The Times, they are a-changing…

20. Oktober 2010

Ich kann mich noch ganz gut an meine Tour am 1. Mai dieses Jahres erinnern:
Lauf im Weschnitztal, etwas unfit, doch trotz grauem, verregneten Wetter ist die Tour unterwegs immer besser geworden.
Bis dann nach knapp 10 km das hier passiert ist:

Gerade als ich das das Telefon wieder in der Gürteltasche verschwinden lassen und mich wieder auf den Weg machen will, sehe ich, dass noch eine Nachricht von gestern auf der Mailbox ist.
„Nanu“, denke ich mir, „wer kann mir denn da aufs virtuelle Band gesprochen haben? Das hör´ ich doch gleich mal ab!“

Keine gute Idee.
Damit ist der schöne Teil vom Lauf nämlich zu Ende.

Auf der Mailbox meldet sich eine freundliche Dame mit leicht norddeutschem Akzent und erklärt mir, dass sie im Auftrag eines potentiellen Arbeitgebers anruft, bei dem ich mich vor kurzem Beworben habe.
Und zwar nicht irgendein potentieller Arbeitgeber, es ist einer von den absoluten Oh-Mann-wenn-das-klappen-würde-wär-das-unglaublich-großartig-Arbeitgebern, zu denen jeder will, der im selben Metier wie ich Fuß fassen möchte.

Es gehe um meine Bewerbung, sagt sie, und ich soll doch bitte mal zurückrufen, ich könne sie bis Freitag 14:00 Uhr erreichen.

Freitag war gestern.

Freitag 14:00 Uhr ist fast 24 Stunden her.

Und ich höre die Nachricht gerade zum ersten Mal.
Folgerichtig hab´ nicht zurückgerufen!

Scheiße!
Scheiße!
OH SCHEISSE!

Meine Gedanken, die eben noch mit satten Hügelweiden und blühenden Obstbäumen und grünen Bergrücken unter rissigen Nebelwolken beschäftigt waren, kreisen plötzlich um ganz andere Dinge, von einem Moment auf den anderen hab´ ich gar keinen Kopf mehr für die Lauferei.

Rhythmus weg.
Muße weg.
Spaß am Laufen weg.

Dafür ist der Ärger wieder da, ein kalter, bleierner Klumpen in der Magengrube und im Kopf, der alles andere erstickt.
Ärger auf mich selbst („Warum hab´ ich das Dreckshandy nicht früher abgehört? Und warum hab´ ich da überhaupt noch eine Bewerbung mit meiner Handynummer verschickt, eigentlich hab´ ich die doch schon vor einiger Zeit aus genau so einem Grund aus Lebenslauf und Anschreiben getilgt?“), auf die freundliche Dame mit dem leicht norddeutschen Akzent, („Warum hat die denn nicht die Festnetznummer angerufen oder eine Mail geschickt, dann wär´ das alles nicht passiert!!“), auf die Situation („Prima, jetzt darf ich mich den Rest des Wochenendes ärgern und grübeln, bis ich am Montag morgen frühstmöglich zurückrufe“).
Garniert ist das Ganze noch mit einer gehörige Portion spontaner Unsicherheit („Warum rufen die überhaupt an? Normalerweise werden doch eher Briefe verschickt. Hab´ ich irgendwas schlimm falsch gemacht? Oder besonders gut richtig? Hab´ ich jetzt gerade eine Riesenchance vermasselt?“), et voilà – Matthias ist vollkommen von der Rolle.

Das ist inzwischen fast sechs Monate her.
Und in der Zwischenzeit ist viel passiert, auch mit dem Arbeitgeber, um den es seinerzeit ging:

Am Montag nach dem 1.Mai-Lauf hab´ ich dort angerufen und die Ungereimtheiten beseitigt.

Erfolgreich, denn einen Monat später hab´ ich die Aufgaben zur zweiten Bewerbungsrunde gekriegt.
Die hab´ ich gemeistert.

Zwei Monate danach bin ich zur dritten Bewerbungsrunde in Hannover eingeladen worden, komplett mit hartem Wissenstest und einem Tag Probearbeiten erstellen.
Das hat geklappt.

Und Mitte letzter Woche war ich dann in Hamburg, zur vierten und letzten Bewerbungsrunde, in der ich ein sechzehnköpfiges Gremium im Gespräch überzeugen musste, dass ich der Richtige für den Job bin.
Danach: Zwei Tage warten und hoffen und bangen.

Dann klingelt am Freitag Abend das Telefon.

Es ist wieder die freundliche Dame mit dem leicht norddeutschen Akzent, die mir vor fast einem halben Jahr zum ersten Mal auf die Mailbox gesprochen hat.

Und sie hat die beste Nachricht des Jahres für mich:
„Herzlichen Glückwunsch“, sagt sie, „falls Sie nichts Besseres vorhaben, sehen wir uns Anfang Februar in Hannover, wenn Sie Ihre neue Stelle bei uns antreten“.

Es hat geklappt!!!
Ich hab´ den Wunschjob beim Oh-Mann-wenn-das-klappen-würde-wär-das-unglaublich-großartig-Arbeitgeber, zu dem jeder will, der im selben Metier wie ich Fuß fassen möchte.

JAAAAAAAAAAAAAHAAAHAHAHAHAAAAAA!!!!!
antworte ich ihr.
Ziemlich laut und unbeherrscht.
Weil sich das so gehört, wenn man es tatsächlich geschafft hat, zu der Handvoll Leutchen aus Hunderten von Bewerbern zu gehören, die es am Ende geschafft haben.
Und weil es wirklich genau der Job ist, den ich mir seit Jahren wünsche.
Und weil´s endlich weitergeht.
Scheisegeil ist das, jawollja!!! 😀

Seitdem verdaue ich die gute Nachricht.
Genüsslich, und mit einer Melange aus Erleichterung, Vorfreude und Stolz.
Wird noch ein bisschen dauern, bis ich damit durch bin, aber immerhin fange ich so langsam an, zu realisieren, was diese Entwicklung an Veränderungen mit sich bringen wird.
Nämlich viele!

Übrigens auch für den Laufblog.

Kurzfristig erstmal das hier:
Zum ersten Mal seit Monaten muss ich mir keine Sorgen machen, ob es wann wie weitergeht.
Klingt vielleicht nach nicht viel, aber tatsächlich ist es eine Riesenlast, die sich da auf einmal in Wohlgefallen aufgelöst hat.
Entsprechend hoffe ich natürlich, in den drei Monaten bis es losgeht vielleicht doch noch mal befreit und ohne schlechtes Gewissen durchstarten zu können und einfach mal wieder unbeschwert draufloszulaufen, wo ich will und wie ich will.
(wobei das natürlich auch vom Wetter abhängt: Angesichts der trüben Trauertage momentan fällt das doch etwas schwer). Mal schauen, wie das so klappt.

Und mittelfristig?
Da werd´ ich wegziehen.
Fort von Odenwald, Bergstrasse, Ried und Rhein-Main, weit in den Norden der Republik, wo das Land flach ist und die Menschen anders sind, und wo es ganz, ganz Neues viel zu entdecken gibt (und ein bisschen Altes zu vermissen. Aber das gehört nun mal dazu, denke ich).
Das wird sicher Einiges an Umgewöhnung erfordern (allein schon der Sprachduktus: „Schlachter“ statt „Metzger“, „Sonnabend“ statt „Samstag“, „Hamburch“ statt „Hamburg“ :D), und wird zweifellos unglaublich spannend!
Da freu ich mich schon tierisch drauf.
Die Frage, ob und wie ich das ganze läuferisch und blogtechnisch verarbeite lasse ich allerdings nochmal offen.
Denn ich werd´ viel zu tun haben da oben zwischen Harz und Dänemark und Holland und Polen, sehr viel, und viel unterwegs sein.
Da müssen wir dann mal schauen, wieviel Zeit für den Sport und den Blog bleibt… 😉

M.

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16 Antworten to “The Times, they are a-changing…”

  1. Evchen Says:

    Oh, WOW! Wie geil ist das denn? Meine allerherzlichsten Glückwünsche, lieber Matthias! 😀 😀 😀
    What a job! Also, der, der auf Dich wartet, aber auch der ganze „Kram“, den Du durchmachen mußtest bis dahin.

    Ich wünsche Dir alles alles Gute!

  2. Evchen Says:

    Vielleicht…magst Du mir mal eine Mail schreiben, wo es hingeht?

  3. XYZ Says:

    Da kann man dir ja wirklich gratulieren, was ich hiermit mit großer Freude tue. Ja, mal schaun wie es weitergeht! Das virtuelle Mitlaufen in Wort und Bild hat mir immer viel Spass gemacht, ganz zu schweigen von den vielen Tips und Infos, die einfach mal so beiläufig eingebaut sind. Werde auf jeden Fall immer mal vorbeischauen, um zu sehen ob du was zu sagen hast. Bis dann!!!

  4. Ruben Says:

    Wow, ich freue mich für dich. Gratuliere, dass du im Auswahlverfahren so brilliert hast und hoffe, dass der Job dann wirklich genau das ist, was du dir erhoffst!

    Und naja, Hannes ist runtergezogen, du ziehst hoch, fairer tausch, oder 😀

    Man darf gespannt bleiben!!!

    • matbs Says:

      Danke dir! 🙂

      Ob das allerdings ein wirklich fairer Tausch ist…?
      Der Hannes kriegt den Pfälzerwald und ich den Benther Berg und den Bungsberg?
      Ich weiß ja nicht… 😀

  5. Laufhannes Says:

    Was für eine tolle Nachricht! Da kannst du doch als Ausgleich für den damaligen Lauf völlig von der Rolle nun einen um so euphorischeren Lauf nachschieben. Herzlichen Glückwunsch!

    Ich bin schon jetzt gespannt, wie du dich dort fühlen wirst. Läuferisch hätte ich so spontan gesagt, dass es hier unten mit Wald und Hügeln um einiges schöner ist. Ich bin mir aber sicher, dass du auch da oben – naja, von Kiel aus gesehen ist das ja aber auch schon Süddeutschland – richtig schöne Ecken finden wirst.

    Vorher musst du aber natürlich noch hier unten einiges machen: Frankreich und Kaiserslautern warten auf dich x)

    • matbs Says:

      Jepp, das war echt eine gute Nachricht.

      Das die Lauflandschaft hier unten reizvoller ist, wollte ich jetzt allerdings nicht hören… 😉
      Wobei ich ja schon hoffe, dass sich da oben die eine oder andere nette Ecke findet. Die aufzutreiben sollte kein Problem sein, schließlich werd´ ich für ein Unternehmen arbeiten, das laut Slogan für das Beste am Norden zuständig ist… 😉

      Frankreich will ich auf jeden Fall noch machen, ist aber eine Wetter- und Fitnessfrage. Mal sehen, wie das passt.
      Und Kaiserslautern? Naja, mal schauen.
      Schlimmstenfalls können wir ja Tellerrandlücken tauschen – du machst mein fehlendes Stück durch den Pfälzerwald dafür schließ ich deine Lücke zum Bungsberg, wenn ich Schleswig-Holstein bin…

  6. Christian Says:

    Hehe, Du verabschiedest Dich von dem Lotterleben als Praktikant und Student und wirst seriöser Rentenzahler, ich freu mich wahnsinnig für Dich, dass es dann auch noch Dein Traumjob geworden ist. Sorry, für die Verspätung 😎

    Salut
    C.

    • matbs Says:

      Ist ja auch höchste auch Zeit!

      Wobei das Lotterleben als Student oder Praktikant eigentlich ganz okay war.
      Die Phasen dazwischen, wo man gar nix ist außer auf Jobsuche, die sind irgendwie blöder… 😉

      Vielen Dank fürs Mitfreuen! 🙂

  7. Gerd Says:

    Dann wird ja ein echter Couchpotato aus Dir werden. Der Morgens um 5Uhr aufsteht, dann 12 Stunden arbeitet, sich abends mit Fastfood auf die Couch schmeißt und dann völlig übersättigt auf dieser einschläft. 😉

    Ich freu mich echt für Dich! Und im Norden gibt´s auch ein paar Möglichkeiten zum Laufen. Wenn auch nicht gerade sehr hügelige.
    Ich würde für uns noch einen Lauf auf die Neunkirchner Höhe vorschlagen. Sozusagen als Abschiedsgeschenk! 😉

    • matbs Says:

      Naja, ist ja kein klassischer Schreibtischjob, wenn ich da zwölf Stunden arbeiten sollte, dann hab´ ich mir das Fastfood auf der Couch danach auch verdient… 😀

      Neunkircher Höhe wäre ´ne Maßnahme.
      Andererseits war ich da schon so oft…
      Können wir ja nochmal schauen. 🙂

  8. Daniel Kopp Says:

    Ich wünsche dir viel Glück 🙂

    Lotterleben hin oder her, Wenn’s das Konto jetzt mit Kohlen spült kann man auch auf die ollen hessischen Hügel verzichten.

    LG
    Daniel

    • matbs Says:

      Dankeschön! 🙂

      So richtig krass gespült wird zwar erst mal noch nicht so richtig, aber irgendwie werd´ ich mich schon mit dem Flachland arrangieren.
      Und wenn alle Stricke reißen, gibt´s ja auch noch den Harz… 😉


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