Stramme Tempotour im Lorscher Wald: Lorsch – Einhausen – Riedrode (14,6 km)

15. Juli 2010

Wisst ihr, was ich schon lange nicht mehr gemacht habe?

Spontan mal irgendwohin fahren, wo´s nix Besonderes gibt und wo man generell schon mal war, und dort einfach nur ein paar neue Wege ablaufen, ohne Erwartungen oder den Druck, was Besonderes erleben zu müssen.

Heute hatte ich genau darauf mal wieder Lust, also hab´ ich mich abends spontan mal ins Auto gesetzt und bin runter nach Lorsch gefahren, für eine kleine bis mittlere Runde im Lorscher Wald.
Und weil ich mich heute ganz fit fühle, die geplante Strecke flach und unkompliziert ist und es außerdem deutlich kühler ist als in den letzten Tagen, hab´ ich mir gleich noch eine zweite Sache vorgenommen, die ich lange nicht mehr probiert habe:
Tempo.
Konkret: Einfach mal schauen, wie langsam ich in den letzten Monaten ohne jeden Geschwindigkeitsehrgeiz geworden bin, und ob das noch mit den Kilometerzeiten unter sechs Minuten klappt…

Ich komme erst relativ spät beim Start am Parkplatz Hügeltränke im westlichsten Zipfel der Weltkulturerbe-Stadt Lorsch an – so spät, dass ich wahrscheinlich in die Dämmerung kommen werde, selbst wenn ich das geplante schnelle Tempo hinkriege.
Also nicht lange fackeln, gleich mal los!

Und zwar erstmal ganz kurz westwärts, an der Nibelungenstr. unter der A67 durch, dann gleich rechts, wo der Radweg R9 zwischen Kleingärten und dem Autobahndamm nach Norden verläuft, nach ein paar hundert Metern die Gleise der Riedbahn überquert und kurz darauf durch eine weitere Unterführung unter der B47 Lorsch endgültig verlässt und zwischen den weiten Feldern des Rieds und dem östlichen Rand des Lorscher Waldes bis nach Einhausen führt.

Das mit dem Tempo klappt soweit ganz . Zwei Kilometer sind schon durch, und ich bin auf jeden Fall einen Schritt schneller als normal – nicht am Limit, aber doch ganz zügig. Bisher gibt´s keine Probleme dabei, im Gegenteil, tut sogar richtig gut, mal wieder bewusst etwas mehr Leistung als üblich abzurufen.

Entsprechend fix liegt Einbausen auch schon wieder hinter mir, nachdem ich den Ort gerade mal in seinem südlichsten Zipfel mit den Strassen „In der Wolfshecke“ und „Kroisbacher Str.“ angekratzt habe.

Es folgt ein eeeeeeewig langes Stück, auf einem staubigen, etwas holprigen Feldweg zwischen dem Rand des Jägersburger Waldes und der breiten, offenen Feldlandschaft der Weschnitzebene nach Westen. Läuft sich gut, und ist vor allem sehr hübsch: Schräg rechts vorne versinkt gerade die rote Sonne hinter der grünen Wand des Jägersburger Waldes (dank der großen Bewässerungsanlagen auf den Feldern, krieg ich sogar noch einen Mini-Regenbogen im Wässerwasser, geradeaus kann man direkt rüber nach Rheinhessen schauen, auf den fast 40 Kilometer entfernten Donnersberg, der sich klar gegen den hellblau-purpurnen Abendhimmel abzeichnet und die Windradgekrönten Hügel Rheinhessens klar überragt.
Und schräg hinten natürlich die Bergstrasse, ansehnlich wie immer unter den drei markanten Gipfeln von Melibokus, Felsberg und Krehberg.

Das Stück an der Nordkante des Waldes ist fast drei Kilometer lang, dann geht´s links runter auf einen Asphaltweg, der zwischen Waldrand, Hecken und sommerlichen Feldern bis nach Riedrode reinführt.

Auch wieder sehr nett: Riedrode ist zwar nicht alt (eine weitere Nazigründung aus den Dreißigern) aber trotzdem durchaus idyllisch, ein freundliches, etwas verschlafenes Bauerndorf inmitten großer Waldgebiete und endloser Felder, das gerade an einem Sommerabend wie heute ganz entspannt und friedlich wirkt.

Ich folge ein Stück den Ortsrand bis zum Sportplatz, dann laufe ich die breite Bahnhofstr. runter bis Riedrode zu Ende ist, überquere direkt danach die vielbefahrene B47 Bensheim-Worms und schlage mich auf der anderen Seite in den stillen, dunklen Lorscher Wald.

Ab jetzt gibt´s erstmal nur noch Geraden.
Lange, lange Geraden, auf den wie mit dem Lineal gezogenen Schneisen, die sich durch das riesige Waldgebiet zwischen Mannheim, Lorsch und Bürstadt fressen.
Erstmal auf der Tiergartenquerschneise (Tiergartenquerschneisenweg, gelbe 1), südwärts, fast zwei Kilometer durch den unspektakulären aber freundlichen Dämmerwald, weiterhin in strammem Tempo, wenn auch hin und wieder durch eine kurze Orientierungspause unterbrochen – zwar bin ich hier sogar schonmal gelaufen, aber im Prinzip sieht hier jede Kreuzung gleich aus, da muss man immer ein bisschen aufpassen, dass man nicht zu früh oder zu spät abbiegt.

Ich erwische nach über zehn Minuten geradeaus die richtige Abzweigung und biege links auf die Dreibuchenschneise ab (weiterhin gelbe 1, zwischendurch auch mal gelbes V sowie unregelmäßig ein Marker für den „Hirschkäferweg“, der mir nicht bekannt ist).

Noch längere Gerade. 3 Kilometer durch den Wald, in dem es inzwischen schon ziemlich finster ist, außerdem beginne ich so langsam die ersten kleinen Ermüdungserscheinungen nach einer knappen Stunde Tempolauf wahrzunehmen – Puste etwas knapper, Beine leicht angestrengt, leichte Leere im Kopf. Noch kein Problem, aber eine Halbmarathondistanz werde ich in dieser Geschwindigkeit heute wohl nicht mehr schaffen (muss ich zum Glück auch nicht… ;)).
Trotzdem: Das Stück zieht sich, mit aufziehender Dunkelheit und leichter Wattigkeit im Hirn und den Gliedern geht mir so ein bisschen das Zeitgefühl verloren, es fühlt sich an, als würde ich Stundenlang einfach nur noch vorwärts durch den nicht enden wollenden Schattenwald hasten.
Das macht schon ein bisschen unsicher („hab´ ich die richtige Abzweigung vielleicht schon verpasst oder laufe gar unorientiert in die falsche Richtung ohne es zu merken??„), denn ich weiss: Wenn´s hier erstmal richtig dunkel geworden ist, wird´s sehr schwer, wieder aus dem riesigen, unbekannten Wald ohne Orientierungspunkte herauszufinden.

Entsprechend erleichtert bin ich, als ich vor mir das erste leise Rauschen der A67 höre, die den Wald bei Lorsch durchschneidet. Richtige Richtung, alles gut.
Kurz darauf erreiche ich (genau wie geplant, aber ein bisschen unbegründetes sorgenvolles Grübeln hat ja noch nie geschadet… ;)) die Kreuzung an der Krumschneise, biege kurz nach rechts, wieder links in die Weidigschneise, dann auf einem schmalen Weg rüber auf die alte Mannheimer Strasse, die direkt zur Autobahnbrücke südlich der Raststätte Lorsch führt.
Alles gut, nicht verirrt, und gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit aus dem Wald raus.

Auf der anderen Autobahnseite folge ich einfach dem dunklen, randstreifenlosen Fahrweg zwischen den Bäumen hindurch bis ich den Lorscher Stadtrand erreiche und vom Krächzen von Papageien begrüßt werde – ich bin am Vogelpark und damit wieder auf halbwegs bekanntem Terrain und nicht mehr weit vom Ziel entfernt.
Ist auch gut so, denn inzwischen merke ich das ungewohnt hohe Tempo doch schon ganz ordentlich: Zwar gibt mir mein Körper zu verstehen, dass er bereit ist, es noch bis zum Ende der Runde durchzuhalten, sich aber dann in den nächsten Tagen mit schweren Beinen und ein bisschen Müdigkeit revanchieren wird.
Zeit für den Endspurt.

Ein paar Meter durchs Wohngebiet an der Mannheimer Str., dann biege ich links in eine dunkle Parkanlage neben dem Vogelpark ein, in der ich mich weiter nach Norden durchschlage, bis zum Waldschwimmbad, wo ich auf den Radweg „am Birkengarten“ wechsle, der zwischen Waldrand und den letzten Häusern der Stadt zum Ziel führt. Dabei drehe ich nochmal ordentlich auf, weniger weil ich noch so fit bin, sondern eher weil das hier nicht unbedingt die allerbeste Wohngegend ist, mit vier- oder fünfstöckigen Wohnsilos und vielen etwas halbseiden wirkenden Jugendlichen, die rauchend und biertrinkend an irgendwelchen schlecht ausgeleuchteten Ecken rumlungern. Brauch´ ich nicht, also nix wie weiter, zügig durch die Nacht bis zum Auto, das ich schließlich nach etwas mehr als achtzig Minuten um kurz vor Halb Elf wohlbehalten aber gut ausgepowert erreiche.

Fazit: Ganz so schnell wie früher bin ich zwar nicht mehr, aber so zehn oder fünfzen Kilometerchen mit einer Zeit von unter 6 min/km krieg´ ich schon noch hin.
Das reicht dann auch. 😉

Nette, unkomplizierte Runde, die schön durchgeputzt und durchaus Spaß gemacht hat.
Sowas sollte ich mal wieder öfter machen…

Strecke: 14,6 km
Zeit: 1:21 h (= 10,81 km/h bzw. 5:33 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 75,14% (10,97 km von 14,6 km)
Karte:

M.

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2 Antworten to “Stramme Tempotour im Lorscher Wald: Lorsch – Einhausen – Riedrode (14,6 km)”

  1. Laufhannes Says:

    Oh ja, Tempo, Tempo, Tempooooooooooooooooo.
    Können wir auch gerne mal gemeinsam machen. *frechgrins*

  2. matbs Says:

    Wie jetzt?
    Mein Tempo oder dein Tempo? 😀


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