Sonnige Fototour im Wiesbadener Nordwesten und am Rand des Rheingaus (16,3 km)

7. März 2010

Letzten Oktober bin ich zum allerersten Mal im Rheingau gelaufen.
Die letzte große Entdeckertour der Saison, bei tollem Wetter in einer der schönsten Gegenden des Landes.
Herrlich!

Bloß einen Haken hatte das Ganze: Die Strecke (von Biebrich via Frauenstein, Martinsthal, Rauenthal, Kiedrich und Kloster Eberbach nach Hattenheim am Rhein), die ich seinerzeit gelaufen bin, war nicht mit dem Rest des Streckennetzes verbunden.
Und weil sowas nun mal gar nicht geht, hatte ich mir fest vorgenommen, diese klaffende, hässliche Lücke im Streckennetz zu schließen.
Ordnung muss schließlich sein! 😉

Heute ist es soweit: Ein wunderschöner Märzsonntag, mit Sonne, blauem Himmel und (immer noch) ordentlich Schnee, und ich bin mal wieder abends in Wiesbaden zum Kino verabredet. Die perfekte Gelegenheit, um vorher noch ein paar Kilometerchen im schönen Taunus abzulaufen und dabei endlich den Rheingau mit dem Rest meiner Laufgründe zu verbinden.

Als Startpunkt habe ich mir den Parkplatz Eishaus rausgesucht, in den waldwiesigen Vorhöhen des Taunus nordöstlich der Stadt:

Bild #1: Am Parkplatz Eishaus

Auch hier oben ist es wunderbar sonnig, so dass es sich trotz der Temperaturen im Minusbereich und der geschlossenen Schneedecke, die hier noch liegt, überhaupt nicht kalt anfühlt (auch dank dem Taunus, der die fiesen Nordwinde abhält) – im Gegenteil, es richtig schön angenehm, eine perfekte Mischung aus gerade-noch-Winter und noch-nicht-ganz-Frühling.

Ich breche bestens gelaunt auf, in den hellen, freundlichen Frühnachmittag.
Erstmal südwärts, auf dem bequemen Fußweg neben der schmalen Wilhelm-Ries-Str., den ich letzten August schon mal mit Torsten entlanggekommen bin

Bild #2: Fußweg an der Wilhelm-Ries-Str., markiert mit dem roten Plus und dem schwarzen Punkt

…vorbei am Eishaus, einer Teichanlage am Gerhner Bach, die – wie der Name schon nahe legt – früher einmal zur Gewinnung von Eis für die Kühlhäuser und Getränke des mondänen wilhelminischen Wiesbaden genutzt wurde…

Bild #3: Am Eishaus

…bis an die Lahnstr./L3037, die von Wiesbaden aus tief in die geheimnisvollen Gefilde des tiefen Taunus hineinführt:

Bild #4: Pralle, gegenlichtige Spätwintersonne schimmert zwischen den kahlen Wipfeln des Biebricher Waldes an der Lahnstr. hinurch

Hier muss ich erstmal kurz pausieren, denn die beiden Fußgängerampeln, die man mitten in der Pampa aufgestellt hat, lassen erstmal den Kraftfahrzeugen auf der Landstrasse den Vortritt.
Doof, ich will laufen! 🙂

Jenseits der L3037 geht´s erstmal in den Wald, hundert Meter auf einem holprig-verschneiten Fußweg neben der Wenzel-Jaksch-Str….

Bild #5: Hier knicke ich gleich zweimal kurz hintereinander unangenehm um, offenbar bin ich heute ein bisschen unkonzentriert, obwohl´s (oder gerade weil´s) einen Riesenspaß macht…

…dann rechts, etwas aufwärts über den Waldparkplatz Kohlheck, dann – nach kurzer Unsicherheit, wegen der ich lieber noch mal einen gerade vorbeilaufenden freundlichen älteren Jogger nach dem richtigen Weg frage – nochmal rechts auf den Rheingauer Pfad, der mit ganz sanfter Steigung in Richtung Chausseehaus führt.

Haach, ist das schön: Der Rheingauer Pfad (Markierung: Blauer Punkt) geht leicht bergaug, westwärts durch den lichten, verschneiten Wald, von links malt die kräftige Sonne ein ausgeprägtes Zebramuster in den gleißenden Schnee, über den entlaubten Baumkronen spannt sich ein strahlendblauer Himmel, es riecht nach Wald und Schnee und sogar ein bisschen nach Frühling, das Laufen fällt so leicht, als wäre ich nicht nachsaisonal fett und träge:

Bild #6: Auf dem Rheingauer Pfad

Nach genau einem entspannten, genußvollen Kilometer bugsiert mich der blaue Punkt wieder an den Rand der Lahnstr…

Bild #7: Etwas befremdlich: Auf diesem Wegstück liegt dicker, jungfräulich unberührter Schnee (wie man auf meinen einsamen Spuren im Bild erkennen kann) – offenbar bin ich der erste Fußgänger, der hier seit den Schneefällen vor zwei Tagen entlangläuft

…dann über die Gleise der Aartalbahn

Bild #8: Bahnübergang der Aartalbahn am Chausseehaus

…und vorbei am Ausflugsrestaurant Chausseehaus…

Bild #9: Chausseehaus

…weiter westwärts in den lichten Wald.

Hier bestätigt sich ein weiteres Mal, dass ich heute etwas unkonzentriert bin – irgendwie schaff´ ich es, am Chausseehaus den richtigen Weg (Markierung: Schwarzer Punkt) zu verpassen und stattdessen einen parallel aber weiter unten verlaufenden Pfad (Markierung: Keine) zu erwischen.
Kein Beinbruch, dank meinem Plänchen bleibe ich orientiert und grob auf Kurs, trotzdem versuche ich ab jetzt, etwas mehr auf kleine Details wie Wegmarker zu achten. Klappt ja sonst auch immer… 😉

Wenigstens lohnt sich der kleine Umweg, den mir meine Unaufmerksamkeit eingebracht hat – der unmarkierte Waldweg ist furchbar führt am Rand einer mit unberührtem Schnee bedeckten und vor hellstem Sonnenlicht triefenden Lichtung…

Bild #10: Laut Wiesbadener Stadtplan sind das die Köpfches-Wiesen am oberen Ende des Labsaltals

…durch ein kleines Bachtälchen, dann etwas bergauf um einen Buckel und an den nicht minder vor hellstem Sonnenlicht triefenden Wiesen „Im Aunel“…
7
Bild #11: …auf denen mir ein nichtobligatorisches Taunusfotolaufberichtskuhfoto gelingt

… aufwärts durch den herrlich-hellen Winterwald…

Bild #12: Winterwald am Aunel, ganz in bayerischen Farben (= Weißblau) gehalten


Bild #13: Achja, was hab´ ich so einen klaren blauen Himmel in den diesig-milchigen Wintermonaten vermisst

..zurück auf den Rheingauer Pfad, den ich ursprünglich hatte nehmen wollen.
Wieder auf Kurs, alles bestens!

Weiter westwärts, nun wieder markiert, nämlich mit dem roten Plus, erst noch ein Stück auf dem Rheingauer Pfad, dann halblinks auf die Alte Rheingauer Str., einen breiten Forstweg, der auf ungefähr gleichbleibender Höhe durch den lichten, helllen Wald und an weiten, sanft abfallenden Hangwiesen vorbei durch die Taunusvorberge führt:


Bild #14: Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Das ist heute echt total schön hier oben!!!


Bild #15: Hier geht´s auf die Wiesen „Im Aunel“, an denen ich eben noch hochgelaufen bin.


Bild #16: „Im Aunel“ – Leuchtendweißer Schnee das Tal hinunter…


Bild #17: …dahinter in der Ferne das Mainzer Umland jenseits des Rheins


Bild #18: Die Alte Rheingauer Str. durch den Biebricher Wald.
Übrigens ist hier überraschend wenig los, dafür dass es ein herrlicher Sonntagnachmittag am Rand von Hessens zweitgrößter Stadt ist – nur hin und wieder begegnen mir mal ein Nordic Walker oder ein paar Spaziergänger, ansonsten hab´ ich das alles hier für mich alleine


Bild #19: Immer wieder ziehen sich hier kleine Bäche quer zum Weg durch den Wald, die das Wasser von den breiten Taunushöhenrücken in Richtung Rhein tragen


Bild #20: Kurz vor dem Klingengrund


Bild #21: Dadurch dass die Alte Rheingauer Str. direkt nach Südwesten verläuft, habe ich die strahlendhelle Nachmittagssone die meiste Zeit direkt von vorne – einerseits angenehm warm, anderseits fast schon zu hell, besonders mit dem vielen Schnee. Muss ich jetzt durch, denn weil ich heute ja unkonzentriert bin, hab´ ich die schützende Mütze im Auto liegen lassen…


Bild #22: Der Klingengrund, eine weitere dieser wunderschönen, langgezogenen Lichtungen, die sich quer zum Verlauf des Weges die flachen Täler der unteren Taunushöhenlagen hinunterziehen.
Im Hintergrund kann man den Funkturm auf der Hohen Wurzel erkennen, der gar nicht so aussieht, als ob er mehr als 300 Höhenmeter weiter oben stehen würde (was er aber tut)

Eigentlich sieht mein Plan vor, dass ich kurz hinter dem Klingengrund links abbiege und dem schwarzen Punkt durch das Tal des Lippbaches bis runter nach Frauenstein folge.
Aber gerade läuft´s so prima und ist so schön, dass ich an der entsprechenden Kreuzung spontan beschließe, noch ein bisschen der Alten Rheingauer Str. zu folgen und erst später zu schauen, dass ich irgendwie nach Frauenstein absteige.

Also noch ein Stück weite, dem roten Plus hinterher durch den Wald und den sonnigen Nachmittag:

Bild #23: Weiter geht´s, die Alte Rheingauer Str. entlang

Über den breiten, wasserreichen Lippbach…

Bild #24: Der Lippbach

…kurz danach noch mal ein bisschen bergauf…

Bild #25

…und schließlich einen tiefverschneiten geraden Weg entlang, an dem links und rechts turmhohe, dunkle Fichten Spalier stehen:

Bild #26: Laut Wanderkarte ist das irgendwo zwischen Kolhag und Eichelgarten

Kurz darauf erreiche ich eine quer verlaufende schmale Landstrasse mitten durch den Wald – wo genau die hinführt weiß ich nicht (es ist die L3441 nach Georgenborn, wie eine entsprechende Nachrecherche ergibt), denn mein Plänchen ist hier hinten zu Ende, ab jetzt bin ich bis auf Weiteres im Blindflug unterwegs.
Fühlt sich gut an. 😀

Über die Strasse, durch einen Pulk von Wanderern und noch ein kleines Stück geradeaus, bis zur nächsten Kreuzung, wo mehrere Entdeckungen auf mich warten:

Zum Beispiel diese Schutzhütte:

Bild #27: Schutzhütte Grauer Stein

Nett, aber nichts Besonderes.

Wesentlich interessanter finde ich da schon das hier:

Bild #28: Rheinsteig-Marker

Hier läuft offensichtlich der Rheinsteig vorbei – und der führt, wie ich zufällig weiß – runter in Richtung Frauenstein.
Also genau die Richtung, in die ich will, sehr gut, den nehm´ ich.

Die beeindruckenste Entdeckung ist allerdings das gewaltige, schroffe Felsmassiv, das sich direkt neben dem Weg im Wald erhebt – sieht aus wie eine zerklüftete Wand, sicherlich zehn oder mehr Meter hoch, mindestens mal 60 oder 70 m. lang.
Wow!

Bild #29: Der Graue Stein

Natürlich habe ich vor Ort keine Ahnung, dass es sich dabei um den „Grauen Stein“ handelt (denn mein Plänchen reicht ja nicht mehr hierher, und da ich ursprünglich nicht vorhatte, hier vorbeizukommen, hab´ ich mich auch nicht vorinformiert), richtig gut gefallen tut mir die titanische Felsgruppe natürlich trotzdem:

Bild #30: Rotgesichtiger Läufer vor Grauem Stein

Ein bisschen anschauen und beeindruckt sein, dann geht´s weiter, nun in grob südlicher Richtung den schmalen Rheinsteig entlang…

Bild #31: Auf dem Rheinsteig

…während rechts der Graue Stein und einige weitere, etwas kleinere aber nicht minder szenische Felsgruppen vorbeiziehen:

Bild #32: Felsen am Rheinsteig,…


Bild #33: …Felsen am Rheinsteig…


Bild #34: …uuuund: Felsen am Rheinsteig

Nach knapp 800 m. (übrigens ein sehr ansprechendes Stück) erreiche ich den Parkplatz Monstranzenbaum and der L3441.
Schnelles Foto vom namensgebenden Baum (wird leider grausam verwackelt und deshalb unpostbar, aber wen´s interessiert, der kann ja mal hier nachschauen, da gibt´s auch die schöne Sage zum Baum), dann überquere ich den Parkplatz und mache mich daran, auf dem Weg mit dem Hasensymbol weiter nach Süden zu laufen.
Zumindest ein paar Meter, dann ist Sense – offenbar hat Sturmtief Xynthia hier richtig schlimm gewütet und gleich eine ganze Reihe schlanker Kiefern im Dominoeffekt über den Weg geweht:

Bild #35: Windbruch hinter dem Monstranzenbaum

Kein Durchkommen, zumal die hinteren Bäume auch noch prekär über dem Weg hängen und so aussehen, als wär´ die Schwerkraft noch nicht ganz fertig mit ihnen. Außenrum geht´s auch nicht, da wächst ein dichter Teppich aus Dornenranken.
Da bleibt nur: Zurück und einen anderen Weg suchen.

Fündig werde jenseits des Parkplatzes und der L3441, wo ein tiefverschneiter Pfad durch ein enges Bachtälchen führt…

Bild #36: Vermutlich das Tal des Katzbachs

…und dann in einen breiteren (wenn auch unmarkierten) Forstweg mit unebener Schneedecke mündet,…

Bild #37

…der weiter nach Süden führt…

Bild #38: Schon lustig, was man mit so einem Fotostitchprogramm basteln kann… 😀

…und mich schließlich wohlbehalten zum Waldrand am Oberberg hoch über Frauenstein bringt – genau da, wo ich hinwill:

Bild #39: Waldrand am Oberberg

Hier gibt´s zum ersten Mal heute ein bisschen Fernsicht, über die steilen, mit Heckengruppen und Kleingärten versehenen Hänge hinweg hinüber zum Mainzer Lerchenberg auf der anderen Rheinseite…

Bild #40: Das breite, blockige Bauwerk am Horizont ist übrigens das mehr als 13 km entfernte Hauptgebäude des Zweiten Deutschen Fernsehens, rechts daneben die Wohnhochhäuser auf dem Lerchenberg

…oder auch – etwas weniger weit – hinüber zum Aussichtsturm auf dem Spitzen Stein an der gegenüberliegenden Talseite, den ich letzten Oktober besucht habe:

Bild #41: Gipfel des Spitzen Steins samt Aussichsturm jenseits des Frauensteiner Tals

Jetzt geht´s so langsam auch ernsthaft bergab, aus den Taunusvorhöhen runter ins Tal, den rissigen alten Asphaltweg „Zum Grauen Stein“ entlang…

Bild #42: Zum Grauen Stein

…der sich vorbei am Forsthaus Frauenstein zwischen verschneiten Obstwiesen und struppig-freundlichen Kleingärten in der Talflanke abwärts windet und dabei immer wieder schöne Einlicke ins und übers Tal gewährt:

Bild #43: Nochmal der Spitze Stein hinter/über Frauenstein


Bild #44: Und hier haben nochmal Frauenstein selbst, erkennbar am charakteristischen Turm der Burg, dahinter liegt Budenheim und im Hintergrund ist wieder der Lerchenberg erkennbar (leider alles etwas unscharf…)

Aaaachja, das ist so richtig schön, sich hier gemütlich bergab treiben zu lassen, die warme Sonne im Gesicht, den Frühling in der Nase, das Rheintal im Blick, einfach wunderbar angenACHDULIEBESCHEISSEWASISTDENNJETZTLOS!?!?!?!?!

Glatteis!
Wahrscheinlich hat die Morgensonne den Schnee auf dem Asphalt angetaut und ist dann weitergezogen – jetzt liegt der Weg wieder im Schatten und das Tauwasser ist wieder angefroren, entsprechend ist das steile Teilstück zu einer schmierseifig glatten Eisbahn geworden.
Und weil ich heute bekanntlich ein bisschen unkonzetriert bin, hab´ ich nichts davon bemerkt, bis es fast zu spät ist – auf einmal flutscht mir einfach so der Fuß unter dem Bein weg, gerade als ich mein volles Gewicht auf ihn verlagern will.
Zum Glück laufe ich Wegrand, im allerletzten Moment schaltet sich ein automatischer Notfallinstinkt ein und irgendwie gelingt es mir, mich in einen Maschendrahtzaun neben der Fahrbahn zu verkrallen und so zu verhindern, dass ich mich voll auf die Fresse lege, während meine haltlosen Beine unter mir in einen schmerzhaften und zweifellos überaus lächerlich aussehenden Semispagat schliddern.
Puuuh!

Kurz sortieren und aufrichten, warten bis der explodierte Puls sich wieder eingekriegt hat, dann weiter, nun aber in winzigen, übervorsichtigen Trippelschrittchen, möglichst unter Vermeidung aller Wegstücke, die feucht oder vereist aussehen. Selbst das wird noch ein oder zweimal kritisch, aber am Ende schaffe ich es dann doch weitgehend unbeschädigt runter ins Tal nach Frauenstein.

Notiz an mich selbst: Immer schauen, wo du die Füße hinsetzt, Depp! 😀

So.
Frauenstein.
Westlichster Stadtteil von Wiesbaden, hat eigentlich gar nichts mehr Großstädtisches, sondern macht eher den Eindruck eines kleinen, freundlichen Weinortes, der hübsch in ein schmales Tal zwischen die Taunusvorberge drapiert ist.
Nett.

Ich laufe im nördlichen Zipfel des Ortes ein, immer noch auf der Strasse „Zum grauen Stein“ – genau da, wo ich letzten Oktober in der entgegengesetzten Richtung schon mal vorbeigekommen bin – damit ist die Anbindung der Rheingau-Tour an den Rest meines Streckennetzes vollzogen, sehr schön!
Und weiter Abwärts, durch den Weg „Am Mittelberg“ in die schmale Strasse „Am Simmler“, der ich rechts runter in Richtung Ortskern folge…
Bild #45: „Am Simmler“ in Frauenstein

…wo ich dann wiederum links abbiege („Am Lindenbaum“)…

Bild #46: „Am Lindenbaum“

…kurz pausiere, um noch ein schnelles Foto von der überaus pittoresken Burg Frauenstein zu schießen, die sich auf einer schroffen Felswand mitten im Ort erhebt:

Bild #47: Burg Frauenstein.
Auch die hab´ ich bereits beim letzten Mal eingehend besichtigt, deswegen laufe ich heute dran vorbei

…und dann auf dem schmalen Bürgersteig der Kirschblütenstr. ostwärts laufe, zurück in Richtung Wiesbaden:

Bild #48: Haus an der Kirschblütenstr. mit einem hübschen Wandgemälde des Goethesteins, der im Original am Rücken des Spitzen Steins hoch über dem Ort steht.

Vielleicht 800 oder 900 m., während denen es sanft aber stetig bergauf geht…

Bild #49: Immer noch Kirschblütenstr., etwas weiter oben

…dann biege ich rechts in ein höher gelegenes Wohngebiet ab, in die Str. „Zum Nürnberger Hof“…

Bild #50: „Zum Nürnberger Hof“

…auf der es hinaus aus Frauenstein geht, in die sonnigen Felder und Obsthaine in den flachen Hängen südlich des Ortes:

Bild #51: Ein letzter Blick zurück nach Frauenstein

Noch ein Stück in Richtung Nürnberger Hof, dann biege ich links ab und zickzacke auf dem dem Rheinsteig langsam abwärts durchs offene Gelände, in grob südöstlicher Richtung.

Das hier oben ist die letzte Erhebung bevor´s runter zum Fluss geht, entsprechend ist der Blick über das Rheintal nach Südosten grandios:

Bild #52: Großes Rheintalpanorama von den Hängen über dem Nürnberger Hof nach Südosten.
Ganz links erkennt man die Industrieanlagen am Rheinufer, in Biebrich, Schierstein, Amöneburg und (auf der Mainzer Seite) Mombach. Etwas weiter rechts die Schiersteiner Brücke, auf der die A643 den Rhein überquert, dahinter kann man die Mainzer Innenstadt erkennen – links die Kuppel der prächtigen Christuskirche an der Kaiserstr., ein Stückchen weiter rechts und hinten die Spitze des Doms in der Altstadt. Noch weiter rechts stehen die beiden charakteristischen Hochaustürme am Hauptbahnhof, schräg dahinter erkennt man die etwas höher gelegenen Unikliniken.
Mittig zentral haben wir die letzten Ausläufer von Schierstein, dann den Rhein und die Mainzer Peripherie mit Mombach, Bretzenheim und schließlich im Hintergrund Hechtsheim vor der Laubenheimer Höhe. Ganz rechts schließlich Gonshenheim mit der Hochhaussiedlung am Brandström-Weg.
Oh, und wer ganz genau hinschaut, kann ich Hintergrund auch noch die schneebedeckten Silhouetten des Odenwalds und der Bergstrasse erkennen auf der anderen Seite des Rheintals entdecken, inklusive dem 50 Kilometer entfernten Melibokus, der sich hinter den Mainzer Unikliniken in den diesigblauen Himmel reckt.

Das hier ist übrigens definitiv schon der Rheingau, und wie es sich für eines von Deutschlands vorrangigen Rieslinganbaugebieten gehört, dominieren nun runde, wunderschöne Weinlagen das Landschaftsbild:

Bild #53: Blick über das Leierbachtal zu den Weinlagen Marschall und Homberg am Leierskopf. Das einzelne Häuschen rechts oben ist das Ausflugslokal mit dem schönen Namen Himmelreich

Auf dem Rheingauer Riesling-Pfad und dem Rheinsteig-Zuweg (dessen Marker genauso wie das normale Rheinsteig-Symbol aussieht, aber in Ocker gehalten ist) geht´s runter in das schmale, steile Leierbachtal…

Bild #54: Leierbachtal (falls es denn so heisst, genau weiß ich das gar nicht)


Bild #55: Und gleich noch ein Pano, weil´s so verflixt hübsch ist: Weinlage Marschall am Leierkopf.
Zum Vergleich: So hat´s hier letzten Oktober ausgesehen (aus etwas anderer Perspektive)

…und dann gleich wieder einen schmalen Weg an der anderen Talseite hoch, geradewegs den Hang hinauf.
Sind zwar nur ca. 300 m. Strecke bis nach oben und es ist ein wunderbar sonniges, schönes Stück, aber meine Fresse, ist das steil!!!


Bild #56: Am Anfang ist der Anstieg ja noch ganz manierlich…


Bild #57: …aber das legt sich schon sehr bald. Argl!!!


Bild #58: Auf die letzten Hundert Meter muss ich dann doch noch kapitulieren.
Tragischerweise nicht weil mir die Puste ausgeht, sondern weil das hier eine Südwestlage in der prallen Sonne ist – da ist der Schnee bereits vollkommen weggeschmolzen und hat eine schwachbrüstige dünne Grasnarbe auf glitschigem Schlamm zurückgelassen. Das ist so rutschig, dass ich beim Bergaufjoggen überhaupt keinen Grip mehr habe.
Aufwärts ohne wegzurutschen ist hier nur gehend möglich, mit vorsichtigen, kleinen, gemessenen Schritten.

Immerhin, oben werde ich mit einem schönen gegenlichtigen Panorama über die idyllische Obst- und Weinlandschaft des Rheingau belohnt:

Bild #59: Von da rechts hinten bin ich hergekommen…

Noch ein kleines bisschen weiter bergauf, dann erreiche ich – weiterhin auf dem Zuweg (klingt komisch, oder? Verbindungsweg fände ich ja irgendwie eingängiger…) des Rheinsteigs mein nächstes Ziel:
Schloss Freudenberg, ein wunderschönes kleines Palais samt umgebenden Park, das Anfang des 20. Jahrhundert errichtet wurde:

Bild #60: Schloss Freudenberg

Heute wird das Schloss von einem gemeinnützigen Kulturverein geführt, der hier u.a. ein „Erfahrungsfeld“ zum bewussten Umgang mit allen Sinnen eingerichtet hat, Gastronomie betreibt (besonders bekannt sind die Nacht-Mahle und die Dunkelbar, bei denen in völliger Finsternis gespeist und getrunken wird) und Seminare und Kulturprojekte veranstaltet.

Da ich ja nachher noch verabredet bin und zeitlich inzwischen schon wieder ordentlich hinter meiner ursprünglichen Planung hinterherhinke (vor allem dank der freiwilligen und unfreiwilligen Umwege im Wald nach dem Chausseehaus), muss ich leider etwas sputen, deshalb nehme ich nur ein paar schnelle Eindrücke mit…


Bild #61: Schloss Freudenberg von Süden


Bild #62: Skulptur im Erfahrungsfeld vor dem Schloss


Bild #63: Und nochmal das Schloss, ganz nah

…bevor ich das Gebäude umrunde und den Schlosspark auf der gerade Zufahrtsallee verlasse:

Bild #64: Nordseite des Schlosses aus Richtung Parkeingang

Direkt hinter dem Schlosspark komme ins Märchenland.
Zumindest behauptet das die Wanderkarte, vor Ort sieht die ruhige, freundliche Wohnsiedlung am Rand von Wiesbaden-Dotzheim, durch die der Rheinsteig-Zuweg mich nun lotst, auf den ersten Blick nicht so richtig märchenhaft aus:

Bild #65: Märchenland?

Bis mir die Strassenschilder auffallen, dann ist alles klar:

Bild #66: Das zaubert mir spontan ein glückliches Lächeln in die Visage

Also denn: Einmal durchs Märchenland, den Froschkönigweg hoch, kurz darauf rechts in den Rumpelstilzchenweg, vorbei an Sterntalerweg, Hänselweg, Gretelweg.
Dann ist das Märchenland auch schon zu Ende, stattdessen geht´s jetzt durch den Schelmengraben, eine großé Plattenbausiedlung, die – wie man mir später erklären wird – wohl als einer der sozialen Brennpunkte Wiesbadens gilt:

Bild #67: Vom Märchenland in den Schelmengraben

Auf jeden Fall abwechslungsreich, die heutige Tour: Erst durch die dichten Wälder des Taunus, dann durch die Weinberge und Obstwiesen des Rheingaus, und nun bin ich auf einmal wieder mitten im urbanen Raum und durchquere eine Trabantenstadt.

Aber immer noch auf dem Rheinsteig (Zuweg), der lotst mich schön weiter nach Osten, die verwaisten Rampen und Terassen zwischen den Hochhäusern, Geschschäftszentren und Grünanlagen hinunter…

Bild #68: Im Schelmengraben

…bis in einen schluchtartigen bewaldeten Hohlweg, der zwischen steilen Wänden weiter abwärts führt…

Bild #69: Hohlweg bergab, aus dem Schelmengraben hinaus…

…bis hinunter in den alten Ortskern von Dotzheim…

Bild #70: …und nach Alt-Dotzheim hinein

…der sich am Grund eines engen, schattigen Tals entlangzieht und von den neueren Dotzheimer Wohngebieten auf der anderen Talseite überragt wird:

Bild #71: Das sieht dann so aus

Hier ist Schluss mit Rheinsteig (Zuweg), stattdessen laviere ich frei Schnauze durch die schmalen Gassen nach Nordosten – Ziegelhüttenstr., Frauensteiner Str., Verbindungsstr….

Bild #72: Verbindungsstr. (das ist der offizielle Strassenname)

…Aunelstr, und schließlich rechts die Triftstr. hoch…

Bild #73: In der Triftstr.

…an deren Ende ein ordentlich ansteigender Waldweg unter der Felsformation „Am Idstein“…

Bild #74: „Am Idstein“

…am Rand des immer schmaler und schattiger werdenden Weilburger Tals…

Bild #75: Weilburger Tal

…aufwärts bis zum Rand der höher gelegenen Teile Dotzheims führt:

Bild #76: Weg auf die Trift

Oben angekommen geht´s nach links, auf einen schmalen Weg, der zwischen den steil abfallenden bewaldeten Hängen über dem Weilburger Tal und den letzten Häusern des Ortes nach Norden führt:

Bild #77

Jetzt ist es auch nicht mehr allzuweit, vielleicht noch zwei, zweieinhalb Kilometer bis zum Ziel.
Passt mir gut, denn so langsam ist gut für heute, zumal ich inzwischen arg spät dran bin.
Außerdem steht die Sonne inzwischen schon wieder recht schräg, das ist zwar ganz hübsch, bedeutet aber andererseits, auch dass sie nicht mehr soviel Kraft hat und die Bäume im Weg sind, so dass es langsam schattiger und kälter wird:

Bild #78: Schräge Sonne im Wald am Bossenwändchen

Fast einen Kilometer immer geradeaus, dann ist der Weg zu Ende und ich wechsle nach rechts auf den Langendellschlag…

Bild #79

…auf dem´s dann am Rand der Siedlung Kohlheck bis zum Waldrand am nördlichen Ende Dotzheims geht.
Fotos mach´ ich hier keine mehr, stattdessen konzentrier´ ich mich lieber aufs zügige Laufen, ist ja nicht mehr weit.

Am Ende der Siedlung geht´s hablinks in den Wald (grüner Punkt), noch einmal über die Gleise der Aartalbahn…

Bild #80: Aartalbahnübergang bei Dotzheim

…dann rechts und schön abwärts durch den lichten und sonnigen Biebricher Wald…

Bild #81

…bis ich wieder den Parkplatz Kohlheck erreiche, an dem ich ja schon am Anfang der Tour vorbeigekommen bin.
Die letzten 500 m. laufe ich dann einfach denselben Weg, den ich vorhin in entgegengesetzter Richtung genommen habe:
Fußweg neben der Wenzel-Jacksch-Str., Ampelwarten an der Lahnstr…

Bild #82: Ich will grüüühüün!

…nochmal vorbei an den Teichen beim Eishaus…

Bild #83: Nomen est omen

…und schließlich zurück zum Ausgangspunkt der heutigen Runde auf dem Parkplatz Eishaus:

Bild #84: Ziel!

Uuund das war´s dann auch schon.
Mein sechster Lauf im Wiesbadener Stadtgebiet, und wie jedesmal hat´s mir richtig, richtig gut gefallen: Viel tolle Landschaft und Abwechslung, ordentlich Auf und Ab, ein ausgewogenes Verhältnis von Natur und urbanem Ballungsraum, schöne Aussichten, interessante Orte, tolles Wetter – so sieht eine schöne Entdeckungstour aus (auch wenn ich vielleicht noch ein bisschen an der Ausdauer arbeiten muss, ein Dreissiger unter solchen Bedingungen ist momentan eher noch nicht wieder drin… ;)).
Wiesbaden macht einfach immer wieder Spaß!

Strecke: 16,3 km
Zeit: Ganz gemütlich
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 95,77% (15,61 km von 16,3 km)
Karte:

M.

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10 Antworten to “Sonnige Fototour im Wiesbadener Nordwesten und am Rand des Rheingaus (16,3 km)”

  1. Laufhannes Says:

    Da sieht man ja vor lauter Schnee die ganze Schönheit nicht. 😉

    Gefällt mir die Tour und am besten finde ich Bild 74 – so haben die Berge zu dieser Zeit auszusehen!

    • matbs Says:

      I wo, das ist mit und ohne Schnee hübsch, glaub´ mir, ich war da!

      Der Idstein ist übrigens gar kein Berg, mehr eine Felsklippe, direkt dahinter ist wieder Wohngebiet.

  2. Daniel Kopp Says:

    ganz großes kino. ganz tolle lauftour matthias! ich würde sagen da ist von der untergrund- und wegebeschaffenheit alles dabei. und natürlich auch landschaftlich!

    hast du schon sommerreifen auf deinem auto?

    lg
    daniel

    • matbs Says:

      Jepp, das ist eben der Taunus – da gibt´s ein bisschen was von Allem… 😉
      Wobei – das Glatteis und der Glibberschlamm in der 25%-Steigung hätten nicht sein müssen.

      Und ja, da war ich mit Sommerreifen unterwegs. Kein Problem, nur auf dem verschneeeisten Parkplatz ist er ein bisschen geschwommen.

    • Daniel Kopp Says:

      ja,ja, der matthias ist schon im frühling angekommen. aber mit jedem sommerreifen auf deutschen dstraßen kommen wir dem frühling ein stück näher. ich kann diese hässlichen stahlfelgen auf meinem auto schon nicht mehr sehen :-).

      aber in bayern heißt es ja: nicht vor ostern wechseln 😦

  3. Evchen Says:

    Heidenei. Matthias, wie putzig (bis auf das Beinahehinknallen). 😀

    Also, welchen Film hast `en Du im Kino geguckt? *vorwitz*

    Du bist nachsaisonal fett und träge? Was heißt das bei Dir? Die Frage lehnt an die Frage der Wochenkilometer an und ich vermute dann mal, Du schraubst im Sommer richtig hoch, ne?

    Und wiehie bekommst Du diese netten
    langgezogenen Bilder hin? Die finde ich ja allerliebst!

    Dem Monstranzenbaum fühle ich mich irgendwie (ungesehen) emotional nahe. 😛

    Sehr hübsche Tour, trotz Schnee! 😀

  4. matbs Says:

    Also, im Kino hab´ ich „Alice im Wunderland“ gesehen (in 2D).
    Und weil ich schon wieder eeeeewig nicht mehr im Kino gewesen war und außerdem Tim Burton-Filme über alles liebe, war ich hin und weg, der Film ist wunderbare, rasante, skuroile und manchmal auch ein bisschen poetische Eyecandy-Unterhaltung in Bestform.
    Dafür gibt´s Daumen hoch!

    Nachsaisonal fett und träge bedeutet, dass ich einfach nicht so leistungsfähig und fit bin wie im Spätsommer. Ist natürlich signifikant trainingsbedingt, aber auch der Kopf spielt dabei eine ganz wichtige Rolle – im Moment traue ich mir unabhängig von meiner tatsächlichen Fitness (die wahrscheinlich ein bisschen größer ist, als ich denke) einfach keinen mehrstündigen toughen Berglauffünfundzwanziger zu.
    Da muss dann auch erstmal wieder der mentale Knoten gelöst oder zum Platzen gebracht werden, indem man die Distanzen, die der Verstand als „boah, ganz schön weit“ definiert, im Laufe des Frühlings langsam aber sicher wieder nach oben verschiebt.
    Wenn alles so läuft, wie letztes Jahr, sollte ich dann so im August bequem Touren im Bereich zwischen 20 und 30 km und mit über 1000 HM ablaufen können, ohne dass das zu anstrengend wird.
    Hoffentlich… 😉

    Die Panoramafotos mache ich mit einem praktischen kleinen Programm namens Autostitch.
    Das nimmt überlappende Einzelbilder und setzt sie automatisch zu großen Panoramaaufnahmen zusammen.

    Und ja, war wirklich hübsch.
    Wie das eben so ist, im rheinischen Schiefergebirge. 🙂


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