Flachlandgerade (mehr als ein Kilometer), die ich sowieso nicht so richtig leiden kann. Dazu weht hier draußen im Offenen ein eisiger Wind von links, während von rechts die warme Sonne scheint – das sorgt für eine etwas ungleiche Wärmeverteilung, meine rechte Körperhälfte ist weiterhin angenehm warm, während sich alles links der Mitte anschickt, zum Eisklumpen zu werden.
Und dann ist da auch noch der nicht gerade frühlingsfrische Geruch frisch ausgebrachter Gülle, der so intensiv über den Feldern hängt, dass es einem fast den Atem verschlägt.
Börks.

Zieht sich etwas, irgendwann werden die Felder durch ein paar Kleingärten und Pferdekoppeln aufgelockert…

Bild #48: Pferd vor Arheilgen

…und kurz darauf laufe ich dann im Osten von Arheilgen (oder Oarhellje, wie man vor Ort sagt)) ein. Läuferisch gesehen Neuland.

So richtig viel her macht´s allerdings nicht.
Erst geht´s an ein paar grauen, neuen Vielparteienhäusern entlang…

Bild #49: Ankunft in Arheilgen

…dann auf dem Trinkbrunnenpfad und der Jakob-Jung-Str. durch ein schlichtes Wohngebiet voller kleiner, schmuckloser Häuser, die dicht an dicht gedrängt stehen:

Bild #50: Trinkbrunnenpfad in Arheilgen

Kurz darauf passiere ich das Rückhaltebecken Seewiese, an dessen Ufer das Schilf in der Sonne leuchtet…

Bild #51: Am Rückhaltebecken Seewiese

…und biege links auf einen Fußweg ein, der am Ufer des Mühlbachs durch die Ruthsenbachauen führt:

Bild #52: Weg am Mühlbach

Hier ist es wieder ziemlich hübsch:

Bild #53: Mühlbach

300 m. am Bachufer, dann geht´s rechts runter an den Woogsweg, der am Arheilger Mühlchen vorbei durch das Niemandsland zwischen den Darmstädter Stadtteilen läuft…

Bild #54: Woogsweg.
„Vorsicht, Fußgänger laufen in beiden Richtungen von der Fahrbahn weg“ 😀

…und kurz darauf über einen vielfach beschrankten Bahnübergang…

Bild #55: Bahnübergänge am Ende des Woogswegs

…nach Darmstadt-Kranichstein hineinführt:

Bild #56: Scharoun-Weg in Kranichstein

Kranichstein ist… naja, es ist nicht unbedingt ein Premiumlaufgebiet.
Der Stadtteil wurde erst Ende des Sechziger Jahre auf der grünen Wiese vor den Toren des gleichnamigen Jagdschlosses als Trabantenstadt aus dem Boden gestampft, natürlich gemäß der Städtebauphilosophie dieser Zeit mit Wohnsilos im Plattenbaustil, die heute so ein bisschen soziales-Brennpunkt-Feeling vermitteln (Ich frag´ mich ja immer, ob die Städteplaner damals wirklich ernsthaft davon überzeugt waren, dass das die Zukunft des urbanen Wohnens sein soll…).
Aber hey, ist mal was Anderes, und folgerichtig irgendwie auch wieder interessant.

Gruberstr….

Bild #57: Wohnblocks in der Kranichsteiner Gruberstr.
Die bis zu sechzehnstöckigen Häuser sind wie eine Wand, die die schrägstehende Sonne vollkommen wegblocken

…dann rechts die Bartningstr. runter…

Bild #58: Bartningstr. in Kranichstein

…und schließlich über die breite Kranichsteiner Str. auf den Pfannmüllerweg, auf dem ich die Wohnblocks hinter mir lasse…

Bild #59: Südende von Kranichstein

…und wieder in den Wald hineinlaufe:

Bild #60: Dieses große Waldstück zwischen Kranichstein und Darmstadt ist die ehemalige Fasanerie des Jagdschlosses Kranichstein, die früher von einer Mauer umgeben und voller jagdbarer Vögel war, für den Fall, dass die Damen und Herren adeligen mal was Anderes als immer nur die ewigen Hirsche, Rehe und Wildschweine massakrieren wollten… 😉

Südwärts, die schnurgerade Arheilger Schneise hinunter, während rechts die herrlich rote Sonne schräg durch die Bäume hindurch scheint:

Bild #61: Eigentlich ist noch ein bisschen Zeit bis Sonnenuntergang, doch durch den Dunst in Bodennähe, wird das Licht der schrägen Sonne immer intensiver und gelb-röter

Im Zentrum der Fasanerie, auf der Kreuzung von Arheilger Schneise und Darmstädter Allee, stoße ich auf das Hartigdenkmal, einen imposanten Obelisken, der an Georg Ludwig Hartig, einen Pionier der Forstwirtschaft erinnert:

Bild #62: Hartigdenkmal von vorne…


Bild #63: …und von hinten (oder umgekehrt, je nachdem, aus welcher Richtung man kommt….).

Gefällt mir.
Direkt danach geht´s zum ersten mal auf der heutigen Tour richtig bergauf.
Auf dem langen Weg vom Steinbrücker Teich nach Norden bis ins Flachland am Forsthaus Kalkofen habe ich unbemerkt ein paar Dutzend Höhenmeter verloren, die muss ich mir jetzt alle wieder zurückverdienen:

Bild #64: Arheilger Schneise südlich vom Hartigdenkmal. Es geht aufwärts…

Kein Mörderanstieg, aber doch auf ein-, zweihundert Meter ordentlich Steil, das treibt einem nochmal ein bisschen den Schweiss auf die Stirn.

Zum Ausgleich gibt´s dafür aber mehr von dieser herrlich-schräg-funzligen roten Sonne durch die Bäume, an der ich mich gar nicht sattfotografieren kann:

Bild #65


Bild #66

Kurz darauf erreiche ich die Dieburger Str. am Südende der Fasanerie, kurz vor den ersten Häusern von Darmstadt:

Bild #67: Forsthaus „Hirschköpfe“ am Rand von Darmstadt, dahinter erhebt sich der Turm des prächtigen, villa-artigen Georg-Christoph-Lichtenberg-Hauses

Jetzt ist es nicht mehr weit.
Ich überquere die Dieburger Str. und nehme den Brunnersweg (HW 8/gelber Doppelbalken), der ostwärts durch den Wald in Richtung Steinbrücker Teich führt.
Zwischendurch mache ich noch einen kleinen Abstecher ans Oberfeld, das 50 m. Meter weiter rechts am Waldrand beginnt.
Ich liebe das Oberfeld!
Eine quadratkilometergroße, offene Hochebene direkt hinter der Stadt, im Norden, Osten und Süden von dichtem Wald begrenzt, im Westen vom herrlichen Park Rosenhöhe, hinter dem es direkt runter in die Stadt geht.
Wunderschön, besonders im Sommer, wenn hier endlose Weizenfelder im Wind wogen, gerade mal zwei Kilometer von der Innenstadt entfernt.
Aber auch im Winter hat´s was, besonders wenn am südwestlichen Horizont langsam die Vor-Sonnenuntergangs-Farben angehen:

Bild #68: Oberfeld-Panorama

Weiter bis zum Ende des Brunnerswegs am der Nordkante des Oberfelds, wo die Bäume des Waldrandes rot im Sonnenlicht schimmern…

Bild #69

…und der Blick zurück ein atemberaubendes, intensives Farbschauspiel aus sinkender Sonne und leuchtendem Dunst über dem westlichen Horizont enthüllt:

Bild #70: Einsame Reiter auf dem verschneiten Oberfeld


Bild #71: Boaaah!

Von hier aus laufe ich die Gartenschneise hoch durch den Wald (wieder europäischer Fernwanderweg 1/Weißes Andreaskreuz), bis ich das verwaiste Freizeitgelände am Steinbrücker Teich erreiche:

Bild #72: Am Steinbrücker Teich.
Den Unterstand kennt wahrscheinlich jeder, der in den letzten Jahrzehnten in oder um Darmstadt aufgewachsen ist – da gibt´s im Sommer Ponyreiten!

Nun nur noch kurz nach links, zwischen Waldrand und Liegewiese mit Minigolfplatz zum Oberwaldhaus…

Bild #73: Das Oberwaldhaus, seines Zeichens beliebtes Darmstädter Ausflugslokal

…und direkt dahinter auf den Parkplatz zum wartenden Auto.
Ziel, fertig, aus, Ende.
War richtig schön – die viele Sonne hat richtig, richtig gut getan, Landschaft und Sehenswürdigkeiten interessant, hübsch und ansprechend, und die Lauferei selbst hat bestens geklappt (auch wenn ich im unglaublichlahmstmöglichen Schneckentempo unterwegs war).
Alles prima, da könnt´s einem fast leid tun, dass der Winter sich dem Ende zuneigt! 🙂

Strecke: 14,1 km
Zeit: Nicht genommen (aber viel, dank Schneckentempo und vielen Sightseeing- und Fotopausen)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 96,74% (13,64 km von 14,1 km)
Karte:

M.

Advertisements

14 Antworten to “Darmstädter Nordosten mit Foto, Schnee und Sonne: Oberwaldhaus – Schloss Kranichstein – Arheilgen – Kranichstein (14,1 km)”

  1. Gerd Says:

    Da bist Du ja in meinem „Bike- und Laufrevier“ gelaufen. Schöne Ecke da.
    Da mache ich im Sommer gerne ein paar Extrakilometer mit dem Mountainbike beim Heimfahren von der Arbeit.
    Und gelaufen bin ich dort auch schon. Aber das kommt nur vor wenn ich meine ü30 Läufe absolviere. Ist schon ein bisschen weiter von zu Hause aus entfernt.
    Leider habe ich im Augenblick keinen Bock auf Laufen im Schnee!

  2. matbs Says:

    Wenn das deine Ecke wäre, hätt´ ich doch schon mal was über das GSI, die Dianaburg oder das Hartigdenkmal bei dir gelesen.
    Aber da kann ich mich beim besten Willen nicht dran erinnern… 😀

    Aber sag´ mal: Liegt bei euch denn noch Schnee? Bei uns ist er inzwischen praktisch vollkommen weggetaut.

  3. Daniel Kopp Says:

    du und rasieren? das geht ja gar nicht 🙂

    ich bin aber der gleiche wie du, mindestmaß sind 3mm, weniger is nich. so bewahre ich meine mitmenschen vor dem anblick meiner fratze und meines doppelkinns 🙂

    ach ja, natürlich ein schöner fotolauf!

    lg
    daniel

  4. matbs Says:

    Doch, das geht schon. Man braucht nur ein bisschen Durchhaltevermögen und einen guten Langhaarschneider… 😀
    Natürlich nicht ganz ab, das geht wirklich nicht – so richtig glatt rasiert war ich zum letzten Mal glaub´ ich irgendwann um die Jahrtausendwende…

  5. Evchen Says:

    Also, irgendwie habe ich noch nicht den ultimativen Weg gefunden, Deine Posts zu „verarbeiten“. Lesen und für sich selbst genießen klappt prächtig, aber Kommentieren will man ja auch noch. Zu fast jedem Absatz mag ich irgendwie meinen Senf geben und das ist zu viel! Am Freitag habe ich den Beitrag hier noch auf der Arbeit gelesen und mir Notizen gemacht, ala ~Dianaburg-kleines Hutzelding, des Namens unwürdig, aber das kann man nur anwenden, wenn man auch auf der Arbeit kommentiert oder die Notizen nach Hause bekommt. Ach….
    gelesen-genossen-dankeschön-weitermachen

  6. Evchen Says:

    Siehste! Und direkt, nachdem ich das abschicke, fällt mir ein, daß ich Deinen abnen Bart noch…also…gefällt mir in kürzer besser. Mit in lang und so wirkst Du älter, als Du bist, finde ich. 😀

  7. matbs Says:

    Hey, es ist noch gar nicht so lange her, da war das irgendwie noch wünschenswert, älter auszusehen.
    Auch wenn ich zugeben muss, dass diese Zeiten in der Tat so langsam vorbei sind… 😀


  8. […] Rand des großen Waldes am Rand des Streckennetzes liegt. Einmal bin ich hier schon vorbeigekommen, vor einem Vierteljahr bei Schnee und knackigen Minusgraden. War richtig nett. Heute sieht´s hier doch schon deutlich anders aus als vor drei Monaten, statt […]


  9. […] bis ich einen einsamen Bauernhof zwischen den Äckern erreiche. Hier war ich schon mal, im Februar bei Schnee und Eiseskälte. Damals bin ich von Osten gekommen und nach Süden abgebogen. Heute mach´ ich es quasi umgekehrt: […]


  10. […] Backhausteiches, der ruhig und friedlich unter dem wolkenlosen Himmel ruht, und dabei irgendwie ganz anders aussieht als beim letzten Mal, als ich hier vorbeigekommen […]


  11. […] bis zur Parkplatz an der Dieburger Str. (sieht heute irgendwie ganz anders aus als bei meinem letzten Besuch im tiefverschneiten Februar), wo wir erstmal eine kurze Dehnpause einlegen. Naja, zumidest sowas in der Art. Die […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: