Laufwoche KW 26 (15,6 km/11,4 km/11,3 km/11,1 km/1 km)

11. Juli 2010

Trotz extremer Hitze vier Läufe diese Woche, plus ein Extrakilometer am Sonntagabend um das sommerliche Minimalpensum zu erreichen:

Montag 5.7.: Wo Darmstadt am schönsten ist: Martinsviertel – Mathildenhöhe – Rosenhöhe- Steinbrücker Teich – Lichtwiese – Woogsviertel (15,6 km)
Eigentlich sollte das heute ja ein weiterer Versuch werden, mal mit den Kolleginnen aus dem Büro Darmstadt zu erlaufen, damit sie auch mal was von der Stadt zu sehen kriegen, in der sie arbeiten. Entsprechend hatte ich im Vorfeld schon mal eine grobe Premiumroute zmit einigen der schönsten und interessantesten Darmstädter Orte zusammengesucht: Mathildenhöhe, Rosenhöhe, Oberfeld, Steinbrücker Teich, Paulusviertel, Orangerie. Richtig schöne Tour.

Uneigentlich ist es dann aber wieder nix mit „Kolleginnen“ geworden, nachdem sich das ganze genauso entwickelt wie beim letzten Versuch (ich zitiere):

Ein Fünftel Juniorbelegschaft hat´s verpeilt und seine Laufsachen vergessen, ein zweites ist heute abend mit irgendeinem Termin gebunden und kann deshalb nicht mit.
Bleiben noch die Fünftel drei und vier, Respektive die Kollegin Julia und ich.

Auch okay, Julia hat ja vorletzte Woche schon bewiesen, dass sie richtig fit ist, da kann man schön draufloslaufen, ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, ob es irgendwer nicht schaffen könnte.

Wir starten genauso wie vor zwei Wochen, nach Feierabend um kurz vor Halb sieben am Kopernikusplatz im Darmstädter Martinsviertel. Ist zwar noch nicht so brutal bullenheiß, wie es in der zweiten Wochenhälfte werden wird, aber doch schon ein ordentlich warmer Sommerabend, garniert mit diesem etwas klammen Quäntchen Schwüle, dass sich nur allzugerne in die südhessische Atmosphäre einschleicht. Entsprechend lassen wir´s erst mal ein bisschen ruhiger angehen und traben entspannt und gemächlich an der Heinheimer Str. und der Pützerstr. stadteinwärts, bevor wir links abknicken und durch die enge Stiftstr. und die hübschen Grünanlagen am Nikolaiweg mit sanftem Aufstieg hinauf zur Darmstädter Stadtkrone auf der Mathildenhöhe laufen.

Die gute Stube der Stadt, mit Platanenhain, Museen, russischer Kapelle und dem unverwechselbaren Hochzeitsturm, umgeben von großartigen Jugendstilanwesen und prächtigen Villen. Unheimlich hübsch, besonders natürlich an einem warmen Sommerabend, mit zufrieden flanierenden Darmstädtern, älteren Herren, die im Platanenhain Boule spielen, und vielen entspannten Gästen des Restaurants am Museumsgebäude, die sich´s an den schattigen Tischen unter den Efeuarkaden gut gehen lassen.
Alles sehr, sehr nett!

Lange halten wir uns allerdings nicht auf (ist auch nicht nötig, denn im Gegensatz zu den schon wieder nicht mitgekommenen Kolleginnen kennt sich Julia hier oben aus), nur einmal mittenrüber, an der Kapelle und den Bauwerken der Künstlerkolonie vorbei, dann laufen wir auch schon wieder abwärts, den Olbrichweg an der Rückseite der Mathildenhöhe runter, dann über den Fiedlerweg und die Bahngleise, und schließlich durch das herrliche Löwentor in den Park an der Rosenhöhe.

Wunderschön, meiner Meinung nach die aparteste Parkanlage der ganzen Stadt: Unter schattigen alten Bäumen und über gepflegte Wiesen, in denen hie und da ein ein altes Haus oder ein paar Kunstwerke stehen, geht es ganz leicht aufwärts, vorbei am blühenden Rosarium, den aparten Streuobstwiesen und dem Spanischen Turm zum hinteren Parkrand, hinter dem sich das sonnige, weite Oberfeld mit seinen träge im Sommerwind wogenden Feldern bis zum fernen Waldrand erstreckt – übrigens einer meiner Lieblingsorte in Darmstadt, weil der urbane hier so unvermittelt vorbei ist und direkt durch eine extrem ländlich wirkende Landschaft ersetzt wird, von deren sanften Bodenwellen man die nahe Großstadt hinter der Rosenhöhe höchstens noch erahnen kann.

Wir versuchen´s erstmal direkt ostwärts, mitten in die wunderschön sonnigwarme Feldlandschaft ein.
Klappt nicht so ganz, 150 m. hinter dem Parkausgang gibt´s ein paar Gärten mitten in den Feldern, vor denen uns eine T-Kreuzung nur die Wahl zwischen links (Richtung Seitersweg am Stadtrand) und rechts (Richtung Scheftheimer Weg)
Den Scheftheimer Weg hab´ ich noch schlechter Erinnerung vom Darmstadt-Halbmarathon vor zwei Jahren, als ich dort nach zu schnellem Einsteig so richtig fies abgelitten habe, und außerdem wollen wir ja auch als nächstes zum Steinbrücker Teich, den man besser über den Scheftheimer Weg erreicht, deshalb: Links, dann bei den ersten Häusern wieder gaanz scharf rechts und den Seitersweg hoch, mitten durch den goldgelb strahlenden Ozean aus Getreideähren unter dem Azurblauen Himmel.
Ist heiß und wüstentrocken an diesem Juliabend, aber auch einfach nur wunderschön.

Nach einem Kilometer noch mal links bis zum Waldrand vor der Dieburger Str., rechts auf den europäischen Fernwanderweg 1 und schließlich dann auf der Gartenschneise durch den Wald bis zum Naherhohlungsgebiet beim Steinbrücker Teich, an dem heute abend nicht so richtig viel los ist: Die Ponyreitbahn ist leer, der Minigolfplatz verwaist, auf dem schimmernden See sind keine Tretboote mehr unterwegs, nur ein paar vereinzelte Spaziergänger und späte Ausflügler sind über die Uferwiesen verteilt, über der Szenerie hängt bereits sowas wie eine wohlig-träge Abendstimmung.

Kurze Beratung mit Julia, die zwar einen leuchtend roten Kopf hat (zum Glück muss ich nicht sehen, wie ich selbst in der Hitze ausschaue… 😉 ), aber trotz ordentlichem Tempo, den paar positiven Höhenmetern und hochsommerlichen Temperaturen beeindruckend gut mitgehalten hat, dann entscheiden wir uns dafür, noch eine kleine Ehrenrunde um den See herum zu laufen.
„Das sind vielleicht 700 oder 800 m. mehr“, behaupte ich vollmundig, „das ist überhaupt keine große Sache“.
Theoretisch habe ich da auf jeden Fall vollkommen Recht…

Also laufen wir links, am Ufer entlang bis zur Parkplatz an der Dieburger Str. (sieht heute irgendwie ganz anders aus als bei meinem letzten Besuch im tiefverschneiten Februar), wo wir erstmal eine kurze Dehnpause einlegen.
Naja, zumidest sowas in der Art.
Die ballettgestählte Julia klappt erstmal ein Bein auf das 1,20 m. hohe Geländer am Teichufer und faltet dann ihren Oberkörper drüber. Sieht so ein bisschen aus, als wolle sie versuchen, sich selbst auseinanderzubrechen.
Dabei meint sie vollkommen entspannt, dass das ja jetzt eigentlich kein richtiges Dehnen wäre, dazu wär´s nämlich einfach zu lasch.
Der nicht so wirklich balletgestählte (aber dafür recht lendenlahme) Matthias versucht das natürlich gleich auch mal, allerdings mit deutlich reduzierter Eleganz. Bein Hoch geht gerade noch (auch wenn´s zieht wie Hechtsuppe), das mit dem Oberkörper nach vorne probiere ich allerdings lieber nicht, ist auch so schon schlimm genug, mit versteinerter Aua-Grimasse und verdrehter Hüfte dazustehen und sich von irgendwelchen Passanten auslachen zu lassen. So ein vom Monsterdehnen ramponiertes Ego ist schließlich fast noch schlimmer als eine vom Monsterdehnen ramponierte Beinmuskulatur.. 😀

Und weiter, jeweils etwas unzureichend gedehnt (wenn auch aus verschiedenen Gründen), aber weiterhin guter Dinge.

Der Weg auf der Gegenseite des Teichs (Kahler-Berg-Weg, gelbe 1) folgt noch ein Stück den Uferwiesen, dann geht er in den Vorderen Woogsbergrandweg (wer hat sich denn diesen Namen ausgedacht?) über und führt oberhalb der schilfig-hübschen Ruthsenbachauen tiefer in den Wald rein. Etwas kühler als draußen im Offenen, dafür steht die Luft.
Puuh.

Nach 750 m. erreichen wir eine Kreuzung im Wald, biegen links auf den Juddenpfad ein, der mit einer kleinen alten Steinbrücke den Ruthsenbach überquert, und halten uns dann rechts, wo der Brunnersweg (gelber Doppelbalken/HW8) leicht aufwärts in den Wald führt.

Hier verpasse ich dann irgendwie auch gleich mal die richtige Abzweigung. Eigentlich sollten wir laut Plan nach vielleicht 200 m. rechts die Oppermannswiesenschneise runterlaufen.
Uneigentlich fällt das aber niemandem auf (Bürotalk lenkt ab…), deshalb bleiben wir auf dem Brunnersweg, der fast unmerklich immer weiter nach Norden abknickt, bis er schließlich an genau der Kreuzung am Rand des Oberfelds rauskommt, wo wir vorhin die Gartenschneise zum Steinbrücker Teich genommen haben.
Örm.
Jooaaalso. Höhö.
Da sind wir wohl einmal sauber im Kreis gelaufen. Ist aber auch leicht, so mitten im tiefen Wald hinter Darmstadt, wo alle Bäume gleich aussehen und so…

Auf der Haben-Seite bedeutet das jetzt: Noch ein schönes langes Stück zwischen Wald und Oberfeld, um wieder auf Kurs zu kommen, das ist sehr hübsch.
Auf der Soll-Seite ist es ein wiiinzigkleinerfitzeligereigentlichkauminsgewichtfallender Umweg von ein, zwei Kilometerchen.
Eigentlich nix, auch wenn Julia meint, sie würde mich jetzt hassen.
Aber das meint sie nicht so. Glaube ich… 😀

Immerhin, das lange Stück am Rand des Oberfeldes (wieder europäischer Fernwanderweg 1) ist nochmal wunderschön, mit der schrägen Abendsonne über dem satten Getreidemeer auf der einen und dem etwas kühleren Wald auf der anderen Seite. Ist allerdings auch sowas wie eine Joggerautobahn, alle naslang kommen uns Großstadtfeierabendjogger in verschiedenen Stadien der Unfitness entgegen, die (weil´s eben doofe Großstadtfeierabendjogger sind) offenbar viel zu sehr mir Schwitzen, Müffeln und IPodgedudelinshirnjagen beschäftigt sind, um meine freundlichen Grüßversuche zur Kenntnis zu nehmen.
Pack, alles Pack…

Langes Stück, übrigens.
Der Parkweg geht irgendwann in den Scheftheimer Weg über (mit einer netten kleinen Zwischensteigung), der dann wiederum in den Katharinenfalltorweg (mit einem netten Aussichtstürmchen am Waldrand, von dem aus man praktisch Gar Nix sieht), der dann seinerseits schließlich nach insgesamt genau drei Kilometern zwischen Waldrand und Oberfeld in die lauschige Erbacher Str. gegenüber vom Hofgut Oberfeld am äußersten Ostzipfel von Darmstadt mündet.

Auch hier bleiben wir dem Fernwanderweg 1 treu: Schmales Waldpfädchen am Rand der Hofgutweiden, dann auf dem kleinen Bahnübergang am Judenteich über die Gleise der Odenwaldbahn, hinter dem altehrwürdingen botanischen Garten zur Heinrichstr. und weiter auf dem schattigen Schnampelweg bis zu Darmstadts kleinem aber feinen Tiergarten, dem Vivarium.

Inzwischen sind wir beide von der sengenden Julisonne gut angedörrt, entsprechend beschließen wir, im Zoo-Ristorante etwas Flüssigkeit zu tanken.
Auch das mal wieder so ein guter Plan, der leider an der grausamen Realität scheitert.
Denn: Heute ist Heinerfestmontag.
Und am Heinerfestmontag – das ist gute, alte Darmstädter Tradition – läuft nicht so richtig viel in der Stadt. Behörden bleiben geschlossen, manche Geschäfte öffnen erst gar nicht, und auch das „Ristorante Vivarium“ hat offenbar nicht auf.
Geschlossenes Restaurant = Nix zu trinken für ausgedörrte Jogger, so einfach ist das.
Rgh.
Müssen wir wohl oder übel durstig weiter…

Noch ein paar Meter am Vivarium-Zaun entlang (in der Hoffnung, vielleicht einen Blick auf einen Schopfmakaken oder Bintorung in den entsprechenden Anlagen hinter dem Tiergartenzaun zu erhaschen – auch das klappt nicht), dann machen wir uns so langsam auf den Rückweg in Richtung Innenstadt, wo´s hoffentlich auch was zu trinken geben sollte.

Um da hinzukommen, müssen wir allerdings erst noch über die Lichtwiese, den Stadtrandcampus der TU-Darmstadt, in dem diverse klotzige Unigebäude leicht willkürlich zwischen riesige Freiflächen gewürfelt sind. Studenten sieht man keine (Montagabend im Juli UND Heinerfest, die werden sich alle in der Innenstadt die Kante geben…), auch sonst ist hier eigentlich niemand unterwegs außer uns und ein paar einsamen Hundegassigehern, die durch die dampfig-warmen Wiesen schleichen.

Wir touchieren den Campus auf Höhe der Bauingenieursfakultät, eiern leicht ziellos durch den Waldstreifen an der Nachtweide und platzen schließlich auf dem Dachsbergweg wieder in die Stadt rein.
Ruhiges Wohngebiet mit älteren Einfamilienhäusern bis zur Heinrichstr., dahinter tauchen wir dann ins Woogsviertel ein, das von zwei- und dreistöckigen Mehrparteienhäusern geprägt ist, die bis an die Bürgersteige heranreichen.
Hier gibt´s leider auch nicht´s zu trinken, nur ein paar geschlossene Bäckereien und Fahrradläden, deshalb hecheln wir notgedrungen weiter in Richtung Innenstadt, und zwar auf der Soderstr., an deren unterem Ende jenseits der Teichhausstr. ich mich an ein nahöstliches Restaurant neben dem Finanzamt zu erinnern glaube.

Und siehe: Das gibt´s tatsächlich. Heißt Libanon, hat einen gar nicht mal ungemütlichen Außenbereich, und – am allerbesten – verkauft uns was zu Trinken.
Cola für mich, Kirschsaftschorle für Julia, die an die Übel des Zuckers und der Transfettsäuren glaubt und deshalb niemals so ein Gesöff trinken würde.
Das mitgebrachte Geld reicht zwar nur für jeweils ein kleines Getränk, aber trotzem: Yaaay, das tut gut!!

Danach plauschen wir noch ein bisschen und machen uns dann auf die letzten paar Meter.
Ist nicht mehr weit, nur noch die Teichhausstr. entlang, durch die Heinerfestmenschenmengen, die Pützerstr. hoch und die Heinheimer Str. runter (alles dieselbe Strasse, nur mit verschiedenen Namen), dann erreichen wir wieder den Kopernikusplatz, wo wir vor knapp zwei Stunden gestartet sind. Etwas verschwitzt, etwas erhitzt, aber insgesamt doch noch ganz gut beinander.

Großartige Tour: Schön entspannt, mit prima Wetter und einigen der mit Abstand schönsten Ecken von Darmstadt, dazu dann noch nette Begleitung, die spätestens mit den mehr als 15 km von heute eindeutig unter Beweis gestellt hat, dass sie trotz angeblicher Quasi-Laufabstinenz fit wie ein Turnschuh ist.
Nur das mit den anderen beiden Kolleginnen müssen wir nochmal angehen, ewig können die sich ja nicht mehr drücken… 😉

Strecke: 15,6 km
Zeit: Nicht genommen
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 60,51% (9,44 km von 15,6 km)
Karte:

Donnerstag 8.7.: Schöner Sommerabend im Ried: Jugenheim – Bickenbach – Gernsheim (11,4 km)
Hitze, Hitze, Hitze – Südhessen brütet unter sengender, inkandeszenter Tropensonne, die nur unzureichend von der schweren, dunstigen Glocke aus Sommerdunst abgehalten wird.
Pffuhuhuhuu.
Eigentlich kein Laufwetter, und eigentlich fällt mir auch gar nichts ein, und eigentlich bin ich auch gar nicht so in Lauflaune, als ich am gegen 19:00 Uhr nach Feierabend endlich überhitzt und etwas staubig zuhause ankomme.
Aber es ist Donnerstag, da muss ich wohl oder übel raus, also schnüre ich um kurz vor Neun doch noch mal die Laufschuhe und mach´ mich auf den Weg.
Ziel hab´ ich keins, stattdessen steht „einfach mal loslaufen und sehen, wo man rauskommt“ auf dem Plan.

Ich trabe westwärts, durchs abendliche Jugenheim, dann unter der Lindenallee an der Kreisstrasse rüber nach Bickenbach, das ich der Breite nach durchquere und schließlich über die Autobahnbrücke am Ende des Gewerbegebiets an der Berta-Benz-Str. verlasse.

Jetzt bin ich draußen im Ried. Rheinebene, flach und offen, Felder und Wiesen bis zum fernen Horizont, an dem sich jenseits des Rheins die rheinhessischen Hügel im schon leicht rötlichen Abendhimmel abzeichnen.
Klappt gut bisher, viel besser als erwartet, trotz wärme und blendender Sonneneinstahlung direkt von vorne, also bleib´ ich einfach mal dabei und trabe weiter nach Westen, der halbgeformten Idee hinterher, dass ich ja mal wieder nach Gernsheim ans Rheinufer laufen könnte.

Richtig schön: Ich hab´ ja schon verschiedentlich angemerkt, dass das Hessische Ried eine Landschaft für lange, laue Sommerabende ist, und genau so einer spielt sich hier heute ab: Schräges, rötliches Licht von vorne, wo die Sonne gerade als prächtiger Glutball über den Hügeln versinkt, rundherumg endlose goldgelbe Ährenfelder und leise wispernde Schilfdickichte eingerahmt von majestätischen Pappel- und Ulmenalleen. Dazu der Geruch von gemähtem Gras, Zwiebeln, oder Fenchel (je nachdem, an was für Feldern man gerade vorbeiläuft), vermischt mit einem Hauch von Rheinauenduft, ein warmer Abendwind streichelt über das Land, direkt voraus die fernen Industrieanlagen am Rheinufer, im Rücken die Bergstrasse, die gerade noch rotgolden in den letzten Sonnenstrahlen leuchtet, während über ihr der Himmel bereits ins satte Purpur einer warmen Sommernacht hinübergleitet.
Alles ruhig, schön, friedlich, entspannt, so liebenswert kann das Ried sein.

Ich passiere den Prüf- und Vermehrungshof mitten in der Pampa, folge ein paar hundert Meter einem holprigen Feldweg, dann biege ich auf den einsamen Asphaltweg ein, der zwischen den Feldern weiter nach Westen verläuft, an ein paar Aussiedlerhöfen vorbei und auf der uralten Autobahnbrücke über die A67, dann am Rand des pastoralen Flächendorfs Allmendfeld vorbei.

Prinzipiell fühle ich mich dabei immer noch topfit, nur meine Verdauung mag irgendwie gar nicht mehr.
Vielleicht hätte ich vor dem Lauf doch kein üppiges Abendessen mit viel Flüssigkeit vertilgen sollen, jetzt grummelt und grimmt nämlich auf einmal alles im Unterleib. Sehr unangnehm, da fällt das Laufen plötzlich doch recht schwer.
Trotzdem: Gernsheim will ich noch erreichen, also folge ich – nun doch schon merklich verkniffener – dem Fahrweg durch die Felder bis zur großen Kreuzung an der B44, hinter der die Schöfferstadt Gernsheim anfängt.
Noch schnell rüber, ein paar Meter bis hinter´s Ortseingangsschild, dann fährt auch schon die bestellte Abholfuhre vor und sammelt mich im allerletzten Tageslicht ein.
Da muss reichen, für heute…

Strecke: 11,4 km
Zeit: Recht zügig
Neue Strecke: Keine
Karte:

Freitag 9.7.: Sattbeschwipster Abstieg von Steigerts nach Hause (11,3 km)
Ui je. Heute abend zeigt das Quecksilber mehr als 35° Celsius an, das stellt die Laufpläne gleich mal wieder in Frage.
Dabei ist heute Abend Essengehen mit der Verwandschaft oben in Steigerts, da wäre ich eigentlich sehr gerne hochgelaufen.
Aber nur bergauf, und das am Westhang (wo die pralle Abendsonne draufbrennt) und bei solchen Temperaturen…
Nee, lieber nicht.
Dann lieber der Alternativplan: Erst Essengehen und direkt danach von Steigerts aus nach Hause laufen, mehr bergab als bergauf und dank vorgerückter Stunde hoffentlich mit etwas weniger horrender Temperatur.

Klappt natürlich nicht ganz so gut wie geplant. Zuerstmal weil´s an einem brüllwarmen Freitagabend wie heute halb Südhessen in die kühleren Odenwaldhöhen treibt und der Talblick dementsprechend ratzevoll ist. Da dauert alles etwas länger, entsprechend wird´s kurz vor halb Zehn, bevor ich endlich loskomme. Und dann auch noch mit frisch vollgeschlagenem Magen und – besonders erschwerend – leicht angeschwipst, dank einem leckeren Schoppen Weißwein, der mir angesichts hoher Temperaturen und niedriger Alkoholtoleranz direkt zu Kopf gestiegen ist.

Wie immer, wenn ich mit ein wenig Alkohol im Blut laufe, starte ich viel zu schnell.
Fühlt sich alles irgendwie leicht und schwebend an, entsprechend renne ich gleich mal im Eilschritt durch den Wald am Steigerts und die Hutzelstrasse runter zur Kuralpe. Klappt erstmal gut, wird sich aber noch rächen…

Ist übrigens mal wieder wunderschön hier oben, mit tollem Blick rüber in den Odenwald und runter ins Ried, wo gerade eine weitere orangeglühende Sommerabendsonne über der abendschattigen Landschaft versinkt, wenn ich nicht so eilig unterwegs wäre, könnte ich mir das stundenlang ansehen.

Hinter der Kuralpe haste ich leicht aufwärts, bis in den Wald an den Felsbergflanken, wo ich mich rechts auf den einen unmarkierten Waldpfad schlage, von dem ich weiß, dass er auf dem Nibelungensteig über dem Balkhäuser Schollrain rauskommen wird. Hier im Wald ist es schon richtig schummrig, dafür aber auch etwas kühler, das tut ganz gut, zumal ich immer noch viel zu schnell weiterhaste (allerdings schon etwas weniger leicht und schwebend, mit jedem rausgeschwitzten Promille-Promille machen sich hämmernder Puls, keuchender Atem und allgemeine Hitzewallungen stärker bemerkbar).

Am Schollrain folge ich dem Nibelungensteig über den herrlichen offenen Bergsattel zwischen Mühltal und Balkhäuser Tal rüber zum Melibokus, dessen Ostflanke ich keuchend, ächzend und schwitzend bis zum Ende des Pürschwegs bezwinge.
Aaarghl, das fällt schwer, inzwischen würd´ ich mich am liebsten irgendwo am Wegrand einrollen und bis morgen durchschlafen, oder zumindest so lange, bis mein voller Magen ein bisschen mehr vom Abendessen wegverdaut hat.
Geht aber nicht, denn inzwischen ist die Sonne schon lange verschwunden, und vor mir liegen noch ein paar Kilometer Bergwald, der langsam aber sicher in finsterster Nacht versinkt.

Also nichts wie weiter den Pürschweg runter, während das Licht immer spärlicher wird.
Links strahlen die Lichter der Flachlandgemeinden am Fuß der Berge zwischen den dunklen Stämmen hindurch, ergänzt durch das pastellige Leuchten des Nachsonnenuntergangs auf der anderen Rheinseite, hier im Wald jedoch bricht bereits die Dunkelheit an. Schon auf Höhe der Darsberghütte ist das Licht praktisch weg, von nun an laufe ich mehr nach Gefühl als nach Sicht (gut, dass das hier meine Hausstrecke ist und ich mich auskenne), mit zusammengekniffenen Augen darauf bedacht, auf dem etwas helleren Streifen in der Finsternis zu bleiben, der (hoffentlich der Weg ist).
Fast schon ein bisschen gruselig, vor allem mit der weinselig-angeregten Phantasie im Kopf und den mysteriösen Schreien, Rufen und Knackgeräuschen, die so ein nächtlicher Wald hervorbringt.
Zum Glück gibt´s aber auch die Glühwürmchen, zwar nur noch ganz vereinzelt und funzlig (denn eigentlich ist ihre Saison schon vorbei), aber immer noch so wunderschön und freundlich, dass ich mich trotz Dunkelheit und genereller Abgeschafftheit geborgen und zufrieden fühle, während ich abwärts durch die Nacht trabe und schließlich irgendwann den Waldrand über Jugenheim erreiche, von dem es nur noch ein Katzensprung bis nach Hause ist.

Strecke: 11,3 km
Zeit: Bis in die Dunkelheit
Neue Strecke: Nope
Karte:

Sonntag 11.7.: Schwitzigschwülheiße Melibokusumrundung (11,1 km)
Sonntag, und es ist immer noch mörderisch heiß draußen!
Entsprechend fällt´s mir auch heute wieder schwer, mich zum geplanten letzten Lauf der Woche aufzuraffen.
Für große Projekte und genaue Pläne ist es einfach zu warm, deshalb nehme ich mir zum wiederholten Mal diese woche überhaupt nix vor sonder laufe einfach los.
Hoch in den Wald (weil etwas kühler) und einfach mal in Richtung Melibokus.

Klappt überraschend gut, trotz drückender Schwüle und ordentlicher Steigung fällt mir das Laufen heute abend ziemlich leicht, folgerichtig korrigiere ich den ursprünglichen vagen Plan spontan von „naja, vielleicht so fünf bis sieben Kilometer“ auf „Einmal um den Melibokus“. Und genau das mach´ ich dann auch: Den langen, stetig ansteigenden Pürschweg hoch bis zur Melibokusstrasse, dann auf unmarkierten Pfaden bzw. einem Stück Nibelungensteig einmal um den Gipfel, und dann wieder auf dem Pürschweg runter. Schön langsam und unambitioniert, immer wieder bereit, auch mal stehenzubleiben und eine der schönen Aussichten am Wegesrand zu genießen (Highlight ist wie immer der traumhafte Blick von der Südostflanke des Melibokus in den Odenwald hinein und die Bergstrasse runter bis zum Ölberg, immer noch einer der schönsten Ausblicke, die ich in der Gegend kenne).
Tut gut, auch wenn ich am Ende schon wieder voll in die Dunkelheit gerate mich mich schließlich auf den letzten Kilometern halb blind durch den finsteren Wald tasten muss, wieder in Begleitung der letzten Glühwürmchen 2010, die aus der der
bedrohlichen Dunkelheit eine freundliche Sommernacht machen.

Strecke: 11,1 km
Zeit: Nicht genommen
Neue Strecke: Nein
Karte:

Sonntag 11.7.: „Wie, da fehlen noch ein paar hundert Meter bis zu den 50 WKs???
Immer noch Sonntag abend. Zurück vom Melibokus und frisch der Dusche entstiegen rechne ich schnell meine Wochenkilomter zusammen.
Das Ergebnis: 49,4, und damit ganz knapp an den 50 vorbei.
Nä! Das geht jetzt aber nicht.
Kurzentschlossen schlüpfe ich nochmal in die klebrig-durchgeschwitzten Laufklamotten, steige nochmal aus meiner mollig-eingehitzten Dachwohung ab und drehe nochmal eine Mini-Runde von einem knappen Kilometer, einfach nochmal schnell um durch die Strassen der Nachbarschaft. Geht fix, tut nochmal gut (dank der extremen Kurzdistanz kann ich richtig aufdrehen, ohne befürchten zu müssen, das nicht zu schaffen), und als ich fünf Minuten später wieder daheim bin, sind die 50 Wochenkilometer voll.
Na also, geht doch! 😀

Strecke: 1 km
Zeit: Auf jeden Fall unter 5:30 min
Neue Strecke: Näh
Karte:

M.

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2 Antworten to “Laufwoche KW 26 (15,6 km/11,4 km/11,3 km/11,1 km/1 km)”


  1. […] Fernwanderweg 1 ein. Bekanntes Stück, hier bin ich gerade erst vor ein paar Wochen beim Feierabendkollegenlauf mit Julia vorbeigekommen. Dieses Mal folge ich ich allerdings nicht zurück in Richtung Stadt, sondern biege an der […]


  2. […] völlig dunkel. Zum Glück kenne ich mir hier wieder halbwegs aus, schließlich bin ich gerade erst vor ein paar Wochen mit Julia diesen Weg hochgelaufen und komme deswegen auch ohne klare Sicht zurecht – einfach immer nur weiter den […]


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