Etwas verunglückter erster Mai im Weschnitztal: Wald-Erlenbach – Rimbach – Kreiswald (15,6 km)

1. Mai 2010

Am ersten Mai vor einem Jahr war ich mit der Familie im Odenwald essen, im Gasthaus Kreiswald bei Albersbach am Rand des Weschnitztals.

War gut und angenehm, deswegen gibt´s dieses Jahr eine Neuauflage.
Wieder erster Mai. Wieder Kreiswald.
Und natürlich geh´ ich vorher wieder laufen.
Bloß die Strecke ist natürlich anders – anstatt von der Bergstraße hochzulaufen, hab´ ich dieses Jahr einen großen Bogen durchs Weschnitztal geplant, von Wald-Erlenbach aus über Mittershausen, Lörzenbach und Fahrenbach nach Rimbach, und von dort dann auf der Anhöhe über Groß-Breitenbach hoffentlich halbwegs pünktlich zum Kreiswald und dem Mittagessen.

Eigentlich sollte das eine richtig nette Tour werden…

Uneigentlich sind die Bedingungen allerdings nicht so ideal, wie ich das gerne hätte.
Da ist zum Beispiel das Wetter, das ist kalt und feucht und verregnet, nicht die beste Witterung, um durch den frühlingshaften Odenwald zu streifen.
Und natürlich sind meine Waden weiterhin etwas rebellisch, das stört ebenfalls ein wenig.
Das größte Problem steckt heute allerdings im Kopf und nicht in den Beinen: Ich habe ganz, ganz miese Laune.
Kein besonderer Grund, einfach so.
Vielleicht kennt ihr ja solche Tage: Beim Aufstehen ist man noch zufrieden und entspannt, aber im Lauf des Vormittags wird man irgendwie immer genervter. Und je genervter man ist, um so mehr ärgert man sich über vollkommen harmlose Kleinigkeiten, bis sich das am Ende richtig schön potentiert und man einfach nur noch sauer ist, in mißmutigster Stimmung, mit mahlendem Kiefer und einem kalten, zähen Blob Ärger auf dem Gemüt, der umso schwerer wiegt, weil er keinen echten Grund und kein Ziel hat.

Normalerweise sollte man mit in so einer Stimmung nicht zum laufen aufbrechen (außer man will sich einen gehetzt-masochistischen Hochgeschwindigkeitslauf antun, da passt das noch), besonders nicht, wenn man eigentlich eine schöne, entspannte Entdeckungstour laufen will.
Aber der Tisch ist schon bestellt, und außerdem bin ich viel zu ärgerlich auf den blöden Ärger, um mir von ihm den Lauf verderben zu lassen.

Entsprechend mache ich mich am späten vormittag wie geplant auf den Weg.
Rege mich während der Fahrt über alles und jeden auf: Die viel zu langsam vor mir auf der B3 herschleichenden Rentner-Scheintoten in ihrem ollen Audi, den drängeligen Altyuppie-Volltrottel in seiner Möchtegern-SUV-Minderwertigkeitskomplexverarbeitungsschleuder hinter mir („Dir sollte man mal Cayenne in deinen fetten Arsch blasen, du asoziales Pantoffeltierchen!“, rufe ich dem graumelierten Sozialraubtier am Steuer der schamlos überdimensionierten Neureichendroscke im Geiste zu, während es sichtlich bemüht ist, die Distanz zwischen unseren respektiven Stoßstangen möglichst unter einem Meter zu halten), die Unmengen von erste-Mai-Ausflüglern, die in unkoordiniert-debilen Herdentrieb und mit peinlichen Regenschirmchen und Regenhäutchen behängt ein paar Stunden durch die malerischen Bergstrassen-Orte wanken, bevor sie für den Rest des Jahres wieder auf dem Sofa verschwinden.

Alles Mist!
Grrrr.

Entsprechend ist auch meine Laune, als ich schließlich am Startpunkt der heutigen Tour im kleinen Odenwalddörfchen Wald-Erlenbach ankomme: Nicht gerade phänomenal.
Ich parke das Auto vor dem örtlichen Kriegerdenkmal in der „Mühldelle“, steige aus, richte ziehe nochmal die Mütze etwas tiefer in die Stirn um den Nieselregen von der Brille fernzuhalten und starte.

Aufwärts, süddwärts, ins Wohngebiet am Südzipfel von Wald-Erlenbach, das sich in die schroff aufragenden Waldflanken unter dem Höhberg schmiegt.
Markierung: Gelbe 4, der Steigkopf-Weg, der mich laut Wanderkarte rüber ins Nachbardorf Mitlechtern bringen sollte.

Lässt sich sehr zäh an, Arme, Beine, Oberkörper, alles steht so ein bisschen unter Spannung, da läuft sich´s nicht gerade locker die steile Strasse hinauf zum Ortsende.

Dort angekommen stürzt sich der Steigkopf-Weg geradewegs in den kühlen Wald, am Rand eines schluchtartigen Seitentals abwärts, und plötzlich schmilzt mein Ärger wie ein Eiswürfel in der Mikrowelle.

Hier im Hangwald ist es grün und ruhig und einsam, in der Luft hängt ein wunderbares Aroma von Regen und Frühlingswald, der kleine Pfad, auf dem es abwärts geht, ist herrlich weich und angenehm (Waldboden mit einer federnden Schicht Fichtennadeln, der beste Laufuntergrund den es gibt!).
Einfach nur schön und friedlich.
Ich atme tief durch, fast schon seufzend, und mit jedem Ausatmen entweicht etwas mehr Druck aus dem Kopf und dem Körper.
Vielleicht wird das ja doch noch was heute…

Der Pfad landet schließlich im Grund des kleinen Steiltals, überquert ein gluckerndes Bächlein und führt dann um den nächsten Hangvorsprung herum bis zum Ortsrand von Mitlechtern, vorbei an einer kleinen Friedhofskapelle, aus just in dem Moment, in dem ich vorbeilaufe, ein helles, tönendes Mittagsläuten erklingt, auf die Alzenauer Str.

Hier biege ich rechts ab – der kürzeste Weg runter ins Weschnitztal wäre geradeaus durchs Dorf, aber ich will noch einen kleinen Schlenker rechts hoch durch den Hangwald mitnehmen, einfach so weil halt (ein sicheres Anzeichen, dass meine Laune gerade rekonvalesziert wie blöde! :)), schließlich ist man ja nicht alle Tage in Mitlechtern.
Also rechts, wieder bergauf, am örtlichen Sportplatz vorbei in den Wald hoch (Kreiswald-Weg, gelbe 5).
Sacksteil, das kostet ordentlich Kraft.
Aber wenn der Körper nicht gerade ein angespannter Knoten aus unterdrücktem Mißmut ist, lässt sich das gut bewältigen.

So wie geplant klappt´s hier oben allerdings trotzdem nicht.
Eigentlich wollte ich bei der ersten Gelegenheit links abbiegen und zurück runter nach Mitlechtern laufen, aber irgendwie verpasse ich die Abzweigung.
Stattdessen geht´s immer weiter bergauf durch den feuchten Wald.
Und bergauf.
Und bergauf.
Und bergauf…

„Das kann jetzt aber nicht sein“, denke ich mir noch, „laut Plänchen sollte es nach dem Sportplatz höchstens noch 200 m. bergauf gehen, da bin ich doch irgendwie schon viel zu weit“.
Dann kommt auch schon der Waldrand in Sicht, das obere Ende des Waldes auf der Wiesigen Anhöhe bei Alzenau.

Jepp. Das ist definitiv zu weit (von hier aus sind es nicht mal mehr 1,5 km bis zum Kreiswald, dem Ziel der heutigen Tour, da könnte ich jetzt prima abkürzen. Aber das will ich natürlich nicht [schließlich weiß ich noch nicht, was mich noch erwartet…])…

Na gut, da muss ich wohl zusehen, dass ich wieder auf Kurs komme. Ist zum Glück kein Problem, ich hab´ ja ein Plänchen.
Erstmal links ab, zwischen dem Wald und den satten, blumenübersäten Frühlingsweiden am Höhensattel nach Osten, dann auf dem Trampelpfadigen Kreiswald-Weg eine kleine Böschung hoch, ein paar Meter durch die regennassen Wiesen, und schließlich auf den bequemen Höhenweg in Richtung Büchershof, den ich vor über zwei Jahren schon mal mit Nemo gelaufen bin.
Hier gibt´s zum ersten Mal einen Ausblick über das weite, hügelige untere Weschnitztal mit den geschwungenen Wiesen und Weiden und den weitgehend unerforschten Ortschaften um Mörlenbach herum, hinter denen die Tromm wie eine grüne, mächtige Steilwand herausragt, deren oberer Teil von tiefhängend-nebligen Wolkenfetzen verhüllt wird.

Allerdings nur ein paar Meter, dann geht´s schon wieder runter vom Höhenrücken, auf der gelben 6 (Kirchbergweg) zurück runter in Richtung Pfalzbachtal und Mitlechtern.
Fast ein kilometer auf angenehmen, idyllisch einsamen Waldwegen (wirklich unglaublich: Vorne an der Bergstrasse treten sich gerade die Tag-der-Arbeit-Spaziergänger tot, und hier hinten, nur wenige Kilometer entfernt in einer der schönsten Ecken des Odenwalds ist außer mir offenbar niemand unterwegs. O tempora, o mores…) schön bequem abwärts durch den feuchten, wohlduftenden Nadelwald, dann bin laufe ich wieder raus in die offenen Wiesen auf der Anhöhe südöstlich von Mitlechtern und schwenke nach ein paar hundert Metern links auf den Fasanen-Weg (gelbe 3) ein.

Herrliches, herrliches Stück.
Der Weg führt über den Heidebuckel, einen höheren, offenen Hügel am Westrand des Weschnitztals, das sich jenseits der Wiesen und Weiden in einem wunderbaren Panorama öffnet, vom Krehberg über Lindenfels (klar erkennbar unter seinen drei Hausbergen Buch, Schenkenberg und Kapp), den Pass am Gumpener Kreuz, das riesige Tromm-Massiv und das hügelige Bergland vor Absteinach und dem Gorxheimertal bis hinunter zur Bergstraße, wo man im regnerischen Nebeldunst schemenhaft den Wachenberg über Weinheim erkennen kann. Davor erstreckt sich das Tal selbst, eine liebliche Ansammlung von Hügeln und Taldellen im satten Grün der Frühlingsvegetation, ergänzt durch die weißen Farbtupfer blühender Obstbäume und strahlendgelbe Flecken von frischem Raps, immer wieder aufgelockert durch kleine Wäldchen und die unzähligen Dörfer und kleinen Städtchen, die zwischen die Hügel und an die Talhänge unter der Tromm drapiert sind, darüber zerfetzte, schnell das Tal hinaufziehende Regen- und Nebelwolken, wunderbar stimmungsvoll und teilweise weniger als 300 m. über dem Boden (das erkennt man daran, dass die deutlich niedriger hängen als der Rücken der Tromm, der ca. 300 m. über dem Talgrund liegt).

Toll, da tut es mir fast ein bisschen leid, als der Weg sich nach ziemlich genau einem Kilometer vom Heidebuckel in den Talgrund absenkt und kurz darauf den freundlichen Fürther Ortsteil Lörzenbach erreicht.
Auch hier geht´s weiter abwärts, durch die relativ neu wirkenden Wohngebiete an Jahnstr. und Mitlecherner Str. runter zur Weinheimer Str. im Dorfkern, wo ich spontan einen weiteren kleinen Schlenker mache, weil´s gerade so nett ist: Links mit der gelben 3 auf einen kleinen Fußweg am Ufer des hübschen Linnenbachs, dann rechts auf den den OWK-Wanderweg HW 13 (blauer Balken), der auf einem nicht ganz vertrauenserweckend wirkenden Holzbrücken über den Linnenbach geht und dann durch die bewaldete Parkanlage des „Süßen Garten“ zurück nach Lörzenbach reinführt (hier ist etwas Slalom angesagt, dank mehrerer freilaufender Hühner und einem riesigen, fies dreinblickenden Gockel direkt auf dem Weg, die offenbar aus dem benachbarten Bauernhof entkommen sind).

Die nächsten Kilometer bleibe ich erstmal auf dem HW 13: Zuerst geht´s in Lörzenbach über die B38, dann den Ahornweg entlang. Beim Bahnübergang am westlichen Ortsrand muss muss ich kurz abwarten, bis die leise dröhnende Dieseltriebwagen der Weschnitztalbahn vorbeigeschnauft ist, direkt danach geht´s auf einer hübschen Brücke mit Heiligenstatue über die Weschnitz und nach Fahrenbach hinein.

Weiterhin blauer Balken, mitten durchs Dorf, dann weiter in die grünengelben (gelb dank Löwenzahn) Hügel unter den nebligen Waldhängen des Tromm-Massivs auf den Lerchenberg hinauf. Etwas Aufstieg, aber sehr moderat, dazu wieder mal ein wunderbarer Rundumblick über das Weschnitztal und zu den fernen, unbekannten Höhenzügen im Südosten.

Vielleicht 800 m., dann vollzieht der HW13 mitten in den blühenden Hügelwiesen eine scharge Wendung und führt zurück ins Tal runter in Richtung Rimbach, ich laufe hinterher.

Irgendwo hier klingelt auf einmal mein Handy: Meine Eltern sind gerade im Kreiswald angekommen, früher als verabredet, und wollen wissen, wie lange ich noch brauche.
Noch ein Weilchen, sag´ ich, sie sollen schonmal anfangen.

Gerade als ich das das Telefon wieder in der Gürteltasche verschwinden lassen und mich wieder auf den Weg machen will, sehe ich, dass noch eine Nachricht von gestern auf der Mailbox ist.
„Nanu“, denke ich mir, „wer kann mir denn da aufs virtuelle Band gesprochen haben? Das hör´ ich doch gleich mal ab!“

Keine gute Idee.
Damit ist der schöne Teil vom Lauf nämlich zu Ende.

Auf der Mailbox meldet sich eine freundliche Dame mit leicht norddeutschem Akzent und erklärt mir, dass sie im Auftrag eines potentiellen Arbeitgebers anruft, bei dem ich mich vor kurzem Beworben habe.
Und zwar nicht irgendein potentieller Arbeitgeber, es ist einer von den absoluten Oh-Mann-wenn-das-klappen-würde-wär-das-unglaublich-großartig-Arbeitgebern, zu denen jeder will, der im selben Metier wie ich Fuß fassen möchte.

Es gehe um meine Bewerbung, sagt sie, und ich soll doch bitte mal zurückrufen, ich könne sie bis Freitag 14:00 Uhr erreichen.

Freitag war gestern.

Freitag 14:00 Uhr ist fast 24 Stunden her.

Und ich höre die Nachricht gerade zum ersten Mal.
Folgerichtig hab´ nicht zurückgerufen!

Scheiße!
Scheiße!
OH SCHEISSE!

Meine Gedanken, die eben noch mit satten Hügelweiden und blühenden Obstbäumen und grünen Bergrücken unter rissigen Nebelwolken beschäftigt waren, kreisen plötzlich um ganz andere Dinge, von einem Moment auf den anderen hab´ ich gar keinen Kopf mehr für die Lauferei.

Rhythmus weg.
Muße weg.
Spaß am Laufen weg.

Dafür ist der Ärger wieder da, ein kalter, bleierner Klumpen in der Magengrube und im Kopf, der alles andere erstickt.
Ärger auf mich selbst („Warum hab´ ich das Dreckshandy nicht früher abgehört? Und warum hab´ ich da überhaupt noch eine Bewerbung mit meiner Handynummer verschickt, eigentlich hab´ ich die doch schon vor einiger Zeit aus genau so einem Grund aus Lebenslauf und Anschreiben getilgt?“), auf die freundliche Dame mit dem leicht norddeutschen Akzent, („Warum hat die denn nicht die Festnetznummer angerufen oder eine Mail geschickt, dann wär´ das alles nicht passiert!!“), auf die Situation („Prima, jetzt darf ich mich den Rest des Wochenendes ärgern und grübeln, bis ich am Montag morgen frühstmöglich zurückrufe“).
Garniert ist das Ganze noch mit einer gehörige Portion spontaner Unsicherheit („Warum rufen die überhaupt an? Normalerweise werden doch eher Briefe verschickt. Hab´ ich irgendwas schlimm falsch gemacht? Oder besonders gut richtig? Hab´ ich jetzt gerade eine Riesenchance vermasselt?“), et voilà – Matthias ist vollkommen von der Rolle.

Entsprechend bin ich auch vor allem mit mir selbst beschäftigt, als ich kurz darauf (immer noch leise vor mich hinfluchend) in Rimbach einlaufe.
Das erklärt dann auch, was als nächstes passiert:
Zum ersten Mal seit langer, langer Zeit verirre ich mich.
Und zwar richtig.

Vor lauter Grübeln und Ärgern achte ich nicht mehr darauf wo ich hinlaufe, weder auf Richtung noch auf Wegmarker noch auf meine generelle Position. Sowas ist fatal in weitgehend unbekannter Umgebung.
Entsprechend finde ich mich ziemlich schnell mitten in Rimbach wieder – einem gar nicht mal so kleinen Ort, durch den ich bisher nur hin und wieder mal durchgefahren bin, aber in den ich noch nie einen Fuß gesetzt habe -, und weiß weder wo ich bin, noch wo ich hin muß.

Zu allem Überfluß sucht sich der Himmel auch noch just diesen Moment aus, um vollständig seine Schleusen zu öffnen.
Von einem Moment auf den anderen verwandelt sich der bisherige leichte Nieselregen in einen ausgewachsenen eiskalten Wolkenbruch, der mich innerhalb weniger Sekunden so sehr einsulcht, dass ich kein trockenes Stück Kleidung mehr am Leib habe.

Und so stehe ich dann da, unorientiert, sauer, frierend und pitschepatschenass auf dem Rimbacher Marktplatz, und weiß nicht genau, wo ich hin muss. Die Karte kann ich nicht benutzen, bei diesem Regen würden Tinte und Papier instant zugrunde gehen, ebensowenig kann ich die Himmelsrichtung mit Hilfe der Sonne bestimmen, denn die ist nirgendwo erkennbar. Und fragen kann ich natürlich auch niemanden, denn die Rimbacher haben sich angesichts der biblischen Proto-Sintflut alle ins Trockene zurückgezogen.

Na toll.
Jetzt ist wirklich alles beschissen!

Aber länger stehenbleiben ist nicht, sonst würde ich zu sehr auskühlen, also lauf´ ich einfach mal weiter in die Richtung, von der ich glaube, dass sie die richtige ist.
Es ist natürlich die Falsche.
Und zwar absolut.

Im strömenden Regen drehe ich via Brunnengasse, Pestalozzistr. und „Im Kreuzwinkel“ eine vollkommen sinn- und zielfreie 1,8-km-Ehrenrunde durch Rimbach, die mich u.a. durch ein Neubaugebiet, eine etwas desolat wirkende Busschleife und das Gelände einer Schule in Hanglage führt, nur um am Ende wieder am Marktplatz rauszukommen, genau da, wo ich vor zehn Minuten schon mal gestanden habe.

Wrxstkrfgx!

Immerhin hat zu diesem Zeitpunkt der Starkregen soweit nachgelassen, dass ich wieder mein Plänchen konsultieren kann.
Mit Hilfe meiner neu gewonnen Erkenntnisse über die Rimbacher Ortsgeografie gelingt es mir schließlich, mich wieder einzunorden und wieder auf Kurs zu gelangen:
Rathausstr., (kurz verirrt an der Kirchgasse, aber gleich gemerkt und korrigiert), Staatstr., Albersbacher Weg und schließlich der Hoppersweg neben der Trasse der Weschnitztalbahn, auf dem ich Rimbach verlasse und südwärts im Talgrund bis zum Hoppershof laufe.

Dort biege ich rechts ab, folge dem Hoppershof-Weg (R1) vorbei an ein paar Fischteichen in die Hügel, immer weiter aufwärts auf die Anhöhe an der Fohlenweide.
Der Anstieg ist nicht wirklich hart, aber ich schaffe es trotzdem nicht, durchzulaufen – ich bin klatschnass, verfroren, übellaunig, hab´ überhaupt keine Lust mehr, da fehlt es einfach am minimal notwendigen Willen, sich konzentriert den Berg hochzuschaffen, auch wenn´s die Physis eigentlich locker mitmachen würde.
Ähnlich sieht´s auch mit der Landschaft aus: Die ist zweifellos richtig toll hier oben, aber ich hab´ heute keinen Kopf mehr dafür, stattdessen will ich das hier nur noch möglichst schnell zu Ende bringen.

1,6 km lustloses Stop&Go bergauf bis zum Wald auf der Kuppe der Taschengrube, dort folge ich noch kurz dem Waldrand nach links (Albersbacher Weg, gelbe 5), bevor ich mich rechts unters Blätterdach schlage und auf dem Taschengruben-Weg (gelbe 4) geradewegs über die bewaldeten Kuppen bis zum zum Fischteich unterhalb vom Kreiswald laufe und kurz darauf schließlich, endlich, das Ziel erreiche – nass bis auf die Knochen, frierend, unglaublich übellaunig und fast eine Stunde später als verabredet.
Natürlich haben alle schon gegessen.
Aber das macht nichts, denn Appetit hab´ ich sowieso keinen mehr und verzichte deshalb darauf, noch was zu essen.

Tja.
Hätte eine tolle Tour werden können.
War aber am Ende das genaue Gegenteil.
Schade, schade, schade, gerade angesichts der wunderschönen Gegend, aber sowas gehört eben manchmal auch dazu.

Aber hey, vielleicht mach´ ich die Tour ja irgendwann nochmal bei Sonnenschein und mit guter Laune.
Und das Handy bleibt dann auf jeden Fall aus.

Strecke: 15,6 km
Zeit: Lange
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 95,19% (14,85 km von 15,6 km)
Karte:

M.

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9 Antworten to “Etwas verunglückter erster Mai im Weschnitztal: Wald-Erlenbach – Rimbach – Kreiswald (15,6 km)”

  1. Kümmel Says:

    Hihi, sorry, aber über die Ehrenrunde muss ich echt schmunzeln.

    Übrigens wärst du über die Kirchgasse auch zu den Teichen gekommen. Wäre mit einem kleinen Waldweg entlang der Weschnitz und zwei Holzbrücken vielleicht sogar aufheiternd gewesen – wobei ich nicht weiß wie gut oder schlecht der Weg bei Regen ist.

    Und was ist jetzt aus der Bewerbung geworden? Montag morgen ist ja nun auch schon vorbei 😉

  2. matbs Says:

    Soso, das Unglück anderer Menschen lässt dich also schmunzeln… 😀

    Über die Kirchgasse wäre ich wahrscheinlich nicht zu den Teichen gekommen, denn mein Plänchen war zu diesem Zeitpunkt bereits ein pappiger Klumpen aus nassem Papier und verlaufenen Tinte, da hab´ ich mich dann doch lieber an die markierten Wege gehalten.
    Von wegen keine Experimente und so. 😉

    Oh, und das mit der Bewerbung war natürlich weder besonders gut noch besonders schlimm, lediglich ein kleines Problem bei der Formatierung meiner eingereichten Arbeitsproben, das sich am Montag relativ unaufwändig hat lösen lassen.

  3. Giegi Says:

    Das heißt also, Daumendrücken würde weiterhin helfen ;-)?

    Dieser Artikel war jetzt auch zum Lesen fast eine Tortur – ich konnte es dir richtig nachfühlen, besonders das mit der eigentlich getilgten Handynummer und dem Nicht-Gleich-Abhören der Anrufe 😀

    Letztlich wirst du halt die Strecke nächsten Mai nochmal laufen müssen 😉

    Viel Göück! Giegi


  4. […] Etwas verunglückter erster Mai im Weschnitztal: Wald-Erlenbach – Rimbach – Kreiswald (1… […]

  5. matbs Says:

    Hi Giegi,

    ja, Daumendrücken hilft weiterhin, wenn nicht in diesem spezifischen Fall, dann vielleicht bei einem anderen… 🙂

    Ich hoffe ja, dass der Artikel nur wegen meiner übermenschlichen Leiden torturös zu lesen war, und nicht wegen Syntax, Stil und/oder Rechtschreibung… 😀

    Und aus der Sache mit dem Handy hab´ ich wenigstens gelernt, in Zukunft auch das Wordfile auf der CD-Rom mit den Arbeitsproben auf getilgte Mobilnummer zu überprüfen, und nicht nur die eigentlichen Unterlagen. Auch was wert!

    Vielen Dank

    Matthias

  6. Jana Says:

    Yepp, ich drück Dir auch die Daumen. Musst sie mir aber auch zurückdrücken!

  7. matbs Says:

    Sind hiermit gedrückt, Jana!
    Das wird! 🙂

    Dankeschön und viel Erfolg!


  8. […] kann mich noch ganz gut an meine Tour am 1. Mai dieses Jahres erinnern: Lauf im Weschnitztal, etwas unfit, doch trotz grauem, verregneten Wetter ist die Tour […]


  9. […] und zu guter Letzt noch was Positives nach der Grübelei. Weil, 1. Mai, da ist mir auf den Tag genau vor zwei Jahren bei einer eigentlich wunderschönen Tour im Weschnitztal das hier passiert: Irgendwo hier klingelt auf einmal mein Handy: Meine Eltern sind gerade im […]


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