Urlaubslauf im Fimbulwinter – Eisige Fotosafari auf den höchsten Gipfel Niedersachsens: Braunlage – Wurmberg und zurück (13,7 km)

24. November 2010

So, endlich, endlich, endlich, mit zwei Wochen Verzug.
Aber hey, besser spät als nie…

Ach ja. Urlaub…

Hab´ ich früher ja viel und gerne gemacht, einfach mal raus, mit dem Rucksack oder dem Koffer durch fremde, unbekannte Länder…
Aber dann ist das in der zweiten Hälfte der ersten neuen Jahrtausenddekade irgendwie vollkommen eingeschlafen.
Viel anderer Kram zu tun, weniger Kohle, die Leute, mit denen man früher durch irgendwelche osteuropäischen Backwaters geabenteuert ist, werden sesshaft und bequem und fahren lieber mit ihrer besseren Hälfte in den Club Med – und auf einmal stellst du fest, dass es Ende 2010 ist, und du seit fast vier Jahren nicht mehr weg warst (falls man einen dreitägigen Kurztrip nach Brüssel Anfang 2007 als „Weg Sein“ bezeichnen kann, sonst wären´s sogar mehr als fünf Jahre).
Ganz ehrlich: Das fehlt mir schon ganz furchtbar, immer noch, obwohl ich Jahre Zeit hatte, mich dran zu gewöhnen und die Lauferei in die Fremde zumindest einen kleinen Ersatz geboten hat…

Aber jetzt hab´ ich ja ein Vierteljahr Leerlauf, bevor die neuen Aufgaben im fernen Norden warten, da ist es höchste Zeit, endlich, endlich, endlich mal wieder wegzufahren. Deshalb hab´ ich vor kurzem meinen alten Studienfreund und Reisebegleiter Boris angehauen (der treuen Laufblogleserschaft bekannt und beliebt vom spätsommerlichen Lauf auf den Atzelsberg) und nachgefragt, ob er nicht Zeit und Lust hätte, mal wieder irgendwo hinzufahren.

Lust ja, sagt er, aber die Zeit und das Geld wären eher nicht so üppig, also höchstens was Kleines.
Na gut: Am Ende einigen wir uns dreieinhalb Tage Harz, von Dienstag bis Freitag, zum Wandern, Sightseeing, Laufen.
Nicht unbedingt der größte Urlaub aller Zeiten, aber viel besser als nichts, gerade im Moment, wo ich sonst nur unbeschäftigt zuhause Hocke und Trübsal blase, während mir die Decke auf den Kopf fällt (soviel zu meiner ursprünglichen These, ich könnte die drei freien Monate vor dem neuen Lebensabschnitt so richtig genießen. Pustekuchen! Stattdessen zieht es mich eher runter, nach den Monaten des Hoffens und Bangens auf den Wunschjob am Ziel zu sein, und jetzt noch eewig untätig warten zu müssen, bevor´s endlich losgeht. WILL! ENDLICH! ANFANGEN!!!).

Und so finden wir uns dann am Dienstag morgen im Auto wieder, auf der Autobahn durch Mittelhessen/Nordhessen/Südniedersachsen. Nordwärts, harzwärts – winterwärts…

Den ersten Schnee gibt´s bereits relativ früh zu sehen, irgendwo zwischen Gießen und Kassel sind die Gipfel des hessischen Herzlands bereits weiß angepudert. Und auch Kassel selbst ist schon ganz schön winterlich – der Abstecher zum Herkules im verwaist über der Stadt liegenden Bergpark Wilhelmshöhe (war ich noch nie, muss man sich ja mal anschauen, wenn man sowieso vorbeikommt) ist geprägt von eisigem Wind und kräftigem Schneetreiben, das zumindest in den höheren Lagen bereits ordentlich die Hänge einweißt.
Hat was…

Bild #1: Am Kasseler Herkules. Sooo groß ist der doch gar nicht…


Bild #2: Oder vielleicht doch…? 😉


Bild #3: Blick vom nasskaltwinterlichen, trüben Herkules den Bergpark hinunter (ich glaub, hier würd ich gerne mal hochjoggen. Aber nur im Sommer!) runter auf Kassel, dass im unwirklichen Sonnenlicht einer Wolkenlücke leuchtet

Sehr hübsch, sollte man sich irgendwann nochmal bei gemütlicherer Witterung anschauen!

Danach noch ein Besuch in der Kasseler Innenstadt samt – ebenfalls gefühlt viel zu frühem – Weihnachtsmarkt, dann machen wir uns irgendwann nachmittags wieder auf den Weg in den Harz.

Zuerst sieht´s so aus, als würde der Frost sich wieder zurückziehen. Aus nordhessichen Schneeplacken werden südniedersächsische Pfützen, die Trägen flocken verwandeln sich wieder in nieselige Tropfen.
Aber dann kommen wir so langsam in die Berge, und auf einmal ist Winter.
Und zwar richtig!

Bereits die letzten Kilometer vor dem Ziel sind frostig, in einer wattigen Winternacht (naja, ein Spätnachmittag, aber um fünf isses halt dunkel) auf verschneiten Harzsträsschen im Flockenreigen durch die schneegebeugten Fichtenwälder, ganz langsam und vorsichtig, damit die schliddrigen Sommerreifen nicht vollends den halt verlieren.
Und als wir schließlich in Braunlage bei unserer Unterkunft ankommen, sieht´s da so aus:

Bild #4: Harzer Winternacht

Vor ein paar stunden noch im herbstlich-verregneten Rhein-Main-Gebiet und jetzt das – fühlt sich fast schon surreal an!
Das wird womöglich doch ein etwas anderer Kurztrip, als erwartet…

Nächster Tag: Zeit, sich ein bisschen umzuschauen.
Braunlage ist ein freundlicher Mittelgebirgsferienort: 570 m. ü.NN, umgeben von bewaldeten Höhenzügen, etwas touristisch (auch wenn seine besten Zeiten – wie das nun mal bei praktisch allen Mittelgebirgsferienorten der Republik ist – schon ein wenig zurückzuliegen scheinen), nebensaisonal verschlafen (zu spät im Jahr für Sommerfrischler, zu früh für Winterurlauber), und außerdem vollkommen eingeschneit:

Bild #5: Braunlage von Osten

Na gut, dann eben Winter!

Für den frühen Nachmittag nehmen wir uns eine Joggingtour vor.
Eigentlich wollen wir ja nur einmal um´s Städtchen, aber dann fällt uns beim vormittaglichen Umschauen das hier ins Auge:

Bild #6: Booah, das sieht cool aus!

Das ist der Wurmberg, seines Zeichens der Hausberg von Braunlage. 971 m. ü.NN, der zweithöchste Berg im Harz, der höchste in ganz Niedersachsen, Gipfel 400 HM über dem Ort, oben gibt´s eine Sprungschanze, eine Seilbahnstation und – kurz hinterm Gipfel – den ehemaligen Todesstreifen der Zonengrenze.
Und im gleißenden Sonnenlicht sieht er verdammt reizvoll aus!

Deshalb: Planänderung.
Keine Joggingrunde um Braunlage, stattdessen wollen wir mal schauen, ob man irgendwie auf den Wurmberg hochlaufen kann.
Keine Ahnung, ob das geht – wir haben keinerlei Ortskenntnis, kein besonders gutes Kartenmaterial und die Schneeverhältnisse könnten jedwedes Joggen auf Bergwaldwegen unmöglich machen.
Aber probieren kostet ja nix… 😀

Aufbruch irgendwann zwischen halb drei und drei – knapp zwei Stunden Tageslicht, das sollte reichen.
Falls nicht, werden die Kälte und die Wölfe* sich schon um uns kümmern… 😀
(* die letzte Wolfssichtung im Harz liegt zwar schon 212 Jahre zurück, ber vielleicht haben die Biester sich seitdem ja nur gut versteckt…)


Bild #7: Am Start. Ob das heute wirklich ´ne Rocky-Balboa-Nummer wird…?

Wir fangen ganz zivilisiert an: Einmal mitten durch das nebensaisonal grauweissverschlafene Herz von Braunlage, auf der Herzog-Wilhelm-Str. vorbei an Kneipen (meist geschlossen), Cafés, Läden (oft touristisch angehaucht) und Ferienwohnungen, Ferienwohnungen, Ferienwohnungen. Oh, und Ferienwohnungen.
Davon gibt´s hier nämlich bannig viele, auch wenn momentan vermutlich kein besonders ausgeprägter Bedarf herrscht.


Bild #8: Herzog-Wilhelm-Str.

Die Lauferei selbst lässt sich übrigens gut an, die Gehwege neben der schmalen Fahrbahn sind geräumt und leer (hier oben weiß man offenbar, wie man mit dem Winter umzugehen hat, da ist anscheinend niemand vom frühen Schnee überrascht worden), und solange man in Bewegung bleibt, ist auch die knackige Kälte nicht weiter schlimm. Einzig der Boris ist anfangs etwas problematisch, weil er unbedingt Tempo machen will, aber mit dem Hinweis auf die 400+ HM, dir wie eventuell vor uns haben, gegebenenfalls auch mit Tiefschnee und Verirren, kann ich ich vorerst ganz gut abbremsem…

Die Herzog-Wilhelm-Str. zieht sich knapp einen halben Kilometer mitten durch den Ort, mit einer angenehmen, eigentlich gar nicht spürbaren Steigungen…

Bild #9: Nochmal die Herzog-Wilhelm-Str., etwas weiter oben und ein bissl wacklig, weil aus dem Lauf raus

…und gabelt sich schließlich am kleinen Heinrich-Jasper-Platz (der gefühlt das Zentrum des Städtchens darstellt) auf.
Wir halten uns rechts, immer die weißen Flanken des hoch über dem Ort aufragenden Wurmbergs im Blick (den Gipfel sieht man gerade nicht, der ist vollkommen eingewolkt): Harzburger Str. in Richtung Eislaufstadion.
Sieht erst auch nicht viel anders aus als die Herzog-Wilhelm-Str….

Bild #10: Harzburger Str.

…doch bereits nach ein paar hundert Metern dünnt Braunlage merklich aus, die Kneipen und Geschäfte machen reinen Wohnhäusern Platz (mit Ferienwohnungen, weil´s davon im Ortskern offenbar nicht genug gibt :D)…

Bild #11: Fußweg neben der Harzburger Str.

…rechts zieht irgendwann die halb offene Eislaufhalle vorbei, kurz darauf sieht´s so aus, als wären wir am Nordende von Braunlage angekommen.
Irgendwo hier müsste es folglich auf den Wurmberg hochgehen, dessen schneebedeckte Südflanken sich nun mehr oder weniger direkt vor uns über die letzten Häuser erheben.
Aber wo genau?
Hmmm…

Bild #12: Studium der kurz zuvor extra angeschafften Wanderkarte. Die zwar praktisch laminiert ist, aber rein qualitativ meinen von daheim gewöhnten (unlaminierten) Odenwaldclub-Karten nicht das Wasser reichen kann…

Die Karte meint: Eher nach rechts.
Also machen wir das.
Schmalen Weg runter, dann auf einer etwas rutschigen Holzbrücke über das Flüsschen Warme Bode, das direkt am Braunlager Ortsrand in Richtung Tiefland (Saale/Elbe/Nordsee, um genau zu sein) gurgelt…

Bild #13: Überquerung der Warmen Bode, die trotz ihres Namens witterungsbedingt einen eher kalten Eindruck macht

…und direkt danach links, auf einen bequemen, breiten Fußweg, der zwischen Bodeufer und Hangwald einen halben Kilometer nordwärts führt, bis zu einer Wegscheide mit dem folgenden Schild:

Bild #14: Wegweiser zum Wurmberggipfel

Na also!
Hier gibt´s sogar zwei Wege auf den Wurmberg: Die Variante über die Bodewasserfälle und die Bärenbrücke klingt äußerst reizvoll, keine Frage, dummerweise hat sie einen entscheidenden Nachteil: Waldwege.
Und die sind – um das festzustellen muss man sich hier einfach nur mal umschauen – im Moment leider unlaufbar: 20 oder 30 cm Schnee, unberührt und nicht gespurt, das wäre selbst in vertrautem Flachlandterrain eine Herausforderung.
Geht nicht, keine Chance (zumal ja auch in einer guten Stunde die Sonne untergeht, das ist einfach zu wenig Tageslicht für 12 bis 14 km Tiefschnee-Berglauf).
Bleibt also noch Variante 2: Forststrasse auf den Wurmberg (Im Winter geräumt).
Sollte machbar sein, und vor allem gibt´s vermutlich auch keine Navigationsprobleme.

Wir nehmen die Forststrasse.

Sieht erstmal gar nicht so forstig aus, stattdessen geht es am Rand einer tiefverschneiten Wiese entlang…

Bild #15: Wiese nordöstlich von Braunlage

…über noch eine Abzweigung zurück in den Ort runter, an einer großen Skisprungschanze vorbei…

Bild #16: Durchs Schanzengelände


Bild #17: Sprungschanze. Ganz schön hoch und steil, ich glaub´, ich würd da nicht runterhüpfen wollen…

…und schließlich in den Wald rein, der unter der schweren, dichten Schneelast wunderbar wattig und winterlich aussieht:

Bild #18: Wattigwinterterweisser Wurmbergwald (es lebe die Alliteration! :D)

Uuuund Aufstieg.

Forststrasse durch den einsamen, frostigen Fichtenwald, immer dem schmalen Asphaltband zwischen den Schneebedeckten Hängen hinterher, immer weiter bergauf, mit einer merklichen aber doch recht zivilen Steigung. Fühlt sich eigentlich fast ein bisschen wie meine Hausstrecke auf den Melibokus an (ungefahr dieselbe Distanz und dieselben Höhenmeter), und läuft sich gar nicht so schlecht, auch wenn die Fahrbahn manchmal etwas rutschig ist, und die Kälte nicht wirklich angenehm.
Viel zu Fotografieren gibt´s allerdings nicht, schließlich sieht so ein winterlicher Fichtenwald allenthalben recht gleich aus, und wenn keine Sonne draufscheint, wirkt alles sowieso ein bisschen grau und trist. Außerdem: So ein bisschen Konzentration braucht das Bergauflaufen dann doch noch, da halten sich Mikropause fürs Knipsen in Grenzen:

Bild #19: Notiz an mich selbst: Egal wie dünn die lange Laufunterwäsche ist, unter Leggins lässt sie meine ohnehin schon sehr kräftigen Beine furchtbar fett aussehen. Mit Vorsicht genießen…


Bild #20: Das ist glaube ich ein „normaler“ Waldweg. Wie gesagt: Keine Chance, bei diesem Schnee


Bild #21: Auch im Inneren der meisten Schutzhütten, die uns hier im Harz begegnen, liegt eine dünne, durchgängige Schneeschicht – offensichtlich ist das weiße Zeug hier bei kräftigen Windverhältnissen runtergekommen


Bild #22: Und immer schön weiter die Wurmbergstrasse hoch

Ist ein ziemlich langer Aufstieg. Insgesamt fast 4 Kilometer die Bergflanken hinauf, erst lange in nördlicher Richtung, dann nach einer scharfen, steilen Haarnadelkurve nach vielleicht 2,5 Kilometer eher südwärts, nicht mörderisch, aber doch ein bisschen anstrengend, wie sich das gehört. Ein bisschen ziehen tut sich´s irgendwann allerdings schon, wie das so ist, wenn der Fichtenwald nicht enden will und man nicht weiss, wie weit es noch bis zum Gipfel ist.

Immerhin: Irgendwann mehren sich dann doch die Anzeichen, dass wir uns so langsam dem Ziel nähern: Der Wald wird lichter, öffnet sich zum Himmel hin, die dicht an dicht gedrängter turmhoher dunkler Fichten stehen machen nun so langsam kleineren, gedrungeneren Tannen (?) Platz, über denen sich ein seltsam eingefärbter, zerrissener Winterhimmel spannt, über den der sibirische Wind eisige Wolkenfetzen treibt:

Bild #23: Erste Anzeichen von „Oben“

Irgendwo hier überlaufen wir dann unbemerkt die magische 881 HM-Marke, womit mein alter Höhenrekord aus dem Taunus endgültig passé ist:

Bild #24: Yaaay, so weit oben wie noch nie!!! 🙂 (und das nächste Mal, wenn ich sowas schreibe, werden dann wohl die 1000 Meter geknackt…)

Weniger unbemerkt, aber mindestens genauso willkommen: Die Sonne.
Bisher hat sie sich ja vornehm hinter dichter, tief hängender Bewölkung zurückgehalten, hier oben lugt sie nun zum ersten Mal am heutigen Tag zwischen den Wolken hervor, noch ziemlich blaß und schüchtern, aber immerhin da:

Bild #25: Nochmal Yaaay: Die Sonne. Oder zumindest fast, aber das wird noch…
Macht die Schneelandschaft gleich noch mal eine Riesenkante schöner!

Lange bleibt sie allerdings nicht, schon ein paar Sekunden weiter ist die gelbliche Scheibe wieder hinter nebelartig heranjagenden Eiswolken versunken und wir müssen die letzten Meter im Bergwald unterhalb des Gipfels wieder in blauweißdämmriger Winterstimmung zurücklegen:

Bild #26: Brrr, auf einmal isses wieder eisig kalt hier oben!

Dann ist der Wald zu Ende und die Forststrasse führt uns hinaus auf einen langen, offenen Almrücken, der sich über den wolkenverhüllten Waldhängen bis zur eigentlichen Wurmbergkuppe hinzieht:

Bild #27: Schon wieder etwas klarer

Und hier wird´s dann richtig cool!
Die Atmosphäre ist einfach nur noch unwirklich: Über die verlorene , weiße Höhenkuppe, die ganz in Schnee und Rauhreif gebadet ist, braust der klirrend kalte Wind und treibt dampfig-vereiste Wolkenfetzen vor sich her, die hier oben aber nicht mehr dicht genug sind, um das fahle Licht der Wintersonne durchgängig wegzublocken, so dass die Winterlandschaft (die wie eine Insel aus dem Dunst und der Dunkelheit der umliegenden Täler aufragt) quasi im Sekundentakt zwischen düsterer Winterdämmerung, rosig erleuchteten Wolkenschwaden und gleißend hellem Sonnenlicht alterniert.
Unglaublich schön, unglaublich großartig – allein dafür hat sich der verforene Anstieg tausendmal gelohnt!


Bild #28: Blick zurück die Forststrasse runter


Bild #29: Viertelsonnenscheibe über den Eiswolken


Bild #30: Der eigentliche Wurmberggipfel, der wie ein kleiner, runder Hügel am Ende des offenen Höhenrückens sitzt


Bild #31: Schneewüste am Strassenrand, mit leuchtendem Horizont unter nachtblauen Eiswolken

Auf dem Höhenrücken ist die Steigung nicht mehr der Rede wert, entsprechend schnell und leicht rückt die runde, einsame Gipfelkuppe näher…

Bild #32: Wurmberggifpel im Eisnebel

…während sich links und rechts des Weges immer mal wieder kurze Nebellücken auftun, durch die man hinunter in die umliegende Harzlandschaft linsen kann…

Bild #33: Aussicht? Mäßig. Ansicht? Grandios!

…oder auch nicht…

Bild #34: Und schon ist das Umland wieder weg, verhüllt von glimmernden Eisschwaden


Bild #35: Die Wurmbergseilbahn runter ins dunstverhüllte Braunlage, eingeweisst von einem dicken, rauhreifigen Schneepelz

Dann geht´s nochmal kurz etwas steiler bergauf, in die verloren wirkende blaugraue Dunstlandschaft der Kuppe…

Bild #36

…vorbei an der verwaisten Seilbahnstation…

Bild #37


Bild #38

…und schließlich die letzten Meter Strasse hoch, auf einer Art kleinem Sattel, von dem links und rechts die eisigen, dunstigen Waldhänge ins Nichts zu gleiten scheinen:

Bild #39: Nur ein paar Meter weiter unten verliert sich die Welt in grauem Dunst

Und dann sind wir oben!
Gipfel des Wurmbergs mit einer (geschlossenen) Kneipe und einer hoch aufragenden Sprungschanze, höchster Punkt Niedersachsens (und das gleich beim ersten Lauf in diesem Bundesland, was soll da denn noch nachkommen? :D), zweithöchster Punkt im Harz, 971 m.ü.NN.
Richtig hübsch, besonders auch deshalb, weil just im Moment unserer Ankunft die Wolken aufreißen und es ein paar Momente echten, herrlich hellen Sonnenlichts gibt!


Bild #40: Der Beweis: Das Dach von Niedersachsen!


Bild #41: Wurmbergschanze


Bild #42: TAAA-DAAA!


Bild #43: Das Gipfelareal, sogar ein Gipfelkreuz hat´s dahinten


Bild #44: Da! Echtes, klares, direktes, ungefiltertes Sonnenlicht auf den Bäumen!
Geht doch,…


Bild #45: …wenn auch nur für ein paar Sekunden, bevor die nächste Winterwolkenbank herangeblasen kommt und das Licht wieder seltsam und unwirklich wird


Bild #46: Blick nach Norden. Die diesigen Hänge in der (gar nicht so großen) Ferne sind bereits die Flanken des Brocken (dessen Gipfel allerdings unsichtbar bleibt), nicht zu sehen ist der Lichtungsstreifen ein paar hundert Meter unterhalb der Wurmbergkuppe, an dem bis 1989 die Grenze zwischen Ost und West verlaufen ist

So schön das hier oben allerdings auch ist – lange können wir nicht bleiben.
Die Kälte ist beißend, besonders wenn man sich nicht bewegt und ein bisschen angeschwitzt ist.
Folgerichtig nehmen wir uns nur ein paar Momente zum Umschauen, bis die Sonne wieder im wabernden Eisnebel verschwindet…

Bild #47: …und weg isse wieder!

…und wir uns an den langen Abstieg zurück nach Braunlage machen, notgedrungen natürlich auf demselben Weg, den wir hochgekommen sind.

Also wieder vom hügelartigen Wurmbergipfel runter…

Bild #48: Abwärts…

…und auf der Forststrasse über die sibirsche Mondlandschaft des offenen Bergrückens…

Bild #49

… zurück in Richtung Wald:

Bild #50

Und zwar so schnell wie möglich, denn hier oben im Offenen haben wir nun den polaren Wind direkt von vorne, und der ist so unglaublich brutal schneidend kalt, dass es einem im wahrsten Sinne des Wortes die gefrorenen Tränen in die Augen treibt.
Brrrr, da ist man wirklich heilfroh, sobald man wieder im Windschatten des Hangwalds ist!

Der Abstieg selbst verläuft dann genauso wie der Aufstieg, bloß etwas zügiger, etwas rutschiger aber dafür weniger anstrengend: knapp 4 Kilometer auf dem halbwegs geräumten Asphaltweg bergab durch den Fichtenwald…

Bild #51

…mit seinen unglaublichen Schneemassen…

Bild #52

…bis irgendwann schließlich wieder der untere Waldrand an der Braunlager Sprungschanze in Sicht kommt:

Bild #53: Wieder unten

Für den Rückweg von hier aus verzichten wir darauf, nochmal durch den Braunlager Ortskern zu laufen.
Stattdessen geht´s immer schön geradeaus, am Ostufer der Warmen Bode entlang…

Bild #54: Uferweg an der Warmen Bode

…vorbei an der Talstation der Wurmbergseilbahn…

Bild #55: Viel mehr los als beim Pendant oben am Gipfel ist hier aber auch nicht

… und dem Eisstadion…

Bild #56: Eisstadion Braunlage

…dann durch die östlichen Ortsausläufer…

Bild #57: „Am Amtsweg“

…vorbei am Glockenspiel…

Bild #58: Da oben aus dem Giebel kommen mehrmals am Tag ein paar Figürchen rausgefahren und klimpern leicht schiefe Volkslieder. Veery big on local color, although something of an acquired taste… 😉

…dann durch den kleinen (? bei dem ganzen Schnee kann man nicht so gut feststellen, was alles dazugehört) Kurpark, danach noch einen kleinen, steilen Pflasterweg über der Bode kurz hoch und wieder runter…

Bild #59: „Am Graben“

…bis wir schließlich am Ortsrand auf die Kolliestr. stoßen…

Bild #60: …neben der zwei frierende Harzer Pferde im Schnee stehen und glotzen…

…in der bereits das Ziel auf uns wartet:

Bild #61: Ziel

Ist auch gut so, denn inzwischen dämmert´s schon ordentlich, und außerdem sind wir trotz Winterlaufklamotten ganz gehörig durchgefroren, da freut man sich so richtig auf eine funktionierende Heizung und ein gutes, deftiges Abendessen:

Bild #62: Das semiobligatorische Laufblognachfotolaufberichtsschnitzel, heute mal nicht mit odenwälder Kochkäs sondern mit Harzer Käse überbacken, trotzdem extremst lecker!!!

So. Und das war der erste Lauf in Niedersachsen.
Feine Sache, auch im Norden kann man offensichtlich prima berglaufen.
Gut zu wissen… 😉
Schöne Tour mit außergewöhnlichem Wetter, dazu auch noch ein neuer Höhenrekord und der 7000ste Blogkilometer – perfekt so gehört das im (kurz)Urlaub!

Strecke: 13,7 km
Zeit: Vom frühen Nachmittag bis zum Beginn der Dämmerung
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 100% (13,7 km von 13,7 km)
Karte:

Am Tag drauf ist dann übrigens der Brocken dran.
Dieses Mal nicht joggend sondern wandernd. Ursprünglich hatten wir ja über eine schöne, lange Tour von Braunlage aus nachgedacht, die so um die 30 km gehabt hätte – aber angesichts der gewaltigen Schneemassen und der kurzen Tageslichtspanne entscheiden wir uns schließlich doch für einen bescheideneren Ansatz und starten lieber in Schierke am Fuß des Berges:

Bild #63: Auf zum Brocken!

Keine schlechte Wahl, wie sich herausstellt, denn der Aufstieg hat´s trotzdem faustdick hinter den metaphorischen Ohren. Natürlich haben wir eine der steilsten Varianten gewäht, ein kleiner Steig geradewegs von Süden in Richtung Gipfel.
Wäre selbst in der warmen Jahreszeit sicher recht anspruchsvoll, heute bei knackigen Minusgraden und vielleicht 50 cm Schnee zieht er richtig gut rein:

Bild #64: Der Weg ist zwar größtenteils vorgespurt (wahrscheinlich dank der Nationalparkranger), aber es ist immer noch verflixt fordernd, dem schmalen, unebenen Pfädchen zwischen den mehr als kniehohen Schneewänden links und rechts zu folgen, schnaufend, schwitzend und immer mal in einem unsichtbaren Schneeloch wegrutschend. Puuh…


Bild #65: Hab ich erwähnt, dass es hier teilweise verflixt steil bergauf geht

Irgendwann erreichen wir dann aber doch die Brockenstrasse, auf der wir den letzten eisigen Kilometer bis zum Gipfel zurücklegen. Viel zu sehen gibt´s nicht, denn der Brocken ist in dichtesten, eisigen Nebel gehüllt, der die Sichtweite auf wenige Meter reduziert und einem beinahe das Mark in den Knochen gefriert:

Bild #66: Der Brockenturm im Nebel

Zum Glück hat das Selbstbedienungsrestaurant im Turm auf, da kann man sich bei Schnitzel und Erbsensuppe ein wenig aufwärmen, bevor es auf den langen aber viel bequemeren Abstieg geht, den wir auf der gewundenen Brockenstrasse absolvieren, wobei sich auf den späteren Passagen sogar hin und wieder mal die Sonne zeigt:

Bild #67: Auf der Brockenstrasse

Noch eine Übernachtung, und dann ist auch schon wieder Freitag und damit Schluss mit Kurzurlaub. Pöh.
Zum Abschluss gibt´s noch einen kleinen Abstecher durch den immer noch herrlich wintrigen Harz nach Norden…

Bild #68: Heimfahrt

…in die hübsche alte Kaiserstadt Goslar, in der wir noch ein bisschen umschauen und die Kaiserpfalz besuchen…

Bild #69: Golsarer Weihnachtsmarkt vor dem Rathaus


Bild #70: Die Kaiserpfalz


Bild #71: Blick von der Kaiserpfalz über die Dächer der Stadt

…und uns dann schließlich am frühen Nachmittag auf die lange, von Schnee, Unfällen und Freitagabendfeierabendverkehr behinderte Rückfahrt ins Rhein-Main-Gebiet machen.

Und das isses dann vorerst auch schon mit Urlaub. Wie gesagt: Nicht unbedingt das, was ich mir nach fünf Jahren wegfahrabstinenz erhofft hätte, aber viel besser als nichts, zumal´s richtig gut getan hat.

M.

M.

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5 Antworten to “Urlaubslauf im Fimbulwinter – Eisige Fotosafari auf den höchsten Gipfel Niedersachsens: Braunlage – Wurmberg und zurück (13,7 km)”

  1. Laufhannes Says:

    Haaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaarz.
    Braaaaaaaaaaaaaaaaaunlaaaaaaaaaaagee.
    Brooooooooooooooockeeeeeeeeeeeeeeeeen.

    Was für starke Bilder von da oben, auch wenn die Aussicht vielleicht nicht die beste war, aber es sieht toll aus! Wahnsinn.

    Ganz ehrlich, hab allerherzlichsten Dank für diesen tollen Laufbericht. Braunlage und Wurmberg, das war jahrelang meine Heimat in jedem Herbst – herrlich!

    • matbs Says:

      Jepp, das ist schon verflixt nett da oben.
      Wer hätte gedacht, dass der Norden so topografisch sein kann…? 😉

      In diesem Sinne: Bitte, bitte, gern geschehen…

  2. Boris Says:

    Ach ja, auch wenn`s kurz war – schön war es dennoch 🙂 Und wer hätte gedacht, dass es sogar im Rhein-Main Gebiet in solchen Maßen schneit!! 😎

    Ich ruf Dich dann mal bald an Matthias… bevor Du ganz verschwindest 😉


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