Frühling in der großen Stadt: Frankfurter Nordrand und Niddatal (14,3 km)

18. März 2010

Okay.
Letzte Woche war mies, ist abgehakt.

Diese Woche hingegen lässt sich gut an: Draußen wird´s endlich etwas frühlingshafter, mit steigenden Temperaturen und sogar ein bisschen freundlichem Sonnenschein.
Das steigert die Lauflaune schon mal drastisch, mindestens mal von „och nööööö, heut´ hab´ ich kein´ Bock“ zu „Jajajajajajajawillaufengehenundzwarsofort!!!“

Natürlich nicht irgendwo. Heute Abend bin ich nämlich mal wieder inb Frankfurt.
Und wie üblich, wenn´s mich in die Mainmetropole verschlägt, ist selbstverständlich auch ein Lauf eingeplant.
Fast schon ein bisschen was Besonderes: Bisher hab´ ich mich ja vor allem an die südlichen Stadtbezirke gehalten, heute hingegen steht endlich mal ein bisschen Frankfurter Norden auf dem Programm: Dornbusch, Bockenheim, Praunheim, Niddaauen, Heddernheim, Eschersheim.
Das ist der von zuhause abgewandte Teil der Stadt, jenseits von Main, Downtown und Bankentürmen.
Weitgehendes Neuland, und damit per Definition superspannend.
Freu´ ich mich total drauf!!!!


Als Startpunkt hab´ ich mir eine der wenigen Ecken im Frankfurter Norden rausgesucht, die ich gut kenne:
Bertramstr. im Stadtteil Dornbusch, direkt am Funkhaus des Hessischen Rundfunks (hier hab´ ich vor Jahren mein erstes Hörfunkpraktikum gemacht, deswegen kenn´ ich den Weg gut, obwohl´s lang her ist. Aber wer weiß – mit ein bisschen Glück komm ich in Zukunft ja wieder öfter her… ;)).

Das Auto muss am Strassenrand warten, ich steige aus, dehne kurz (zum ersten Mal seit Ewigkeiten. Fühlt sich komiscan… :D), dann wird losgelaufen, mittenrein in den gemütlich-abgeklärten Spätnachmittag.
14 Grad, vom hellen Himmel lacht eine freundliche, nur ganz leicht von dünne Schleierwöllkchen verhüllte Sonne auf mich herunter, in den knorrigen alten Bäumen am Rand der Bertramswiese singen die Vögel, die Stadt riecht ein bisschen nach Frühling (sie riecht auch nach Stadt, aber auch das gefällt mir, schließlich macht Stadtluft angeblich frei, und genauso fühle ich mich heute – befreit, zufrieden, tatendurstig!).

Südwärts auf der Bertramstr., am langgestreckten HR-Gelände entlang, vorbei am charakteristischen Rundbau und dem hohen, schmalen Verwaltungsgebäude, dann weiter an der Ostflanke des Frankfurter Polizeipräsidiums (ein riesenhaftes, quadratisch-dunkles Bauwerk, das quasi einen ganzen Block einnimmt) bis zur breiten, vielbefahrenen Adickesallee.

Hier wende ich mich rechts und folge dem grotesk breiten und – bis auf ein paar Himmel und Hölle spielende Kinder – leeren Bürgersteig (oder ist das ein schon schmaler gepflasterter Platz zwischen Strasse und Polizeipräsidium) ostwärts.
Die kaum weniger breite Eschersheimer Landstr. überwinde ich mit Hilfe der U-Bahn-Unterführung, einen Satz lange, flache Stufen hinunter in den Untergrund, durch die breite, gekachelte Passage des U-Bahnhofs Miquelallee, auf der anderen Strassenseite dann wieder aufwärts, auf ebenso langen, flachen Stufen zurück an die Oberfläche.

Nun noch ein paar Meter weiter geradeaus an der Miquelallee entlang (ist dieselbe Strasse wie die Adickesallee, nur mit anderem Namen), vorbei an langen Reihen schlichter mehrstöckiger Wohnhäuser, dann überquere ich die Miquelallee an einer Fußgängerampel (erste Ampelpause, und ich bin schon über einen Kilometer unterwegs – läuft sich eigentlich sehr flüssig hier in der großen Stadt) und laufe die lange und etwas verlassen wirkende Hansaallee runter in Richtung Innenstadt.
Läuft übrigens unglaublich prima heute, fast so, als würde ich die ganze Freude, die mir letzte Woche beim Laufen versagt geblieben ist, nun wieder abarbeiten – trotz zügigem Schritt fühle ich mich wunderbar entspannt, es macht einfach einen Riesenspaß, im Schein der wohligen Sonne durch die ungewohnte Szenerie zu schweben und die Geräusche, Gerüche und Bilder der unbekannten Umgebung wie ein Schwamm aufzusaugen.
Tut richtig gut!

Nach etwas über einem halben Kilometer erreiche ich den Anschlusspunkt der heutigen Tour mit dem Rest meines Streckennetzes: Die Hansaallee kreuzt die Bremer Str., und auf der bin ich vor zweieinhalb Jahren beim Frankfurt-Marathon schon mal vorbeigekommen.
War seinerzeit ungefähr Kilometer 4 der Marathonstrecke, entsprechend kann ich mich tatsächlich noch vage erinnern, hier schon mal vorbeigekommen zu sein (wenn´s Kilometer 38 gewesen wäre, hätte ich wohl passen müssen… ;)).
Heute hat´s allerdings irgendwie weniger Leute am Strassenrand, die mir zujubeln, und auch die damals anwesende Brass-Band vermisse ich ein bisschen. Noja, die werden Mittwoch Nachmittags vermutlich was Besseres zu tun haben, als irgendwo in der Stadt rumzustehen und wahllos wildfremde Läufer anzufeuern… 😀
Macht aber nix, ich fühl´ mich auch so pudelwohl.

Über die Bremer Str. und noch ein Stück die Hansaallee runter, dann rechts auf die Fürstenberger Str., die direkt am ehemaligen IG-Farben-Haus (heute Poelzig-Bau auf dem Campus Westend der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität) vorbeiführt.
Und das macht richtig was her: Das mächtige Bauwerk, bestehend aus einem leicht geschwungenen Mittelteil und sechs davon abgehenden Flügeln, ist 250 m. lang, neun Stockwerke hoch, und steht in leicht erhöhter Position etwas abseits der Strasse in einer parkartigen Grünanlage. Wirkt einerseits sehr klar und schlicht, strahlt andererseits aber auch Autorität und einen gewissen Geltungsanspruch aus.
Außerdem ist es historischer Grund: Von Anfang der Dreissiger Jahre bis zum Ende des zweiten Weltkriegs war es Stammsitz der IG Farben, dem seinerzeit größten Chemieunternehmen der Welt (an das man sich heute vor allem wegen seinem intensiven und rücksichtslosen Einsatz von Zwangsarbeitern, u.a. in Ausschwitz, erinnert). Nach dem Krieg diente es über 40 Jahre als Hauptquartier der amerikanischen Streitkräfte in Europa. 1948 übergaben die Westalliierten hier den damaligen Ministerpräsidenten der westdeutschen Länder die Frankfurter Dokumente, die schließlich zur Erarbeitung des Grundgesetzes und zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland führten, ein Jahr später erklärte man hier die Einrichtung der westdeutsche Währungszone und die Einführung der D-Mark. Und 1973 verübte die RAF hier ihren ersten Bombenanschlag, mit einem Todesopfer und über einem Dutzend Verletzen.
Seit 2001 ist das Gebäude Herzstück des neuen Campus Westend der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität.
Wie gesagt: Macht was her.
Gefällt mir.

Westwärts am Campusgelände entlang, im leichten Zickzag zwischen schluffigen Studenten und hübschen Studentinnen hindurch, dann rechts in die August-Siebert-Str., die von schönen, alten Bürgerhäusern mit baumreichen Gärten gesäumt wird.
Im Augenwinkel erkenne ich hier schräg hinter mir einen anderen Jogger – lange graue Haare, scheint eine hochgewachsene ältere Dame zu sein.
Und sie ist schneller als ich!
Yikes!
Nicht dass ich was dagegen hätte, überholt zu werden*, aber doch bitte nicht von irgendwelchen zufällig durch Frankfurt joggenden alten Damen!
(*Anmerkung: Gelogen, tatsächlich hab´ ich natürlich was dagegen, überholt zu werden, egal von wem… :D).

Also: Schneller!

Hilft nix.
Die ältere Dame im Augenwinkel holt auf.
Hrmpfnaaagut, dann eben noch schneller!!
Puh, das´jetz´schonganzschönfix!
Und hilft immer noch nicht, die Gestalt hinter mir wechselt vom Bürgersteig auf die leere Fahrbahn und zieht locker an mir vorbei!
Sowas aber auch!
Immerhin kann ich während des Überholmanövers mal einen genaueren Blick nach links werfen und stellle dabei fest, dass es doch keine ältere Dame ist, sondern ein offensichtlich ziemlich fitter Herr in den besten Jahren mit wallender Akademikermähne.
Humpf, wenigstens ein kleine Trost für mein angekratztes Ego… 😉

Kurz darauf folge ich dem flotten Herrn nach links, zwischen den Häusern hindurch in den Grüneburgpark.
Große, weitläufige Parkanlage mit grünen Liegewiesen, auf denen zufriedene Frankfurter Bürger sitzen und sich von der Frühjahrssonne bescheinen lassen, und breiten, bequemen Wegen mit immenser Joggerdichte – alle paar Meter traben einem Läufer in allen Formen und Farben entgegen (vom hyperfitten Supersportler im Sprinttempo bis hin zur rundlichen türkischen Hausfrau mit Kopftuch und besserem Schrittempo).
Da ist es gut, dass ich mich inzwischen an die Gepflogenheiten der frankfurter Joggerschaft gewöhnt habe – kein Blickkontakt, kein Nicken, kein Grüßen, schließlich sind wir in der Großstadt, wo landläufige Laufetikette durch geflissentliches Ignorieren ersetzt werden.

Ich halte mich rechts, durchquere den Park in grob nördlicher Richtung, zügig aber nicht gehetzt, immer noch schön entspannt und mit weit geöffneten Sinnen. Läuft immer noch herrlich, in jeder Beziehung.

Okay, nicht in jeder Beziehung.
Vor der Abfahrt zuhause hab´ ich noch einen großen Pott Kaffee eingenommen, der hat inzwischen alle relevanten abdominalen Stationen durchlaufen und lässt mich nun seit ein paar Minuten wissen, dass er gerne wieder raus möchte.
Am Anfang noch ganz dezent, inzwischen allerdings schon mit deutlich mehr Nachdruck.
Im einsamen Provinzwald wäre das ja gar kein Problem, aber hier, im gut besuchten Grüneburgpark mitten im Herzen (oder zumindest der Milz) von Deutschlands fünftgrößter Stadt fehlt es mir dann irgendwie doch an der Schamlosigkeit, mich einfach unter den Augen Dutzender Erholungssuchender in irgendein struppiges Gebüsch zu schlagen und der Natur ihren Lauf zu lassen (zumal ich vor meinem geistigen Auge das Bild einer streitbaren alten Dame sehe, die mich als Ferkel beschimpft, mit ihrem Handtäschchen verprügelt und ihren Yorkshire-Terrier auf mich hetzt, wenn ich sowas versuche).
Hm. Hm. Hmm.

Ich baue erstmal auf Selbstkontrolle und laufe – etwas verkniffen – weiter durch den Grüneburgpark, am Rand des Palmengartens entlang, bis ich eine Fußgängerbrücke erreiche, die im Nordwesten der Anlage über die vielspurige Auffahrt zur A66/Miquelalle rüber nach Bockenheim führt.
Die nehme ich.

Von der Brücke aus hat man einen netten Blick, im Süden ragen in ein paar Kilometern Entfernung die himmelhohen Bankentürme in der Innenstadt über die Bäume des Grüneburgparks, während direkt nördlich der noch himmelhöhere Europaturm (im lokalen Jargon auch liebevoll als „Ginnemer Spaschel“ bezeichnet) erhebt, mit knapp 338 m. Höhe immerhin der zweithöchste Fernmeldeturm der Republik.

Auf der anderen Seite geht´s dann wieder abwärts und nach Bockenheim hinein, rechts die Frauenlobstr. entlang.
Richtig hübsche Ecke – noch kein echtes Villenviertel, aber kurz davor. Links und rechts des Weges stehen komfortable alte Wohnhäuser, vermutlich aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, mit ansprechender Architektur – alle architektonisch individuell, mit klaren, eleganten Linien, jugendstilig, vielleicht mit ein bisschen Bauhaus dabei, drumherum kleine, gepflegte Gärten. Gut betucht und sehr apart.
Auch hier gefällt´s großen Teilen von mir sehr gut (einzige Ausnahme bleibt meine kaffeegeschwängerte Blase, die sich weiter in Geduld und Fassungsvermögen üben darf. Hrrrgn!).
700 m. nordwestwärts auf der Frauenlobstr., den neugierigen Blick nach links und rechts in schöne Wohngebiet schweifen lassend, und nach vorne, wo sich der mächtige Hochtaunus mit großem Feldberg und Altkönig (da war ich schon. Yay! :)) am nahen Horizont über die Häuser erhebt.

Am Ende der Frauenlobstr. geht´s nach rechts, neben der Franz-Rücker-Allee ein paar Meter nach Norden, dann wieder links, westwärts an der Böschung der A66, die sich nach wenigen Metern zu einer auf breiten Säulen stehenden Hochtrasse aufschwingt (hier ist kaum betrieb auf den Wegen, da gelingt es mir endlich, den Kaffee loszuwerden, danach fühle ich mich deutlich leichter und befreiter…) .

Stadträndige Grünanlage mit Wiesen ein paar heckenartigen Baumgrüppchen, liegt freundlich unterhalb der Schnellstrasse in der schrägen Abendsonne. Nett.
Durch eine Bahnunterführung geht´s weiter in Richtung Frankfurt Hausen, gleich danach halte ich micht rechts und laufe unter den zwei Fahrbahnen der Autobahn in den Volkspark Niddatal ein, seines Zeichens die größte Parkanlage Frankfurts.

Sieht eigentlich gar nicht so sehr nach Park aus – hier oben ist das geschlossene Kernstadtgebiet so langsam zu Ende, die einzelnen Stadtteile sind ehemals eigenständige Orte, die durch unbebautes Gelände – Felder, Wiesen, Flussauen – voneinander getrennt sind. Und genauso ein Stück offenes Gelände ist der Volkspark – eine hübsche Mischung aus weitläufigen Grasflächen, Buschland und ein bisschen Wald, mit gut ausgebauten Spazierwegen, auf denen sich das Areal zwischen Ginnheim, Hausen, Praunheim und dem Niddaufer bestens durchjoggen lässt.
Das mach´ ich dann auch: Schön entspannt im milden Sonnenlicht nordwärts durch Wiesen und Wäldchen, vorbei an zufriedenen frankurter Walkern und Spaziergängern, die die Frühlingsstimmung offensichtlich genauso genießen wie ich selbst, schließlich noch ein Stück am Praunheimer Ortsrand entlang bis zum Wasserwerk Praunheim, wo ich dann links in den gleichnamigen Ort einbiege.

Hier bietet sich ein ganz anderes Bild als in den bisherigen Stadtteile der heutigen Runde – statt den dicht bebauten Vorstadtstrassen in Westend und Dornbusch oder dem großbürgerlich-eleganten Wohnviertel im Nordosten Bockenheims dominieren hier kleine, schlichte Mehr- und Einfamilienhäuser neueren (aber nicht neuen) Datums, kleine Gärten, an einem Hoftor stehen zwei Rentner und palavern – ein unspektakuläres, fast schon etwas verschlafenes Wohngebiet, wie es sie tausendfach in den Dörfern und Kleinstädten der Republik gibt, und dem so gar nichts mehr von der schnellebinge Großstadtaura „Mainhattans“ anhaftet.

Ein paar hundert Meter auf der Strasse „An den Pflanzländern“, dann ist Praunheim auch schon wieder vorbei und ich erreiche die grasigen Ufer der Nidda.
Hier ist endgültig Schluss mit Großstadtfeeling.
Obwohl ich noch mitten im Frankfurter Stadtgebiet bin, haben die baumbestanden Flussauen auf beiden Seiten des vielleicht 25 m. breiten Gewässers fast schon ein bisschen was von Landidylle.
Wenn so einer der zehn größten Ballungsräume des Kontinents aussieht, dann lass´ ich mir das gerne gefallen! 😉

Ich folge dem Ufer flussaufwärts, nach Norden. Rechts zieht ein eingezäuntes Vogelschutzgebiet mit hohen, alten Bäumen vorbei, links plätschert die Nidda träge in Richtung Main, am anderen Ufer träumen sich beschauliche Kleingartenkolonien in den Frühlingsabend. Das Rauschen der Großstadt verstummt immer immer mehr, wird vom leisen Gluckern des Flusses und hellem Vogelgezwitscher übertönt.
Mittendrin: Ich, ganz zufrieden und glücklich, scheine fast von selbst den Uferweg entlangzutreiben, durch die Landschaft, in den Abend.
So lauf´ ich gerne!

Nach einem halben Kilometer überquere ich den Fluss auf der Praunheimer Brücke und wenn mich direkt danach rechts, wo ein Fußweg am Ufer eines lauschig-bewaldeten Nidda-Altarms am Rand von Alt-Praunheim entlangführt, auf der Graebestr. vorbei an einer hübschen Kirche aus graubraunem Feldstein und der alten Praunheimer Mühle, dann über die Fritz-Lenning-Anlage mit gepflegten Grünflächen und einem großen Spielplatz bis an den Rand von Heddernheim, das im lokalen Jargon auch als „Klaa Paris“ bezeichnet wird.

Hier verlasse ich das Niddaufer erstmal wieder und halte mich stattdessen links, wo es auf die Strasse „Im Burgfeld“ in der Siedlung Römerberg geht.
Diese Ecke der Stadt ist ein Teil des „Neuen Frankfurt„, einem städtebaulichen Großprojekt zur Schaffung neuen Wohnraums, bei dem in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts Tausende neuer Arbeiterwohungen in der Peripherie der damaligen Kernstadt entstanden. Dabei wurde einerseits sehr modern gebaut, mit standardisierten, uniformen Wohneinheiten (bekanntestes Beispiel dieser Bauweise ist wahrscheinlich die „Frankfurter Küche„, der Vorläufer moderner Einbauküchen, der hier erstmals verwendet wurde), andererseits aber auch sehr viel Wert auf ein „grünes“ Umfeld mit Naturanbindung und einem eigenen Garten für jeden Bewohner gelegt.
Spannende Sache.

Tatsächlich lässt sich die Philosophie des Neuen Frankfurt bestens erkennen, wenn man das Burgfeld entlangläuft – links und rechts der Strasse stehen lange Zeilen früher Reihenhäuser (vielleicht ist es nur die Neuartigkeit, aber ehrlich gesagt gefallen sie mir besser als moderne Reihenhäuser), im Stil der neuen Sachlichkeit schmal und nüchtern gehalten. Davor jeweils ein kleines Gärtchen, mit Rasenfläche und einem Obstbaum, hin und wieder kann man durch eine seltene Lücke zwischen den Häusern hinunter zum Niddaufer schauen.

Am Ende des Burgfeldes wechsle ich nach links auf die Hadrianstr., die mich zurück zur Nidda bringt, dem ich noch etwas über einen Kilometer nordwärts durch die Kleingärten und Auwiesen am Flussufer laufe (ausnahmsweise mal mit Markierung, denn hier scheint auch der Frankfurter Grüngürtel-Radweg zu entlangzuführen).
Auch hier hat´s wieder rauhe Mengen von Joggern, auch hier wird standartmäßig nicht gegrüßt.
So langsam gewöhne ich mich dran…

Auf der Heddernheimer Brücke wechsle ich schließlich wieder ans andere Niddaufer, rüber nach Eschersheim.
So langsam geht´s zurück zum Ausgangspunkt.
Ist auch gut so, Sonne steht inzwischen schon rosig schimmernd kurz über dem Horizont, allzuviel Tageslicht bleibt nicht mehr.

Erstmal kurz rechts, die stille, friedliche Niedwiesenstr. hinunter, dann links über eine Fußgängertreppe zur höher gelegenen Willibrachstr. hoch.
Hier muss ich noch eine kurze Pause einlegen, denn die schmale Treppe wird gerade von einem jungen, dynamischen Großstadtvater mit knapp kindergartenalterigem Nachwuchs benutzt, das dauert etwas, weil der Kleine noch ein bisschen unsicher die Stufen runterwankt.
Unten angekommen fragt der Papa dann „Und, wie sagen wir zu dem Mann, der uns gerade so lieb vorbeigelassen hat?“
Antwort: „‚ankefööön!“

Was?
Nein, das ist kein grotesk breites Lächeln auf meinem Gesicht, das ist… ääääh, das ist nur eine vorübergehende Gesichtslähmung, geht gleich vorbei… 😀

Die Willibrachstr. bringt mich zur Durchgangsstrasse „Am Weißen Stein“, die ihrerseits dann nahtlos in die breite, vielbefahrene Eschersheimer Landstr. übergeht.
Der muss ich einfach nur noch nach Süden folgen.
Langes Stück, fast nochmal zwei Kilometer durch Eschersheim und Dornbusch, auf schmalen Bürgersteigen, vorbei an Apotheken, Friseurgeschäften, kleinen Vorstadtkneipen (hier ist schon wieder richtig Vorstadt, der Grüngürtel ist zu Ende), während so langsam die Dämmerung über die Stadt hereinbricht und links in der Strassenmitte immer mal wieder eine der grünen frankfurter U-Bahnzüge (die hier oberirdisch fahren) vorbeirattert.

Irgendwo zwischendrin geht´s noch mal durch eine breite, neonlichtige Unterführung auf die andere Strassenseite, kurz darauf biege geht´s links in die Fritz-Tarnow-Str., nach noch mal rechts in die Mierendorffstr., durch schlichte Blue-Collar-Wohngebiete, mit langen, Barackenartigen Mehrfamilienhäusern, und dann bin ich auf einmal wieder auf der Bertramstr., wo ich mit dem allerletzten Tageslicht wieder beim Auto vor dem Hessischen Rundfunk ankomme.

Wunderbar!
Ich laufe ja wirklich gerne durch die Natur und die Provinz, aber ganz ehrlich: So hin und wieder ein bisschen Großstadt, das ist auch furchtbar faszinierend und interessant!
Vor allem natürlich, wenn sich´s um so eine abwechslungsreiche, grüne, spannende, sympathische Großstadt wie Frankfurt handelt, die mir bei jedem Lauf ein neues ihrer unzähligen Gesichter offenbart.
Ganz viel gesehen, ganz viel erlebt, ganz viel entdeckt, ganz viel Spaß dabei gehabt – perfekt!
Bis bald, Frankfurt! 🙂

Strecke: 14,3 km
Zeit: 1:23 h (= 10,34 km/h bzw. 5:48 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 99,58% (14,24 km von 14,3 km)
Karte:

M.

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3 Antworten to “Frühling in der großen Stadt: Frankfurter Nordrand und Niddatal (14,3 km)”

  1. Daniel Kopp Says:

    sorry das ich so spät kommentiere, hab momentan leider ein bisschen weniger zeit für meine internetlauftouren 🙂

    hört sich doch gut an dein bericht, nur immer natur ist auch nicht gerade abwechslungsreich. ich war diese woche einige male am lech unterwegs und habe festgestellt das läufe auf der ebene doch anstrengend sind 🙂

  2. matbs Says:

    Also echt!
    Schäm dich was, Daniel… 😉 😀
    (oder auch nicht, in denk´, das geht jedem mal so, und als ich das letzte Mal nachgeschaut habe, hat noch keine Kommetierungspflicht bestanden. :D).

    Du hast recht, die Mischung macht´s – egal wie schön die Umgebung ist, wenn man immer nur dasselbe macht, wird´s irgendwann trotzdem eintönig, da ist so ein bisschen Würze zwischendrin genau das Richtige.

    Und klar sind Flachlandläufe anstrengend, besonders wenn man Berg- und Hügelland gewöhnt ist – da braucht´s etwas andere Muskeln, und außerdem wird man leicht zu schnell, weil einem die automatische Bremswirkung einer gesunden Topografie fehlt…


  3. […] mir in den letzten Tagen gegangen: Mittwoch: Termin in Frankfurt. Und wenn ich schon mal da bin geh´ ich natürlich auch laufen. Freitag: Treffen mit Verwandschaft im Taunus. Und wenn ich schon mal da bin geh ich natürlich […]


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