Zweimal um den Melibokus (15,4 km und 14,3 km)

16. April 2010

Zwei Läufe unter der Woche, beide um den Melibokus:

Mittwoch, 14.04: Untenrum. Aua! (15,4 km)
Eigentlich ein ganz netter Tag und eigentlich fühl´ ich mich ganz fit.
Deswegen beschließe ich, mal wieder um den Melibokus zu laufen.
Und zwar nicht irgendwo oben im Wald, sondern wirklich um das ganze Bergmassiv rum:
Durchs Flachland am Fuß der Berge südwärts bis Auerbach, dann links durchs Mühltal nach Hochstädten, über den Höhensattel am Schollrain nach Balkhausen, und von dort aus durchs Balkhäuser Tal wieder nach Hause.

Hübsche Strecke mit viel Abwechslung und ein bisschen Anspruch, normalerweise läuft sich das sehr schön.
Heute allerdings nicht.
Das Problem: Meine Waden.


Prinzipiell hab´ ich den Mainzer Dreibrückenlauf vor nunmehr fast einer Woche problemlos weggesteckt und ohne größere Erschöpfung weggesteckt – bloß meine Beine haben offenbar gelitten, und das ganz furchtbar.

Ist an sich nicht weiter verwunderlich: Zwar bin ich im letzten Jahr eine ganze Reihe von längeren Strecken gelaufen, aber die waren eben alle in den Bergen. Das kann ich, braucht zwar ordentlich Kraft, aber dafür ist die Belastung beim ständigen Hoch und Runter sehr variabel, wodurch die verschiedenen Muskelpartien zwischendurch immer mal wieder ein bisschen entspannen können.
Der Dreibrückenlauf allerdings war nur im Flachland, mehr als 27 Kilometer in konstantem Tempo, größtenteils auf Asphalt.
Da gibt´s keine wechselnde Belastung, sondern es werden durchgängig dieselben Muskeln beansprucht.
Zuviel für meine anders trainierten Beine, die diese Anstrengung seitdem mit schweren, schmerzigen Waden quittiert haben, die auch mehrere Tage später noch nicht weggehen wollen.

„Na ja“, denk´ ich mir vor dem Aufbruch, „das wird sich ja vielleicht noch rauslaufen“.
Damit liege ich vollkommen falsch.

Praktisch vom Start weg ist es heute die reine Quälerei, jeder einzelne Schritt auf den bleiernen, harten Waden fällt schwer und schmerzt (und zwar nicht so ein leichtes, unangenehmes Ziepen, nee nee nee, das tut echt scheiseweh, um das mal umgangsprachlich zu formulieren).
Da hilft es auch nichts, dass das Wetter freundlich und der Rest vom Matthias in exzellenter Form ist, wenn man nicht mit sondern gegen seine Beine laufen muss, will wenig Spaß aufkommen.

Zumal der erste Teil der Strecke praktisch dieselben Bedingungen aufweist wie der Dreibrückenlauf: Flach mit wenig Höhenunterschieden und durchgängig auf Asphalt – genau die falsche Art von Terrain für meine Verfassung.

Langsam, krampfig schleppe ich mich südwärts die Bergstrasse entlang, durch Alsbach, durch Zwingenberg, durch Auerbach. Alle 1000 bis 1500 Meter muss ich anhalten und die Beine ausdehnen um überhaupt weiterlaufen zu können.
Tortur in Reinform!

Erst als ich in Auerbach links in Richtung Odenwald abbiege und am Rand der L3103 unter dem Auerbacher Burgberg nach Hochstädten hinauflaufe, wird es etwas besser – bereits die wenigen Steigungsprozente, die hier anfallen, bringen merkliche Linderung und verringern das höllische Ziehen in den Muskelgruppen links und rechts meiner Schienbeine.

Noch besser fällt der Aufstieg von Hochstädten zum Höhensattel zwischen Melibokus und Felsberg aus, der Mühltal und Balkhäuser Tal voneinander trennt.
Eigentlich ein mörderisches Stück, bei dem es zwischen 1,5 und 2 km nur bergauf geht, teilweise mit Steigungsgraden von deutlich über 20% – unter normalen Umständen wäre das der härteste Teil der Runde, heute ist es jedoch paradoxerweise der angenehmste: Je steiler es bergauf geht, um so weniger tun meine Waden weh, auf den schwierigsten Passagen ist der Schmerz vollkommen weg (ist natürlich trotzdem noch sackanstrengend, hier hochzurennen, aber im im Vergleich zum Lauf bis hierher fühlt sich´s an wie Pause Machen).
Berglaufen eben, das tut einfach gut… 😉

Aufwärts, durch die wunderschönen Bergwiesen an den Melibokushängen über Hochstädten bis zum Waldrand (etwas kalt, weil die Abendsonne schon vom Melibokus geblockt wird, aber trotzdem total hübsch), dort dann auf den Nibelungensteig und schließlich runter ins abendliche Balkhausen.
Hier fängt´s an zu regnen. Nur ein bisschen, so das es nicht weiter stört aber ein angenehmer Regengeruch in der kühlen Luft zurückbleibt. Gefällt mir.

Die letzten Kilometer das Balkhäuser Tal runter werden dann nochmal schlimm – wenig Gefälle, viel Asphalt, genau die richtigen Voraussetzungen für ein letztes, kreischendes Schmerzcrescendo aus den insubordinaten Regionen unterhalb der Knie. Da hilft selbst der unglaublich großartige Anblick der surreal dunkelroten Sonnenscheibe nicht mehr, die unerwartet am Ausgang des Balkhäuser Tals im dunstigen Himmel hängt, das geht einfach gar nicht mehr.
Als ich endlich daheim ankomme – deutlich später als geplant – kann ich kaum noch laufen und vollkommen ausgelaugt.
Den Rest des Abends verbringe ich dann damit, noch ein paar Stunden teilnahmslos auf dem Sofa rumzuhängen und schließlich früh ins Bett zu wanken, mehr ist einfach nicht mehr drin.

Wir lernen: Du kannst noch so gut drauf sein, wenn die Beine nicht wollen, läuft sich´s trotzdem mies.

Strecke: 15,4 km
Zeit: Zeitnahme unterwegs abgebrochen, ich war froh, es überhaupt geschafft zu haben
Neue Strecke: 4,22% (0,65 km von 15,4 km)
Karte:

Freitag, 16.04: Obenrum. Deutlich weniger Aua! (14,3 km)
Ursprünglich hatte ich geplant, gleich wieder Donnerstags laufen zu gehen, aber nach dem Debakel am Mittwoch war das nicht drin (selbst das kurze und langsame Gassiwanken mit Nemo war ein bisschen unangenehm).
Also noch ein Tag Pause, mit viel Schonung und diversen Salben und Tinkturen für die Beine.
Hat ein bisschen was geholfen, denn am heutigen Freitagmittag ist es bereits so viel besser, dass ich mich wieder ans Laufen traue (der schöne sonnigwarme Abend, nur ein bisschen getrübt vom Dunst am Horizont [islandische Vulkanasche?] hat sicher auch sein Scherflein zu dieser Entscheidung beigetragen).

Auch heute will ich nochmal um den Melibokus, quasi als Revanche für die schreckliche Runde von Vorgestern.
Allerdings nicht mehr im Flachland, das erscheint nach den Erkenntnissen zum Wadenzustand wenig opportun. Stattdessen hab´ ich mir eine Strecke im Wald rausgesucht, auf den mittleren Höhenlagen ums Bergmassiv herum.
Stetiges Auf und Ab mit ordentlich Höhenmetern und ganz viel weicher Waldboden, das sollte eigentlich wesentlich besser klappen.

Genau das tut´s dann auch!
Auf dem Burgenweg in den Wald hoch, über die Anhöhe am merck´schen Wassertum und schließlich auf dem Melibokusweg an den Nordhängen des Bergmassivs aufwärts. Klappt so prima, dass ich insgesamt ein wenig zu schnell den Berg hochsprinte, aber angesichts kaum weher Beine gönn´ ich mir das einfach mal.
Dann folgt ein langes Stück an der Ostseite des Melibokus, bereits im Abendschatten und ständig hoch und runter, über den Waldrand am Schollrain und den Neunkrümmweg (von wo sich wie immer ein herrlicher Blick über Mühltal und Meerbachtal nach Süden bietet, auf den Felsberg, das in der Abendsonne schimmernde Bergmassiv der Knodener Höhe und die Bergstrasse hinunter bis zum Ölberg bei Schriesheim – wun-der-schön, dieser Anblick verschlägt mir jedes Mal den Atem) bis zum Not-Gottes-Parkplatz vor dem Auerbacher Schloss.
Dort wechsle ich dann auf die Westseite des Melibokus und laufe in der prallen, warmen Abendsonne auf dem Comoder Weg langen aber bequemen Comoder Weg zum Freizeitgelände am Alsbacher Schloss, von wo aus ich über den Schlossweg nach Alsbach absteige und schließlich auf dem Blütenweg nach Hause laufe, nun doch schon wieder etwas schwerfälliger und leicht angeschmerzt, vor allem wegen der Flachlandpassage auf den letzten zwei Kilometern.
Trotzdem: Viiiiiel besser, dank besserer Streckenauswahl und langsam besser werdender Waden.
So langsam wird´s wieder, denke ich
(schnell wäre allerdings besser, denn gleich morgen früh, nicht mal zwölf Stunden nach dem Ende dieser Tour, bin ich schon wieder zu Laufen verabredet, auf Einladung des Laufclubs SC Barolo aus Bensheim – und wenn man schon mit einem Haufen mutmaßlich netter fremder Läufer unterwegs ist, will man ja nicht zu desolat aussehen… 😉 )

Strecke: 14,3 km
Zeit: Nicht genommen
Neue Strecke: Keine
Karte:

M.

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4 Antworten to “Zweimal um den Melibokus (15,4 km und 14,3 km)”

  1. Evchen Says:

    Ha! Du Flachlandweichei Du! *frechgrins* Aber immer an mir rumfrotzeln, weil ich (bisher)keine Berge laufe. Pöh! Du würdest bei uns hier im Platten so krepieren, wie ich es am Rheinsteig tun werde. Pöhpöhpöh!
    Gut, an 27km in dem wahrscheinlich für mich sehr flotten Tempo würde ich auch krepieren, aber es ging ja mal um den Grundsatz, nech? 😛

  2. matbs Says:

    Frollein: Erstmal bin ich ja insgesamt gut mit der Flachlandstrecke fertig geworden, und außerdem hab´ ich hier eine Urkunde rumfliegen, die hochoffiziell bestätigt, dass ich schon mal die 42,195 km im Flachland gelaufen bin (hat die hier sonst noch jemand in diesem Kommentar-thread?
    Arme hoch?
    Nein, bisher niemand außer mir?
    HA!).
    Da is´ also nix mit Krepieren, das is´ grad bloß ein kleiner Trainingsrückstand.

    Deshalb: Selber pöh!

    😀

  3. Daniel Kopp Says:

    Wenn’s nicht wehtut war’s nicht echt 😛

    Irgendwas zwickt doch eh immer 😦

  4. matbs Says:

    Ja schon, aber ganz so arg zwicken wie beim ersten der beiden Läufe muss es wegen mir dann doch nicht… 🙂


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