Die Laufwoche KW 20 bis Freitag… (9,4 km und 11,2 km)

28. Mai 2010

Hrm.
Dank dem Feiertag mit Feiertagswetter am Montag hat die Woche gut angefangen, dann aber angesichts von miesem Wetter und wenig Zeit zur Wochenmitte nicht ganz so gut geklappt, wie ich mir das gewünscht hätte…

Montag 24.05.: Genüsslich träger Berglauf von Ober-Beerbach nach Hause (9,4 km)
Die letzten vier Tage war ich jeweils laufen, eigentlich wäre da mal wieder ein Regenerationspäuschen angesagt.
Aber es ist warm und sonnig und wunderschön draußen, und außerdem haben mich meine Eltern zum Essen in Ober-Beerbach oben im vorderen Odenwald eingeladen – diese Gelegenheit für eine kleine Tour kann und will ich mir dann doch nicht entgehen lassen.
Immerhin, einen kleinen Kompromiß gehe ich mit mir selbst ein – anstatt vor dem Essen von Zuhause aus nach Ober-Beerbach zu laufen, werde ich hinterher von Ober-Beerbach nach Hause laufen – selbe Strecke, aber es geht viel mehr bergab als bergauf.

Geplant getan: Nach dem guten und reichhaltigen Mitagessen im Gasthof „Prozente-Hannes“ im Ober-Beerbacher Dorfkern ziehe ich mich schnell um, schnüre die Laufschuhe und mache mich um kurz vor Zwei auf den Weg nach Hause.

Ich glaube, so tranig bin ich noch nie losgelaufen.


Aber es ist ein guter Tran, zufrieden und wohlig:
Angenehm voller Magen, der fünfte Lauftag in Folge, die Mittagssonne brennt mit sommerlichen Temperaturen aus dem blauen Firmament, und weil´s so schön, war hab´ ich mir zum Essen auch noch einen Schoppen guten Bergsträsser Wein gegönnt, der nun als wattig-schwindeliges Gefühl hinter meiner Stirn rumgeistert (der Fluch des Wenigtrinkers: Ich hab´ ungefähr dieselbe Alkoholtoleranz wie eine anämische zwölfjährige Klosterschülerin, entsprechend reichen da selbst 0,2 Liter Rebensaft, um mich leicht anzuschwipsen) – dynamisch ist das nicht, aber mir geht´s einfach prima dabei, das ist die Hauptsache.

Mit der erschütternd explosiven Dynamik einer geriatrischen Seychellen-Schildkröte watschele ich vom Prozente-Hannes aus durch Ober-Beerbach, die enge Erbacher-Str. hinauf, mit einem zufrieden-debilen Grinsen in der satten-Visage und einem (zumindest gefühlt vorhandenen) Kugelbäuchlein unter dem leicht spannenden Joggerleibchen, während mir hin und wieder ein satter Rülpser entgleitet.
Hurps.
Und zwar zum südlichen Dorfende, wo die L3098 und ich den Ort in Richtung Märchenteiche, Hutzelstrasse und Schmal-Beerbach verlassen.
So richtig gut läuft sich´s allerdings nicht an der schmalen Landstrasse, vor allem wegen den den Unmegenen njervig dröhnender Motorräder, die hier knatternd und stinkend vorbeirasen (die Kehrseite vom Sommer im Odenwald – störende und oftmals rücksichtslose Motorradfahrer allenthalben).
Deshalb bieg´ ich bei der ersten Gelegenheit rechts ab, auf einen sumpfigen Feldweg, der durch die blühenden Hangwiesen aufwärts führt.
Ist verdammt hübsch, aber dank meiner generrellen Sattheit und der brutzelnden Frühsommersonne auch verdammt anstrengend. Mannmannmann komm´ ich da außer Atem, gut dass ich´s nicht eilig habe.

Am oberen Ende des Weges stoße ich auf den Baum-des-Jahres-Weg, der so heißt, weil der lokale Verkehrs- und Verschönerungsverein hier jeweils ein Exemplar jedes Baumes gepflanzt hat, der in den letzten wasweisichjahren Baum des Jahres war.
Der ist total hübsch und führt außerdem hoch zur Kreuzung am Klingenwald unter Steigerts.
Da will ich eh hin, also wanke ich mit glazialer Eleganz nach rechts und folge dem Spalier von Spitzahorns, Wildbirnen und Speierlingen durch die traumhaft schönen Hügelwiesen über der Ober-Beerbacher-Talmulde – direkt rechts unter mir strahlt das Dorf in der Mittagsonne, dahinter kann man das Beerbachtal hinunter in die Ferne schauen, vorbei an der Burg Frankenstein in die Ebene nördlich des Odenwalds, hinter der die ferne Frankfurter Skyline und der noch fernere Taunus aufragen.
„Des is ja sooo wunnebar“, lallen die Teile meines immer noch gaanz leicht angeschwipsten Großhirns, die sich noch nicht zur mittäglichen Verdauungssiesta in den Stand-By-Modus begeben haben.
Und damit haben sie total recht!

Auf der kleinen Paßhöhe unter Steigers wechsle ich auf den Dicktannen-Weg (gelbe 4), der sich durch kleinen Seitentäler an den sonnigen Hängen des Steigerts abwärts gen Stettbach windet, mal durch die blumenübersäten Weiden, mal durch den schattigen Hangwald. Nix los hier, außer beim einsamen Gehöft in der Dicktanne, wo eine Schwarm freilaufender Hühner mein unkoordiniert-watschliges Vorbeilaufen mit misstrauischten Vogelblicken und konsterniertem Gackern begleitet.

Nach eineinhalb Kilometern biegt die gelbe 4 links ab und führt aufwärts durch den Wald nach Steigerts hoch.
Da wollen aber weder mein voller Magen noch meine leicht wuschiger Kopf hin, deshalb geben sie meinen schweren Beinen die Order, doch bitte geradeaus weiter zu laufen und dem nunmehr unmarkierten Waldweg bis nach Stettbach zu folgen.
Da meine Beine da eh hinwollten (weil: Bergab) ist das üüüüberhaupt kein Problem.

Kurz darauf verlasse ich den Wald über Stettbach, laufe durch die Hochwiese über der Höhenstraße runter ins Dorf und entscheide mich dort spontan, noch einen Schlenker über den Weiler Hainzenklingen zu machen, der versteckt in einem kleinen Hochtal am Rand des Stettbacher Tals liegt (die Alternative wäre die Landstrasse runter nach Jugenheim, aber die ist schmal und voller pestiger Motorräder, mag isch heut´ net).

Dazu muss man am unteren Dorfrand links abbiegen.
Das ist kein Problem.
Und dann fiessacksteil bergauf um den Buckel laufen, der Stettbach und Hainzenklingen trennt.
Das fällt irgendwie doch arg schwer, so satt und kurzatmig wie ich heute bin.
Auf halber Höhe nehme ich einen kleinen Waldweg nach links, vorbei an weidenden Pferden und einem wundervollen Stettbach-Panorama und erreiche schließlich – glücklich schwitzend und japsend – die offene Anhöhe über Hainzenklingen, von der man den vielleicht schönsten Blick in die Rheinebene hat, den es auf Seeheim-Jugenheimer Gemeindegebiet gibt.
Traumhaft: Vor mir fällt der steile Wiesenhang in das schmale Hainzeklinger Seitental ab, hinter dem man durch die zwei großen Kerben des Stettbacher und des Balkhäuser Tals hinaus ins Flachland schauen kann, zum Donnersberg, rüber zum Rheingau (zum ersten Mal erkenne ich heute das Hochhaus des ZDF am Lerchenberg drüben in Mainz) und dem Taunus.
Dazu ist es ganz still und friedlich hier oben, es riecht nach Heu und Wald und blühenden Wildblumen, ein paar Bienchen summen vorbei, aus dem Tal weht ein ganz leichter, angenehmer Wind vorbei…
Das ist so wunderbar, dass ich mich kurz ins weiche Gras am Wegrand setze um die Szenerie in mich aufzusaugen.

Lasse den Blick in die herrliche Weite schweifen.

Atme tief durch.

Lehne mich zufrieden zurück und schaue zu den Schäfchenwolken hinauf, die über mir träge durch den ultramaninblauen Himmel ziehen.

Mache kurz die Augen zu, um dem Wind und den Vögeln zuzuhörezzzzZZZZZZZZZZZZZ

„HUH!?
Wha?
GngjaWUS?
Bin wach bin wach bin wach!“

Wache wieder auf.
Unglaublich, da bin ich eben doch tatsächlich weggedöst.
Das ist mir auch noch nicht passiert beim Laufen. 😀

Offenbar nur ein paar Momente, dann bin ich wieder da, leicht verwirrt und mit dem starken Wunsch, doch einfach den ganzen Nachmittag hier oben im weichen Gras und der trockenen Frühsommerwärme zu verbringen.
Aber das geht natürlich nicht, also sammle ich meine trägen Knochen ein und mache mich wieder auf den Weg.

Hinauf zum Waldrand über Hainzenklingen, dort auf den unmarkierten Weg, der durch den Wald über dem Weiler nach Westen führt und schließlich auf den Lokalweg SJ2 trifft, dem ich dann runter bis zur Kaiserbuche an der Rückseite des Heiligenbergs folge. Weiter geradeaus, Lokalweg SJ1, um die Kuppe des Marienbergs, dann runter zum prächtigen Schloss Heiligenberg und auf der asphaltierten Schlosstrasse unter uralten Kastanien runter nach Jugenheim, die Serpentinen über den Häusern hinab und schließlich auf dem Blütenweg durch den Ort nach Hause, wo ich mehr als eine halbe Stunde später als geplant eintreffe – zwar spät, aber gaaaanz entspannt und zufrieden.

Strecke: 9,4 km
Zeit: Viel!
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 8,09% (0,76 km von 9,4 km)
Karte:

– – – – – –
Freitag 28.05.: Jenseits von Darmstadt: Wixhausen und GSI (11,2 km)
Langer, anstrengender Arbeitstag in Darmstadt, entsprechend bin ich schon ein bisschen fertig, als ich mich gegen 19:30 Uhr auf den Weg ins Wochenende mache.

Laufen geh´ ich aber trotzdem noch.

Schließlich hab´ ich nicht nur heute morgen extra die Laufklamotten ins Auto gepackt, sondern war auch schon wieder drei Tage am Stück untätig, da pressiert´s so langsam.

Deshalb fahre ich auch noch nicht gleich nach Hause in den wohlverdienten Feierabend, sondern erstmal in die entgegengesetzte Richtung: Nordwärts aus der Darmstädter City raus und hoch nach Wixhausen, dem nördlichsten Darmstädter Stadtteil (der eigentlich gar nichts mehr Großstädtisches hat, sondern eher wie ein großes Dorf umgeben von weiten Äckern wirkt).
Hier stell´ ich dann das Auto ab, am Friedhof in der Auwiesenstr. am Südzipfel des Ortes, und mache mich gleich auf den Weg.

Tut gut.
Die Anstrengung des langen Arbeitstages rückt sukzessive den Hintergrund, der Kopf verliert mit jedem Schritt ein bisschen mehr Ballast, bis er sich wieder frisch und aufnahmefähig anfühlt.

Ich laufe Ostwärts, kurz die ruhige, grüne Auwiesenstr. entlang, vorbei an einer Großgärtnerei, dann rechts der Markierung des OWK-Wanderwegs HW6 (weißes Quadrat) folgend an der Kreisstrasse 166 aus Wixhausen hinaus, bis zur B3, die in knapp 400 m. entfernung durch die Spargeläcker östlich des Ortes führt.
Kurze Ampelpause, dann rüber, auf den stumpfen Weg auf der anderen Strassenseite, der weiter ostwärts in Richtung des großen Waldes am Ende des Ackerlands führt.

Richtig idyllisches Stück. Links des Weges wogen schier unendliche Roggenfelder im leichten Abendwind, rechterhand liegt ein breiter Streifen schilfiges Brachland am Ufer des Mühlbachs, in dem Dutzende von Vogelkehlen zwitschern und trällen.
Dazu gibt´s noch ein bisschen schräges Abendsonnenlicht von schräg hinten, das sich in der hohen Luftfeuchtigkeit fängt und entsprechend mild und diesig wirkt.

Ich folge dem stumpfen Weg ziemlich genau einen Kilometer, bis ich einen einsamen Bauernhof zwischen den Äckern erreiche.
Hier war ich schon mal, im Februar bei Schnee und Eiseskälte.
Damals bin ich von Osten gekommen und nach Süden abgebogen. Heute mach´ ich es quasi umgekehrt: Komme von Westen und biege nach Norden ab.
900 m. langer, schnurgerader Feldweg zwischen wogenden Getreideähren bis zum nächsten Waldrand, wo ich rechts auf den Fußweg an der Prinzenschneise wechsle, der unter den schattigen Baumkronen direkt zum mitten im Wald gelegenen GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung führt.
Sieht nicht wirklich spektakulär aus von außen (so ein bisschen wie eine Mischung aus Großbaustelle, Industriegebiet und Lagerhallenkomplex), ist aber nichtsdestotrotz eine der weltweit führenden Foschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Teilchenphysik, komplett mit Teilchenbeschleunigern und allem Drum und Dran.

Ich laufe weiter ostwärts, direkt am Zaun der GSI entlang, vorbei an Bürocontainern und forschungsartigen Hallenbauten, während ich mir – wie sich das für einen passionierten Comicleser gehört – überlege, ob man sich hier vielleicht Superkräfte einfangen kann, wenn man zum richtigen Zeitpunkt vorbeikommt („Oh nein, das Experiment ist fehlgeschlagen. Und der dicke Jogger dort draußen am Geländerand wurde von einer großen Dosis ionisierter Delta-Strahlung getroffen! Nicht auszudenken, welche Folgen das haben könnte“).
Wahrscheinlich aber eher nicht, deswegen verzichte ich lieber darauf, mich heimlich aufs Gelände zu schleichen oder mich von zufällig vorbeikommenden Spinnen beißen zu lassen… 😀

Die Prinzenschneise hat inzwischen auch einen eigenen Marker gekriegt (Dianaburg-Weg, gelbe 9) und führt immer weitertiefer in den Wald rein. Einen halben Kilometer nach dem Forschungszentrum überquert er den europäischen Fernwanderweg auf der Wildmeisterschneise, auf dem ich vor genau einer Woche vorbeigekommen bin, nach einem weiteren halben Kilometer biege ich dann links auf Feldschneise ab.
Die führt Nordwärts, raus über die wunderschönen sumpfigen Brachwiesen des NSG Mörsbacher Grund, über denen nebelartiger Wasserdampf im schrägen Sonnenlicht wabert, dann wieder in den Wald rein und leicht aufwärts bis zur quer verlaufenden Hanauer Steinschneise kurz vor dem Ende des Darmstädter Stadtegebiets.

Hier geht´s westwärts, mehr als 2 km die schnurgerade aber leicht gehügelte Schneise entlang (gelbe 10), bis ich wieder an der B3 ankomme. Hier, mitten im Wald, gibt´s keine Fußgängerampel wie vor Wixhausen, entsprechend muss ich eigenverantwortlich über die Fahrbahn huschen. Klappt gottseidank ohne dass ich als unfreiwillige Kühlerfigur an einem der schnell vorbeihetzenden Autos ende.

Auf der anderen Strassenseite folge ich der nunmehr wesentlich uriger anmutenden Schneise wieder in den Wald – hier ist Schluss mit gepflegten, bequemen Wegen, stattdessen erwartet mich eine Art Seenlandschaft aus Gewässern, die offenbar schon vor einiger Zeit aufgehört haben, Pfützen zu sein und zu echten Tümpeln geworden sind.
Ein bisschen Zickzacklaufen, auf schlammrutschigem Untergrund um die brackigen aber irgendwie stimmungsvollen Wasserlöcher herum, dann bei der nächsten Gelegenheit links und runter zum Waldrand vor Wixhausen.

Auch der Waldrandpfad, auf dem ich nun westwärts laufe, erweist sich als Heimstatt schlieriger Riesenpfützen, einige sind Dutzende von Metern lang und versperren teils die gesamte breite des Weges, so dass ich mich mehrmals in den Raps bzw. den Roggen am Wegrand schlagen muss, um überhaupt halbwegs trockenen Fußes weiterzukommen.
Alles so ein bisschen abenteuerlich, das gefällt mir. Allerdings macht sich inzwischen doch auch wieder so ein bisschen die Müdigkeit nach dem langen Tag bemerkbar, von mir aus könnte ruhig auch bald Schluss sein.

Zum Glück ist es auch nicht mehr weit – an der nächsten Waldkante schlage ich mich links in die Äcker und folge einem unebenen Plattenweg westwärts und südwärts durchs die grünen Getreidefelder zurück nach Wixhausen.
Laufe auf einer Strasse namens „Wegscheide“ ein, kurz durch ein verschlafen-unprätentiöses Wohngebiet, dann stoße ich wieder auf das weiße Quadrat des HW6. Dem muss ich nun nur noch folgen, auf einem begrünten Fußweg neben den Bahngleisen nach Süden, vorbei am kleinen Bahnhof des Ortes und über eine schmale Strassenbrücke, bis ich wieder wohlbehalten aber doch ganz schön müde beim wartenden Auto in der Auwiesenstr. ankomme.

Nette Tour. Nichts Besonderes, aber ein schöner Abschluß des Arbeitstags, mit ein paar hübschen Ecken und viel neuer Strecke. Mehr braucht´s heute nicht, um mich zufrieden zu machen… 🙂

Strecke: 11,2 km
Zeit: Nicht genommen
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 99,82% (11,18 km von 11,2 km)
Karte:

M.

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Eine Antwort to “Die Laufwoche KW 20 bis Freitag… (9,4 km und 11,2 km)”


  1. […] Die Laufwoche KW 20 bis Freitag… (9,4 km und 11,2 km) […]


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