Ein gräulich graues Wochenende (11,3 km und 10,3 km)

14. März 2010

Nee nee nee nee!
So hab´ ich mir das nicht vorgestellt:
Eigentlich war ich mit dem Kopf schon mitten im Frühling, mit Sonne und zweistelligen Plusgraden und singenden Vögeln und sprießenden Bäumen, dem ganzen Gelump eben.

Aber nix davon kommt!
Draußen herrscht immer noch Winter, oder zumindest seine kleine Cousine, die Unansehnliche Übergangszeit.
Grau und trüb und kalt und öde hockt sie vor den Fenstern, auf den grauen Äckern, im kahlen Wald, ein aufgedunsenes Ungetüm aus Tristesse und Trübsal, das mit seinen klammen, stumpfen Fingern jedwede Lauflust im Keim erstickt.
Widerlich.
Und da soll man Spaß am Sport haben?

Nee nee nee nee!
So hab´ ich mir das nicht vorgestellt…

13.03.: Irrig-wirrige Bergtour mit Nemo von Jugenheim nach Nieder-Beerbach (11,3 km)
Samstag. Eigentlich ein guter Lauftag.
Heute nicht.
Farbloser Tag, vollkommen windstill und leblos, dämmert unter einem tristen grauen Himmel vor sich hin, wartet darauf, endlich von der noch Stunden entfernten Dunkelheit erlöst zu werden.
Diese Tage hasse ich fast am meisten – es gibt keinen Grund, rauszugehen, aber es gibt – leider – eben auch keinen, nicht rauszugehen.
Also kannmuss man auch laufen.
Ob man will oder nicht.

Ich will heute nicht.
Wirklich gar nicht.

Mehrmals im Verlauf des späten Vor- und frühen Nachmittags setze ich mich hin und versuche mir eine schöne Strecke, ein reizvolles Laufziel, ein interessantes Laufexperiment auszudenken, irgendwas, was mich zumindest ein bisschen reizt.
Aber ein Blick aus dem Fenster, raus in das kalte, feuchte, dröge elend, und alle Versuche, sich was auszudenken ersaufen in manifester Unlust.

Am Ende bleibt mir nichts Anderes übrig, als es genauso zu machen, wie die letzten beiden Male: Kein Plan, keine Erwartungen, einfach den Kopf ausmachen und loslaufen, unwirsch und unwillig in den grauen Nachmittag.
Irgendwo werden wir (Nemo ist auch mit dabei) schon hinkommen…

Wir driften nordwärts durch Jugenheim, dem Blütenweg hinterher, der seinem Namen von mir aus so langsam gerne mal alle Ehre machen könnte; nirgendwo in Deutschland blühen die Bäume früher als an der Bergstrasse, heißt es – heute ist davon noch nichts zu ahnen, der Frühling treibt sich offenbar noch irgendwo in Südeuropa rum (der blöde Penner!).

Die schmale Hauptstr. hoch, am Heiligenberg vorbei, an jeder Ecke ein erneutes Tauziehen mit Nemo, der offensichtlich auch nicht wirklich laufen will, das hebt auch nicht gerade die Lauflaune.
In der Seeheimer Str. biegen wir rechts ab, steil aufwärts über die kleine Treppe am Ortsrand in den Wald hoch zum Burgenweg, dem wir weiter nordwärts in Richtung Lufthansa folgen.
Bergauf.
Fällt überraschend schwer, wenn man so überhaupt gar keinen Bock hat, trotz der eigentlich vollkommen harmlosen paar Steigungsprozente.

In der Talkurve zwischen Seeheim und Jugenheim geht links ein Winzpfädchen ab.
Ist mir noch nie aufgefallen, wahrscheinlich ist es im Sommer vollkommen überwuchert.
Sieht nicht wirklich gut laufbar aus, und ich kann mir auch nicht vorstelllen, dass es irgendwo hinführt, aber heut´ ist eh alles egal, also probieren wir´s einfach mal aus.

Sind nur ein paar Dutzend Meter, dann ist tatsächlich Schluss, mitten im Nichts. Wir müssen durch einen kleinen, schluchtartigen Hohlweg klettern (Vorteil: Nemo – vier Beine mit Krallen und ein niedriger Schwerpunkt schlagen zwei Beine mit Laufschuhen und steife Hüften) und finden uns schließlich auf der Hangwiese unterhalb der Lufthansa wieder.
Hier gibt´s Aussicht.
Könnte schön sein, wenn´s heute nicht furchtbar diesig und trüb und generell doofig wäre…

Aufwärts, hinter der Lufthansa auf den Saar-Rhein-Main-Weg (gelbes Plus).
Die generelle Tendenz scheint heute in Richtung Ober-Beerbach zu gehen, scheint mir.
Na von mir aus.
Pfff.

Bei der nächsten Gelegenheit wechseln wir auf die Rückseite des Tannenberg-Massivs über dem Ober-Beerbacher Tal.
Auch hier wieder: Wahllos irgendwelche Trampelpfade bergab, etwas abenteuerlich, ziemlich schlammig und größtenteils unerlaufen. Mit ein bisschen Sonne und guter Laune wär´ das sicher recht spaßig, heute ärgere ich mich stattdessen schon Mal im Voraus ein bisschen darüber, dass es total der Act werden wird, die ganzen Ziegenpfädchen durch den Hangwald später nachzuplotten (zurecht…).
Immerhin, wenigstens hat der Hund sich inzwischen eingelaufen und pflügt munter durch Schlamm und altes Herbstlaub.
Wenigstens einer, der auf seine Kosten kommt.

Unten im schmalen, dunklen Tal mit den Märchenteichen ist es schweinekalt.
Zwischen den schlanken Fichten hängt eisigklamme Luft, grauer Schneematsch auf den Wegen, die Märchenteiche liegen unter einem Panzer aus grünweißem Eis.
Mitte März…
Harumph!

Wir wechseln auf den Galgenweg (gelbe 6), der am Waldrand über den Wiesen das Ober-Beerbacher Tal hochführt und irgendwann nach links abbiegt, rüber zum Schweizerloch und dem Dammrücksbühl.
Alles schon abgelaufen, aber geradeaus führt ein kreuzmiserables wegähnliches Etwas voll halbgefrorenem Schlamm weiter am Talrand entlang, das ist neu.
Pfft, na gut, nehmen wir.

*Splursch*
*Splursch*
*Splursch*

(Oh gott, ist der Köter eingesaut, das muss ich nachher alles wieder saubermachen)

*Splursch*
*Splursch*
*Splursch*

Wegende.

Einfach so, am Waldrand.
Links die offenen Talwiesen, aber die sind eingezäunt.
Also Privatbesitz, da wollen wir dann doch nicht rüber.
Stattdessen kraxeln wir halt rechts den unwegsamen Steilhang hoch, mitten durch die Wildnis.
Jetzt sind wir beide eingesaut, Hund und Halter.
Is´ heut´ aber auch egal.
Pfff…

Japsend und leicht derangiert erreichen wir uns auf den nächsthöheren Weg im Hangwald, direkt unterhalb vom Ober-Beerbacher Sportplatz.
Puh.

Wieder mal ein laufbares Stück, zur Abwechslung, aufwärts bis zum Rand von Ober-Beerbach, unterhalb der schönen Hanglagenhäuser am oberen Ende der Wiesen an den Hängen des Ober-Beerbacher Tals.

Eigentlich wär´s vernünftig, hier abdrehen, südwärts in Richtung Stettbacher Tal, um wieder nachhausezulaufen, sonst wird´s zu weit für eine Rundstrecke (denn ich hab´ ja keine Lust und der Hund hat kurze Beinchen, da sind mehr als 10 bis 12 Kilometer einfach nicht wünschenswert).
Aber ich hab´ keine Lust auf vernünftig.
Lieber noch ein bisschen weiter.
Wird sich schon irgendeine Möglichkeit finden, wie wir wieder nach hause kommen…

Deshalb biegen wir am Rand von Ober-Beerbach links ab, laufen einen Feldweg durch die Hangwiesen hoch über dem Ober-Beerbacher Tal.
Hübsch (oder wäre es, wenn meine Hübsch-Rezeptoren heute betriebsbereit wären).

Kurz an die L3098, die sich nordwärts das Beerbachtal runterschlängelt und dem roten Balken vom Weitwanderweg Odenwald-Vogesen hinterher, kleiner Schlenker am Ober-Beerbacher Hundeplatz vorbei auf einen unerlaufenen Feldweg (pfff, Neue Strecke. Hat sich auch schon mal besser angefühlt. Pfff…), dann wieder zurück auf den Weitwanderweg und am Waldrand in Richtung Frankenstein.
Übrigens durch zentimeterhohen pappigen Schnee, der sich an der Böschung des schmalen Wegs gehalten hat.
Weil Mitte März und so…

Ein paar hundert Meter bis zur Wegkreuzung auf der Fahrstrasse zur Burg Frankenstein am Rand der Hochwiesen über Nieder-Beerbach.
Auch wieder: An klaren, schönen Tagen hat man hier einen tollen Blick, das Beerbachtal entlang nach Norden aus dem Odenwald raus, in Richtung Offenbach und Hanau.
Heute natürlich nicht.
Weil es ja kalt und grau und diesig ist.
Meh.

Wenigstens gelingt es mir, per Handy eine kurzfristige Rückholung für uns in Nieder-Beerbach zu organisieren, können wir noch ein bisschen weiter und müssen nicht zurück, das passt ganz gut.
Noch kurz den Nemo für ein Leckerli tanzen lassen (wo wir eh schon Pause machen), dann geht´s abwärts, runter nach Nieder-Beerbach.
Alemannenweg (rotes S), erst durch die Hangwiesen mit schönem Blick auf das Dorf unten im Tal, dann ein bisschen durch den Wald bis zur Lindwurmanlage direkt unter der Burg Frankenstein, wo der tapfere Ritter Georg von Frankenstein einstmals einen schrecklichen Drachen erschlagen haben soll, bevor er selbst am Gift der Bestie zugrunde gegangen ist.
Heute ist definitiv weniger los, keine Lindwürmer, keine vergifteten Ritter, nur der einsame, vereiste Teich im alten Steinbruch am Waldrand über dem kleinen Odenwaldort.

Frankensteiner Weg, runter Nach Nieder-Beerbach, zwischen Wiesen, Gärten und Häusern abwärts zu Mühlstr., an der wir dann noch das ganze Dorf durchqueren, bis zum nördlichen Ortsrand, wo´s runter ins Mühltal geht.
Da ist dann Schluss.
Wir warten noch kurz am Ortsschild, dann werden wir eingesammelt und es geht heim.
Ein Glück.

An einem schönen Tag mit guter Laune wär das hier eine richtig nette Tour geworden.
Heute eher nicht.
Hoffentlich wird´s bald Frühling…

Strecke: 11,3 km
Zeit: Pff, wasweisich
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 46,46% (5,25 km von 11,3 km)
Karte:

14.03.: Monumental miese Melibokusumrundung mit Nemo (10,3 km)
„Weitergehen, weitergeheeen, hier gibt´s nichts zu sehen, bitte weitergehen, Herrschaften!“

Einmal mit Nemo zum Melibokus hoch, einmal um den Gipfel, dann wieder zurück.
Unter aller Sau.
Alle Reste von Motivation, Kreativität und Lauflust bereits während der grauen Woche aufgebraucht, entsprechend war die mieseste, lustloseste, unangenehmste Runde, die ich seit langer, langer Zeit gelaufen bin, wirklich nur noch die pure, dröge, sinnentleerte Pflichterfüllung, ohne ein Quäntchen Spaß, Energie oder Interesse.
Läuferischer Bodensatz, so beschissen und eminent vergessenswert, dass ich dazu wirklich nicht mehr zu schreiben habe.

Strecke: 10,3 km
Zeit: Gefühlt ungefähr dreieinhalb Jahre
Neue Strecke: Nä!
Karte:

M.

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6 Antworten to “Ein gräulich graues Wochenende (11,3 km und 10,3 km)”

  1. Evchen Says:

    Matthias, das kann ich gar nicht alles lesen! Ich hab das mittlere Drittel übersprungen. Weil im Moment versuche ich mich mit lauter Kleinigkeiten bei Laune zu halten: so viel Abwechslung wie möglich, Laufen im Hellen (Juhu! Wenn`s denn nur hell wäre.), etc., aber das ist ein schmaler Grat und dann schreibst Du soooo trostlos….
    Ä ä, sorry, geht nicht. Da werd ich (lauf-)depri von. Es sei Dir gegönnt, Deinen Unmut ob des Wetters rauszukotzen, aber das verkrafte ich ned. Attaque a mon coeur! 😛

    *flüster* Aber hast Du schon den Wetterbericht für die Woche geguckt? Das war eine rhetorische Frage. 😉

  2. matbs Says:

    Sorry, das tut mir echt leid.
    Aber es musste einfach mal raus, das ist grad alles sooo besch…eiden.
    (und außerdem hab´ ich ja einen spaßbefreiten Ruf zu wahren! ;))

    Wetterbericht: Jepp. Das sieht gar nicht mal übel aus.
    Und morgen nachmittag hab´ ich außerdem in Frankfurt zu tun.
    Und am Freitag eventuell am Taunusrand.
    Und am Samstag ist vielleicht Nibelungensteig mit Gerd.
    Und nächsten Montag bin ich dann am Mainufer zwischen Frankfurt und Wiesbaden.
    Und am Dienstag gleich auch noch mal.

    Da sollte vielleicht mal wieder was Nettes bei rumkommen.
    Vor allem, wenn diese ominösen 15° – 20° sich tatsächlich einstellen… 😀

    Durchhalten!!! 🙂

  3. Evchen Says:

    Und ich hab für Samstag da auch was im Rischbel (nicht Rheinsteig). Genau: Durchhalten! 😀

  4. matbs Says:

    Bin gespannt…

  5. Daniel Kopp Says:

    ja, zu dem zeitpunkt gings mir nicht anders. dieses grau, diese lunge die keine luft kriegen will, diese demotivation. manchmal kommt der ganze rotz zusammen.

    aber jetzt, jetzt kann’s ja nur noch besser werden. ich laufe jetzt auch mal in eine richtung und lass mich abholen, ich denke der motivation tut es gut nicht an den rückweg denken zu müssen. vielleicht ml mering-landsberg? naja, mal sehen.

  6. matbs Says:

    Jepp, aber jetzt ist hoffentlich Schluss mit dem Elend. Diese Woche war ja schon mal wesentlich besser, vielleicht hält das ja mal ein Weilchen.

    Einwegtouren sind in der Tat eine feine Sache, egal ob geplant oder einfach mal ins Blaue – man kommt halt viel weiter, und es ist einfach angenehm, mal nicht da enden zu müssen, wo man gestartet ist.


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