Mein erster ganzer Landkreis. Groß-Gerauer Stadteile: Dornberg – Berkach – Wallerstädten (15 km)

21. Oktober 2010

So.
Nachdem ich das viel zu lange nicht mehr gemacht habe, hab´ ich mich heute endlich mal einfach mal wieder ins Auto gesetzt und bin irgendwohin gefahren, wo ich noch nie vorher gelaufen bin.
Und da bin ich dann gelaufen.

Nichts Besonderes und auch nicht wirklich weit weg von zuhause, aber immerhin, mal wieder was Anderes als die ewig alten Standardstrecken: Südliches Groß-Gerau und die dazugehörigen Ortsteile, flach und unkompliziert, genau das Richtige für einen Kopf-Freikrieg-Lauf an einem sonnigen Herbstmittag (und an Flachland muss ich mich ja jetzt eh gewöhnen… ;))
Und als kleinen Bonus obendrauf gibt´s noch den netten Fakt, dass ich damit dann alle Orte im Landkreis Groß-Gerau besucht haben werde – der erste Landkreis, den ich vollständig erlaufen habe.
Nett ist das. 🙂

Als Ausgangspunkt hab´ ich mir den Parkplatz am Rand der Groß-Gerauer Fasanerie ausgesucht, einem schönen, ummauerten Park am Südrand der Stadt, der neben viel Wald und Wiesen auch einen kleinen, freundlichen Tierpark beherbergt (den besuche ich heute allerdings nicht, dazu ist es schon zu spät, als ich in Groß-Gerau ankomme).

Aussteigen, kurz Pseudodehnen, und dann gleich los.
Mann, tut das gut, nach dem unregelmäßigen und dürftigen Laufpensum der letzten Wochen endlich wieder unbeschwert starten zu können.

Und zwar erst mal gleich wieder raus aus der Fasanerie, durch das Tor in der Ostmauer an die B44, die hier in südlicher Richtung aus Groß-Gerau hinaus in die Feldlandschaft des Rieds führt. Da will ich auch hin, aber bevor ich mich neben der Bundesstrasse auf den Weg mache, überquere ich sie nochmal schnell und werfe einen kurzen Blick auf das Dornberger Schloss, das auf der anderen Fahrbahnseite am Rand des gleichnamigen Stadtteils von Groß-Gerau steht: Ein paar alte Gebäude und Mauerteile, daneben ein moderner, eleganter Neubau, hübsch.

Dann geht´s südwärts, zwischen B44 und dem letzten Ausläufer Dornbergs bis runter nach Berkach, einem kleinen, freundlichen Rieddorf, das nur ein paar hundert Meter weiter liegt, aber schon überhaupt nicht mehr so aussieht, also ob´s noch ein Teil der Kreisstadt Groß-Gerau ist (isses aber).
Während ich dem Radweg neben der Bundesstrasse folge, merke ich zum ersten Mal heute, dass der Winter langsam aber sicher näher kriecht: Ist irgendwie schweinekalt, zwar hat´s laut Thermometer beim Start noch 8° gehabt, aber da wo die schräge, vom Herbstdunst vermilchte Nachmittagsonne nicht mehr hinkommt, ist es empfindlich frisch, und der eisige, kräftige Südwind, der mir frontal entgegenweht, verstärkt diesen Eindruck noch mal deutlich.
Da wünscht man sich fast, schon mit Handschuhen gestartet zu sein…

In Berkach angekommen biege ich rechts ab, in die Wallerstädter Str. mit ihren schlichten, ordentlichen Rieddorfhäuschen, die eng beieinander und direkt am Bürgersteig stehen und bereits nach wenigen Metern wieder durch weites, offenes Ackerland ersetzt werden, über das man hinweg zu den dunstigen Bergen und Hügeln schauen kann, die jenseits des Rheintals die Ebene begrenzen: Rechterhand der Taunus gekrönt vom Großen Feldberg, links hinter mir die ferne Bergstrasse mit dem Melibokus, und direkt vorraus die rebendbedeckten Rheinhessischen Hügel jenseits des Rheins, über denen sich träge die weißen Windräder im Wind drehen.
Gefällt mir.

Durch die Felder führt mich der asphaltierte Radweg 16 zum nächsten Ort, nach Wallerstädten, das merklich größer als Berkach ist, aber ebenfalls angenehm ländlich wirkt (obwobhls ebenfalls zur Kreisstadt Groß-Gerau gehört).
Am Rand des Ortes laufe ich an Einfamilienhäusern und Doppelhaushälften neuern Datums nordwärts (Berkacher Weg) bis zur Hauptdurchgangsstraße („An der Pforte“), auf der ich links durch den alten Dorfkern laufe, entlang an noch mehr engen, direkt an der Strasse stehenden Ried-Dorf-Häusern (schon spannend, wie sich Häuser und Dorfbild in der Region unterscheiden, je nachdem in welcher Gegend man ist: Odenwalddörfer sehen ganz anders aus als Dörfer im Ried, die sich wiederum merklich von Orten im Dieburger Land oder in Rheinhessen unterscheiden), vorbei an einer sehr hübschen Dorfkirche, und schließlich durch die etwas verwinkelten Gassen am Westende des Dorfes (Hintergasse, Häusergasse) wieder raus ins Ackerland.

Weiter westwärts, auf die rheinhessischen Hügel zu, der sinkenden Sonne entgegen, die nun schon so schräg steht, dass ich die Mütze ganz tief ins Gesicht ziehen muss, um nicht geblendet zu werden.

Felder. Felder, Felder, Felder, Felderfelderfelderfelderfelder. Und Felder.
Aber nett, im dunstigen Abendlicht.

Und links hat´s kurz hinter Wallerstädten sogar ein kleines Wäldchen (jenseits von ein paar Feldern).
Sieht nach nichts Besonderem aus, ist aber ein kleines Stückchen halbvergessene Kindheit für mich: Bis zum Anfang der Achtziger gab´s dort das Safariland, einen Safaripark mit Tigern, Löwen, Affen, einem Delfinarium und einer mit Zebramuster angestrichenen Kleinbahn, die eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen darstellt. Kaum zu glauben, dass hier draußen mal so viel Exotik zwischen Spargel, Rüben und Mais beheimatet war.
Beim Vorbeilaufen weiß ich das allerdings noch nicht (das finde ich erst später bei der Recherche für diesen Eintrag raus), deswegen lauf´ ich einfach dran vorbei ohne drüber nachzudenken…

Das folgende Stück ist lang.
Fast zweieinhalb Kilometer auf den Betonplatten des Radweg 16 nach Westen, auf die rheinhessischen Hügel jenseits des Rheins zu, denen sich die gelblichblasse Sonne immer mehr nähert. Nicht viel zu sehen außer Feldern, ein Aussiedlerhof, hin und wieder mal eine Scheune oder eine Heckeneihe, das war´s.
Läuft sich gut.

Schließlich macht der Weg einen Schlenker, kurz nach Norden durch Pferdeweiden, denn nochmal westwärts, zwischen den Häusern des Berlenhofs hindurch an die Landstrasse zwischen Trebur und Geinsheim (L3012), an der ich vor fast genau sieben Monaten an einem milden Frühlingsabend schon mal vorbeigekommen bin.
Damals ging´s südwärts, heute nehme ich die entgegengesetzte Richtung, ein paar hundert Meter auf dem Radweg neben der Fahrbahn in Richtung Trebur, bevor ich kurz hinter Landgraben wieder nach rechts abbiege und mich auf den langen Weg zurück nach Groß-Gerau mache, nun logischerweise ostwärts und damit mit der untergehenden Sonne im Rücken.

Nun zieht sich´s so langsam ein bisschen – mein Rücken spannt wieder (vor allem das linke, knackende Schulterblatt ist renitent. Mistding, muss das denn auch immer Mucken, wenn´s Herbst wird?), meine Beine sind nicht mehr ganz so spritzig wie noch vor ein paar Kilometern (dank recht hohem Tempo im Flachland und der Tatsache, dass ich in den letzten Wochen schlichtweg nicht so viel trainiert habe, wie ich hätte sollen), und die Sonne reicht schon nicht mehr über die hohe Baumreihe am Landgraben herüber, wodurch es sich spontan gleich noch mal etwas kälter und dämmriger anfühlt.

Auch hier wieder: Felder allenthalben, aufgelockert durch mehr Heckenreihen, Baumgrüppchen und die Einsiedlerhöfe Niedergewann und Endlache, rechts vorne am Horizont nun die Bergstrasse, links davor und damit geradewegs vorraus die Plattenbauhochhäuser im Groß-Gerauer Viertel „Auf Esch“, hinter denen das Ziel liegt.
Ist noch ganz schön weit bis dahin, Luftlinie noch über vier Kilometer, und ganz gerade und direkt werd´ ich ja eh nicht dorthin laufen.
Und die Sonne ist nun schon ernsthaft am Untergehen (erkennbar am grandiosen, strahlendorangeroten Sonnenuntergang, der sich gerade in meinem Rücken abspielt und mir immer wieder eine kurz Umdreh-und-Anschau-Pause beschwert, weil ich mir das tolle Schauspiel natürlich nicht entgehen lassen will und blöderweise immer noch keine Augen im Hinterkopf habe).

Nach knapp zwei Kilometern macht der Weg einen Schlenker nach Norden und stößt an einer Kreuzung mitten im ackrigen Nichts (kurz vor Oberach) auf den Radweg 14, dem ich weiter ostwärts folge, auf die immer noch viel zu weit entfernten Dächer und Giebel von Groß-Gerau zu.

Während ich weitertrotte, verschwindet die Sonne endültig hinter dem Horizont. Ein, zwei Minuten glüht ihr feuriges Licht noch in den Fenstern der fernen Hochhausblocks vor mir nach, dann bleibt nur noch ein pastelliges Nachglühen am Himmel hinter mir übrig.
Dämmerung, nun wird´s richtig frisch.
Ich spute mich, so gut´s geht.

Insgesamt sind´s immerhin nochmal über zwei Kilometer, etwas frierend und gehetzt und mit immer mehr protestierender linker Schulter, bevor ich auf die L3094 zwischen Groß-Gerau und Wallerstädten treffe, kurz links in Richtung Stadt laufe, dann jedoch gleich wieder rechts auf den bequemen Weg am Rand des Kollenbruchs einbiege, einem urig-überwucherten Streifen aus Schilf und alten Bäumen, der im dämmrigen Abendlicht sehr hübsch und friedlich wirkt (Markierung: Blauer Punkt der Riedlinie).

600 m., dann geht´s mitten durch den Kollenbruch durch, auf einem rissigen alten Asphaltweg bis an den Rand des bebauten Gebietes „Auf Esch“, hinter dem Kreiskrankenhaus entlang und schließlich auf dem Paracelsus-Weg ins Wohngebiet einlaufe und via Europaring und Straßburger Weg im Schatten der Plattenbauten zurück zu der alten Steinmauer laufe, hinter der die dicht bewaldete Parkanlage der Fasanerie beginnt.

Fast geschafft, ehrlich gesagt bin ich da nicht wirklich böse drüber, zumal es unter den Wipfeln doch schon recht dunkelö ist…

Durch die Fasanerie muss ich aber noch durch, das erweist sich als gar nicht so einfach. Den leicht zu navigierenden Weg an der Mauer entlang mag ich nicht nehmen, stattdessen versuche ich es mit einer Abkürzung, auf einem winzigen, leicht gewundenen Trampelpfädchen mitten durchs finstere Dickicht hindurch.
Das klappt… irgendwie.

Zwar erwische ich dabei nicht genau die Richtung, die ich eigentlich will (statt südwärts laufe ich eher gen Osten), aber so richtig verkehrt isses auch nicht, weswegen ich schließlich nach ein paar hundert dunklen Metern wieder ins freie stolpere, direkt an der östlichen Fasaneriemauer, an der ich dann nur noch ein kurzes Stück nach Süden laufen muss, um – steifnackig, leicht verfroren und mit dem letzten Tageslicht – wieder beim wartenden Auto anzukommen.

Und das war´s dann.
Vielleicht kein außergewöhnlich großartig Premiumlauf, aber eine angenehme, schöne, sonnig Tour, besonders natürlich, weil nach den Wochen des läuferischen Darbens so ein bisschen Neuland einfach nur richtig gut kommt.
Da sieht man dann auch mal über den zickenden Rücken und die herbstlichen Temperaturen hinweg.
Das fällt übrigens um so leichter, weil ich nun tatsächlich von mir behaupten kann, jeden einzelnen Ort im Landkreis Groß-Gerau erlaufen zu haben – eine Premiere, denn das hab´ ich bisher bei noch keinem Landkreis geschafft.
Und das fühlt sich schon irgendwie ganz gut an… 😉

Strecke: 15 km
Zeit: Unbekannt (aber zügig)
Anteil der noch nie gelaufenen/gejoggten Passagen an der Gesamtstrecke: 95,8% (14,37 km von 15 km)
Karte:

M.

Advertisements

Eine Antwort to “Mein erster ganzer Landkreis. Groß-Gerauer Stadteile: Dornberg – Berkach – Wallerstädten (15 km)”


  1. […] Mein erster ganzer Landkreis. Groß-Gerauer Stadteile: Dornberg – Berkach – Wallerstädt… […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: