Laufwoche KW22 mit vier Touren in Ried, Kreis Offenbach, Rheinhessen und dem Odenwald (10,1 km/ 15,4 km / 11,4 km / 13,8 km)

13. Juni 2010

Die Laufwoche am Stück mit vier schön verteilten Läufen…
…ins Unwetter (Hessisches Ried vor der Haustür)
…in die unbekannten Waldgebiete jenseits von Darmstadt (südwestlicher Landkreis Offenbach)
…auf der Grenze zwischen Rheinhessen und der Pfalz (im Rahmen der Durchquerung von Rheinhessen)
…über die ersten paar Höhenrücken in den Odenwald (von daheim nach Beedenkirchen zum Sonntagsessen)

Na denn:
Mittwoch 09.06.: Schnelle gewittrige Standardrunde durch die Felder (10,1 km)
Der erste Lauf der Woche – nix Besonderes.
Nach der Arbeit zuhause angekommen, Wetter sieht ordentlich aus, Lauflaune ist vorhanden, also starte ich nochmal schnell in den drückend schwülwarmen Sommerabend. Standardstrecke, der klassische Flachlandrundkurs von Jugenheim über Seeheim, Schuldorf und Bickenbach, fast auf den Punkt genau 10 km.
Tut gut, sich nach dem langen Tag nochmal die Beine zu vertreten, die vertraute Streckenführung stört da nicht weiter.
Im Gegenteil, eigentlich sogar ganz angenehm, im Herzen des Heimreviers muss man beim Laufen nicht wach im Kopf sein, kann sich einfach treiben lassen, die Füße finden den Weg auch von alleine.


Nordwärts durch Jugenheim, an der Feuerwehr vorbei nach Seeheim rein, durch die Wohngebiete im südlichen Ortszipfel schließlich zum Schuldorf rüber, dort zwischen den inzwischen gar nicht mehr so vertrauten Schulgebäuden im Kiefernwald hindurch (jedesmal wenn ich hier vorbeikomme, ist es ein bisschen weniger meine gute, alte Schule und ein bisschen mehr ein fremder Ort. Spannend, aber auch ein bisschen traurig) und schließlich über die L3103 und auf dem Saar-Rhein-Main-Weg durch den Flachlandwald und die lange Schneise hinter der B3 bis zum Bickenbacher Bahnhof.
Hier schmore ich bereits im eigenen Saft, die bullenwarmen Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit schaffen gepflegte Saunaatmosphäre, alles klebt und schmiert ein bisschen, jeder Atemzug fällt ein klein wenig schwerer als er sollte – ehrlich gesagt bin ich schon ein bisschen froh, an diesem dampfigen, diesigen Sommerabend nur einen Zehner laufen zu müssen.

Abhilfe für die Witterung ist allerdings schon in Sicht, denn im Süden über dem Ried ist der Himmel nachtschwarz, aus den gewaltig aufgetürmten grüngraufinsteren Riesenwolken grollt es ominös und gleißend helle Blitze zickzackzucken hinunter in die Ebene. Stimmungsvoll, aber auch ein bisschen bedrohlich, denn das apokalyptische Unwetter zieht genau auf mich zu – und weit ist es nicht mehr entfernt.

Entsprechend lege ich ab dem Bickenbacher Bahnhof einen Zahn zu, hetze schwitzend und japsend durch die waschküchigen Felder hinter Bickenbach bis zur B3 hoch, wo ich auf den Weiherweg in Richtung Alsbach wechsle.
Das Unwetter ist nun schon fast da, hinter mir herrscht Schwärze, ich laufe, renne, sprinte so schnell ich kann vor der elektrischen Finsternis davon nach Norden, an den Straßenbahnschienen in Richtung Jugenheim, mit eingezogenem Kopf und gespannten Schulterblättern, die instinktiv damit rechnen, hier draußen jeden Moment von einem der immer häufer über den Himmel jagenden Blitze erwischt zu werden.

Kurz vor Jugenheim rechts, über die L3100 und den letzten halben Kilometer sanft aufwärts durch die Felder, während erste fette Regentropfen niedergehen, begleitet von immer mehr Finsternis, Blitz und Donner. Eigentlich kann ich nicht mehr, fix und fertig, kriege kaum Luft, eingehüllt in eine staubige Schicht klebrigem Schweiß, doch das dräuende Unwetter treibt mich den flachen Hang hinauf, dann links, wo der trügerische Schutz der ersten Jugenheimer Häuser mich ein bisschen aufatmen lässt, bevor ich 200 m. später schließlich fix und fertig vor dem heimischen Hoftor stehe und mich gerade noch so in die Haustür retten kannen, bevor draußen die gewittrige Sintflut losbricht.

Puuh. Anstrengend. Aber ausnahmsweise war ich mal nicht zu langsam für ein Unwetter. Das lässt doch hoffen… 😉

Strecke: 10,1 km
Zeit: Dank Rennen gegen das Unwetter unter einer Stunde
Neu Strecke: Nö
Karte:

Freitag 11.06.: Lauf in den Feierabend: Koberstädter Wald und Egelsbach (15,4 km)
Hach, irgendwie isses ja wirklich total nett, am Ende einer langen Arbeitswoche das Wochenende mit einer schönen Runde einzuläuten – vor allem natürlich, wenn Sommer ist und der Freitagabend Sonne und wohlige (wenn auch etwas feuchten) paarundzwanzig Grad zu bieten hat.
Sogar noch netter wird´s dann noch, wenn die besagte schöne Runde mittenrein ins Unbekannte führt, auf Wegen, die man noch nie zuvor gelaufen ist.

Und genau das mache ich jetzt seit ein paar Wochen am Freitagabend: Tagsüber bin ich ja eh in Darmstadt und arbeite, da bietet sich´s nachgerade an, nach Feierabend nicht direkt heimzufahren, sondern in die entgegengesetzte Richtung: Nordostwärts, in die weitgehend unbekannten Grenzgebiete der Landkreise Darmstadt-Dieburg und Offenbach, die ich in bisher beim Laufen sträflich vernachlässigt habe, weil von zuhause aus immer so ein bisschen die Stadt im Weg ist.
Da gibt´s nämlich noch ganz viel zu erlaufen: Riesige Waldgebiete in minimal gewelltem Hügelland, dazwischen kleine und größere Orte, die ich zwar dem Namen nach kenne (zumindest die meisten) aber noch nie so richtig besucht habe, obwohl sie eigentlich gar nicht so weit weg von daheim sind. Da draußen wartet eine ganze Region darauf, entdeckt zu werden-Superspannend, das.

Entsprechend hab´ ich mir auch für heute Abend wieder eine schöne Runde rausgesucht: Durch den Forst am nordlichsten Rand des Darmstädter Stadgebiets (nördlich der GSI), dann hoch in den Koberstädter Wald, irgendwann über die Autobahn ins Offene und rüber nach Egelsbach, von dort aus dann via Bayerseich zurück nach Süden.
Unkompliziert aber reizvoll, wenn auch etwas hastig geplant (für ausführliche Planung fehlt´s mir momentan ja so ein bisschen an Zeit) – wie weit es genau ist, weiß ich gar nicht. Schätze die Strecke so auf 11 bis 13 km und liege damit gleich mal gut daneben (denn am Ende sind´s über 15) – „egal, das wird schon“ denke ich mir, und mache mich schließlich so gegen halb Sieben auf die Socken.

Ich starte auf dem etwas einsamen Waldparkplatz, der im Forst nördlich von Wixhausen an der B3 liegt.
Und zwar erstmal ostwärts.
Tiefer in den Wald rein, erstmal immer schön der schnurgeraden Hanauer-Stein-Schneise hinterherer (Hanauer-Stein-Schneisen-Weg, gelbe 10).
Lässt sich seltsam an der Lauf: Irgendwie fühle ich mich heute seltsam leicht und ein klein wenig wattig im Kopf, gleite mit einem losgelösten, abwesenden Gefühl durch den schwülwarmen Sommerabend, so als wären das gar nicht meine Beine, die da den bequemen Weg im grünen Schatten des Blätterdachs entlangstampfen – fühlt sich komisch an, nicht unangenehm aber mit einer leichten, tauben Zittrigkeit unter dem eigentlich sehr runden Laufrhythmus, die sich offenbar entschieden hat, ob sie im Laufe der Tour verschwinden oder stärker werden will.
Wie gesagt: Fühlt sich seltsam an, ist aber nicht unangenehm.

Ich überquere den fröhlich durch den Wald rauschenden „Wilden Graben“ und wechsle an der nächsten Kreuzung rechts runter auf die paralllel verlaufende Lange Schneise, der ich weiter ostwärts durch den Wald folge.

Der Name passt. Mehr als Dreieinhalb Kilometer laufe ich einfach nur geradeaus der Schneise hinterer, links Wald, rechts Wald, vorne Wald, hinten Wald. Zieht sich ein wenig, ist aber verdammt hübsch, und angesichts der sommerlichen Temperaturen, hohen Luftfeuchtigkeit und der Tatsache, dass ich nichts zu trinken dabeihabe, bin ich sehr dankbar, dass ich hier im kühlen Schatten der Bäume laufen kann. Bloß stehenbleiben darf man nicht, denn der Wald ist feucht und tümpelig hier, wer da zu langsam wird, der riskiert von den Schnaken aufgefressen zu werden.

Nach einer weiteren kleinen aber netten Ewigkeit erreiche ich meine Abzweigung, auf der ich links abbiege und dem roten Quadrat des Main-Stromberg-Wegs nach Norden Folge. Natürlich durch den Wald. Natürlich eeewig lang.
Aber schön abwechselnd, mit ein paar Schlenkern, dem einen oder anderen Wechsel der Untergrundbeschaffenheit (von weichem Waldweg zu rissigem Asphalt und wieder zurück) und relativ vielen Radfahrern, mit denen ich jeweils ein freundliches Nicken austausche (Anfang vom Wochenende, wir sind alle entspannt und gut gelaunt hier draußen…).

Nach einem guten Kilometer überquere ich die Benzenwiesen, einen schmalen aber unglaublich schönen Schilf- und Wiesenstreifen mitten im Wald, der zugleich die Grenze zwischen dem Darmstädter Stadgebiet und dem Landkreis Offenbach markiert.
Jetzt bin ich wirklich daußen im Unbekannten, hier kenne ich mich gar nicht mehr aus. Fühlt sich gut an.

Weiter nordwärts, weiter im tiefen, sonigschattigen und von Vogelgesang erfüllten hübschen Flachlandforst.
Das hier ist jetzt der Koberstädter Wald, einstiges Zentrum der Koberstadt-Kultur, einer geheimnisvollen (vermutlich) keltischen Volksgruppe, die vor fast 3000 Jahre unzählige Hügelgräber hinterlassen hat, die hier irgendwo zwischen den turmhohen Eichen und Buchen im Dickicht schlummern (zu sehen ist leider nichts, aber diese uralten Grabgruppen im Wald kann man mit bloßem Auge meist eh nicht erspähen).

Nach anderthalb Kilometern erreiche ich eine hübsche sonnige Lichtung im Wald, auf der laut meiner Wanderkarte das „Koberstädter Falltorhaus“ stehen sollte. Tut es aber nicht. Stattdessen gibt es nur eine alte Handpumpe (die kein Wasser mehr pumpt, wie ich feststelle, als ich ein paar mal experimentell den Hebel bediene, in der vagen Hoffnung, ein bisschen trinkbare Flüssigkeit für meine trockener werdende Kehle zu erzeugen) und eine Tafel.
Die erklärt, dass hier früher mal ein altes Forsthaus aus dem 19. Jahrhundert gestanden hat, dass einen kleinen Biergarten hatte und ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer, Spaziergänger und Radfahrer war, bevor man es abgebrochen hat.
Das war 2007.

Nochmal zum Mitschreiben:
Wildromantisches altes Forsthaus mitten im Wald, in toller Lage und in uriger Ausflugsgastronomie – abgerissen.
Und zwar nicht irgendwann in den Siebzigern oder Achtzigern, als man sich einen Dreck um sowas geschert hat, nein, vor gerade mal drei Jahren.
Traurig, oder? (Vielleicht gab´s ja gute Gründe dafür, aber die stehen nicht auf der Tafel…).

Zu trinken gibt´s nicht, das nicht mehr existente Forsthaus (das wohl so ausgesehen hat) ist auch nicht soo spannennd, also mache ich mich wieder auf den Weg: Direkt nach der Lichtung links und auf der Langer-Steinkaut-Schneise bis zum weißen Tempel , einer etwas pilzartig anmutenden und dezidiert nicht weißen Waldhütte, die früher mal dem lokalen Adel bei Jagden als Unterstand gedient hat, dann rechts die Höllschneise hoch (Regionalparkweg) und schließlich links auf der Brandschneise über die A661, die hier ihren Anfang nimmt und über Offenbach bis Bad Homburg weiterläuft.

Dahinter ist Schluss mit Wald, es geht in die Felder und Wiesen östlich von Egelsbach.
Hübscher als ich erwartet habe, eine abwechslungsreiche Landschaft mit Kleingärten, Buschland, kleinen Baumgruppen und kleinen Getreidefeldern, hinter denen sich die Hochhäuser von Langen (in der Nähe) und die charakteristische Silhouette des Taunus (in der Ferne) abzeichnen.
Hübsch, und sogar recht angenehm, dank der Schleierwolken am Himmel, die die immer noch kräftige Abendsonne abmildern und so verhindern, dass ich zu schnell ausdörre wie eine Trockenpflaume.

Mittendurch auf dem Radweg 10, erst ein bisschen linksig durch die Felder, dann ein bisschen rechtsig an Gärten vorbei (in einem trommelt jemand laut und gekonnt, in einem zum Laufen perfekten Rhythmus, den ich unwilkürlich annehme), bis ich die Darmstädter Landstrasse am Ortsrand von Egelsbach ankomme, das ruhig und friedlich in den sommerlichen Freitagabend schlummert.

Ein paar Meter rechts gibt´s hier eine Tankstelle (mit der freundlichsten Tankstellenkassiererin, die mir seit langem untergekommen ist), dort gönne ich mir erstmal eine hochverdiente Colapause um meine trockene Kehle wieder etwas zu befeuchten, bevor ich mich wieder auf den Weg mache und Egelsbach auf Friedrich-Ebert-Str., Jahnstr. und Woogstr. in südlicher Richtung durchquere.
Erstmal ruhige Wohngebiete, mittelalte oft schmucklose Häuser, gepflegte Gärten.
German Suburbia, wie das eben so ist mitten im Speckgürtel des Ballungsraums, gerade mal 10 Kilometer von Darmstadt und 15 km von Frankfurt und Offenbach entfernt.
Mir gefällt´s, zumindest heute – an einem lauen, freundlichen, angenehmen Sommerabend wirkt das alles wunderbar friedlich und heimelig, da fühlt man sich beim Durchlaufen richtig wohl (wenn´s kalt und grau und regnerisch wäre, würde ich vielleicht anders denken…).

Egelsbach ist dann irgendwann kurz fertig und fängt dann sofort wieder an, mit dem großen Industrie- und Gewerbegebiet Bayerseich. Das ist jetzt wirklich nicht idyllisch, doch selbst die charmlose Ansammlung von dänischen Bettenlagen, Provinzmediamärkten, Autowerkstätten, Tooms und Aldis kann mir meine wohlwohllende Sommerabendslaune nicht verderben. Im Gegenteil – im milden Licht der schrägen Abendsonne und meiner nicht minder milden Gemütslage gefällt mir selbst das irgendwie.
Alles gut, alles hübsch, alles prima.
Sommer eben… 😉

Am Ende des Gewerbeparks folgt noch ein weiteres Wohngebiet (auch Bayerseich) mit üppig grünen Gärten und eng aneinandergekauerten Doppelhaushälften, das ich auf dem Kurt-Schumacher-Ring durchquere. Ein zwischenzeitlicher Versuch, hinter den letzten Häusern auf einen schummrig-stimmungsvollen Fußpfad am Ufer des Hegbachs auszuweichen misslingt leider (irgendein Trottel hat Feuerdorn geschnitten und gerade über seinen Gartenzaun auf den Pfad geworfen, da ist kein Durchkommen, zumindest nicht ohne Epidermisperforation), also schlage ich mich eben zwischen den Häusern bis zur B3 durch, die ich über den Parkplatz eines hübschen Biergartens erreiche.

Jetzt nur noch kurz am Strassenrand nach Süden, dann wieder in den dunklen, schattigen Wald rein und die Bayerseich-Schneise runter, die nach 880 angenehmen Meterchen wieder auf die Hanauer-Stein-Schneise trifft, der ich dann bis zum wartenden Auto folge.

Uund fertig.
Richtig schöne Tour, erfrischend, interessant, unaufgeregt und in der (relativen Fremde).
Genau das richtige zum Ende der Arbeitswoche, jetzt kann das WE kommen!

Strecke: 15,4 km
Zeit: Nicht genommen
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 92,92% (14,31 km von 15,4 km)
Karte:

Samstag 12.06.: Die Durchquerung von Rheinhessen: Offstein – Grenze zur Pfalz – Heppenheim an der Wiese (11,4 km)
Samstagnachmittag überm Rhein, das nutze ich natürlich aus, um mein spannendes Projekt der „Durchquerung von Rheinhessen“ voranzutreiben.

Viel Aufwand will ich mir heute allerdings nicht machen, deshalb verzichte ich auch schon letzte Woche wieder darauf, das fehlende Nordende der Durchquerungsstrecke im weit entfernten Mainzer Hinterland anzugehen.
Stattdessen halte ich mich lieber an den deutlich näher liegenden Süden, wo mir nach dem Lauf nach Offstein vom letzten Samstag noch ein kleines Stückchen bis zur Grenze der Pfalz (und damit dem südlichen Ende von Rheinhessen) fehlt.

Auch heute wieder: Keine vorher festgelegte Route, stattdessen halb vorbereitete Improvisation mit Streckenplänchen vor Ort, das hat beim letzten Mal ja auch ganz gut geklappt.
Um kurz nach Fünf bin ich im hübschen Weindörfchen Offstein im südlichsten Zipfel Rheinhessens, stelle das Auto in der Hohen-Sülzer Str. ab, und starte durch.

Übrigens ein herrlicher Sommertag, 26,5°, Sonnig, blauer Himmel mit gelegentlichen Wolkengrüppchen, trocken.
Tolles Laufwetter.

Ich verlasse Offstein in westlicher Richtung auf der Neu-Offsteiner Str. und steuere am Rand der L395 geradewegs auf die riesigen Verarbeitungsanlagen der Neu-Offsteiner Zuckerfabrik zu, die bereits auf Pfälzer Territorium liegt.
Bevor ich allerdings in die Pfalz überwechseln kann, geht´s links in einen kleinen schlammigen Wirtschaftsweg, der an einer Gärtnerei vorbeiführt und mich dann geradewegs in die weiten, sonnigen Felder im Niemandsland zwischen den Regionen führt.

Herrlich!
Ich hab´s ja schon beim letzten Mal geschrieben, aber es gehört einfach noch mal wiederholt: Dieses Land ist für den Sommer gemacht. In der kalten Jahreszeit wirkt die Landschaft hier drüben allzuoft trist und abweisend, doch an einem strahlenden, warmen Junitag wie heute ist sie einfach nur atemberaubend schön: Oben der riesige, weite Himmel, leuchtend blau und durchsetzt mit schimmernden Schäfchenwolken, unten schier unendliche goldgrüne Getreidefelder bis zum leicht hügeligen Horizont, die leicht im sanften, frischen Sommerwind wogen. Dazu ist es ruhig und friedlich, die vorherrschenden Geräusche sind das Rascheln der Ähren, das Zirpen der Grillen und der Gesang der Feldlerchen, die Luft riecht nach Heu und Sommer. Über allem hängt eine trockene, wohltuende Wärme, nicht unangenehm heiß, sondern wohlig warm, die ganze Ebene erstrahlt praktisch im hellen Licht de Nachmittagssonne.
Wie gesagt: Sommerland. Richtig, richtig schön!

Ich halte mich grob südwärts, laufe einen holprig-grasigen Wirtschaftsweg zwischen Gerste und Kohlrabi, Spargel und Roggen entlang, der laut Wanderkarte zugleich die Grenze zwischen den Regionen markiert – mit dem linken Bein bin ich in der Pfalz, mit dem rechten in Rheinhessen.
Markierungen gibt´s natürlich nicht, dafür aber jeden Menge Fauna – Rehe, Fasane, Ringeltauben und Unmengen von schlaksigen Feldhasen treiben sich hier draußen rum, einmal scheuche ich Vorbeilaufen sogar eine Wachtel auf.
Auch das: Wunderbar. Mir geht´s richtig gut hier.

Irgendwann knicke ich langsam nach links ab, überquere eine einsame Landstrasse irgendwo im hellgrünen Nichts der Felder zwischen Offstein und Dirmstein und laufe nach Osten. Nicht mehr direkt auf der Grenze zwischen Rheinhessen und der Pfalz, aber immerhin beinahe. Sieht auch so aus hier: Links, auf rheinhessischem Grund, ziehen sich lange, gerade Rebenreihen bis zur nächsten sanften Hügelkuppe hinauf, als wollten sie signalisieren, dass hier Deutschlands größtes und ertragreichstes Weinbaugebiet beginnt. Rechts hingegen öffnet sich die Vorderpfalz, als eine der großen Kornkammern des Landes standesgemäß mit nicht endenwollenden sonnigen Äckern und Feldern voll Gemüse und Getreide, das sich leicht im warmen Sommerwind wiegt.
Schön. Einfach nur schön.

Noch besser ist allerdings der Blick in zum Horizont, aus dem flachen Hügelland im Herzen der Rheinebene bis hin zu den fernen, wunderschönen Bergketten, die die Grenzen meiner geografischen Lebensmitte bilden: Direkt voraus, ostwärts, jenseits des unsichtbaren Rheins, erhebt sich die Bergstrasse, glasklar gegen den hellblauen Himmel abgezeichnet und von hier aus in ihrer gesamten, wunderschönen Länge erkennbar: Ganz im Norden Frankenstein und Ilbeskopf, hinter denen ganz schwach die weiß schimmernden Windräder auf der fast 40 km entfernten Neutscher Höhe zu erkennen sind. Rechts davon die Zwillingshöhen von Melibokus und Felsberg, dahinter die breite Neunkircher Höhe und der Krehberg. Dann folgen die herrlichen Hügel hinter Bensheim und Heppenheim, noch weiter südlich erkennt man die Tromm über dem Weschnitztal und den riesigen Steinbruch im Wachenberg über Weinheim. Und schließlich dann der Ölberg bei Schriesheim, der weiße Stein im Odenwald hinter Dossenheim, der mächtige Königstuhl über Heidelberg und dem Neckartal, nach dem sich die Bergstrasse dann ganz langsam ins ferne Hügelland des Kraichgau absenkt, während davor die Türme, Hochhäuser und Schornsteine von Mannheim und Ludwigshafen in der Sonne funkeln.
50 Kilometer Mittelgebirge, aufgezogen wie auf einer Perlenschnur, wunderbar.

Hinter mir, im Südwesten, das zweite große Mittelgebirge auf der anderen Seite des Rheintals: Haardt und Pfälzerwald, näher und steiler als die Bergstrasse, dunkelgrün und halb Vertraut, mit ein paar Turmbekrönten Gipfeln, die ich letzten Sommer erlaufen habe: Weilerskopf, Peterskopf, Weinbiet, unter denen das Land in die langen, flachen Hügel der Vorderpfalz übergeht. Nördlich davon dann der allgegenwärtige Donnersberg, lang, mächtig, diesig, umgeben von den niedrigeren Höhenzügen des Nordpfälzer Berglandes, die sich irgendwann im Dunst verlieren.

Und schließlich links, im Norden, Rheinhessen. Das Land der 1000 Hügel, geschwungen, idyllisch, mit wunderschönen kleinen Dörfchen und Wäldern aus hell glimmernden Windrädern, hinter denen ganz weit entfernt sogar noch der Taunus über dem Rheingau zu erkennen ist.

360°-Panorama auf eine (meine) der schönsten Regionen des Landes, und ich bin mittendrin, umgeben von angenehmer Wärme, säuselndem Wind, dem Zirpen der Grillen und dem Geruch des Sommers.
Fühlt sich an wie eine kleine, feine Portion Glück.

Der Weg nach Osten durch die Weite ist lang, mehr als drei Kilometer Gerade, erst auf staubigen und teils schlammigen Feldwegen, dann auf leicht holperigem Asphalt. Erst als vor mir langsam das graue, rauschende Band der A61 in Sicht kommt, biege ich schließlich links ab und folge einem Busch- und Baumgesäumten Asphaltweg Nordwärts bis in den pastoralen Wormser Ortsteil Heppenheim an der Wiese, der in eine flache Mulde zwischen die weinbewachsenen Hügeln gekauert ist.

Hier herrscht samstagnachmittägliche Siestastimmung: Die schmalen Strassen zwischen den alten Feldsteinhäusern sind leer, bis auf mich und ein paar tschilpende Spatzen scheint niemand unterwegs zu sein. Hat was, diese friedlich-entspannte Atmosphäre (auch wenn sie von finster dräuenden Unwetterwolken gestört wird, die langsam aber sicher aus Nordwesten hier runter driften – allerdings nicht schnell genug, um zum Problem zu werden, entsprechend verzichte ich aufs Abhetzen. Hätte ich eh keine Lust zu).
Ich durchquere den Ort der Breite nach, erst den Frankenthaler Weg hoch, über die etwas breitere Wormser Landstrasse (auf der man fast ein paar vorbeitreibende Tumbleweeds erwarten würde [tatsächlich driftet aber nur ein tiefergelegter Gold mit flatternden Deutschland-WM-Fähnchen vorbei]), dann den schmalen und leicht ansteigenden Fasanenweg hoch, der mich schnell in die Weinhügel nördlich des Ortes bringt.

Hier biege ich dann noch ein letztes Mal links ab, auf ein staubiges, unmarkiertes Weinbergswegchen, das mit moderatem Auf und Ab über Heppenheim westwärts führt, eine letzte kleine Kuppe überquert, und mich schließlich am östlichen Zipfel von Offstein deponiert. Von hier sind´s dann nur noch ein paar hundert Meter, leicht bergab auf Schulstr. und Pfeddersheimer Str., erst durchs Neubaugebiet dann durch den alten Ortskern mit der hübschen kleinen Martinskirche, bis ich wieder am Auto ankomme – frisch, entspannt und hochzufrieden, genauso wie man sich nach einem so Lauf fühlen sollte.

Strecke: 11,4 km
Zeit: Egal
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 98,6% (11,24 km von 11,4 km)
Karte:

Sonntag 13.06: Anspruchsvolle Bergtour in die Berge hinterm Haus: Jugenheim – Lufthansa – Ober-Beerbach – Kuralpe – Beedenkirchen (13,8 km)
Uund Sonntag.
Letzter Lauf der Woche, bis zu den 50 WKs, die ich gerne mal wieder erreichen würde, fehlen noch 13 Kilometerchen.
Sollte eigentlich machbar sein, zumal ich zum Mittagessen im Gasthaus „Zum Felsenmeer“ im Beedenkirchen im Odenwald verabredet bin und natürlich hochlaufen werde.
Einziges Haken: Von zuhause bis Beedenkirchen sind´s keine 13 km, zumindest nicht wenn ich den kürzesten Weg via Heiligenberg, Vogelherd und Kuralpe nehme. Entsprechend muss kurzfristig noch ein bisschen Extrastrecke her, um das Pensum voll zu machen. Ist aber kein Problem, schnell einen Schlenker über Seeheim, den Tannenberg und Ober-Beerbach eingebaut und schon passt´s. Ist sogar ein klein wenig neue Strecke dabei, da gibt´s also nix zu Meckern.

Aufbruch um kurz vor halb zwölf. Sind zwar nur geschätzte 13 bis 14 km, aber die meiste Zeit geht´s bergauf, entsprechend plane ich lieber mal ein bisschen mehr Laufzeit ein.

So richtig gut lässt sich´s leider nicht an – trotz dünner Schleierwolken eigentlich frischer 16° ist mir von Anfang an ein bisschen zu warm, meine Beine fühlen sich etwas schwer und unwillig an, der rechte Rhythmus mag sich nicht einstellen.
Vielleicht liegt´s ja daran, dass das jetzt nach Freitagabend und Samstagnachmittag mein dritter Lauf binnen 40 Stunden ist, oder vielleicht hab´ ich auch einfach nur einen nicht ganz so guten Tag erwischt.
Was auch immer es sein mag, das wird anstrengend heute…

Zuerst geht´s ja noch: Jugenheim durchquere ich ganz normal auf dem Blütenweg via Pauerweg, Hauptstr. und Seeheimer Str., in der ich dann rechts den extrem steilen Aufgang zum Wald hinaufschnaufe. Erster Vorgeschmack, fällt verdammt schwer. Argl.

Danach fällt´s aber erstmal wieder leichter, ich folge dem schönen, blasssonnigen Panoramaweg am Waldrand über Jugenheim und Seeheim bis zum Aufstieg zur Lufthansa, den ich mich dann stampfend, ächzend und stockend hinaufquäle (wir merken am Wortlaut: Der is´ wieder gut steil…).

Oben angekommen passiere ich die blockigen Gebäude des Lufthansa-Komplexes, folge der Fahrstrasse in Richtung Ober-Beerbacher Tal, und biege schließlich vor der letzten Kurve rechts auf den Tannenbergweg (gelbe 5 ab), der mich an der schattig bewaldeten Nordflanke des Tannenbergs bis zum Saar-Rhein-Main-Weg (gelbes Plus) bringt, dem ich dann wiederum über den aufsteigenen Höhenrücken des Kniebrecht und durch die wunderschönen Wiesen und mit blökenden Schafen gespickten Wiesen über Wallhausen bis hinauf zum Rand des Ober-Beerbacher Talkessels folge (auch hier wieder: Teils mit happigen Steigunswinkeln, das passt weder meinen quengelnden Waden noch meiner lustlosen Lunge).

Dort dann wieder bergab. Adieu sauer erschwitzte Höhenmeter, es geht geradewegs den steilen Hohlweg abwärts in Richtung Dorf, noch ein kleiner Bonusschlenker auf einen unbekannten Pfad über den letzten Häusern, dann runter und nach Ober-Beerbach rein. Ein paar Meter auf der extrem schmalen Erbacher Str. nach rechts, dann wieder links und auf dem (natürlich!) fett ansteigenden Lokalweg OB3 in die herrlichen, gelbblauweißblühenden sommerlichen Hangwiesen am Nordrand des Talkessels. Hier gibt´s sagenhafte Blicke über Ober-Beerbach, das entschädigt zumindest teilweise für den wummernden Puls und die steifen, unwilligen Haxen.

Am Grubenberg wechsle ich nach rechts auf einen unmarkierten aber bannig hübschen Wiesenweg, der am Rand des kühlen Eichenwaldes ostwärts führt und schließlich durch frischgemähte Hangweiden zum Wald über den Sauteichen führt, wo ich mich irgendwie weiter bergauf (ächz) bis zur Hutzelstrasse auf dem Höhenrücken durchschlage.
Meine Fresse, das strengt ordentlich an. Nur gut, dass hier alles so abgrundtief apart ist, das macht´s wirklich ertäglicher.

Auf der Hutzelstrasse wird´s dann dankenswerterweise ganz unkompliziert: Einfach immer schön nach Süden (Europ. Fernwanderweg 1/weißes Andreaskreuz, später dannn auch Saar-Rhein-Main-Weg/gelbes Plus), über den Höhensattel der nördliche Neutscher Höhe und den tiefen Wald am Steigerts (wo ich mir noch mal einen kleinen Schlenker auf der gelben 8 [Steigerts-Weg] um die Bergkuppe gönne, nur zur Sicherheit, damit´s auch wirklich 13 km werden), dann tendenziell abwärts durch die herrlichen Bergweiden an der Kohlwiese, von denen aus sich immer wieder grandioseste Ausblicke sowohl runter in die Rheinebene als auch tiefer in den Odenwald hinein bieten. Wun-der-bar!!!
Weniger wunderbar: Meine Waden beschweren sich inzwischen auch beim abwärts laufen, frei nach dem Motto:
Sind die Beine hart und schmerzig
läuft´s auch bergab meist nicht so herzig

Autschie!

Entsprechend froh bin ich, als ich endlich die Kuralpe erreiche. Nur noch ein oder zwei Kilometer, ein Katzensprung auf dem wunderschönen aber arg holprigen (aua) Rosenweg, der sich um die wiesige Nordflanke des Felsbergs herum windet um sich direkt danach mit beeindruckendem Gefälle hinab nach Beedenkirchen zu stürzen (normalerweise lauf´ ich hier ja meist bergauf, heute bin ich allerdings heilfroh, dass dieser Kelch mit seinen hunderten von Metern mit 25% – 30% Steigung an mir vorbeigeht…).

Runter ins Dorf, die letzten Meter auf der Schlössergasse in den Ortskern, dann ist es geschafft (ich bin´s übrigens auch):
Einlauf am Gasthaus Zum Felsenmeer, wo ein deftig-preisgünstig-leckeres Sonntagsmenü (Grünkernsuppe, Salat, Schweizer Schnitzel mit Kroketten, Eis) und der obligatorisches Humpen Nachdemlaufenergieauffrischungscola warten. Mhhh, guut!

Strecke: 13,8 km
Zeit: Pfft. Irgendwas.
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 16,67% (2,3 km von 13,8 km)
Karte:

Und das war dann die Laufwoche.
Bestimmt nicht die Schlechteste… 🙂

M.

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3 Antworten to “Laufwoche KW22 mit vier Touren in Ried, Kreis Offenbach, Rheinhessen und dem Odenwald (10,1 km/ 15,4 km / 11,4 km / 13,8 km)”

  1. Laufhannes Says:

    „im Herzen des Heimreviers muss man beim Laufen nicht wach im Kopf sein“ – gelobt sei das Laufen am frühen Morgen – oder wie darf man das verstehen? *grins*


  2. […] du je! War mein letzter Samstagsmittagslauf in Rheinland-Pfalz wirklich im Juni? Da wird´s aber mal wieder höchste Zeit, dass ich in die Hügel jenseits des Rheins […]


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