Messeler Wälder: Bahnhof Messel – Moret – Einsiedel (13,9 km)

2. September 2010

Heute Mittag hab´ ich im Jagdschloss Kranichstein nördlich von Darmstadt vorbeigeschaut – places to be, things to do, people to meet, sowas halt… 😉

Und weil das da oben eh schon ordentlich weit weg von zuhause ist, und zudem noch so ein bisschen am Rand meines Streckennetzes liegt, hab´ ich mir vorgenommen, die Gelegenheit zu nutzen und endlich mal wieder eine nette Tour in der – relativen – Fremde zu drehen.
Ist ja auch höchste Zeit!

Konkret hab´ ich mir was relativ unspektakuläres rausgesucht: Einfach mal eine Runde durch die endlos großen Waldgebiete zwischen Darmstadt, Messel und Dieburg, in Laufbloggerkreisen auch als Gerd-Land bekannt (weil es Gerds Leib- und Magenrevier ist).
Vergleichsweise reizarm und mit vielen laaaaaaaaaangen geraden Schneisen, eingerähmtvon Bäumen, Bäumen, Bäumen, Bäumen, Bäumen und noch mehr Bäumen. Sollte unkompliziert zu laufen sein, genau das Richtige, für den ersten Lauf im Unbekannten nach Wochen des Vor-der-eigenen-Haustür-Rumeierns.

Nachdem alles Wichtige im Jagdschloss erledigt ist (naja, so halbwegs… 😉 ), mache ich mich um kurz nach halb Sieben auf den Weg und fahre durch den dichten, grünen Wald rüber in Richtung Messel. Allerdings nicht in den Ort selbst, sondern runter zum Bahnhof, der einen knappen Kilometer südlich davon am Waldrand liegt, umgeben von einem mittelgroßen Gewerbegebiet und einer kleinen Siedlung.
Dort stell ich dann das Auto ab, zieh mich schnell auf dem Beifahrersitz um (inzwischen hab´ ich darin echt Übung, oder zumindest weniger Hemmungen, in Sichtweite doof glotzender Passanten unter wilden Verrenkungen im Fußraum zwischen Handschuhfach und Rückenlehne die Beinkleider zu wechseln… :D) und mach´ mich auf den Weg.

Und zwar erstmal ostwärts.
Die Strasse „Am Bahnhof“ entlang, der Markierung des OWK-Wanderwegs HW6 (weißes hohles Quadrat) hinterher.
Nicht gerade eine Premiumstrecke auf den ersten paar Metern, linkerhand hat´s irgendwelche riesigen Lager- oder Fertigungshallen, rechts kommen erst die Gleise, dahinter liegt eine große Fabrik für Hohlblocksteine, die neben einem leicht sämigen postindustriellen Charme vor allem durch einige qualmende Schornsteine besticht.
Passt ein bisschen zu dem trüben, grauen Himmel, der irgendwann in den letzten Stunden aufgezogen ist und den bis dahin freundlich-sonnigen Tag verdrängt hat…

Immerhin, ist nur ein halber Kilometer, dann vollführen der HW6 und ich einen eleganten Knick nach halblinks und schlagen uns an einem kleinen Friedhof vorbei in den „Zeilharder Wald“ (der zumindest laut Wanderkarte so heißt. Was mich ein bisschen wundert, denn das Örtchen Zeilhard liegt eigentlich eine ganze Kante [= ca. 10 km] weit weg). 7

Ein paar hundert Meter nordostwärts, links schimmert zwischen den Bäumen immer noch mal die große, offene Lichtung herüber, in deren Mitte Messel liegt, dann geht´s rechts auf die Zeilharder Grenzschneise, die mich auf 1,2 schnurgeraden Kilometern zurück an die Bahntrasse bringt.
Die Gleise überquere ich auf einem kleinen und etwas häßlichen Bahnbrückchen, direkt dahinter mündet der Fußweg dann in die Große Hauptschneise, die in Richtung Süd-Südwest den Wald durchschneidet.

Die ist lang.
Wirklich laaaaang.

Einfach vorwärts, rechts Bäume, links Bäume, vorne Bäume (und der schmale Strich der Schneise dazwischen, leicht auf- und ab über die Hügel führend), hinten Bäume (+ auch Schneise). Am Anfang ist es noch ein bisschen sumpfig, später wird´s dann trockener.
Flachlandwald halt. Mit Sonne würde mir sicher was Nettes dazu einfallen, unter dem grauen, drögen Abendhimmel hingegen kommen mir eher die nicht ganz so netten Gedanken in den Sinn.
Zum Beispiel:
Kein Wunder, dass der Gerd nie gelernt hat, sich beim Laufen für seine Umgebung zu interessieren. Das ist ja so stinklaaaangweilig hier draußen, wenn ich hier ständig laufen müsste, dann würde ich irgendwann wohl auch anfangen, meinen Verstand beim Rennen abzuschalten oder mit irgendwelchem technologischen Tand abzulenken, nur um unterwegs nicht einzupennen.“
Eigentlich vollkommen unqualifiziert und ungerechtfertigt, aber manchmal kommt einem sowas einfach, wenn man durch den einsam-endlosen Flachlandwald schneist und einem ein bisschen die Hüfte zwickt…
(Aber ich bin ja immer bereit, mich eines Besseren belehren zu lassen, also gib´ Bescheid, wenn dir da was zu einfällt, Gerd)
😀 😉

Nach 1,7 km überquert die Hauptschneise die Dieburger Str. (yaay, Abwechslung, selbst wenn´s nur eine ausgestorben daliegende Provinzlandstrasse mitten im Wald ist) und verändert direkt danach ihr Aussehen deutlich (yay, noch mehr Abwechslung), von „normaler Waldweg“ zu „Asphaltierter Fahrweg, der wie ein grüner Tunnel zwischen den Bäumen hindurchführt“. Offenbar ist das hier die Hauptzufahrt zum Steinbruch an der Moret, die muss LKW-tauglich sein.

Apropos Moret: Die ist hier auch schon fast – kurz nach der Dieburger Str. biege ich links von der Hauptschneise auf einen schlammigen Waldpfad ab, der geradewegs zum Rodelhang an der Moret, einer offenen Hangwiese, die sich an der niedrigen Flanke des
Mainzer Bergs hinaufzieht.
Da lauf´ ich dann hoch.
Also nicht auf der Hangwiese selbst, aber daneben gibt´s ein schmales Pfädchen, das zwischen Bäumen und Gebüsch auf den Mainzer Berg hochführt. Relativ steil und schon ein bisschen anstrengend, aber ich lauf´ trotzdem zügig durch, ist ja nicht besonders lang (und außerdem glaube ich mich zu erinnern, dass der Gerd irgendwann mal beschrieben hat, dass er hier auch hochgelaufen ist, da will es natürlich nicht zu riskieren, hier Schwäche zu zeigen, sonst stellt das noch meine Berglaufkompetenzen in Frage… :D).

Knapp 250 m. mit ein bisschen Schnaufen und Schwitzen, dann bin ich auch schon oben auf dem Mainzer Berg, der mit 228 m.ü.NN zwar eigentlich nicht so richtig bergig ist, aber als höchster Punkt der heutigen Runde doch schon ganz gut kommt, nicht zuletzt auch, weil man von hier aus einen hübschen Blick über das obere Ende der Rheinebene hat, bis hinüber zum fernen Mainz, das heute leider ein wenig vom Dunst verschleiert ist.

Ab hier folge ich erstmal der Moret-Schneise. Auch die ist schnurgerade, ewig lang und führt nach Süd-Südwest. Außerdem kenn´ ich sie schon ein bisschen, weil ich hier vor anderthalb Jahren schonmal mit Gerd vorbeigekommen bin.
Zuerst führt die am Naturfreundehaus direkt über dem (von hier aus unsichtbaren) Steinbruch in der Bergflanke vorbei, dann als kleines Holperpfädchen den Hang hinab, und schließlich wieder einfach nur geradeaus, schnurgerade und mit ein bisschen sanftem Auf- und Ab.

Auch hier wieder: Langes Stück, wenn auch aufgelockert durch ein bisschen freundliche Topografie in Form von ein paar Hügelrück(ch)en, die dem Ganzen ein wenig Würze verleihen.
1,8 km später wird´s so langsam Zeit, an den Rückweg zu denken, bevor ich im tiefen Wald zu weit nach Süden abdrifte – deswegen biege ich links ab, auf die Lange Schneise (na wenn die schon so heißt…), die durch ein gelbes V als „Verbindungsweg“ deklariert ist (auf der Karte hab´ ich dieses Stück fälschlicherweise als „Breiten Beckerweg“ deklariert, aber das ist eine Parallelschneise. Jetzt bin ich zu faul, um´s nochmal zu ändern, aber ihr seid ja jetzt im Bilde :D).

Auch hier müsste ich eigentlich schon mal im letzten Sommer durchgekommen sein, aber ganz ehrlich: Wirklich bekannt kommt mir die Schneise nicht vor (was allerdings auch dran liegen könnte, dass die Dinger alle so ein bisschen gleich aussehen).
Macht nix, die Richtung stimmt, die Markierungen auch, und bis auf die weiterhin etwas zwickende Hüfte bin ich gut drauf, da lässt sich´s zügig westwärts laufen, bis zur Theodor-Fuchs-Eiche (laut Wanderkarte, vor Ort fällt sie mir nicht auf), wo der unscheinbare Hinterhecksweg rechts hoch in Richtung Einsiedel führt (markiert mit dem roten Quadrat des Main-Stromberg-Wegs).

Den lauf´ ich hoch.
An sich ein sehr apartes Stück, endlich mal keine schnurgerade Schneise, sondern ein leicht gewundener Weg, der rechterhand zudem zur Abwechslung mal mit ein bisschen offenem Gelände aufwarten kann, nämlich dem schmalen Wiesenstreifen am Silzbach, der – sattgrün und von hohen alten Bäumen eingerahmt – durchaus hübsch aussieht.
So richtig genießen kann ich´s allerdings nicht, denn hier draußen im Schatten der Baumkronen fängt es inzischen schon so ein bisschen an zu dämmern – und bis zum Ziel sind´s noch ein paar Kilometer, soviel ist klar. Entsprechend ziehe ich lieber mal das Tempo ein bisschen an, denn in die Dunkelheit möchte ich im unbekannten Riesenwald dann doch lieber nicht kommen…

Zügig weiter durch den Wald , mal ein bisschen links, dann wieder ein bisschen rechts, aber immer grob nordwärts, bis ich den winzigen Weiler Einsiedel erreiche, dessen paar alte vereinzelte Häuser auf einer großen Wiese zwischen den Bäumen an die Dieburger Str. drapiert sind (ist übrigens immer noch Darmstädter Stadtgebiet, auch wenn die paar Gebäude eher nach „Wirtshaus im Spessart“ als nach „Lichter der Großstadt“ aussehen).

Auch hier bleibe ich dem Main-Stromberg-Weg treu, überquere am alten Schlösschen die Landstrasse, und folge dann dem „Bohlenweg“ weiter nordwärts, durch die wunderschönen Brachwiesen am Rand des Messeler Wildparks, der einst das private Jagdrevier der Landgrafen und Großherzoge von Hessen-Darmstadt war.
Landschaftlich sehr hübsch, auch wenn ich in der anbrechenden Dunkelheit nicht mehr alles erkennen kann: Rechts die idyllischen Waldrandwiesen, links hinter einem Drahtzaun der dichte Altwald des Naturschutzgebietes, in dem sich tatsächlich irgendwelches größeres Wild zu tummeln scheint (sehen kann ich´s nicht, aber deutlich hören – irgendwas Größeres stapft da durchs Unterholz).

Nach einem Kilometer ist Schluss mit den Wiesen, ich laufe wieder ganz in den Wald ein.
Und der ist nun wirklich schon finster, und zwar so sehr, dass ich mein mitgebrachtes Streckenplänchen kaum noch lesen kann.
Hmm, da werd´ ich wohl oder übel nach Sicht navigieren müssen, immer dem roten Quadratmarker des Main-Stromberg-Wegs hinterher, der mich eigentlich direkt ins Ziel bringen sollte.
Der ist zwar auch nicht mehr so ganz astrein zu erkennen, aber wenn man ein bisschen vorsichtig ist, kann man ihn noch an den Baumstämmen am Wegesrand ausmachen…

Kurz nach dem Ende der Wiesen zieht rechts noch ein einsames Haus mitten im Wald vorbei (das sogar bewohnt zu sein scheint), dann biegt der Main-Stromberg-Weg kurz vor einem Wildgattertor nach rechts ab und führt als wucheriges Minipfächen mitten in die Wallachei, erst durch eine Art Brennesselplantage (Au. Au. Au. Au. Au.), dann mitten ins dichte Unterholz hinein, in dem praktisch schon Nacht herrscht.
Hier muss ich wirklich höllisch aufpassen, um nicht den „Wanderweg“ (der eigentlich nur noch ein Stück Waldboden ist, auf dem etwas weniger Äste rumliegen) aus den Augen zu verlieren und im vollkommen unbekannten nächtlichen Wald verschütt zu gehen.
Spannend, das macht irgendwie sogar Laune… 🙂

Ich halte Kurs, orientiere mich an den kaum mehr sichtbaren Markern, die glücklicherweise nach ein paar hundert Metern auf eine etwas breitere Schneise führen, der ich (möglicherweise, so ganz orientiert bin ich eigentlich nicht mehr) nach Südosten folge, natürlich ganz zügig und konzentriert.
Naja, zumindest bis plötzlich direkt hinter mir auf einmal irgendein Waldvogel angeht, mit einem kreischend-metallischen Schnarrgeräusch, das so laut und durchdringend ist, dass sich mir spontan die Nackenhaare aufstellen.
Echt gruslig, zumal das Vieh auch keine Ruhe geben will und munter weiter lärmt, während ich – nun mit wummerndem Herzen und leichter Nachts-im-Wald-Paranoia weiterhast, zusätzlich getrieben von dem seltsamen Geräusch, das immer nur dann zu hören ist, wenn ich selbst laufe (weil´s meine eigenen Schritte auf dem Kies sind. Hoffe ich…).
Brrr, so langsam möcht ich doch wieder aus diesem Wald rauskommen…

Zum Glück erfüllt sich mein Wunsch bald: Noch eine Rechtskehre, dann tauchen vor mir zwischen den schemenhaft-grauen Stämmen irgendwann warme Lichter auf, kurz darauf erreiche ich die kleine Siedlung „Am Wildpark“, die südlich des Messeler Bahnhofs im Wald liegt. Hier gibt´s Häuser, Asphaltierten Untergrund und Strassenlaternen, da wirkt die Dunkelheit auf einmal schon wesentlich weniger bedrohlich.

Ich folge einfach dem Strassenverlauf, zwischen den hübschen großen Häusern in Waldrandlage hindurch, bis ich die Roßdörfer Str./L3317 erreiche, an der ich dann nur noch ein paar Meter nach Norden laufen muss, bis ich wieder am Messeler Bahnhof und damit auch beim wartenden Auto ankomme.

Nette Tour: Viel neue Strecke, eine freundliche (wenn auch in weiten Teilen etwas eintönige) Umgebung, keine größeren Probleme, und zum Schluss sogar noch ein bisschen Abenteuer und ein Schreck in der Abendstunde (das putzt durch) – so lass´ ich mir das gefallen.
Manchmal ist diese Lauferei doch gar nicht so übel… 😉

Strecke: 13,9 km
Zeit: Wees ick nüsch
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 84,46% (11,74 km von 13,9 km)
Karte:

M.

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2 Antworten to “Messeler Wälder: Bahnhof Messel – Moret – Einsiedel (13,9 km)”

  1. Laufhannes Says:

    Och, was meckerst du denn so über Bäume, Bäume, Bäume? Nun gut, ich weiß nicht, wie das da nun genau aussieht, aber wenn du in den Pfälzerwald kommst, kannst du ja auch nichts anderes als Bäume um dich herum erwarten 😉 (Und ich finde es dann trotzdem immer total schick).

    Wollen wir mal hoffen, dass das nur am öden Gerd-Land liegt *duck*

  2. matbs Says:

    Jaaa, aber der Pfälzerwald ist ja auch was ganz Anderes, da geht´s auf und ab und es gibt versteckte Täler und alte Ringwallreste und scharfe Kurven und Ziegenpfädchen in der Pampa und Felsformationen und Heidekraut und Burgen und manchmal sogar ein bisschen Aussicht, und nicht nur ein Karomuster aus endlos langen Geraden durch generisch reizarme Waldlandschaft (wobei ich allerdings auch noch mal anmerken muss, dass mein Gemosere natürlich auf hohem Niveau stattfindet, zumal der Messeler Wald gerade erst vom Umweltministerium als Biodiversitäts-Hotspot ausgezeichnet worden ist… 😉 ).


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