Durchquerung von Rheinhessen: Spiesheim – Rommersheim – Wörrstadt (12,2 km)

3. April 2010

Wie so oft Samstags (und ja, ich weiss, ich hinke schrecklich mit den Laufberichten hinterher. Aber das lange Osterwochenende war so voll mit Freunden und Familie und Fressorgien und whatnot, da hat das alles ein bissken länger gedauert) bin ich heute mal wieder drüben in Rheinhessen.
Und wie so oft Samstags nutze ich die Gelegenheit, um dort gleich auch noch ein bisschen zu laufen.
So oft kommt man da schließlich nicht hin… 😉

Bei meinen letzten Ausflügen in der Gegend bin ich ja sukzessive immer weiter nach Norden gelaufen, tiefer ins unbekannte Herz der Region und damit immer auch näher an die Streckennetzteile hinter Mainz, die ich letzten Sommer erschlossen habe.
Da setze ich natürlich auch wieder heute an – beim letzten Mal hab´ ich bis ins Weindörfchen Spiesheim in den Hügeln nördlich von Alzey geschafft, folgerichtig wird das der Ausgangspunkt der heutigen Runde, auf der ich mir die nächstnördlicheren Orte Rommersheim und Wörrstadt erlaufen will.

Spiesheim ist ein enges, altes Dörfchen in schöner Lage, mitten zwischen Weinbergen und Windrädern in eine dieser riesigen, vermeintlich sanft ansteigenden Rheinhessischen Hügelflanken genestelt.
Hübsch hier, das hab´ ich schon beim letzten Mal rausgefunden…

Heute ist es allerdings ein bisschen grau und trübe in Rheinhessen: Die tiefhängenden Wolken nieseln traurig aufs Hügelland herab, über die langen flachen Kuppen bläst ein klammer, kräftiger Südwestwind, der zwar die unzähligen Windräder lustig tanzen lässt, sich aber nicht wirklich angenehm anfühlt.
Immerhin ist es halbwegs mild, und die Wolkendecke ist nicht ganz geschlossen, so dass sich hin und wieder mal der eine oder andere unwirklich helle Sonnenstrahl auf den Boden verirrt. Das gefällt mir.

Ich starte in der Schmiedstr., einer engen Gasse im Spiesheimer Ortskern und laufe erstmal bergauf, auf der gewundenen Oberstr. zwischen den engen alten Häusern hinauf.
Hohes Tempo, wegen dem leichten Regen und weil ich nachher noch verabredet bin, das zieht gleich mal gut rein – kostet Atem, macht aber auch warm.
Puha.

Am oberen Dorfende biege ich nach links ab, wo der Armsheimer Weg mit weiterhin gut schweisstreibender Steigung in die schier endlosen Rebenreihen auf dem breiten, weiten Hügelrücken führt.
Hier oben im offenen Gelände weht der Wind gleich noch eine Ecke schärfer und kälter, und das auch noch von schräg von vorne, das beutelt mich ganz schön durch.
Macht aber nix, denn im Gegenzug gibt´s eine Riesenportion Aussicht in alle Richtungen, über das schöne Hügelland bis zum Taunus, der Bergstrasse und dem Donnersberg, eingerahmt vom unglaublich weiten, hohen rheinhessischen Himmel, in dem atemberaubend aufgetürmte schwarzblaue Wolkenriesen im Sturmschritt ostwärts marschieren und dabei immer wieder einzelne Lichtsäulen bis auf den Boden vordringen lassen. Sieht toll aus.

Am Rand des kleinen Wäldchens am Hang über Spiesheim (übrigens eine echte Rarität im weitgehend waldfreien Rheinhessen) biege ich rechts ab, folge einem schlammigen Betonplattenweg durch die Rebenreihen auf dem riesigen Hochplateau nach Westen, über die verwaiste B271, dann mit einer rechts-links-Combo über unmarkierte Weinbergswege, bis ich auf das Muschelsymbol des Jakobs-Pilgerwegs stoße, das mich nach rechts auf einen langen, schnurgeraden Feldweg am Rand einer Heckenreihe lotst.

Ziemlich genau ein Kilometer durch die windigen Felder auf der Hochebene, dann biegt der Jakobsweg links ab, auf einen Höhenweg, der am Rand des steil abfallenden Rommersheimer Talkessels westwärts führt.
Wunderschönes Stück, rechts unten liegt das Dörfchen Rommersheim szenisch in einer steilen Talmulde, dahinter öffnet sich das nördliche Rheinhessen mit seinen riesigen, platten Tafelbergen und breiten, flachen Tälern, in denen unzählige kleine Dörfer zwischen Wein und Windrädern ausgebreitet sind, begrenzt von einer diesigen Taunussilhouette am Horizont.
Tolles Panorama!

Nach einem Dreiviertelkilometer steige ich auf einem schlammigen Pfad runter in den Talkessel und laufe in Rommersheim ein.
Gemütlicher kleiner Ort, außen neuere Einfamilienhäuser mit freundlichen Gärten, innen ein wahrer Irrgarten aus engen Gässchen und alten Häusern – zumindest fühlt es sich ein bisschen wie ein Irrgarten an, was aber auch daran liegen könnte, dass ich hier irgendwie erst mal ein bisschen die Orientierung verliere.
Keine Sonne zur Richtungsbestimmung erkennbar, das Streckenplänchen nicht aussagekräftig, und das dann in einem Dorf, von dem man bis gestern nicht mal wusste, dass es existiert, da kann sowas schon mal passieren…

Zum Glück gibt´s hier Rad- bzw. Wanderwegmarker und Wegweiser, die helfen mir fix wieder auf Kurs – einfach immer den Lokalwegen 4 und 5 sowie den Schildern in Richtung Wörrstadt hinterher, das klappt bestens (gottseidank, sich in einem 700-Seelen-Dorf zu verirren wäre dann doch ein bisschen peinlich… :D).

Auf „In den Effen“, Neuer Str., Hauptstr. und Kegelbahnstr. durchquere ich Rommersheim mit seinen hübschen alten Häusern und kleinen Kirche und folge einem bequemen Fußweg (grüne 4 und grüne 5) am Rand eines langen, flachen Tals, vorbei an weidenden Schafen, dichten Hecken und ein paar alten Mühlen ostwärts, immer auf Wörrstadt zu, das bereits auf der nächsten Anhöhe voraus erkannbar ist.

Beim Wörrstädter Freibad am Neuborn schlägt der Weg einen Haken und führt dann aufwärts bis zum Rand von Wörrstadt auf dem Hügelplateau.
Kurzer anstieg, hat´s aber in sich, besonders weil meine Waden ein bisschen schmerzen und ich immer noch ziemlich fix unterwegs bin.

Oben angekommen geht´s noch ein paar Meter an der Strasse entlang, dann biege ich links nach Wörrstadt ein, das – wie der Name ja schon vermuten lässt – eine richtige kleine Stadt ist (naja, zumindest für rheinhessische Verhältnisse, in dichter besiedelten Gegenden würden die 7500 Einwohner wohl noch nicht ganz zur Kleinstadt reichen… 😉 ).
Sieht man auch, statt den für rheinhessischen typischen alten Häusern und engen Gassen erwartet mich erstmal ein breitstrassiges und generisches Neubaugebiet mit leicht fragwürdiger Topographie (will heißen: Es geht aufwärts, wo es nach meinem Gefühl eigentlich abwärts gehen sollte und umgekehrt), das ich auf der gewundenen Rheingrafenstr. durchquere.

Am unteren Ende (sollte das nicht eigentlich das obere Ende sein??) der Rheingrafenstr. geht´s rechts auf die Kreuznacher Str., an der ein paar Geschäfte und eine Eisdiele zu finden sind, dann links in am Rathaus entlang in Richtung Stadtmitte (die schon wieder deutlich rheinhessentypischer wirkt), und schließlich rechts auf der Jahnstr. vorbei am „Boulodrom“ (ein ganz normaler Sportplatz, aber den Namen find´ ich total cool) zum Ortsrand.

Dort lass´ ich mich kurz mal beinahe von einem lokalen Dorftrottel im tiefergelegten Golf überfahren (der offensichtlich der Meinung ist, dass Geschwindigkeitsbeschränkungen nicht gelten, wenn man nur laut genug ist [sollte das so sein würden eigentlich schon seine wummernden Bässe ausreichen, aber zur Sicherheit hupt er auch noch wie blöde]) und schlage mich dann durch die Felder östlich von Wörrstadt bis zum lokalen Gewerbegebiet durch, an dessen Rand ich bis zum Spiesheimer Weg weiterlaufe, der mich – oh Wunder – zurück nach Spiesheim bringen soll.
Dabei überhole ich übrigens eine Pferdekutsche. Die hat keine wummernden Bässe und hupt nicht, deswegen finde ich sie spontan viel sympathischer als den arschigen Golfidioten von eben.

Und dann geht´s den Spiesheimer Weg runter.
Laaaaaaange Gerade, über vollkommen flache Felder auf dem Plateau des Tafelbergs, flankiert von mächtigen Windrädern, in der Ferne erkennt man die 35 km entfernte Bergstrasse jenseits des Rheingrabens und den 25 Kilometer entfernten Donnersberg am Rand der Pfalz.
Läuft eigentlich ganz gut, bloß der direkte klamme Gegenwind stört etwas.
Oh, und natürlich die Feldlerchen, aber die machen mich jedesmal kirre, seitdem sie mich bei einem hitzebedingt leicht psychedelischen Lauf im Mainzer Hinterland mal fast in den Wahnsinn getrieben hätten: Die Dinger zwitschern unablässig aus allen Ecken, sind dabei völlig unsichtbar obwohl es im offenen Gelände eigentlich keine Verstecke geben sollte, und klingen wie ein kaputter Gameboy auf Speed, der gerade einen psychotischen Anfall erleidet.
Das macht mich immer leicht paranoid…

1,3 km unter dem histrionisch-kakophonen Getüdel der Feldlerchen nach Süden, nach ein paar Metern übrigens wieder auf dem Jakobsweg, dann ein kleiner Schlenker und nochmal 900 m. bis zum oberen Rand von Spiesheim, wo ich noch ein Stück die Oberstr. runterlaufe und dann via Heuerstr. und Schmiedstr. zum Ziel gelange.
Übrigens pünktlich zum Ende des Regens.
Latürnich!

Keine Supertour, dank Wetter, etwas schwerer Waden und der sinistren Feldlerchen, die zweifellos hinter mir her sind.
Aber Spaß gemacht hat´s trotzdem irgendwie, wie eigentlich immer in Rheinhessen. Und das Tempo war am Ende auch noch ganz ordentlich, trotz des teilweise schlechten Untergrunds und des hügeligen Terrains.
Dafür gibt´s einen (nassen) Daumen hoch!

Strecke: 12,2 km
Zeit: 1:09 h (= 10,61 km/h bzw. 5:39 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 97,79% (11,93 km von 12,2)
Karte:

M.

Advertisements

4 Antworten to “Durchquerung von Rheinhessen: Spiesheim – Rommersheim – Wörrstadt (12,2 km)”

  1. matbs Says:

    Hi!

    Vielen Dank für den Tipp – die Ecke um Kreuznach reizt mich tatsächlich schon sehr, ist allerdings auch ein ganzes Stück von zuhause und meinen üblichen Laufgründen entfernt.
    Aber wer weiß, vielleicht schaff´ ich´s ja mal im Sommer hoch zu euch. 🙂


  2. […] Woche bin ich bis Wörrstadt gekommen, also setze ich heute genau dort wieder an, mit einer reizvollen Strecke, die in Richtung […]


  3. […] vor Wörrstadt, rechts davon und weit hinten in der Flanke des nächsten Hügelzug liegt Rommersheim, rechts davor Wallertheim, hinter dem dann wieder etwas rechtsig Armsheim liegen müsste. […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: