Autohlenlaufen die Xte (12,2 km)

31. August 2010

Ah, endlich mal wieder eine Aufgabe fürs Joggen:
Das Auto von meinen Eltern steht in Pfungstadt in der Werkstatt, und jetzt muss es jemand holen.
Und weil schönes Wetter ist, mach ich das.
Natürlich zu Fuß.
Weil, es ist ja schönes Wetter. 😉

Die kürzeste Strecke zum Autohaus bin ich inzwischen ja schon öfter gelaufen: Einmal durch den Seeheimer Wald, über die A5 und die ICE-Trasse, dann am Rand von Pfungstadt entlang und über die Modau bis ins Gewerbegebiet, wo die Werkstatt liegt.
Nette, unkomplizierte Strecke knapp unter 10 Kilometer, aber eben nix auch nix Neues mehr – mag ich heute nicht, stattdessen will ich´s mal mit einem größeren Bogen durchs Ried versuchen, durch Bickenbach, an Erlensee und Pfungstädter Moor vorbei und durch die endlosen Felder nach Pfungstadt rein.
Viel offenes Flachland, da kann man die freundliche Sonne, den schäfchenwolkigblauen Himmel und den frischen Wind mit seiner exquisiten Frühherbstnote richtig schön genießen.

Ich starte früh für meine Verhältnisse, so gegen 15:30 Uhr.
Ganz entspannt, schließlich muss ich ja nicht hetzen, mit ruhigen, gleichmäßigen Schritten durch Jugenheim, sanft abwärts bis zum westlichen Dorfrand, dann unter den Birken, die den Radweg neben der K146 säumen, bis nach Bickenbach rüber.

Läuft ordentlich aber nicht ganz perfekt: Bin irgendwie so ein bisschen steif in den Hüften, das ist nicht ideal für die Ebene mit ihrer ständigen gleichmförmigen Belastung der Muskulatur, besonders wenn man viel harten Untergrund vor sich hat (so wie ich heute). Andererseits aber auch kein Beinbruch, vielleicht läuft sich´s ja auch raus…

Bickenbach durchquere ich wie üblich, neben dem fröhlich dahinplätschernden Landbach auf dem Kopfsteinpflaster der Bachgasse und dem Asphalt der Bahnhofstr., an deren Ende ich durch die Fußgängerunterführung unter den Gleisen durchlaufe und mich kurz danach im Gewerbegebiet jenseits der Bahnlinie (das jedesmal, wenn ich vorbeikomme, um ein paar schmucklose Zweckbauten größer geworden zu sein scheint) nach rechts Wende.
Radweg an der Berta-Benz-Str., führt geradewegs in die Äcker nördlich der Lagerhallen und mittelständischen Betriebe, und führt dann ein paar hundert Meter weiter mit einem quadratischen Tunnel unter der A5 durch, ins weite, flache, offene Niemandsland zwischen den Autobahnen 5 und 67 mit seinen Äckern, Brachwiesen, kleinen Wäldchen und gelegentlichen paar Aussiedlerhöfen.

300 m. Feldweg, flankiert von struppigem Flachlandwald (rechterhand) und perfekt manikürtem Rollrasen (links), dann geht´s rechts zwischen den Bäume und den Erlenseeweg (gelbe 2) hoch, der – wer hätte es gedacht – am westlichen Rand des großen, still daliegenden Baggersees erst nach Norden führt und dann auf den schmalen, urwaldigen Pfad am Nordufer abknickt. Nichts los hier, heute sind mal keine Nudisten unterwegs, ist mir gar nicht so unrecht… 😉

Kurz vor der Mitte des langgezogenen Gewässers wende ich mich vom Ufer ab und schlage mich auf einem kleinen, unmarkierten Pfädchen, das durchs Gestrüpp über die Böschung am Seerand führt, nordwärts ins Pfungstädter Moor durch.

Allzu moorig sieht´s hier heute allerdings nicht aus, der Weg durch die sattgrünen Brachwiesen ist trocken und fest, kein Nebel, keine Irrlichter, keine Sumpflöcher, keine seltenen Moorpflanzen (zumindest keine, die für mein Laienauge zwingend danach aussehen). Nett isses trotzdem, und gut zu laufen, der Erduntergrund tut den Waden mal ganz gut.

Kurz danach passiere ich die beiden Angelgewässer nördlich des Erlensees und laufe dann weiter nach Norden in die Felder hinaus.

Hier ist Platz.
Fast schon ein bisschen wie in Norddeutschland, denke ich mir, als ich im warmen (aber nicht heißen) Sonnenlicht in die Weite aus Äckern und Feldern trabe, die sich vor mir bis zum Horizont erstrecken, durchbrochen nur von ein paar Bauernhöfen und der Skyline (wenn man´s denn so nennen mag) der Kleinstadt Pfungstadt, die halbrechts vorne im Schatten einer besonders großen Wolke zwischen den Äckern sitzt. Lediglich der Blick nach rechts ist dann nicht mehr ganz so norddeutsch, denn dort erheben sich die bewaldeten Flanken der Bergstrasse über die Ebene, klar sichtbar in der frischen Luft und ebenfalls in helles Sonnenlicht getaucht.

Insgesamt fast 2,5 km laufe ich nordwärts, weiterhin ruhig und gleichmäßig und etwas hüftsteif, vorbei an Höfen, Silotürmen, Wiesen und Feldern, von denen je nach Bewirtschaftung ganz verschiedene Düfte herüberwehen – mal ist es frisches Heu, mal Zwiebeln, mal Dung, mal Fenchel. Zu sehen gibt´s hier vielleicht nicht ganz so viel wie drüben in den Bergen, zu riechen aber dafür so Einiges…

Schließlich, schon kurz vor der Modau, biege ich nach rechts ab, laufen einen holprigen und von Krähen besetzten Feldweg in Richtung der Pfungstädter Häuser, die ich schließlich über den Radweg 19 am äußersten Westzipfel der Stadt erreiche.
Jetzt muss ich eigentlich nur noch einmal quer durch die Stadt, dann hab´ ich´s auch schon geschaft.
Wohlan!

Ich mach´s mir einfach, folge einfach der Hauptverkehrs- und Geschäftsader, die den Ort der Breite nach von Osten nach Westen (oder umgekehrt) durchmisst: Erst als Rheinstr., dann ab der Kreuzung neben dem hoch aufragenden grauen Turm der Malzfabrik als Eberstädter Str.
Hier ist so Einiges los, trotz der Nähe zur Großstadt Darmstadt sind die Geschäfte an den breiten Bürgersteigen gut frequentiert, mehr als einmal muss ich ein paar Slalomhaken schlagen, um nicht mit irgendwelchen flanierenden Passanten zu kollidieren (bzw einmal, um nicht von einer dicken, prolligen Frau, die mit einem dicken, prolligen MöchtegernSUV mit einem dicken, prolligen Kind auf dem Rücksitz aus einer schmalen Einfahrt herausschießt, augenscheinlich ohne Rücksicht auf Verluste. Dafür, dass ich mit einem hastigen Hüpfer dafür sorge, dass sie ihrer Versicherung nicht erklären muss, warum ein rotgesichtiger Jogger in ihrem Kühlergrill steckt, ernte ich dabei ein nerviges Hupen und einen bösen Blick.
Some people suck. Seriously!).

Auf Höhe der Pfungstädter Brauerei probier´ ich´s nochmal mit ein paar unerlaufenen Nebenstrassen, nämlich erst der Bahnhofstr. links hoch, dann rechts an einem überraschend hübschen Parkstreifen, dem Pfungstädter Friedhof und einem Verkehrserziehungsplatz (den ich als den identifiziere, auf dem ich in der dritten Klasse mit der Schule zum Verkehrsregelüben abgestellt worden bin) in Richtung der Sportplätze am östlichen Stadtrand (passenderweise heißt die Strasse dann auch „Zu den Sportplätzen“).
Dort angekommen halte ich mich weiter geradeaus, überquere auf einer schmalen Betonbrücke den Sandbach, laufe ein paar Meter durch den Uferwaldstreifen, und wechsle dann bei der nächstbesten Gelegenheit ins Industriegebiet jenseits des Wäldchens (das so aussieht wie alle Industriegebiete in Deutschland, also nicht der Rede wert…).
Dort muss ich dann nur noch ein paar Meter rechts die Robert-Bosch-Str. runter, dann bin ich am Ziel und kann den irgendwie durchgecheckten Rentnerpanzer meiner Eltern in Empfang nehmen und mich motorisiert auf den Rückweg machen.

Nix Besonderes, aber auf jeden Fall schon mal besser als alles, was ich letzte Wochen hingekriegt habe.
Ein Anfang…

Strecke: 12,2 km
Zeit: Mehr als eine Stunde, weniger als anderthalb
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 29,26% (3,57 km von 12,2 km)
Karte:

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2 Antworten to “Autohlenlaufen die Xte (12,2 km)”

  1. Evchen Says:

    „Dafür, dass ich mit einem hastigen Hüpfer dafür sorge, dass sie ihrer Versicherung nicht erklären muss, warum ein rotgesichtiger Jogger in ihrem Kühlergrill steckt…“

    Ahhaahaha! *schenkelklopf* *gröhl*

    Jo, das liest sich in der Tat schon ein wenig fröhlicher. Du kannst Fenchel riechen? Ich glaube, ich muß mal üben. Mir kommen immer nur Gerüche wie Dung (aber hey, ich kann Pferd und Kuh unterscheiden) und Raps in die Nase. 😉

    • matbs Says:

      Joa, diese Woche isses mal wieder etwas netter.
      Ob´s hält weiß ich natürlich nicht…

      Und klar kann ich Fenchel riechen, zumindest wenn ein Fenchelfeld in der Nähe ist (oder ich eine psychotisch-halluzinogene Episode durchleide, in der alles nach Fenchel riecht. Aber das passiert eher selten :D).
      Was ich allerdings nicht riechen kann ist Raps, wenn auch nur, weil ich den „nicht Riechen“ kann (diesen unangenehmen süßlich-klebrigen Duft meine ich).


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