Autowegbringenlaufen: Pfungstadt – Jugenheim an der B3 (10,8 km)

24. Februar 2010

Heute muss das Auto Jahresinspektion.
Also bring ich´s hin, zum Autohaus in Pfungstadt.

Und weil das Auto dann erstmal da bleibt, ich jedoch wieder nach Hause möchte (und weil´s inzwischen ja Präzedenzfälle gibt), lauf´ ich danach eben heim.
So um die zehn Kilometer Flachland (je nach Strecke +/- 1 km), kann man schon mal machen.
Wenn´s bloß nicht frühmorgens zu einer unheiligen und eigentlich unlaufbaren Uhrzeit wäre!

Start um Punkt neun Uhr vor dem Autohaus im Industriegebiet nordöstlich von Pfungstadt.
Ein grauer, trüber Morgen, pisswarm (fast 10°) und generell unsympathisch.
Bin ich schon unter besseren Bedingungen losgelaufen…

Ich verlasse den Hof des Autohauses und wende mich nach links, wo die breite Eberstädter Str. durchs Industriegebiet in Richtung Darmstadt führt – heute will ich mal an der B3 entlanglaufen, das wird nicht hübsch, aber die etwas netteren Strecken durch den Wald hab´ ich schon abgearbeitet.
Und irgendwie passt´s ja auch zum drögen Wetter.

Nordwärts, auf dem schmalen Radweg zwischen Großmärkten, Schnellrestaurants, Puffs, Imbisbuden, Kläranlagen und Papiermühlen, während sich auf der breiten Fahrbahn direkt daneben der äußerst kräftige Vormittagsverkehr entlangwälzt, eine dröhnende, stinkende Lawine aus unzähligen Autos und Lastwagen.
Hrm.

Ein, zweimal versuche ich, rechts in die Pampa auszuweichen, um mir einen Weg am Ufer der Modau zu suchen, die am Rand des Gewerbegebietes entlangfliesst, aber da ist kein Durchkommen, also bleib´ ich an der Strasse (immerhin markiert, denn das hier ist auch der Fernwanderweg HW10 [weißer Kreis] – nicht unbedingt das reizvollste Stück Odenwaldklubwanderweg, das ich kenne…)

Nach ziemlich genau einem Kilometer erreiche ich die große Kreuzung direkt unterhalb der Autobahn, im Niemandsland zwischen Darmstadt, Eberstadt und Pfungstadt. Hier muss ich wohl oder übel rüber, auf die Eberstädter Seite (fast zwei Minuten Ampelpause. Laaaaaaaaaangweilig!), wo ich dann neben der B3 ostwärts durch die Felder Laufe, auf einer kleinen Brücke die Modau überquere und dann wieder rechts hoch an die Bundesstrasse laufe, um an der Fußgängerampel bei der Autobahnauffahrt (mehr als eine Minute Ampelpause. Noch laaaaaaaaaaangweiliger!!!) zum Fahrradweg auf der Südseite der Fahrbahn zu wechseln.

Übrigens läuft das alles uuunglaublich mies heute, nur falls ich´s noch nicht erwähnt habe.
Normalerweise braucht mein Körper nach dem Aufstehen so ein bisschen Zeit, um richtig hochzufahren und sportbereit zu werden, in der Regel so zwei bis drei Stunden (für nicht-sportliche Tätigkeiten ist die Warmlaufzeit deutlich geringer).
Hat er heute nicht gehabt, und das lässt er jetzt an mir aus.
Total unfair, wo doch eigentlich das doofe Autohaus schuld ist (können die keinen normalen Öffnungszeiten haben? So 12:00 bis 22:00 Uhr oder so???? :D), aber so isch´s läbe.

Kopf: Wattig und müde. Schlecht gelaunt.
Oberkörper: Verspannt und steif. Linke Schulter und Brustbereich ziehen immer noch ein bisschen seltsam.
Magen: Flau, wimmert rum, weil er weder Frühstück noch ein Koffeinhaltiges Guten-Morgen-Getränk gekriegt hat.
Andere Verdauungsorgane unterhalb des Magens: Vollkommen von der Rolle, es reisst und grummelt deutlich, nicht gut.
Beine: Schwer, träge, haben keine Lust.
Füße: Schwer, träge, beschweren sich darüber, dass die Beine sich keine Mühe beim Federn geben und sie´s ausbaden müssen.

Und dazu noch dieses trübe, traurige halblicht, die modrigfeuchte Luft, die mehr nach Herbst als nach Frühling riecht, und der beständig abgasende und lärmende Schnellstrassenverkehr, der einen Meter links von mir die B3 hochdonnert.

Nä! Das´ alles gar nix!!!

Ein Kilometer am sandigen Waldrand neben der B3 her, dann bieg´ ich rechts zu Strasse „An der neuen Bergstrasse“ ab, die zwischen dem trübsinnigen Gelände der Major-Karl-Plagge-Kaserne und dem unfreundlich-blockigen Bürobau irgendeiner mittelständischen Pharma-Firma, deren Namen ich noch nie gehört hab´, kurz nach Süden geht und dann wieder zurück zur B3 abknickt.

Okay, so weit, so schlecht.
Eigentlich hatte ich im Vorfeld mit dem Gedanken gespielt, auf dem Randstreifen weiter der Bundesstrasse durch den Wald bis nach Seeheim zu folgen.
Wäre neue Strecke, denn zu Fuß hab´ ich dieses Stück noch nie absolviert.
Aber andererseits: Es gibt einen Grund, warum ich da bisher nicht gelaufen bin – fast 3 Kilometer auf dem schmalen Randstreifen direkt neben der Schnellstrasse, auf der ständig Autos mit Tempo 100 vorbeidonnern?

Nee, das läuft heute auch so schon mies genug, da muss ich mir das nicht auch noch antun.
Also wechsle ich lieber in den Wald auf der anderen Fahrbahnseite, wo die Wege weich sind und der Lärm der Strasse nicht mehr ganz so störend.

Hier lauf´ ich dann die Brandschneise runter bis nach Seeheim.
2,7 km schnurgeradeaus durch den kahlen, trüben Flachlandwald.
Zieht sich wie amerikanischer Pizzakäse.
Lust hab´ ich da übrigens endgültig keine mehr (gut dass ich kein Geld dabei habe, sonst wär´ ich ernsthaft versucht, links hoch nach Malchen zu rennen und von da aus mit der Strassenbahn heimzufahren), dafür ist das Bauchgrimmen stärker geworden.

In Seeheim angekommen halte ich mich links, laufe die Ebert-Str. hoch. Vorbei am Aldi, vorbei am leerstehenden Fahrradladen, vorbei am Minigolfplatz, vorbei an unzähligen Eigenheimen, die in der grauen Morgenstimmung trist und abweisend wirken.

Heidelberger Str.: Rechts. Mitten durch den Ort: Tankstellen, Geschäfte, Kneipen und die Seeheimer Wohnblocks am Beethovenring ziehen vorbei, leider nicht so schnell, wie ich´s gerne hätte (die Stoppuhr hab´ ich zu diesem Zeitpunkt schon ausgestellt, ich will gar nicht wissen, WIE lahm ich heute wirklich war).

Dann geradeaus in die Sandstr. Slalom um Berge von gelben Säcken, die abholbereit vor den schmucklosen Häusern liegen.
Am Ortsausgang halblinks, am Stockstadion vorbei durch die Felder, dann halbrechts nach Jugenheim.
Jetzt isses nicht mehr weit, gottseidank, denn nach dem schütteligen dahingestampfe der letzten Stunde hat sich das Grummeln und Zwicken in meinen Eingeweiden deutlich verstärkt, das ist alles andere als angenehm. So langsam könnt´ ich echt mal ein Wasserclosett gebrauchen…

Über die Strassenbahn, dann via „In den Pfifflergärten“, Bachwinkel und den Fußweg am Landbach (auf dem mir ein uraltes Männlein in Grau begegnet, dass vor Freude fast platzt, als es meiner ansichtig wird und mir mit fisteliger Greisenstimme ein aufmunterntes „Hjrmdaaaaiajoososoweiterlaafe“ [oder so] entgegenuschelt) in die Ortsmitte, kurz die Hauptstrasse runter, und dann nix wie heim, wo bereits das rettende Klo das schmerzlich vermisste Frühstück wartet.

In dem Moment, in dem ich den Schlüssel in die Haustür schiebe, macht´s übrigens *Klick* und die Wolken verschwinden wie von Zauberhand. Von nun an herrscht Sonnenschein.
Talk about adding insult to injury…

Nee. Also, nee.
Sorry. Aber: Nee.
Morgens laufen geht gar nicht, das ist einfach nur mies.
Gebt mir eine anständige Uhrzeit, und ich liefer´ euch einen anständigen Lauf.
Aber sowas.
Nä!

Strecke: 10,8 km
Zeit: Äh-äh, da hab´ ich lieber mal drauf verzichtet…
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamstrecke: 37,04% (4 km von 10,8 km)
Karte:

M.

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4 Antworten to “Autowegbringenlaufen: Pfungstadt – Jugenheim an der B3 (10,8 km)”

  1. Laufhannes Says:

    Du bist im falschen Autohaus „beheimatet“. Zu solchen Zeiten, bei dem tristen Wetter (Frühling ist total doof, oder? :D) und angesichts der anderen Umstände hätte dich nur noch eine hervorragende Strecke retten können.

    Demnächst suchst du dir ein besser passendes Autohaus, ja? 😉

  2. matbs Says:

    Sorry – Leasingwagen + Vertragswerkstatt = Keine Wahlfreiheit.
    Kannste mache nix!

    Aber vielleicht geht ja wenigstens der doofe Frühling bald vorbei. Ach wie war das schön, als noch Schnee gelegen hat… 😀

  3. Daniel Kopp Says:

    da hats mal ein sattes plus auf dem thermometer stehen und dann meckert er immer noch… 🙂

    zumindest beschleunigt die melange aus schnellrestaurants, puffs, imbisbuden, kläranlagen und papiermühlen den schritt.

    ich hab auch so ne strecke die geht an einer kläranlage vorbei. ganz übel sag ich dir, ganz übel…

  4. matbs Says:

    Gemeckert wird grundsätzlich immer, außer vielleicht in der kleinen aber angenehmen Konfort-Zone zwischen 18° und 23° Celsius… 😀

    Das Industriegebiet hat zumindest bei diesem Lauf meinen Schritt nicht wirklich beschleunigt, dazu war ich einfach zu mies drauf. Entsprechend bin ich nach den ersten paar hundert Metern eher langsamer geworden, das hat´s auch nicht wirklich besser gemacht.

    Und die Kläranlage hat seltsamerweise gar nicht gestunken. Immerhin etwas… 😀


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