Unfreiwillig langer (aber trotzdem netter) Feierabendlauf zwischen Darmstadt, Mühltal und Eberstadt (18,2 km)

14. Juli 2010

Okay, so langsam zeichnet sich bei den geplanten Läufen mit den Kolleginnen nach Feierabend ein klares Muster ab:
Kollegin P. vergisst mit der Regelmäßigkeit eines leicht verträumten Uhrwerks ihre Sportsachen, Kollegin B. hat einen unabsagbar wichtigen Termin (optional entweder am Abend des Laufs selbst oder am nächsten Tag), und am Ende bleiben dann nur noch zwei von uns übrig, nämlich Juniorbelegschaftsseniorkollegin Julia und ich.

Gut (oder auch „GuuuUUUuut“ [in hoher aber gegen Ende leicht absinkender Tonlage, um die Juniorbelegschaftsseniorkollegin Julia zu zitieren]), laufen wir eben wieder alleine. Dann geht´s im Zweifelsfall auch ein bisschen weiter, ohne dass wir auf die weiterhin ungeprüfte (und möglicherweise ja auch etwas feige ;)) „Willjamitlaufenaberheutegehtsgradnicht“-Fraktion aus dem Büro Rücksicht nehmen müssen.

Na denn…

Start/Ziel ist heute mal nicht büronah im Martinsviertel sondern am Schnampelweg, auf dem Parkplatz vom Darmstädter Tiergarten Vivarium im äußersten der Stadt. Von hier aus soll´s dann süd- und ostwärts gehen, rüber an den Rand vom Mühltal, weiter zu den wunderschönen Eberstädter Streuobstwiesen und schließlich über die Ludwigshöhe und das Böllenfalltor zurück.
Eine Strecke mit ganz viel Wald, aber das tut heute Not, angesichts von sengender Abendsonne und knackigheißen 35° Celsisus, die das Autothermometer vermeldet, als wir uns gegen halb Sieben auf den Weg machen.

Dafür, dass die Umgebungsluft quasi Körpertemperatur hat, lässt sich´s überraschend gut an (was sicherlich auch am allgemeinen Wohlgefühl liegt, das sich fast zwangsläufig einstellt, wenn man nach einem langen Arbeitstag die ersten Schritte in den sonnigen Feierabend machen kann): Schwitzend aber kontrolliert traben wir den Schnampelweg runter, zwischen den Kleingärten an der Lichtwiese und dem eingezäunten Tierparkgelände ein paar Meterchen nach Süden und knicken dann zusammen mit dem europäischen Fernwanderweg 1 (weißes Andreaskreuz) halblinks in den dichten, hohen Mischwald ab, der sich wie eine grüne Wand an die freundliche Ostseite von Darmstadt schmiegt.
Etwas schattiger und marginal kühler, das weckt gleich mal die Lebensgeister: Julia vertreibt sich die nächsten Meter mit ein paar grazilen Ballettsprüngen („wart´ nur, damit ist in ein paar Kilometern Schluss“, denk ich mir… ;)), ich hingegen nutze die Gelegenheit, um nicht ganz so grazil aber dafür beständig Flaschen aus meinem ausgeleierten Trinkgürtel zu verlieren und wieder vom weichen Waldboden aufzuklauben.

Einen halben Kilometer nach dem Waldrand unterqueren wir die Bahnlinie durch einen uralten Tunnel, wenig später kommen rechts jenseits der Bäume die offenen, urigen Darmbachauen in Sicht, deren fedrige Gräser und wiegende Schilfrohre in stahlendhelles Vorabendlicht getaucht sind, das ist richtig nett.

An der nächsten Kreuzung: Rechts. Lange alleeartige Gerade mit altem Baumbestand, mitten durch den Wald in südlicher Richtung. Keine Markierung, aber dafür ein passender Name: Backofenschneise, angesichts hochsommerlicher Höllenhitze passt das wie die verschwitzte Faust aufs salzgerötete Auge (hübsch ist es aber trotzdem…).

Nach 1,5 km überqeren wir noch einmal die Bahntrasse in Richtung Odenwald, dieses Mal auf der alten Steinbrücke am Traisaer Hüttchen, und laufen dann linksig an den Gleisen weiter bis der Wald zu Ende ist und wir bei den ersten Häusern des Mühltaler Ortsteils Trautheim (oder vielleicht ist es auch noch der Nachbarort Traisa, kommt drauf an, wo genau die Grenze zwischen den beiden zusammengewachsenen Dörfern liegt, das weiß ich gar nicht genau), einem freundlichen kleinen Odenwaldrandort mit ruhigen Wohngebieten und ein paar hübschen alten Villen , der am Westrand des flachen Mühltals direkt am Wald liegt.

Ein schmales Pfädchen hinter den Gärten der letzten Häuserreihe (bin ich auch noch nie gelaufen), über die breite B449 am Ortseingang, dann sind wir auch schon wieder im Schatten des Blätterdachs und folgen dem leicht ansteigenden Lindenberg-Weg (gelbe 4) aufwärts in den sonnigschattigen Hügelwald am Kirchberg, während wir uns ein bisschen über Sartre unterhalten (weil: Kultur muss ja sein [selbst wenn sie auf dem Niveau von „Wie hieß denn jetzt nochmal dieser schielende Franzose, der die RAF in Stammheim besucht hat?“ abspielt… :D]).

An der ersten größeren Kreuzung auf dem Lindenberg überrede ich Julia zur ersten kleinen Crosspassage unserer Tour, spontan links einen zugewucherten, holprigen Trampelfpad runter – auch das klappt bestens, ein paar hundert Meter, dann kommen wir auf dem Papiermüllerweg raus, der am unteren Rand des kleinen bewaldeten Berg-/Hügelmassivs über dem Traisaer Waldrand nach Süden führt (erst gelbe 4, später dann gelbes V).
Den nehmen wir.

Noch etwas über ein Kilometer im Schatten des Buchenwalds bis zum südlichen Zipfel des Waldes, vor dem sich das untere Mühltal öffnet.
Wunderschön: Sommerliche Felder und Wiesen im Sonnenlicht, sanft gehügelt und zum offenen Talgrund hin abfallend, dahinter erhebt sich die erste „echte“ Odenwaldanhöhe, das mächtige, dunkelgrüne Frankensteinmassiv, auf dessen Gipfel man die Zinnen der Burg Frankenstein erkennen kann. Links davon geht der Blick in den Odenwald hinein, hoch zum Silbergberg und weiter zur Neutscher Höhe, die leicht vom Staub aus dem (von hier aus unsichtbaren) Waschenbacher Steinbruch verdeckt wird, rechts hingegen öffnen sich die Mittelgebirgsausläufer mit herrlichen langen Hangwiesen voller Getreide und Obstwiesen zur weiten Rheinebene hin, in der sich der Blick der Blick irgendwo in der diesigen Ferne des nördlichen Rieds verliert, unter einem leicht grünstichigen Himmel mit schmaler Mondsichel, der bereits die ersten Ausläufer eines langsam aufziehenden Sommergewitters erahnen lässt.
Es riecht nach Wald, Heu, Sommer, eine leichte Brise weht von der Modau unten im Mühltal herauf und verwandelt die eigentlich infernalische Hitze in eine angenehme, gut erträgliche Wärme.
Und das alles noch knapp auf Darmstädter Stadtgebiet – so schön kann´s manchmal in der Großstadt sein…

Wir halten uns am Waldrand, rechts dem Weitwanderweg Odenwald-Vogesen (roter Balken) hinterher, der einen großartigen Ausblick über die Vorberge hinab in die Ebene bietet. Auf Höhe des Mathildentempels führt der Weitwanderweg eigentlich wieder in den Wald rein, aber da es hier draußen nicht nur total hübsch sondern inzwischen auch durchaus erträglich ist, entschließen wir uns dafür, stattdessen unser Glück etwas weiter unten zu versuchen und weiter am Waldrand bzw. in den herrlich sonnigen Streuobstwiesen oberhalb von Eberstadt zurück nach Norden zu laufen (auch wenn ich da vielleicht nicht gaaanz genau weiß, wo und wie der beste Weg durch die verwinkelte Hügellandschaft geht – das wird schon… 😉 ).

Zuerst mal geht´s bergab. Mit dem weißen V den Nieder-Ramstädter Weg runter, der als baumbestandener Hohlweg zwischen den Obstwiesen gen Eberstadt führt, dann an der ersten Abzweigung ganz scharf rechts und auf einem unmarkierten Feldweg den Büchelsberg hinauf, der zwar nicht wirklich hoch ist, aber trotzdem mit einer knackigen Steigung aufwarten kann, die gleich noch etwas anstrengender wird, als Julia in einem Anfall von Übermut beschließt, hier mal ein bisschen aufs Tempo zu drücken – das vertägt meine falsche Eitelkeit als „der Laufprofi“ natürlich gar nicht, entsprechend erwischen wir uns beide dabei, zumindest das erste Stück auf einmal mit bannig hohem Tempo anzugehen.
Zum Glück steht nach ein paar Metern linkerhand eine große blökende Schafherde in den Wiesen, da muss man natürlich anhalten und verschn ein bisschen schauen, weil Schafe nämlich total nett sind und so, jawollja! 😀

Danach lavieren wir dann irgendwie über die staubigen Wiesenpfade zwischen Feldern und kleinen Gärten am Büchelsberg: Ein paar mehr oder weniger sinnige Kurven, ein Stück durch die Pampa, dann finden wir uns auf dem Rabenfloß-Weg wieder, der durch ein kleines, hübsches Wiesentälchen zwischen den Hügeln aufwärts in Richtung Wald führt – wohin, das weiß ich auch nicht genau (hier war ich noch nie, und das inzwischen ohnehin schon arg verschwitzknitterte Plänchen hab´ ich bei der Vorbereitung so fahrig kopiert, dass dieser Teil der Streuobstwiesen irgendwie gerade nicht mehr so drauf ist. Ups.)

Wir probieren´s mal.
Das erste Stück, vorbei an ein paar Fischteichen und Gärten – kein Problem.
Am Ende gibt´s sogar einen Pfad in den Wald rein, genau da hoch, wo wir hinwollen.
Dummerweise besteht der zu 103% aus Brennesseln, und da wir aus irgendeinem Grund heute beide Wadenfrei unterwegs sind, lassen wir den lieber mal links liegen…

Also weiter bergauf, nun schon etwas steiler, ein Miniweg durchs Buschdickicht am Talende, neben einem Zaun aufwwärts bis zum Waldrand.
Sieht zwar schon so ein bisschen nach Sackgasse aus, aber wir haben Glück: Ganz oben gibt´s doch tatsächlich noch ein nicht mal Matthiashüftbreites (= 1,46 Juliahüftbreiten) Wurzelpfädchen, das nicht mal auf der Wanderkarte verzeichnet ist – aber es führt – mit ein bisschen Kletterei und angenesseltem Gebein – doch tatsächlich hinauf durch die Wildnis, bis wir uns wieder auf dem Weitwanderweg-Odenwald-Vogesen wiederfinden.
Das kenn ich jetzt wieder hier oben, alles perfekt, wir sind wieder auf Kurs und können unverzagt dem roten Balken nach Norden durch den leicht abfallenden (links)/aufsteigenden(rechts) Hangwald folgen.

Siestwohl, geht doch! 🙂

Wir passieren den still daliegenden (und muffig müffelnden) Walthersteich, steigen über einen schmalen (aber weiterhin markierten) Pfad erneut zum Waldrand ab, laufen am Melittabrunnen vorbei und erklimmen schließlich – nun auch in Begleitung des Sieben-Hügel-Steigs (markiert mit einem Sparkassen-Symbol) den wirklich sacksteilen Prinzenberg (das letzte Mal bin ich hier im tiefsten Winter bei Glatteis runtergeschliddert, sich nun bei Tropenhitze hinaufzuschleppen ist auch nicht angenehmer. Aber mit einem kleinen Gehpäuschen zwischendrin klappt´s).
Oben gibt´s noch mal einen wunderbaren Blick über die streuobstwiesigen Vorhügel ins Ried und rüber zum Beginn der Bergstrasse, dann geht´s auch schon wieder runter (abwärts vom Prinzenberg), rauf (über eine weiteren bewaldeten Hügelriegel), rauf (durch den Wald an der Marienhöhe, am Martinstempel vorbei) und schließlich noch mehr rauf (zur Ludwigshöhe rauf durch den Wald).

Inzwischen merkt man schon, dass wir beide so ein bisschen abgeschafft sind – der Aufstieg fällt schwer, wir kämpfen und mit roten Köpfen schwitzend und schnaufend den Hang hoch. Beeilen tun wir uns aber trotzdem, sogar aus zweierlei Gründen:
Zum einen treibt uns der Durst vorwärts – der Getränkegürtel ist inzwischen leer, deshalb hoffen wir so ein bisschen auf die Ausflugskneipe am Ludwigsturm, die allerdings offiziell um Acht Uhr zumacht. Und gerade ist es Acht Uhr…
Zum anderen ist das Unwetter, das vor einer halben oder dreiviertel Stunde noch fern im Norden gedräut hat, inzwischen fast angekommen – vor uns zwischen den Bäumen ist der Himmel nachtschwarz, es Blitzt und Donnert, und auf den letzten Metern setzt dann auch noch ein orkanartiger Vorgewittersturm ein, der die hohen Baumwipfel wie Schilfrohre hin- und herwackeln lässt und uns mit losen Blättern und (gottseidank kleinen!) Ästen bombardiert.
Bestenfalls Minuten bis zum Gewitterstart, da rennste, auch wenn die Puste knapp wird…

Wir schaffen´s.
Gerade so.

Beinahe auf den letzten Drücker hasten wir an der Darmstädter Sternwarte mitten im Wald vorbei und erreichen das schützende Vordach der Ludwigsklause, die – obwohl´s schon ein paar Minuten nach Acht ist – noch offen genug ist, um uns was Kaltes zu Trinken zu verkaufen.

Aaaaah, das tut gut!

Wir haben sogar noch ein, zwei Minuten Zeit, um noch mal rüber zur Aussichtsterrasse am Ludwigsturm zu schlendern und den grandiosen Ausblick zu genießen, den man von hier aus über die Stadt am Fuß des Berges hat, und weiter nach Norden, bis hin zum fernen Taunus und der surral nahe wirkenden Frankfurter Skyline, die sich heute unter dem nachtschwarzen, wetterleuchtenden Unwetterhimmel duckt.

Dann entlädt sich das Gewitter.
Apokalyptisch, so ein Unwetter hab´ ich schon lange nicht mehr erlebt.
Von einem Moment auf den anderen öffnet der Himmel seine Schleusen und die Welt versinkt in gischtigem Platzregen, der derartig beeindruckender Wucht und Menge herniederpladdert, dass man sich mitten in der Sintflut wähnen könnte, begleitet von krachendem Donner, grellen Blitzen und heulenden Sturmböen.
Nur gut, dass wir nicht zehn Minuten langsamer waren, wenn uns das unterwegs erwischt hätte… heidenei!
An Weiterlaufen ist da nicht zu denken, also kauern wir uns notgedrungen unters Vordach der Ludwigsklause und warten aufs Unwetterende.
Und warten.
Und warten.

Die wenigen anderen Gäste hasten nach und nach zu ihren nahen Autos und fahren weg, dann machen die Wirtsleute dicht und fahren ebenfalls heim (nicht ohne uns netterweise angeboten zu haben, uns mit runter zu nehmen – aber leider müssen sie in die falsche Richtung, das bringt uns nix), wir warten weiter.
Langsam wird´s finster und kalt, besonders Julia, die ja doch etwas weniger gut gepolstert ist als ich, fängt an zu frieren.
Gerade fühl´ ich mich so ein bisschen von der Welt verlassen„, meint sie, während wir auf der Holzbank unter dem Vordach der verwaisten Klause sitzen und bibbern.
Ich kann´s ein Stück weit nachvollziehen…

Irgendwann, nach einer gefühlten kleinen Ewigkeit, lässt der Regen dann doch nach, genug zumindest, dass wir uns wieder auf den Weg machen.
Ist ja auch eigentlich nicht mehr weit bis zum Ziel…

Und dann passiert´s.
Wir nehmen den falschen Abstieg!

Vielleicht ist ja die schnell einsetzende Dämmerung dran schuld, oder mein nassgeregnetes und durchgeschwitztes Plänchen, das kaum noch leserlich ist, oder die Eile, oderwasauchimmer – auf jeden Fall verpassen wir den Weitwanderweg Odenwald-Vogesen und erwischen stattdessen einen stockdunklen Waldweg steil bergab, der nicht an der Darmstädter Seite der Ludwigshöhe hinabführt, sondern an der Eberstädter Seite.
Und ich merk´s nicht.
Hrm.

Der Weg ist finster und glitschig und voller Pfützen, da muss man schon ein bisschen aufpassen und ordentlich hin und her hüpfen. Nochmal ein bisschen Abenteuer, eigentlich ganz cool, auch Julia scheint wieder Spaß an der Sache zu haben.
Dann sind wir unten, auf einem Querweg.
„Rechts“, sage ich im Brustton der Überzeugung, obwohl Julia meint, sie wäre eher für links.
Aber ich kenn´ mich hier ja aus (räusper), deshalb laufen wir rechts, dann nochmal links, auf einen Weg an einem schmalen Wiesenstreifen zwischen den Bäumen.
„Steckenbornweg“, steht auf einem Schild.
Das kommt mir bekannt vor, ich nehm´s als gutes Zeichen und ignoriere das kaum hörbare Stimmchen in meinem Hinterkopf, das irgendwas von wegen „kannabernichseindasisdochaufderfalschnbergseite“ nuschelt…

Wir laufen den Steckenbornweg runter. Irgendwann begegnen uns sogar wieder der Siebenhügelsteig und der Weitwanderweg Odenwald-Vogesen.
„Na also“, behaupte ich, „wir sind voll auf Kurs“.

Bis es schließlich links hoch in den dämmrigen Wald geht. Ein bisschen bergauf, schmaler Weg…
Hmmm, das kommt mir doch irgendwoher bekannt vor…
Das könnte doch…
Das ist doch…

OCH NÖÖÖÖÖÖÖ!!!!

Plötzlich erkenne ich den kleinen bewaldeten Höhenriegel vor der Marienhöhe wieder, von dem wir vorhin runtergekommen sind bevor´s zur Ludwigshöhe hoch gegangen ist.
Will heißen:
Wir sind im Kreis gelaufen.
Darmstadt – und damit das Ziel – liegt auf der anderen, der falschen Seite der Ludwigshöhe.

Und es ist spät, langsam wird´s dunkel, wir sind schon lange unterwegs, und Julia ist keine trainierte Langstreckenläuferin.

Sch…e!!!

Es hilft nichts. Die paar Kilometer Umweg, die ich uns mit meiner idiotischen Unachtsamkeit eingebrockt habe, müssen gelaufen werden.

Wir drehen um, laufen den Steckenbornweg wieder zurück, bis zum Waldrand wo wir auf die Alte Bogenschneise wechseln, auf der wir bis zur B449 östlich von Darmstadt hochlaufen.
Nicht der kürzeste Weg (der würde direkt durch den Wald an der Ludwigshöhe führen), aber der sicherste – hier kann man wenig falsch machen, und einen weiteren Orientierungsglitch möchte ich auf jeden Fall vermeiden.

Parallel zur Bundesstrasse verläuft der Moosberg-Weg (gelbe 3, nicht dass man die im Halblicht des dämmrigen Waldes noch erkennen könnte) bis zum Böllenfalltor am Stadtrand von Darmstadt.
Nicht weit, aber es zieht sich, hin und wieder gehen wir ein bisschen, damit´s nicht gar zu hart wird.

Am Böllenfalltor überqueren wie die große Kreuzung und nehmen den Böllenfalltorweg. Asphalt (gut) aber unbeleuchtet (nicht so gut) durch den Buschwald bis zum Campus Lichtwiese der TU, dort dann rechts die Petersenstr. hoch, vorbei an den blockigen Unigebäuden, die in der Abenddämmerung verwaist daliegen, und schließlich kurz vor dem kleinen Campusbahnhof links, wo wir auf den Weitwanderweg Odenwald-Vogesen stoßen, der uns durch ein finsteres, brennesseliges Waldstück („No me gusta“, meint Julia dazu) zurück auf den Schnampelweg bringt, auf dem es dann nur noch ein Katzensprung an den Kleingärten und dem Vivarium vorbei ist, bis wir mit dem letzten Tageslicht endlich wieder an unseren wartenden Autos angekommen.

Puuh. An sich eine richtig schöne, spannende, coole Runde.
Der Navigationfehler gegen Ende hätte nicht mehr sein müssen, zumal der uns schon ein paar Extrakilometerchen eingebrockt hat.
Zum Glück ist Julia nicht nur nicht nachtragend sondern auch topfit (ich sach´s euch, legt euch nicht mit Ballerinas an, die sind zäh wie ein Zehnminutensteak 😉 ), entsprechend hat sie das ganze trotz der sehr beachtlichen Distanz gut weggesteckt.
Und wenn ich mir in der nächsten Woche im Büro immer mal wieder meinen schlechten Orientierungssinn unter die Nase reiben lassen muss – tja, das hab´ ich mir wohl verdient… 😀

Strecke: 18,2 km
Zeit: Viel
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 43,41% (7,9 km von 18,2 km)
Karte:

M.

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10 Antworten to “Unfreiwillig langer (aber trotzdem netter) Feierabendlauf zwischen Darmstadt, Mühltal und Eberstadt (18,2 km)”

  1. Christian Says:

    Mein lieber Matthias,

    ich verfolge ja mehr oder weniger regelmäßig Deine Berichte, aber der heutige ist genau nach meinem Geschmack obwohl ich ein wenig Mitleid und auch Schadenfreude gegen Ende verspürt habe. Übrigens das Mitleid galt nur Deiner kämpferischen Begleitung und die Schadenfreude….lassen wir das.
    Im Ernst, hört sich wirklich nach einem richtig schönen Lauf-Abenteuer an, hatte fast alles was zu solchen Touren gehört, Selbstzufriedenheit, Selbstüberschätzung, Glück und etwas Dramatik.
    Was mich ganz besonders freut-muss ich wohl durch die Blogabstinenz verpasst haben-ist, dass Du wohl jetzt zur arbeitenden Bevölkerung gehörst, da kann ich Dir nur gratulieren. Hoffentlich macht der Job Spass…

    Ich wünsch Dir – und auch der optionalen Begleitung – weiterhin sehr viel Spass und ab und zu eine kleine Verirrung, denn Du weisst ja, das ist das Salz in der Suppe 😎

    Salut

    Christian

    • matbs Says:

      Hi Christian,

      schön mal wieder von dir zu hören, ich dachte schon, du wärst ganz in den Weiten jenseits des WWW verschütt´ gegangen! 😀

      Die Schadenfreude ist auf jeden Fall angebracht, das Mitleid ist allerdings nicht nötig, denn wie mir Julia zwei Tage später strahlend erklärt hat, hatte sich nicht mal Muskelkater.
      Also alles gut, am Ende…

      So richtig in Lohn und Brot stehe ich allerdings immer noch nicht, bin zwar noch in einigen Bewerbungsverfahren (u.a. auf meinen Traumjob, den ich seit einem halben Leben machen will, und wo ich es immerhin schon mal unter die letzten 5 geschafft habe), aber was Endgültiges ist noch nicht raus.
      Momentan bin ich „nur“ Praktikant, gemäß dem Motto der Generation P: „Kommt erst mal nichts Gescheites rum, versuch´s mal mit ´nem Praktikum“.
      Entsprechend arbeite ich zwar Vollzeit, werde dafür aber ungefähr so gut entlohnt wie ein bangladeschisches Strassenkind in einem Sweatshop von Dhaka, ist also noch nicht ganz gratulierfähig.
      Aber Spaß macht´s trotzdem, und es tut auf jeden Fall gut, was Sinnvolles zu machen und mit einem netten Team zusammenzuarbeiten.

      Lass´ ruhig mal wieder von dir hören!

  2. Laufhannes Says:

    Mehr von der Landschaft gesehen und so, ein bisschen mehr trainiert, länger die frische Luft genossen – die Julia hat dir gar nichts unter die Nase zu reiben 😉

    • matbs Says:

      Na ob sie das abhält… 😀

      Übrigens sehe ich, dass du bereits die süd- und südwestdeutsche Eigenschaft angenommen hast, vor Personennamen einen Artikel zu setzen, anstatt ihn fein norddeutsch unter den Tisch fallen zu lassen.
      Sehr löblich! 😉


  3. […] Unfreiwillig langer (aber trotzdem netter) Feierabendlauf zwischen … […]

  4. XYZ Says:

    Weshalb benutzt du bei diesen schweisstreibenden Temperaturen und Aktivitäten eigentlich kein Stirn- bzw. Pulsband zum schweissindieaugenlaufenhemmen und abwischen??? Oder vielleicht ein baumwollenes Sacktuch wie es die sportlichen Herren früher nutzten???

  5. matbs Says:

    So weit kommt´s noch.
    Die Achtziger sind vorbei, und das ist auch gut so! 😀


  6. […] Unfreiwillig langer (aber trotzdem netter) Feierabendlauf zwischen Darmstadt, Mühltal und Eberstadt… […]


  7. […] dass Leute, die gar nicht so viel Lauferfahrung mitbringen, durchaus in der Lage sein können, 20 oder 25 Kilometer […]


  8. […] werden… ). Fühlt sich schon irgendwie ein bisschen traurig an, denn die gemeinsamen Touren in den letzten Wochen haben immer so richtig, richtig viel Spaß gemacht. Schon schade, wenn´s vorbei […]


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