Jubiläumslauf über den Main: Otzberg – Breuberg – Obernburg (28,2 km; mit Fotos)

1. Juli 2010

Heidenei!
Vor genau drei Jahren, am Ersten Juli 2007, ist der Laufblog online gegangen, mit einem sehr kurzen und etwas dürren Laufbericht von einer Tour auf den Frankenstein, den Ingo verfasst hat.
Kommt mir irgendwie gar nicht so lange vor. Irgendwie aber dann auch wieder doch, oder vielleicht sogar viel länger…

Anyhow (wie man in der anglophonen Welt zu sagen pflegt): Laufbloggeburtstag, das bedeutet spätestens seit letztem Jahr, dass ich die Schuhe schnüre und eine besonders interessante und gerne auch ein bisschen weitere Jubiläumstour laufe, natürlich irgendwo, wo ich vorher noch nie gewesen bin.

Fragt sich nur noch: Wohin eigentlich?
Möglichkeiten gibt´s ja eigentlich genug: Die Durchquerung von Rheinhessen steht eigentlich nur noch einen Lauf vor dem Abschluss, ebenso der Weg nach Frankreich. Außerdem müsste die Tour über den Tellerrand endlich mal wieder weitergeführt werden, in den Taunus würd´ ich auch gerne mal wieder, oder in den Rheingau oder auch gerne mal von Heidelberg aus neckaraufwärts in Richtung Katzenbuckel, den ich ja immer noch nicht erlaufen habe.

Alles total nette und reizvolle und spannende Optionen, die aber allesamt ein großes Manko mitbringen: Sie sind weit weg von zuhause.
Was kein Problem wäre, wenn der Laugbloggeburtstag dieses Jahr nicht Donnerstags wäre und ich arbeiten müsste.
Tut er aber, muss ich aber, deshalb ist das alles irgendwie ein bisschen viel Aufwand, trotz der zwei Stunden früher Feierabend, die ich mir extra für den Anlass rausgehandelt habe.

Deshalb suche ich mir dann doch eine vermeintlich nähere und weniger aufwändige Strecke aus: Nördlicher Odenwald, von der Veste Otzberg aus (erlaufen im März mit Gerd) immer nach Osten, über Breuberg (Burg) und Breuberg (Gemeinde) bis rüber nach Obernburg am Main, das bereits mitten in Franken liegt.
Passt dann auch irgendwie wieder ganz gut, schließlich hab´ ich auch zum zweiten Bloggeburtstag einen Lauf über die bayerische Grenze gemacht, warum also auch nicht zum dritten?

Irgendwann zwischen vier und fünf mache ich mich auf den Weg, raus aus Darmstadt und nach Osten ins freundliche Hügelland vom Altkreis Dieburg. Sieht hübsch aus, mit seinen sanft gewellten Dellen und Kuppen, auf denen goldgelbes Getreide im warmen Sommerwind wogt. Weniger hübsch sind allerdings die allgemeinen Wetterbedingungen: Temperaturen jenseits der 30°, dazu ist es so extrem dampfig und diesig, dass einem bereits beim Autofahren der Schweiß in Strömen aus den Poren rinnt, ganz zu schweigen von einer suboptimalen Fernsicht.
Das wird heiß und extrem anstrengend heute, soviel ist schon mal klar…

Als Startpunkt habe ich mir heute den Otzberger Ortsteil Hering gewählt, ein kleines historisches Höhendorf an den Hängen des markanten Vulkankegels Otzberg, auf dessen Spitze die gleichnamige Burg über der Dieburger Bucht thront.
Auto auf einem kleinen Parkplatz am oberen Ende der Odenwaldstr. abstellen,…

Bild #1: Am Start: Odenwaldstr. in Hering

…auf dem Beifahrersitz in die Laufklamotten pfriemeln, Mütze auf, Sonnencreme drauf, Trinkgürtel um die Hüften, dann geht´s auch schon los mit dem Jubiläumslauf.

Lässt sich nicht schlecht an, auch wenn´s bei brütender Hitze unter den staubig-gedämpften Strahlen der Nachmittagsonne tatsächlich vom ersten Schritt an extrem schweißtreibend ist.
Macht aber nix, ich komme eigentlich ganz gut klar, lediglich mein armer alter Foto, der sich ja schon seit längerem sehr schwer mit Belichtung und Farbechtheit tut, kommt mit dem eigentlich sehr hellen aber diesigen Licht aus dem unifarben gräulichbläulichhellen Himmel nicht so besonders klar – aber da muss er jetzt halt noch durch…

Nach ein paar Metern erreiche ich die Kreuzung mit Zinselgasse und Groß-Umstädter Str. am Westrand des beschaulichen Heringer Ortskerns, hinter der die steilen Otzberghänge zum Hügelland hin abfallen:

Bild #2: Kreuzung am Ende der Odenwaldstr.: Links die Zinselgasse, durch die man Lengfeld am Fuß des Berges erkennen kann, rechts die Groß-Umstädter Str., durch die man einen netten Blick auf die Odenwaldausläufer vor Groß-Umstadt hat

Hier biege ich links ab – wenn ich schon mal da bin, dann nehme ich natürlich auf die Burg mit, zumal es bei meinem letzten Besuch ja arg kühl und nass gewesen ist.
Also aufwärts: Durch die schmale historischen Gassen den Burgweg hoch…

Bild #3: Burgweg

…vorbei an den strahelndweißen Heringer Kirche…

Bild #4: Kirche unter der Veste Otzberg

…durch die Obergasse, von der aus sich bereits ein sehr ordentlicher Blick über die weite Dieburger Bucht bietet…

Bild #5: Blick von der Heringer Obergasse über die Dieburger Bucht: Mittig links am Horizont kann man das Kraftwerk Staudinger am Mainufer erkennen, rechts davor liegt Groß-Umstadt, noch weiter rechts und näher erkennt man das Dörfchen Zipfen. Die dunstigen Berge im Hintergrund gehören bereits zum Spessart.#

…schon leicht keuchend und dampfend die gepflasterten Treppen am Burgberg hinauf, und schließlich durch das Haupttor an der Nordseite der Burganlage…

Bild #6: Eingang der Veste Otzberg

…in den Innenhof der Veste:

Bild #7: Mittig der Bergfried (aka „Die weiße Rübe“), dahinter Korporalshaus und Pallas

Immer wieder hübsch hier oben – im Gegensatz zu den meisten anderen mittelalterlichen Festungsanlagen in der Umgebung wurde der Otzberg nie vollständig zerstört oder geschleift, sondern bis in die frühe Neuzeit unter wechselnden Besitzern aus- und weitergebaut. Erst im 19. Jahrhundert wurde sie schließlich als Militärstützpunkt aufgegeben und begann zu verfallen, ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde viel restauriert und neu aufgebaut, so dass die Burg heute einen sehr netten Anblick abgibt.
Und natürlich auch einen netten Ausblick, denn sie sitzt ja auf der Spitze eines spitzen Vulkankegels am Rand des Odenwalds, der das hügelige Umland um ein- bis zweihundert Meter überragt:

Bild #8: Trotz dunstkomprommitierter Fernsicht – grandiose Aussicht von der Burgmauer nach Westen und Norden:
Ganz links vorne Ober-Klingen, dahinter Groß-Bieberau, dahinter Wersau, überragt vom länglichen Rücken der Neunkircher Höhe. Rechts davon am Horizont erkennt man den Felsberg und den Melibokus, dann die Neutscher Höhe (ganz schwach sichtbar: Die Drei Windräder) und schließlich das Frankenstein-Massiv. Im Mittelgrund (übernächstes Tal) Groß-Bieberau, rechts davor Nieder-Klingen. Rechts dahinter und wieder im Mittelgrund Reinheim, Spachbrücken, Zeilhard/Georgenhausen und der Rossberg, während am fernen Horizont schemenhaft der Taunus sichtbar ist. Noch weiter rechts dann die flacher liegenden Orte am Rand des großen Waldes: Groß-Zimmern (dahinter der Sendeturm auf der Moret) und Dieburg.
Schräg davor dann noch Habitzheim, über dem sich am Horizont die Frankfurter Skyline erahnen lässt, und schließlich ganz rechts vorne Lengfeld am Fuß des Otzbergs, dahinter Semd und schließlich die vollkommen unbekannten nordöstlichen Gefilde des Landkreises Darmstadt-Dieburg irgendwo um Münster und Altheim

Da ich ja schon mal vor ein paar Monaten hier oben war, außerdem Bullenhitze herrscht und der Weg noch weit ist, verweile ich allerdings nicht lange hier oben. Noch eine Ehrenrunde durch den Hof…

Bild #9: Burghof die Zweitem, aus etwas anderer Perspektive, mit Bergfried (der anscheinend begehbar ist, wovon ich heute aber keinen Gebrauch mache – ein Andermal…), Korporalshaus und Pallas

…dann mache ich mich auch schon wieder auf die Socken, durchs Burgtor runter auf den Burgweg, auf dem ich um die waldige Bergkegelflanke herum zurück ins Dorf absteige, um dann via „Zum Bergfried“ und die Odenwaldstr. die eigentliche Tour zu beginnen (denn die Burg war ja eigentlich nur Bonus).
Ostwärts, dem OWK-Wanderweg HW10 hinterher, der an der Odenwaldstr. aus Hering hinaus führt…

Bild #10: Heringer Dorfbrunnen kurz vor dem Dorfende. Der Ort hat doch tatsächlich einen Fisch im Wappen, und das, obwohl man hier im Mittelalter ganz bestimmt keine Ahnung hatte, was ein Hering überhaupt ist. Vielleicht ein Indiz dafür, dass das Wappen jünger ist als der Ort selbst… 😉

…auf einem bequemen Rad- und Fußweg am Rand der alleeartigen K114…

Bild #11: K114 bei Hering

…über den Hügelsattel an der Rückseite des Otzbergs bis zur Landstrasse zwischen Zipfen und Hassenroth.
Hauptsächlich offene Wiesenlandschaft, sehr hübsch aber gnadenlos heiß und trocken, entsprechend bin kleben mir die Laufsachen bereits nach den ersten paar Schritten schweißig am Körper, und Durst hab´ ich eigentlich auch schon.
Den unterdrück ich aber lieber noch ein bisschen, schließlich müssen die vier mitgebrachten Fläschen Isoplörre voraussichtlich für ein paar Stunden reichen. Puh.

Direkt hinter der Landstrasse dann: Wald:

Bild #12: Wald am Frauenbörnchen zwischen Hering und Wiebelsbach

Haaahh…
Nicht dass es hier kühl wäre, aber zumindest nicht ganz so heiß, vielleicht ja sogar einen Tick unter als 30 Grad.
Und vor allem ist die staubige, sengende Nachmittagsonne erst mal ein bisschen weggefiltert, das macht schon mal viel aus.

Noch knapp 400 m. ostwärts, dabei leicht bergab (Weiterhein HW10/weißer Kreis, außerdem das rote Plus des Franken-Hessen-Kurpfalz-Wegs), dann eine scharge Rechtskurve kurz vor dem Waldrand und ein schönes Stück nach Süden, leicht am Hang entlang, bis ich an der K112 wieder hinaus ins offene laufe, über den sanften, wiesigen Sattel zwischen Wiebelsbach…

Bild #13: Wiebelsbach von oben

…und dem schmalen Wiesental, in dem die Dörfchen Ober-Nauses und Schloß-Nauses liegen (kein Foto).

Auch hier wieder: Brüllwarm, ich schwimme inzwischen buchstäblich im eigenen Saft, auch wenn die Sonnen dankenswerteweise ein klein wenig vom dunstigen Himmel geblockt wird und nicht ihre volle Kraft entfalten kann:

Bild #14: An der K112 über Ober-Nauses

Sind allerdings nur 300 m., dann hat mich der Waldschatten wieder:

Bild #15: Wald am Spitzeberg

Laaanges Waldstück.
Fast zweienhalb Kilometer durch den Forst an Heidel- und Spitzeberg.
Schattig und etwas kühler, aber an so einem dampfigen Tag wie heute auch ein bisschen eintönig.
Da kommt der freundliche fahrradfahrende Herr gerade recht, der offenbar noch ortsfremder ist als ich und nach dem Weg nach Bad König fragt. Ich helfe ihm, so gut ich kann, wünsche ihm viel Erfolg, und mache mich wieder auf den Weg, nur um eine halbe Minute später beim Blick auf die Karte festzustellen, dass ich ihn in die Irre geschickt habe.
Da ist er leider schon weg, um die nächste Ecke auf dem falschen Weg, nur eine gehörige Portion schlechtes Gewissen hat er mir dagelassen…

Ein bisschen bergauf, dann ein bisschen gerade, an einer großen Kreuzung nach 1,8 km biegt der HW10 auf einen schmaleren Waldpfad ab, führt wieder ein bisschen runter, und deponiert mich schließlich am Rand der B45 auf einem Parkplatz, der ein bisschen was von einer Autobahnraststätte hat (aber einer hübschen, mit dem ganzen Odenwaldpanorama hintendran):

Bild #16: Parkplatz an der B45 zwischen Frau Nauses (aka das Dorf, das so klingt als wär´s eine Grundschullehrerin) und Höchst

Kurze Trinkpause.
Tut gut, ist aber auch beunruhigend, denn es ist bereits meine zweite.
Die Hälfte meiner Isoplörre ist damit weg, Durst hab´ ich immer noch, und mindestens noch 15 bis 20 Kilometer vor mir.
Das wird… schwierig.

Mit einer kleinen Unterführung geht´s unter der Bundesstrasse durch…

Bild #17: Unter der B45

…dann auf einem schmalen Weg am Hang unterhalb der Fahrbahn am Rand des Hetschbachtals (wenn´s denn so heisst – zumindest nennt sich der Dorf unten im Tal Hetschbach, das scheint mir ein Indiz zu sein) nach Norden:

Bild #18: Unter der B45, über Hetschbach

Läuft sich gut, ist auch noch einen Tick weniger heiß als im Wald auf den runden Höhenzügen, auch wenn die Geräuschkulisse von der nahen Schnellstrasse etwas nervig ist (Sommer im Odenwald = Motorraddeppen ohne Ende auf der Piste). Etwas über einen halben Kilometer geradeaus, dann macht der Weg unversehens einen Knick und führt wieder hinauf zur B45…

Bild #19: Da oben am Waldrand ist es ganz schön hell…

…genauer gesagt auf den Parkplatz „Rondell“ oberhalb von Frau Nauses:

Bild #20: Am Parkplatz Rondell

Noch ein Schluck pisswarme Isoplörre (ganz schlechtes Zeichen: Inzwischen rationiere ich schon: Keine ganzen Fläschchen mehr, sondern nur noch Schlucke), dann gleich weiter, rechts dem weißen Balken hinterher in den Wald am Tannenberg.

Das ist jetzt wirklich ein ewig langes Stück. Von hier bis zur Burg Breuberg, meinem nächsten Etappenziel, sind´s sechs oder sieben Kilometer, auf denen es praktisch nichts gibt außer Wald, Wald, Wald, Wald, Wald, Waldwaldwald und Wald.
Durchaus hübsch im grünen Halblicht unter dem dichten Blätterdach, aber auch ein bisschen unspektakulär – der Odenwald ist hier hinten relativ flach und breit, entsprechend gibt´s keine besonders steilen Anstiege oder Abhänge, keine unverhofften Aussichten, keine versteckten Tälchen.
Sondern eben einfach nur ganz viel freundlichen, hügeligen Wald.
Entsprechend mache ich auch nicht viele Bilder (ein Laufbericht mit 130 Fotos voller Bäume bringt´s jetzt ja auch nicht unbedingt) sondern laufe stattdessen zügig, konzentriert und schwitzend wie das sprichwörtliche Schwein durch.

Na gut, ein oder zwei Bilder mach´ ich vielleicht doch… 😉

Bild #21: Wald hinter dem Rondell


Bild #22: Wegweiser im Wald. Von Otzberg und Rondell komme ich, Groß-Umstadt kenne ich, Mömlingen ist vollkommen unbekannt

Nach ein paar Minuten stoße ich auf die Frankfurter Strasse, einen weitgehend ebenen Waldweg auf dem Rücken des bewaldteten Höhenzügs (der so breit ist, dass es hier eigentlich wie im Flachlandwald aussieht), dem ich lange, lange nach Nordosten folge, bevor ich an einer Kreuzung oberhalb der (unsichtbaren) Ernst-Ludwig-Klinik hinter Breuburg wieder mal den Wanderweg wechsle und dem HW 27 (rotes Andreaskreuz) nach Südosten in Richtung Burg Breuberg folge:

Bild #23: Jetzt erst mal HW27 (rotes Andreaksreuz)

Während dieser langen Passage zeigt sich immer deutlicher, dass ich zu wenig zu trinken dabei habe.
Viel zu wenig.
Eigentlich könnte ich meine restlichen 400 ml. Isoplörre auf Ex runterkippen und wärre immer noch trocken wie die Sahara bei Dürre.
Aber ich trau mich nicht. Weil, es ist ja noch so weit…
Also laufe ich stattdessen durstig weiter, mit kratziger trockener Kehle und einem leicht wattigen Gefühl im Kopf durch die dumpfe, drückende Sommerhitze, in der sich kein Lüftchen rührt.

Es zeigt sich: Meine Idee, heute wegen der Hitze möglichst viel Wald zu laufen, geht nur halb auf: Zwar ist man hier vor der Sonne geschützt (gottseidank), aber dummerweise tendiert dafür auich die Zahl an potentiellen Getränkenachkaufsstellen stark (sehr stark!) gegen Null. Selbst Bäche oder Quellen hat´s hier oben keine…
Erstmal nix zu wollen, ich trockne weiter vor mich hin und hoffe auf den Breuberg, der ja hoffentlich irgendwann mal vor mir auftauchen wird…

Leider lässt er sich Zeit. Über eine halbe Stunde laufe ich grob ostwärts durch den Wald, in einem großen Bogen um das Mümling-Tal herum, in dem Breuberg liegt, mit hängender, trockener Zunge, vorwärts getrieben von der fatamorganahaften Vision eines Swimmingpools mit einem Kaltgetränk drin, ständig versucht, meine letzte Isoplörre zu saufen (aber es ist ja noch so weit bis zum Ziel drüben in Bayern, deshalb spare ich sie mir auf).
Gegen Ende schwitze ich nicht mal mehr richtig, offenbar geht meinem Körper wirklich ernsthaft die Flüssigkeit aus…

Dann bin ich endlich am Waldrand, vor mir ragen die Mauern der Burg Breuberg über die Wipfel.
Hallelujah, da wird´s doch hoffentlich was zu Trinken geben:

Bild #24: Ein erster Blick auf den Breuberg


Bild #25: Und gleich nochmal, etwas zoomiger vor dem graublau-dunstigen Sommerhimmel

Die gute Nachricht: Ist nicht mehr weit.
Die nicht so gute: Natürlich sitzt das Ding oben auf einem Berg, und bis dort hoch sind´s nochmal 80 bis 100 HM, die erst noch bewältigt werden wollen.
An sich kein Problem, aber wenn man ausgedörrt und überhitzt ist…

Ich folge dem roten Andreaskreuz noch ein Stückchen weiter, bis zum Parkplatz Gustavsruhe am Fuß des Burgbergs, wo ich dann links auf den Burgweg (gelbe 1) wechsle…

Bild #26: Skulptur am Anfang des Burgwegs

…der etwas weniger steil und unbequem aussieht als die Fahrstrasse zur Burg hinauf.

Auf dem Burgweg geht´s erstmal im Uhrzeigersinn um den Burgberg herum…

Bild #27: Burgweg

…erst ein angenehmes, kaum ansteigendes Stück am Waldrand entlang, mit einem netten Blick runter auf die Hänge des Mümlingtals vor Hainstadt…

Bild #28: Hier gelingt mir auch das obligatorische Odenwaldfotolaufberichtskuhfoto, dieses Mal mit einer Kuherde auf der anderen Talsseite des Evagrunds unterhalb des Burgwegs

…dann aber doch noch mal knackig steil und anstrengend an der Nordflanke des Burgbergs hinauf,…

Bild #29: „Hrfgnaaaahh, DUAASTbinichdnnendlichobnaufdemollenmistberg????“

…bis ich schließlich eine kleine steile Treppe im Hang erreiche…

Bild #30: Treppe im Breuberg

…über die ich mich rotgesichtig aus dem letzten Loch dampfend hinauf zur Fahrstrasse unterhalb des Burgtors schleppe.
Argl.

Fast oben („FAST? Warum denn nur fast, verdammich nochmal, ICH HAB DUHAAAAAAST!!!!!“).

Weiter aufwärts zum Burgeingang…

Bild #31: Aufgang zur Vorburg

…über uraltes, holprig-steiles Kopfsteinpflaster, über dem die saunaartige Luft zu stehen scheint…

Bild #32: Durchhalten!!!

…und schließlich, endlich durch das breite Tor hinein in den Zwinger, der die mächtige Festungsanlage mit einem ersten Mauerring umschließt:

Bild #33: Zwinger der Burg Breuberg

Beeindruckend, selbst wenn man total ausgedörrt und überhitzt ist: Ähnlich wie der Otzberg wurde auch die Burg Breuberg niemals zerstört, so dass sich ihre Bausubstanz aus dem mittelalter und der frühen Neuzeit weitgehend erhalten hat. Und die macht Einiges her, mit mehreren aufeinanderfolgenden Höfen, um die hoch aufragende Wehr- und Wohnbauten in verschiedenen Baustilen (ein bisschen mittelalterlicher Utilitarismus, ein bisschen Gotik, ein bisschen Renaissance) angeordnet sind, die wuchtig über den Hängen des Mümlingtals sitzen. Wie gesagt: Beeindruckend und sehr ansehnlich, wenn´s jetzt noch was zu trinken gibt, hat sich der anstrengende Aufstieg auf jeden Fall gelohnt… 😉


Bild #34: Die Südflanke der Hauptburg über dem Zwingergraben

Die letzten Meter in die Vorburg sprinte ich praktisch, getrieben von der verheißungsvollen Aussicht auf etwas zu trinken, vorbei an einer Horde lärmiger Kinder, die offenbar in der Jugendherberge auf der Burg untergebracht sind, zum Kiosk vor der Burgschänke:

Bild #35: Vorburg mit Biergarten und Kiosk

Kurz anstehen, mit trockenen Fingern das Geld aus der Gürteltasche pfriemeln, bestellen…
„Naa“, sagt mir die freundliche Kioskdame, „zu trinke hawwe mer hier drause net, da müsse se in die Schänge naigäie“.

Okay. Gut. Burgschänke. Direkt nebenan. Offen, kühl und schattig drin, dem nicht minder netten Herrn am Tresen mit schweißverheulten Augen die Bestellung zugekrächzt und…

Bild 36: GERETTET!!!!

Ooooah, ist das guuuuut: Ein Riesenpott eisiger, lebensspendener, feuchter, herrlich erfrischender Cola, den ich direkt vom Tresen weg auf Ex runterkippe.
Das weckt die Lebensgeister, so herrlich erfrischend und belebend (und bitter nötig – wenn ich noch länger hätte darben müssen, wäre ich sang- und klanglos eingegangen), da könnte ich glatt noch eine zweite hinterhersaufen.
Was ich dann auch mache (aber eine kleine).
Noch besser: Der nette Herr vom Ausschank füllt mir auch noch meine Isoplörrefläschchen mit Leitungswasser auf, gratis und mit einem freundlichen Lächeln. Vermutlich sieht man mir an, dass ich´s nötig habe.
Damit bin ich also nicht nur wieder rehydriert, sondern hab´ auch noch was für den restlichen Weg.
Wunderbar, vielen, vielen Dank, liebe Burgschänke!

Dergestalt gestärkt kann ich mich dann in Ruhe und durstfrei der Burganlage widmen. Wie gesagt: Lohnt sich!

Bild #37: Steinstatue über dem Tor des Zeughauses in der Vorburg (solche Statuen gibt´s hier in rauhen Mengen).


Bild #38: Schmaler Torweg in den Hof der Kernburg


Bild #39: Treppe im Inneren des 25 m. hohen Bergfrieds – den lasse ich mir natürlich nicht entgehen, auch wenn ich vorher noch einen kleinen Umweg über die Jugendherberge machen muss, um die 50 Cent für den Eintritt einzuwechseln


Bild #40: Auf dem Bergfried. Wie nicht anders zu erwarten, gibt´s hier einen atemberaunenden Ausblick über den Odenwald, wenn auch gemischt mit einem leichten Unwohlsein angesichts der nur etwas über hüfthohen Brüstung (da halte ich mich lieber ein bisschen an der Turmwand…)


Bild #41: Blick vom Bergfried runter auf die Festungsanlage, direkt unten die Kernburg, dahinter die Vorburg, dann das Mümlingtal und die nächstgelegenen Odenwaldhöhen, seltsam schief gezogen durch den Pano-Effekt (nein, der Horizont ist in Echt nicht ganz so krumm :D)


Bild #42: Panoramablick runter ins Mümlingtal zu Füßen des Burgbergs: Am linken Bildrand liegt Rai-Breitenbach, rechts davon Neustadt, noch weiter rechts dann Sandbach, hinter den Industrieanlagen erkennt man noch die Ausläufer von Höchst (wer´s noch umfassender mag, kann gerne auch hier schauen, die haben ein 360°-Pano)

Wunderbar, genau so was will ich auf einem Jubiläumslauf sehen!

Nachdem ich mich ausgiebig umgeschaut habe (nicht ohne mich zu fragen, warum ich eigentlich seit mindestens eineinhalb Jahrzehnten nicht mehr hier war), mache ich mich wieder auf den Weg.
Abstieg.
Zurück durch Vorburg und Zwinger, den Pflasterweg zur Fahrstrasse…

Bild #43: Hmm. Bergab und mit vollen Tanks kommt mir das gar nicht mehr so steil vor…

…dann wieder die steile Treppe runter, die ich vor ein paar Minuten mehr hochgekrochen als gelaufen bin…

Bild #44: Neben der Treppe gibt´s übrigens eine lange Rutsche, an deren unterem Ende man ein Fangnetz installiert hat, damit sich die präjuvenile Rutschenbenutzerschaft nicht den steilen Berghang runterkatapultieren kann.
Das amüsiert mich irgendwie ein bisschen.

…und dann auf engen, schmalen, gewundenen Pfaden und Treppen durch Wald und Gärten die Burgbergflanken runter, nun wieder mit dem roten Andreaskreuz des HW27:

Bild #45: Aussichtsplattform neben dem Treppenpfädchen ins Tal


Bild #46: Nochmal Neustadt von oben, nun schon deutlich näher


Bild #47: Wo sind wir hier nochmal?
Geenau! Im ……….. ! 😀

Läuft sich gut und angenehm bergab, entsprechend erreiche ich kurz darauf den oberen Ortsrand des Breuberger Ortsteils Neustadt, der zu beiden Seiten der Mümling ins Tal direkt unterhalb der Burg genestelt ist:

Bild #48: Oberes Ende von Neustadt am Römerberg

Durch enge, pittoreske Gassen führt mich das rote Andreaskreuz weiter abwärts…

Bild #49: Römerberg in Neustadt

…geradwegs runter ins Herz der kleinen aber sehr feinen Neustädter Altstadt…

Bild #50: Marktplatz

…wo ich ein weiteres Mal die Markierung wechsle und dem weißen Doppelbalken des HW12 nach Norden durch die Wertheimerstr. folge,…

Bild #51: Kirche am Marktplatz, am Anfang von Erbacherstr. und Wertheimerstr.

…vorbei an hübschen alten Fachwerkhäusern, dem historischen Marktkreuz…

Bild #52: Historisches Marktkreuz, in dieser Form angeblich einmalig in Deutschland. Links ist eine stilisierte Schwurhand angebracht, daneben finden sich mehrere Symbole, die die königliche Marktgerechtigkeit für den Ort verkünden

…und dem beunruhigendsten Friseurschild, das mir jemals untergekommen ist…

Bild #53: Creepy, oder?

…bis zum östlichen Ende von Neustadt, wo Wanderweg und Matthias kurzerhand die Mümling überqueren…

Bild #54: Mümlingbrücke an der Bahnhofstr.

…und sich dann ins sattgrüne Gras- und Buschland zwischen den Ortschaften des Mümlingtals schlagen:

Bild #55: HW12 am Rand von Neustadt

Sehr angenehmer und freundlicher Weg, auch wenn der netterweise aufgestellte Wegweiser noch mal eine ordentliche Strecke bis zum Ziel verspricht:

Bild #56: Heidenei! Noch 13 km bis Obernburg. Na denn mal los!

Der Weg führt über die Breuberg-Aue, einen Wiesenstreifen am Mümling-Ufer, auf dem diverse interessante Kunstwerke in die Landschaft eingepasst sind…

Bild #57: Kunst an der Breubergaue I


Bild #58: Kunst an der Breubergaue II

…bevor er rechts abknickt, mit einer schmalen Unterführung unter der B426 durchtaucht und schließlich zwischen Schrebergärten, Feldern…

Bild #59: Irgendwo zwischen Neustadt und Rai-Breitenbach – Blick zurück auf den Breuberg

…und auffällig vielen älteren italienischen Herrschaften (fast könnte man meinen, man wäre in Kalabrien und nicht im Odenwald. Der Gedanke gefällt mir irgendwie…) rüber in den nächsten Breuberger Ortsteil führt, das kleine DorfRai-Breitenbach am Rand des Mümlingtals:

Bild #60: Einlauf in Rai-Breitenbach

Freundliches, ruhiges Wohndörfchen, weniger historisch als Neustadt, träumt sich verschlafen in den Sommerabend hinein. Sehr nett!

Hier ist Schluss mit flach und Talgrund, es geht langsam wieder bergauf, die sonnige, verwaist daliegende Lindenstr. hoch…

Bild #61: Naja, fast verwaist, zumindest ein verständnisloses und etwas misstrauisches Rai-Breitenbacher Schaf nimmt meine Ankunft zur Kenntnis…

…und durch den semiruhigen Ortskern (er wäre ganz ruhig, wenn aus der Tierhandlung am Strassenrand nicht ein Papagei [klingt nach einem Ara] mit Gusto in den Abend hineinkrächzen würde),…

Bild #62: Lindenstr. in Rai-Breitenbach

…über einen grünen, sehr aparten Dorfplatz mit Brünnchen und Zunftbaum…

Bild #63: Rai-Breitenbacher Dorftreff

…und schließlich am oberen Ende des Dorfes den Hang hinauf, an der kleinen Kirche vorbei…

Bild #64: Kirche in Rai-Breitenbach

…zu einem extrem knackigen Aufstieg…

Bild #65: In echt natürlich mal wieder viel steiler als es auf dem Foto rauskommt

…der durch mit Abendsonnenlicht gefluteten Hangwiesen zum Waldrand oberhalb des Dorfes führt.

Dort angekommen verschnaufe ich nochmal kurz, süffele ein bissche Isoplörre, und genieße noch einmal den wunderschönen, gegenlichtigen Blick zurück über das Mümlingtal in Sommerabendstimmung:

Bild #66: Blick zurück übers abendliche Mümlingtal

Allerdings nicht zu lange, denn beim Stehenbleiben und Pano-schießen siffen mir auf einmal gewaltige Mengen ätzend-salzigen Stirnschweißes in die Augen.
AAAARGH, das brennt wie Feuer:

Bild #67: Au-aaaaa! Das tut so weheeheee!

Da lauf´ ich lieber schnell weiter, denn seltsamerweise passiert mir sowas immer nur wenn ich stationär bin.

Kurz am Waldrand entlang…

Bild #68

…dann stürzt sich der HW12 unversehens links in den Wald und klettert auf wurzlig-steinigen Pfaden den Hang hinauf.
Wieder mal anstrengend, klappt aber trotzdem ganz ordentlich. Inzwischen bin ich eingelaufen, immer noch hydriert, die Temperaturen sinken gaaanz allmählich in den Mittzwanzigerbereich, und außerdem ist das hier ja der letzte Höhenzug bevor ich Bayern und das Maintal erreiche. Da kann man ruhig noch mal ein bisschen Keuchen.

Zumal´s auch nicht wirklich lange steil bleibt. Das hier hinten ist ja der Buntsandsteinodenwald, der besteht aus breiten, langen Höhenzügen, die oben relativ flach sind – wenn man´s da erstmal aus den Tälern rausgeschafft hat, wird´s schnell wieder eben und relativ bequem, auch hier ist das so: Ein paar hundert Meter stramm bergauf, dann beruhigt sich der Anstieg schnell und es geht auf einem guten, sehr moderat steigenden Waldweg…

Bild #69: HW12 hinter Rai-Breitenbach

…weiter ostwärts durch den abendlichen Mischwald am Heubusch:

Bild #70: Abendsonne in den Kiefern

Auch wieder so eine lange, angenehm reizarme Waldpassage. Es geht immer nur geradeaus, los ist nichts, viel zu sehen gibt´s auch nicht. Das läuft sich gut runter, selbst wenn man bereits 20 km in den Beinen hat.
Zwischenzeitlich überquere ich ein oder zwei größere Kreuzungen…

Bild #71: Zum Beispiel diese hier…

…passiere die vollkommen unspektakuläre Grenze zwischen Hessen und dem Freistaat Bayern…

Bild #72: Markiert mit diesem ebenfalls vollkommen unspektakulären Grenzstein

…lasse mich kurz von irgendeinem großen, unsichtbaren Ding im Unterholz erschrecken (Wildsau? Oder vielleicht sogar ein Rothirsch? Davon gibt´s hier hinten glaube ich noch welche), verliere beinahe mein schon arg knittriges Streckenplänchen…

Bild #73: Kein Wunder, so richtig ergonomisch hält sich das nicht mehr… 😉

…und finde mich schließlich nach ein paar Windungen und Kurven auf dem Abstieg ins Maintal wieder, neben einem kleinen, canyonartigen Hohlweg…

Bild #73: Möglicherweise der Grund-Graben, die Wanderkarte ist da nicht ganz eindeutig

…hinab zur anderen Seite des Waldes führt, in ein kühles, schmales Waldtal (voller widerlicher Schmeissmücken, die offenbar einen Riesenspaß daran haben, mich zu piesacken und zu nerven), an dessen Ende mich bereits das Dorf Eisenbach im schönen Unterfranken erwartet:

Bild #74: Einlauf in Eisenbach

„Jetzt ist es aber wirklich nicht mehr weit“, denke ich mir, als ich auf der Odenwaldstr. durch schläfriges Wohngebiet abwärts in Richtung Ortskern laufe, vorbei an komfortablen Wohnhäusern, ein paar Bauernhöfen…

Bild #75: Nur nochmal zur Sicherheit: Noch ein obligatorisches Odenwaldfotolaufberichtskuhfoto, dieses Mal mit fränkischen Kühen

…und dem Einen oder Anderen Zeugnis fränkisch-bajuwarischer Alltagsreligiosität:

Bild #76: Wegkreuz an der Odenwaldstr.

Doch auch wenn das Ziel bereits in Sicht ist (in diesem Fall die Obernburger Neubaugebiete am Hang jenseits des Mömlingtals): So ganz reibungslos klappt´s dann doch nicht: Bis zur Kirche im Dorfkern schaffe ich es noch…

Bild #77: Eisenbacher Kirche im satten Licht der Abendsonne

…doch dann gehen mir auf einmal HW12 und Orientierung verloren.
Örrrm. Ookayyy.
Plänchen hilft irgendwie nicht (zu zerknittert und außerdem fehlt die Hälfte von Eisenbach).
Nachdenken auch nicht.
Tjoaa, dann probieren wir´s doch erstmal mit blindem Aktionismus und irren ein bisschen wahllos durchs Dorf, in der Hoffnung, wieder auf den weißen Doppelbalken zu stoßen…

Hm. Nein. Das hilft auch nix mehr.
Na gut, dann frag´ ich halt nach dem Weg.
Zwei freundlich plauschende ältere Herren am Strassenrand sind schnell ausgemacht, die bringen mich schnell und kompetent (und mit einem sympathischen Dialekt, der noch sehr ourewällerisch und kaum fränkisch klingt) wieder auf Kurs.

Und zwar weiter ostwärts, auf der Raiffeisenstr. aus Eisenberg raus und in die weiten, herrlich abendlichen Felder des Mömlingtals (derselbe Fluss wie bei Breuberg, aber hier in Franken schreibt man ihn mit „ö“), hinter denen sich bereits der nahe Spessart und die Industrieanlagen am Mainufer erheben:

Bild #78: Der Asphaltweg durch das nur noch ganz flach hügelige Mainvorland heißt übrigens „Etzelweg“. Möglicherweise gibt´s da einen Nibelungenbezug…

Dieses Stück läuft sich nochmal richtig angenehm runter, obwohl ich nicht mehr ganz taufrisch bin.
Inzwischen ist halb Neun durch, es herrscht wunderbare Abendstimmung, dazu ein ebener breiter Weg durch herrlich sommerliche Felder und Wiesen, links in ein paar Dutzend Metern entfernung die Mömlingauen, voraus der Spessart (der Spessart! Wie cool ist das denn???), hübsche Landschaft, angenehme Temperaturen, die Sonne schickt sich bereits langsam an, hinter dem Odenwald zu versinken.

Bild #79: Ganz so sonnenuntergänglich ist es allerdings noch nicht, das macht nur das Gegenlicht

Richtig schön!


Bild #80: Wegrandimpressionen vom Etzelweg – böse Wölfe bitte nach rechts

Ganz entspannt drifte ich noch mal einen guten Kilometer ostwärts durch die wogenden Felder, immer meinem langen Schatten hinterher, gönne mir dabei meine letzte Isoplörre…

Bild #81: Jetzt brauche ich ja hoffentlich nicht mehr rationieren…

…dann folge ich dem weißen Doppelbalken über eine Landstrasse, ein bisschen nach links, neben der Mömling unter der B469 durch…

Bild #82: Solche Bundesstrassenunterführungen laufe ich heute irgendwie recht oft

…und erreiche dann den breiten Wiesenstreifen der Mainuferauen südlich von Obernburg:

Bild #83: Ui. Immer noch über zwei Kilometer bis Obernburg. Na ich weiß ja nicht, so langsam würde ich dann doch ganz gerne da sein…

Hier geht´s nordwärts, noch ein letztes Mal über die Mümling/Mömling, die sich wenige hundert Meter weiter in den Main ergießt…

Bild #84: Mümling/Mömling

…dann auf dem Ziegelhüttenweg über eine weite, große Wiese, die bereits in den langen Abendschatten des Odenwalds versinkt, runter in Richtung Mainufer. Besonders interessant sind hier die drei großen Reiher, die würdevoll im Gras stehen und sich auch von meinem Vorbeilaufen kaum stören lassen. Sehen auf den ersten Blick aus wie Graureiher, haben aber einen charakteristischen schwarzen Strich am Kopf, der dann wieder doch nicht nach Graureiher aussieht. Eine andere Reiherart?
Wenn ja kann ich sie jedenfalls nicht identifizieren, selbst später nicht mit Hilfe diverser Tier- und Vogelbücher, die ich daheim habe:

Bild #85: Wer kennt diesen Reiher?

Und dann bin ich (endlich!) in Obernburg:

Bild #86: „Obernburg – die freundliche Einkaufsstadt“

Noch 200 m. über den großen, leeren gekiesten Festplatz, unter einer hohen Straßenbrücke durch, dann taucht auch endlich der Main in meinem Blickfeld auf:

Bild #87: Der unterfränkische Main, auf den Tag genau ein Jahr, nachdem ich ihn das letzte Mal zu Gesicht bekommen habe

Hübsch und fast geschafft.
Na denn…

Ich folge dem Mainufer nach Norden auf einer hübschen Uferpromenade an einem gepflegten Parkstreifen, der stark von diversen Vögeln frequentiert wird:

Bild #88: Fränkische Enten


Bild #89: Fränkischer Rabenvogel (sitzt ganz benommen da und nimmt mich kaum zur Kenntnis. Vielleicht krank?)


Bild #90: Mainuferpromenade mit Schwan

Genauso zahlreich sind hier allerdings auch die Ratten, die in rauhen Mengen über die Steine am Flussufer hüpfen, zu flink für die Kamera (bis auf eine halb ausgeweidete Tote, die auf dem gepflegten Parkrasen liegt. Aber die mag ich irgendwie nicht ablichten…) aber definitiv da…

250 m. Uferpromenade, dann nochmal 200 m. durch denn Park…

Bild #91

…und schließlich auf einer langen Rampe hinauf auf die Fußgängerbrücke, die die Altstadt jenseits der B469 mit dem Park verbindet und dann weiter über den Main verläuft:

Bild #92: V.l.n.r.: Obernburg, B469, Mainuferpromenade, Main

Eigentlich müsste ich hier ja links, rüber in die Obernburger Altstadt:

Bild #93: Obernburger Altstadt von der Mainbrücke aus gesehen

Aber andererseits – jetzt bin ich schon mal hier, und über den Main fränkischen Main auf die andere Flussseite bin ich noch nie gelaufen. Und soo weit ist es ja auch nicht mehr bis da rüber…
Ein kurzer mentaler Ruck, dann hab´ ich mich entschieden – bevor ich nach Obernburg reinlaufe, mache ich erst noch einen kleinen Abstecher rüber ans andere Ufer, in den Markt Elsenfeld, der bereits zum Spessart gehört (Yaaay, passend zum Jubiläum ein ganz neues Mittelgebirge! :)):

Bild #94: Mainbrücke von Obernburg nach Elsenfeld (u.a. der Fränkische Rotweinwanderweg und der Frankenweg)

Mitten auf der Brücke noch zwei richtig schöne Panos vom Main, eins flussabwärts…

Bild #95: Blick nach Norden: Abendstimmung über dem Main

…und eins flussaufwärts…

Bild #96: Blick nach Süden: Auch Abendstimmung über dem Main

…dann weiter zum anderen Ende der Brücke, direkt beim Bahnhof des Marktes Elsenfeld am östlichen Ufer gegenüber von Obernburg.
Kurzes Beweisfoto…

Bild #97: Ich bin quasi im Spessart!!!

…und nichts wie zurück, wieder über die Brücke ans dämmrige Westufer…

Bild #98: Der Sonnenuntergang ist inzwischen schon gelaufen

…und endlich rein in die abendlichen Altstadtgassen von Obernburgs historischem Ortskern:

Bild #99: Einlauf in Obernburg#

Da ich nicht genau weiß, wo das Ziel der heutigen Tour am Gasthaus Zum Ochsen zu finden ist, eiere ich noch ein bisschen durch die Altstadt, ist sehr hübsch.
Erst ein bisschen durch die Untere Gasse…

Bild #100: Untere Gasse

…dann links ab auf die Untere Wallstr., wo ich u.a. die historische Kochsmühle passiere…

Bild #101: Kochsmühle

..wieder rechts hoch bis zum Platz vor dem hübschen oberen Tor…

Bild #102: Oberes Tor

…und schließlich nochmal rechts und auf der beschaulichen Römerstr…

Bild #103: Römerstr.

…zum Ziel, dem urigen Gathaus Zum Ochsen.
Dort gibt´s dann zur Feier des Tages eine hochverdiente große Cola und ein gutes, deftiges Rahmschnitzel mit Kroketten:

Bild #104: Laufblogjubiläumsessen

…während langsam eine laue, schöne Sommernacht über Franken einbricht.
Genau richtig, um das Jubiläum gemütlich (wenn auch von fränkischen Schnaken geplagt) ausklingen zu lassen, bevor es schließlich auf den langen Heimweg durch den dunklen Odenwald geht. Schließlich ist morgen ja wieder Arbeit, da muss man früh raus…

Tjoa.
Und das war der Laufblog-Jubiläumslauf 2010.
Heiß, durstig, anstrengend und natürlich richtig, richtig gut: Tolle Landschaft, schöne Sehenswürdigkeiten, ganz viel neue Strecke durch eine mir fast vollkommen unbekannte Region und eine erstmals überschrittene Grenze (nämlich der Main zum Spessart hin) – so gehört das! 🙂

Strecke: 28,2 km
Zeit: Standesgemäß viel
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 95,74% (27 km von 28,2 km)
Karte:

M.

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7 Antworten to “Jubiläumslauf über den Main: Otzberg – Breuberg – Obernburg (28,2 km; mit Fotos)”

  1. Laufhannes Says:

    Eine richtig tolle Tour. Demnächst machst du bitte jede Woche zur Feier des Wochengeburtstages so ein Ding, okay? Kann von mir aus für dich auch etwas kühler sein.

    Wobei so ein heißer Tag auch etwas hat, da sieht man richtig schick aus (#67) 😀

    Und zu dem Reiher, das ist doch ein ganz normaler Graureiher?

  2. matbs Says:

    Würd´ ich gerne, aber für diesen Bericht mit Fotos hab´ ich jetzt wieder fast eine Woche gebraucht (weil ich immer nur mal ein oder zwei Viertelstündchen abknapsen konnte, um dran zu arbeiten), das ist wirklich subotimal, ob ich das jede Woche mag, weiß ich ehrlich gesagt nicht…

    Und „schick“ ist ja mein zweiter Vorname.

    Oh halt, nein, der ist ja Bastian.
    Sorry, mein Fehler…
    😀

    Der Reiher: Bist du sicher?
    Die hatten alle drei diesen sehr charakteristischen schwarzen Streifen an der Augenpartie und sind mir vom Körperbau irgendwie leicht anders vorgekommen, das bringe ich irgendwie nicht mit Grauhreihern in Verbindung.
    Aber ich habe in allen meinen Vogelbüchern nichts gefunden, was sonst passen könnte, von daher magst du recht haben…

    PS: Hey, ich hab´ gesehen, dass du in der Pfalz angekommen bist. Natürlich kommentiere ich das auch noch bei dir drüben, sobald ich meinen „heute ist mal wieder genug Zeit, um die anderen Blogs ausgiebig aufzuarbeiten“-Tag habe (der gefühlt irgendwann um 2013 kommen sollte), aber zumindest schon mal kurz: Willkommen im Südwesten! 🙂


  3. […] Grauer Vormittag zwischen Odenwald und Reinheimer Hügeln: Groß-Bieberau – Ueberau – Hippelsbach (12,3 km) 1. Oktober 2010 Im März bin ich mit Gerd von Zimmern auf den Otzberg gelaufen, Anfang Juni dann (alleine) zum dritten Laufbloggeburtstag vom Otzberg bis an den fränkischen Main. […]


  4. […] auf dem Nibelungensteig oder mit Boris im Taunus, oder alleine, in der Pfalz, in Rheinhessen, im Odenwald oder der Rheinebene, ganz zu schweigen von der coolen Laufblog-Ausstellung in Bensheim. Von daher: […]


  5. […] am östlichen Ortseingang. Auch kein Neuland, denn hier bin ich letzten Juli auf meinem großen Lauf zum dreijährigen Blogjubiläum durchgekommen. Damals war´s sonnig und bullenwarm. Heute eher nicht […]


  6. […] den Odenwald bis runter an den Main. Und letztes Jahr hab ich dann noch einen draufgesetzt, und zum ersten Mal den Main überquert, ans Ostufer, wo technisch gesehen der Odenwald vorbei ist und ei…. Da will ich dieses Mal dann auch wieder ansetzen: Von Obernburg, wo ich vor einem Jahr angekommen […]


  7. […] euch gerne die Zeit mit vergangenen Laufblogjubiläen vertreiben: 1 Jahr Laufblog 2 Jahre Laufblog 3 Jahre Laufblog 4 Jahre […]


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