Kleine, ruhige Felsbergrunde am Samstagabend (11,6 km)

29. Mai 2010

Ein feuchter, kühler Samstagabend, mehr trüb als sonnig.
Ich bin ein bisschen müde, und außerdem fahre ich morgen für ein paar Tage nach Berlin und müsste dafür noch Einiges vorbereiten – eigentlich keine guten Voraussetzungen fürs Laufen.
Aber gegen abend packt´s mich dann doch und ich mache mich auf den Weg in den Odenwald, um zumindest mal noch eine kleine Runde zu drehen.
Mal wieder um den Felsberg, denk´ ich mir, auf einer Strecke, die ich zum letzten Mal vor fast zwei Jahren und beinahe 4000 Kilometern gelaufen bin. Das ist vielleicht nicht wirklich neu, aber doch relativ nah dran…

Ich starte an der Kuralpe, oben auf der Passhöhe am Anfang der Hutzelstrasse.
Ein unmarkierter Weg durch die Felder hinter der Kuralpe bringt mich hoch in den nach feuchter Erde duftenden Wald, wo ich mich nach rechts wende und auf schlammigen Waldpfaden an den Hängen des Felsbergs nach Südwesten laufe.
Viel los ist hier nicht, bloß ein einsamer Reiter auf einem riesigen Kaltblüter, der vor Schreck beinahe durchgeht, als er mich im Augenwinkel herannahen sieht (der Kaltblüter, nicht der Reiter). Ich laufe vorsichtig an den beiden vorbei, im größtmöglichen Bogen (der nicht wirklich groß ist, auf dem schmalen Weglein im felsigen Hangwald), schließlich sind Klepper bekanntlich selbst unter den besten Umständen nah am Wahnsinn gebaut, und eine halbe Tonne panisches Pferdefleisch auf dem engen Weg neben mir kann ich wirklich nicht gebrauchen…

Am Waldrand über dem Schollrain, da wo der Nibelungensteig vom Melibokus ankommt, biege ich links ab und laufe in die einsamen Südhänge des Felsbergs – noch tieferer Wald, feucht und kühl, noch schlammigere Weg, noch weniger Markierungen (zumindest in den mittleren Höhenlagen über dem Mühltal, für die ich mich heute entscheide).

Viel ab, ein bisschen auf, zugesaut aber entspannt, eigentlich ganz angenehm. Lediglich die Navigation ist ein bisschen problematisch, denn so gut kenne ich mich hier gar nicht aus. Aber zum Glück hab´ ich mir ja ein Plänchen eingesteckt, damit kann ich mich hier ja prima orientie…
Oh.
Nicht so ganz willkommene Überraschung, als ich das Plänchen zum ersten Mal aus der Tasche fingere: Statt der erwarteten Draufsicht auf den Felsberg lacht mir die Gegend um Wixhausen nördlich von Darmstadt entgegen.
Ich hab´ den Plan von gestern eingepackt!
Und der ist hier ziemlich wertlos.
Hrm.

Keine Karte, keine unkomplizierte Orientierung.
Will heißen: Ich muss nach Gedächtnis weiterlaufen, auf einem Weg, den ich seit zwei Jahren und Viertausend Kilometern nicht mehr genommen habe.
Spannend…

Meinem Bauchgefühl folgend laviere ich also irgendwie weiter durch den tiefen Wald der Felsberghänge.
Überraschenderweise klappt das prima: Nach ein, zwei instinktgestützten Abzweigungen stoße ich auf die gelbe 4, die mich wohlbehalten durch den Südzipfel des Bergwaldes führt, vorbei an den Wiesen hinter Hochstädten bis hin zum Selterswasserhäuschen über dem Lautertal.
Offenbar ist der Weg noch in meinem Unterbewusstsein gespeichert, das lässt hoffen…

Kurzer Blick übers wunderschöne Lautertal rüber zur steil aufragenden Knodener Höhe, dann mache ich mich wieder auf den Weg, links den kurzen aber unsagbar sackrig steilen Anstieg des Nibelungenwegs (gelbes Quadrat) hoch, der nun an der Ostflanke des Felsbergs grob nordwärts führt. Zwischendurch mache ich einen kurzen Schlenker links in den Wald rein, zum OWK-Ehrenmal Teufellstein, einem riesigen Felsmassiv zwischen schlanken Birken, das der Odenwaldklub zu einer Gedenkstätte für seine Toten (ursprünglich im Krieg, inzwischen für alle) gemacht hat, dann weiter zum Waldrand über dem Borstein, wo es steil rechts ab ins Lautertal geht. Hier erinnere ich mich immer an meine allerallerallererste weite Tour vor vielen Jahren, als ich noch ohne Plan, Karte oder Blog gelaufen bin und mich hierher verirrt habe, ohne auch nur den leisesten Schimmer zu haben, wo ich bin – auf einmal öffnet sich vor dir ein weites, wunderschönes Tal, eingerahmt von unbebannten Bergen, die man überhaupt nicht einordnen kann, das war einfach nur grandios.
Heute ist es das übrigens natürlich immer noch, aber der Reiz des Unbekannten ist schon lange verflogen, denn inzwischen kenne ich jeden kleinen Ort im Tal, jede steile Bergkuppe, jeden langen Höhenrücken, den man von hier aus sehen kann.
Trotzdem schön!

Weiter nordwärts, auf dem Vogellehrpfad Re3 im grünen Halblicht der Bäume durch die kleinen Täler über dem Lautertal.
Hier merkt man schon so ein bisschen, dass das Felsenmeer näher rückt, hie und da liegen bereits große, moosige Felsbrocken in den Hängen und sehen stimmungsvoll und urig aus.

Direkt über Reichenbach passiere ich den Naturparkplatz Am Talweg (noch mal ein herrlicher Blick übers Lautertal) und folge dann der gelben 2 und der gelben 1 geradewegs durch die gewaltigen Steinmassen des Felsenmeers (immer wieder beeindruckend) bis hinauf zum Parkplatz Römersteine am Nordende des Felsbergs.
Von hier aus geht´s dann rüber nach Beedenkirchen hinein, das still und friedlich unter dem hellgrauen Himmel in den Abend hineindämmert. Mitten durchs Dorf, dann links die Schlössergasse hinauf, zum Rosenweg am Waldrand.
Einer der schlimmsten Anstiege weit und breit, 25+% Steigung auf mehrere hundert Meter.
Bin ich schon gelaufen, heute muss das nicht sein – ich gehe ein bisschen, das ist bei so einem Neigungswinkel auch nicht viel langsamer und strengt etwas weniger an.

Oben angekommen muss ich dann nur noch dem Rosenweg folgen, durch die idyllischen Felder und Weiden an den Osthängen des Felsbergs zur Kuralpe, und schon bin ich durch, passend zum letzten Abendlicht, das noch einmal satt und warm wird, als die Sonne noch einmal für ein paar Minuten durch die Lücke zwischen Horizont und Wolkendecke sinkt.

Nix Besonderes, aber nett und angenehm. Das reicht heute.

Fotos von der Strecke habe ich heute übrigens mal keine eingebaut, wer sehen will, wie´s da ausschaut, kann sich aber gerne hier umschauen.

Strecke: 11,6 km
Zeit: Keine Ahnung
Neue Strecke: Keine
Karte:

M.

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