Jubiläumslauf im Spessart: Am Ostufer des Mains von Obernburg nach Wörth (mit Fotos, 17,7 km)

3. Juli 2011

Laufblogjubiläum.
Vier Jahre mach´ ich das jetzt. Schon ´ne Hausnummer, find´ ich, wenn auch in den letzten Monaten arg auf Sparflamme.
Aber ich bin noch dabei, nicht mehr regelmäßig und nicht mehr so intensiv, wie ich gerne würde, aber hey… besser als nix isses allemal! 😉

Natürlich gehört dazu auch ein zünftiger Jubiläumslauf, das ist ja inzwischen schon gute Tradition.
Ganz Traditionell natürlich eigentlich am 1. Juli, also dem Tag, an dem wir hier vor vier Jahren zum ersten Mal online gegangen.
Das klappt allerdings dieses Jahr nicht: Der 1. 7. ist ein Freitag, an dem ich erst Frühschicht habe und dann auch noch über´s Wochenende von Hannover heim an die Bergstraße fahre. Will heißen: Aufstehen um vier Uhr morgens (nach deutlich zuwenig Schlaf), arbeiten, und dann noch vier Stunden auf der Autobahn nach Süden – da is´ nix mehr mit laufen (der halbgar angedachte Plan, auf der Heimfaht anzuhalten und eine Runde über die Grenze zwischen Hessen und Niedersachsen zu drehen, scheitern sowohl an meiner generellen Schlaffheit als auch der fehlenden Wanderkarte für das potentielle Zielgebiet).

Aaber gut. Mach´ ich meinen Jubiläumslauf halt zeitnah zwei Tage später. Kann ich nochmal schön im eigenen Bett ausschlafen. Und Sonntag ist ja eh viel netter…

Fehlt noch die Strecke.
Klar ist: So viel wie bei den beiden letzten Jubiläumsläufen soll´s eher nicht werden. Paarundzwanzig bis knappunterdreißig Kilometer, das krieg´ ich im Moment einach nicht hin. Da fehlt halt einfach ein Dreivierteljahr anständiges Training.

Aber die geografische Ecke, in der ich mich auf den Jubiläumstouren 2009 und 2010 umgetan habe, auf die hab´ ich schon Lust: Bayern nämlich, oder genauer gesagt: Franken. Ist schließlich schon was Besonderes – vorletztes Jubiläum bin ich zum ersten Mal rüber gelaufen, durch den Odenwald bis runter an den Main. Und letztes Jahr hab ich dann noch einen draufgesetzt, und zum ersten Mal den Main überquert, ans Ostufer, wo technisch gesehen der Odenwald vorbei ist und eigentlich schon der Spessart anfängt.
Da will ich dieses Mal dann auch wieder ansetzen: Von Obernburg, wo ich vor einem Jahr angekommen bin, weiter nach Osten, über den Main, durch die Spessartausläufer nach Süden bis Klingenberg, und dann – einfach um noch ein paar Extrakilometerchen draufzupacken – zurück ans Westufer und wieder ein bisschen nordwärts nach Wörth.
Sollten so zwischen 15 und 20 km sein, genau die richtige Distanz für meinen momentanen Trainingsstand…

Ausgangspunkt für heute ist Obernburg, einem kleinen gemütlichen Städtchen in Unterfranken, das sich am Fuß der letzten Odenwaldausläufer ans linke Mainufer schmiegt. Ist eine ordentliche Anfahrt von zuhause auf der anderen Seite des Odenwalds, aber für´s Jubiläum passt das schon. Außerdem hab´ ich meine Eltern und den Hund zu ´nem Sonntagsausflug überreden können, da lohnt sich das um so mehr (und ich kann mich nachher wieder in Wörth aufsammeln lassen. Passt! :)).

Ich starte so gegen Vier Uhr nachmittags in der Mainstr. am Nordrand der kleinen Obernburger Altstadt. Beim letzten Jubiläumslauf vor einem Jahr bin ich hier mit achtundzwanzigkikometerschweren Beinen eingelaufen, dieses Jahr lauf´ ich entsprechend mit nullkilometerleichten Beinen los:

Bild #1: Skulptur am unteren Ende der Mainstr. in Obernburg

Und zwar ostwärts. Die Mainstr. geht direkt in die Fußgängerbrücke über, die über den Main führt:

Bild #2: Anfang der Fußgängerbrücke

Die nehm´ ich. In großem Bogen über den Main:

Bild #3: Süden, da kommt der Main her, irgendwo aus den dunklen, unbekannten Tiefen des fränkischen Hinterlands


Bild #4: Norden, da fließt der Main hin, Richtung Aschaffenburg, Hanau, Offenbach, Frankfurt, Rhein.

Das Wetter ist übrigens nicht so wirklich Jubiläumslaufmäßig, das merke ich bereits auf den ersten Metern: Nicht kalt, nicht warm, aber mit einem unangenehm klammen Wind, der nach Regen und Feuchtigkeit schmeckt und einen fies auskühlt, sobald man stehen bleibt. Außerdem ist der Himmel mit einer dieser dünnen, leuchtenden Wolkendecken überzogen, die nicht nur alles ein bisschen trüb und traurig aussehen lässt, sondern auch die Belichtungsautomatik der Pocketkamera heillos überfordert. Richtig gute Bilder werden das heute nicht.
Da müssen wir jetzt durch…

Die Brücke ist knapp 300 m. lang und endet auf der anderen Mainseite hinterm Bahnhof von Elsenfeld:

Bild #5: Bahnhof Elsenfeld von hinten

Nicht unbedingt die szenischste Ecke, eher so ein bisschen angeschmuddelt, aber die Spessartausläufer liegen ja auch noch vor mir.

Mit dem Europäischen Fernwanderweg 8 (rotes Andreaskreuz) geht´s durch eine Unterführung unter den Bahngleisen durch, dann geradeaus weiter ostwärts nach Elsenfeld rein.
So richtig beeindruckt bin ich nicht.
Mag sein, dass Elsenfeld hübsche Ecken hat – aber das Wohngebiet, das ich hier am Südrand des Ortes durchquere, wirkt schon eher so ein bisschen trist, besonders unter dem grautrüben Wolkenhimmel. Schmucklose sechziger- oder siebzigerjahre Mehrparteienhäuser, ein paar Doppelhaushälften… hmnaja, da erwarte ich vom Spessart aber eigentlich noch ein bisschen mehr… 😉

Immerhin, so kann ich zügig durchlaufen, ohne mich mit Fotos aufhalten zu müssen. Weiter ostwärts, auf der Bildstr. und dem Forstweg (mehr Wohngebiet, kein Forst in Sicht) geradewegs durch Elsenfeld. Seltsamerweise unmarkiert, obwohl die Wanderkarte hier einen Roten Punkt als Marker versprochen hat, vor Ort ist der aber nirgendwo zu entdecken (vermutlich, weil meine Karte etwas älter ist und die Streckenführung in den letzten Jahren geändert wurde).
Macht aber nix, ich lauf einfach so, als ob der Punkt da wäre, das geht ganz gut, denn Elsenfeld-Süd ist grundsätzlich orientierungsfreundlich.

Am Elsenfelder Ende husche ich schnell über eine breite Umgehungsstraße (laut Karte die „Staatstraße 2808“ – daran erkennt man übrigens, dass man in Bayern ist [oder alternativ in Sachsen, da gibt´s sowas auch noch), anderswo würde das Dingen „Landesstraße“ heißen) und folge dann einem Asphaltweg durch die Wiesen, am Rand eines großen Sportplatzes entlang…

Bild #6: Forstweg hinter Elsenfeld. Übrigens auch wieder markiert, und zwar mit dem roten Andreaskreuz des europäischen Fernwanderwegs 8, der hier auf seiner Route von Irland an den Bosporus vorbeikommt

…bis ich den Rand des Forstwaldes erreiche, eines niedrigen, dicht bewaldeten Hügels, der so ein bisschen über die schmale Ebene am Mainufer hinausraugt, und damit sowas wie den ersten echten Ausläufer des Spessarts bildet, der mir heute unter die Sohlen kommt.

Wie schon in Elsenfeld werde ich auch hier beinahe wieder Opfer einer geänderten Wegführung. Meine Planung sieht vor, dass ich den Mainwanderweg (blaues M) nehme, der – zumindest behauptet das die Wanderkarte – so ein bisschen aufwärts und ein bisschen in den Wald rein über die Hänge des Forstwaldes führen sollte.
Machte aber nicht, der Hund!
Stattdessen bleibt er unten, auf einem breiten, ebenen flachen Kiesweg, der zwischen Wald und Elsenfelder Flachlandwiesen gen Süden führt.
Läuft sich schon sehr bequem.
Um ehrlich zu sein: Eigentlich sogar ein bisschen zu bequem.
Schließlich bin ich hier zum Jubiläumslaufen, da will ich wenigstens ein bisschen Steigung und Berge haben, und nicht den Weg des geringsten Widerstands am Fuß der Steigung.

Deshalb bieg ich nach ein paar hundert Metern auch ab.
Links in den Wald rein, auf einen kleinen Trampelpfad, der geradewegs den Forstwaldhang hinaufführt:

Bild #7: Ist nicht steil. Aber ich bin ja auch nicht fit, da passt das dann wieder… 😉

200 m. weiter oben stoße ich auf einen breiten Querweg, an dessen Rand hier und da ein Baum mit einer übermalten Wegmarkierkung steht – die ehemalige Strecke des Mainwanderwegs, und die, die ich ursprünglich nehmen wollte.
Also nehm ich die mal. Südwärts durch den Wald:


Bild #8: Ehemaliger Mainwanderweg im Forstwald

Auch hier gibt´s nicht so richtig viel zu fotografieren.
Ist halt… Wald. So ein bisschen generisch, kein besonders alter Baumbestand, Mischung aus Laub- und Nadelbäumen, wenig steile Hänge, alles so ein bisschen unspektakulär.
Nicht dass es unansehnlich wäre, ist schon ganz nett, aber eben auch nix Besonderes – aber so ein bisschen mehr hatte ich mir zum Jubiläumslauf schon erhofft (zumal ich bei „Spessart“ schon erstmal an wildromantische Wirtshäuser voller Goldschmiedegesellen, Räuberhauptmänner und Lilo Pulver denke :D).
Aber gut, kann ja noch werden…

Ich folge dem Weg ein paar Kilometer, mal auf, dann wieder ein bisschen ab:

Bild #9: Das hier ist eher ab

Lässt sich ruhig und angenehm traben, das hat auch was.
Nach knapp 2 Kilometern geht´s an einer netten kleinen Lichtung vorbei (irgendwo hier stoße ich auch wieder auf das blaue M des Mainwanderwegs)., danach dann wieder langsam aufwärts um den nächsten bewaldeten Hügel rum, der den passenden Namen „Sandbuckel“ trägt und schon hinter/über dem nächsten Ort am Mainufer liegt, nämlich Erlenbach

Das reiht sich übrigens nahtlos in meine bisherigen Eindrücke der heutigen Tour ein – das erste, was ich vom Wald aus zu sehen kriege, ist eine klotzige Plattenbausiedlung, die unterhalb der Bäume am flachen Hügelhang sitzt und dabei alles andere als pittoresk aussieht.
So langsam fürchte ich, dass ich mein Bild vom romantischen unterfränkischen Maintal vielleicht etwas revidieren muss…

Das blaue M führt mich hinter den Plattenbauten wieder etwas bergauf…

Bild #10: Weiterhin Kiefernwald

…dann auf einen schmalen Trampelpfad, der über dem Ort weiter nach Süden führt, ein paar Meter oberhalb des Waldrandes, an den direkt ein Wall aus Reihenhausrückfronten anschließt, die auch nicht weniger klotzig aussehen als die Plattenbauten von eben:

Bild #11: Immerhin: Dahinter kann man den Odenwald am anderen Mainufer sehen…

Am Ende der Reihenhaus-Bungalow-Siedling biegt der Mainwanderwegs rechts ab, eine relativ steile Böschung runter bis auf die erlenbacher Straße „Am Stadtwald“. Hier kann man die Reihenhäuser nochmal von vorne sehen. Immer noch klotzig:

Bild #12: „Am Stadtwald“ in Erlenbach

Von hier aus geht´s dann kurz mit dem Mainwanderweg abwärts, in Richtung Ortskern, dann links auf den asphaltierten Weg „An der Bilz“, der zwischen den letzten Häusern und dem Waldrand am nächsten Hügel („Bilz“. Wer hätte es gedacht, bei diesem Wegnamen) weiter südwärts führt, wobei´s immer mal wieder ein bisschen Blick über die Dächer von Erlenbach und das Maintal zum Odenwald gibt:

Bild #13: Obstbäume. Erlenbach. Schornsteine. Odenwald

Sind allerdings nur ein paar hundert Meter, dann stoße ich auf die Kreisstraße 27, die von Erlenbach durch den Hügelwald tiefer nach Franken reinführt (zu einem Ort namens „Mechenhard“, sagt die Wanderkarte. Hab ich noch nie gehört, da merkt man mal, wie weit das hier von zuhause entfernt ist).
An der muss ich jetzt kurz wieder bergab, bis auf einen sandigen Platz kurz vor dem Erlenbacher Ortseingangsschild, auf dem der Mainwanderweg dann wieder links hoch in den Wald abbiegt, kurz drauf eine scharfe Rechtskurve macht, und dann schön bequem am Hang weiter nach Süden führt. Ist übrigens auch wieder der Fränkische Rotweinwanderweg, dem ich heute schon auf der Obernburger Mainbrücke begegnet bin:

Bild #14: Fränkischer Rotweinwanderweg

Hier wird´s dann auf einmal richtig nett.
Bisher war die Strecke ja eher unspektakulär, jetzt gibt´s Ausblick. Zuerst mal auf Erlenbach – rechts vom Wanderweg gehen ein paar Stufen runter zu einem Aussichtspavillon am Hang:

Bild #15: Aussichtspavillon

Den nehm ich natürlich mit. Hübsch, selbst unter gräulichen Wolken. Unten liegt Erlenbach im Maintal und tönt zu mir hoch – am Fuß der Hügelkette ist gerade ein Volksfest, und weil wir hier in Bayern sind, spielt gerade eine Blaskapelle. Jo mei!

Bild #16: Erlenbach. Die bewaldeten Höhenzüge dahinter sind bereits auf der anderen Mainseite und damit schon Odenwald. Und rechts hinten sieht man auch noch Oberndorf.


Bild #17: Vor Erlenbach: Der Main

Und weil wir hier ja im katholischen Freistaat sind, gibt´s als Dreingabe auch gleich noch ein zünftiges Holzkreuz, dass die Erlenbacher über dem Pavillon aufgestellt haben. Jo mei!

Bild #18: Hohbergskreuz über Erlenbach

Danach wird´s noch hübscher, denn plötzlich ist der Wald zu Ende.
Stattdessen: Weinhänge, die so steil zum Main hin abffallen, dass man sich fast an der Mosel wähnen könnte.
Richtig schön. Sowas fehlt einem ja doch so´n bissken in Norddeutschland… 😉

Bild #19: Panoramablick: Rechts am Ufer Erlenbach, gegenüber mein heutiges Ziel Wörth. Fehlt eigentlich nur noch die Sonne


Bild #20: Blick vorausm Flussabwärts über die Weinberge: Am linken Ufer Klingenberg mit dem Burgberg (auf den will ich nachher auch noch hoch) und der Mainbrücke, auf der´s wieder ans Westufer gehen soll. Dahinter ein Ort namens Röllfeld, am rechten Ufer Wörth und Trennfurt (?)

Tolles Stück, links oben der Wald, rechts steil unten jenseits der Rebenreihen und einer schmalen Uferstraße fliesst der Main, dahinter erheben sich die erste flache Hügelreihe des Odenwalds, auf der irgendwo die Grenze zwischen Hessen und Bayern verläuft. Wenn jetzt noch perfektes Sommerwetter wäre…
Aber auch so: Genau die Art von Strecke, wie ich sie mir für ´nen Jubiläumslauf wünsche.

Zwischendurch mach ich eine kurze Isoplörre-Pause an einer kleinen Schutzhütte im Hang…

Bild #21: Hütte in den Klingenberger Weinbergen

…danach geht´s bequem und entspannt weiter am Hang, aufs durchaus pittorekse Klingenberg zu:

Bild #22: Fränkischer Rotweinwanderweg nach Klingenberg


Bild #23: Klingenberg etwas näher. Links oben über die Kirche kann man schon die Clingenburg erkennen, die in ein paar Kilometern auf dem Plan steht


Bild #24: Und noch mal von direkt obendrüber: Nordteil von Klingenberg von oben

Insgesamt ist der Streckenabschnitt durch die Weinberge vielleicht zwei Kilometer lang, wobei´s auf den letzten paar hundert Metern schon merklich bergab geht, runter nach Erlenbach. Am Ende des Weges geht´s erst an einem hübschen Bildstock für den heiligen Urban vorbei…

Bild #25: St. Urban von Langres, Schutzpatron der Winzer (hat sich der Sage nach hinter einem Weinstock vor seinen Verfolgern versteckt, deshalb die Weinverbindung)

…und zwischen den ersten Häusern des Orts hindurch, bis zur „Schlucht“, einem schmalen Tal hinter Klingenberg, das weiter in den Spessart reinführt (auch nach Mechenhard, sagt die Wanderkarte. Da führt vom Mainufer aus wohl kein weg vorbei… ;)):

Bild #26: „Schlucht“ in Klingenberg.

Schluss mit abwärts. Auf der anderen Seite der „Schlucht“ wartet die Fahrstraße, die durch den Wald am Schlossberg hoch zur Clingenburg führt, stramm aufwärts.
Puha. Das strengt so´n bisschen an, man könnte meinen, ich wär´ nicht mehr so bergfest wie früher…

Kurze, halbwegs Steile erpentinen, ein paar mal hin, ein paar mal zurück, dann bin ich auf Höhe der Clingenburg. Noch will ich da aber nicht hin, der Schlossberg ist nämlich noch ein ganzes Stück höher, und obendrauf gibt´s laut Wanderkarte eine Aussichtsturm auf der „Alten Schanze“, den will ich noch mitnehmen.
Also verlasse ich kurz vor der Clingenburg die asphaltiere Serpentinenstraße und versuch´s stattdessen mit einem unmarkierten (aber gut ausgeschilderten) Waldweg, der weiter aufwärts durch den Wald führt:

Bild #27: „Hasenstallweg“ am Klingenberger Schlossberg

Hier geht dann tatsächlich die Puste aus. Allerdings nicht mir, sondern der Kamera. Vor dem Start hat die Anzeige noch behauptet, der Akku wäre voll, jetzt soll er auf einmal ratzekahl leer sein.
Rien ne va plus, von jetzt an keine Fotos mehr.
Mist!

Immerhin kann ich so ganz zügig durchlaufen, ein bisschen schnaubend und schwitzend aber insgesamt doch ganz stramm, bis an einer Abzweigung scharf rechts geht, hoch auf den Kamm und vorbei an einem Gedenkstein, bis auf der Kuppe an der Alten Schanze ankomme. Hier oben gab´s mal einen frühmittelalterlichen Ringwall, doch davon ist heute nicht mehr viel übrig. Stattdessen stehen hier eine Ausflugskneipe und der erhoffte Aussichtsturm.
Noch besser: Zufällig hat´s auch gerade meine Eltern samt Hund hier hoch verschlagen – eigentlich wollten wir uns ja erst nachher in Wörth wiedertreffen, aber offenbar haben sie sich entschieden, die Zwischenzeit auch mit ein bisschen Sightseeing zu füllen. Und meine Mutter hat nicht nur eine ähnliche Pocketkamera dabei wie ich, sondern auch einen geladenen Ersatzakku, der anstandslos in meinen Foto passt.

Bilderfreie Zeit vorbei. Yay!


Bild #28: Familie


Bild #29: Der Aussichtsturm auf dem Klingenberger Schlossberg

Da besteigt sich der Turm doch gleich viel besser.
Oben: Aussicht aufs Maintal. Erwartungsgemäß gut:

Bild #30


Bild #31


Bild #32: Mist, Pano ungleichmäßig belichtet. Diese Wolken sind aber auch sowas von fotofeindlich…

Lange verweilen und ins Tal gucken ist leider nicht, dazu bläst der kalte, feuchte Wind einfach zu stark.
Stattdessen: Abstieg. Erst vom Turm, dann vom Schlossberg.
Erst eine kurze Treppe unter dem Turm runter…

Bild #33: Turm von unten (komische Farben…)

…dann auf einem schmalen Weg am Hang entlang, vorbei an großen Holzhänden…

Bild #34: Huh?

…und den Überresten der alten Ringwallanlage…

Bild #35: Viel ist nicht mehr da…

…bis zur Nordspitze der Bergschulter, wo´s nach ein paar hundert Metern steil bergab geht, auf einem hals- und fußbrecherischen Rumpelpfädchen voller Steine:

Bild #36: Uijuijui, hier empfiehlt sich ein bisschen vorsicht.

Am unteren Ende des Hangs stoße ich relativ unvermittelt auf die Clingenburg, die auf den ersten Blick eher wie eine Baustelle aussieht:

Bild #37: Eben noch Wald, plötzlich dreistöckige Containerbüros. Ganz schöner Szeneriewechsel

Liegt wohl daran, dass hier oben gerade irgendwelche Festspiele stattfinden, und man deshalb provisorisch angebaut hat.
Aber hinter den Containern, da liegt die richtige Burg, die macht schon mehr her, in ihrer schönen Hanglage ein paar Dutzend Meter über der Klingenberger Altstadt:

Bild #38: Clingenburg

Rein kann man leider nicht, auch da sind die Festspiele dran schuld, wegen denen der Innenhof für Nicht-Festspielbesucher gesperrt ist. Mrr.
Aber immerhin gibt´s eine Aussichtsterrasse am Burgrestaurant, vor der Kernburg und direkt über Klingenberg, die ist ein guter Trost:

Bild #39: Klingenberg von oben. Sieht nett aus, oder?


Bild #40: Die Bergflanke mit dem Fränkischen Rotweinwanderweg, auf dem ich vorhin von Erlenbach kommend hierher gelaufen bin


Bild #41: Außenbereich des Burgrestaurants, dahrunter die Dächer von Klingenberg. Bei schönem Wetter sitzt sich´s hier sicher großartig!


Bild #42: Das fällt mir natürlich ins Auge – an der Burg steht ein Bickenbach-Stein. Wie sich herausstellt, hat die Clingenburg nämlich mal den Herren von Bickenbach gehört, also der mittelalterlichen Adelsfamilie, die ihren Stammsitz auf meiner „Hausbbergburg“ hatte, nämlich dem Alsbacher Schloss an der Bergstraße. Siehstemal.

Weil abwärts gerade so angenehm funktioniert, behalte ich´s erstmal bei: Auf dem schmalen, geplasterten Burgweg hinter der Clingenburg weiter bergag nach Klingenberg, zurück ins Maintal:

Bild #43: Burgweg von der Clingenburg runter in die Stadt (Markierung: Odenwaldschmetterling-Symbol des Frankenwegs)

Nach 250 m. geht ein noch kleinerer Weg ganz scharf rechts ab, den nehm ich, bis runter in den Ort. Durch einen schmalen Durchgang in der ersten Häuserzeile…

Bild #44

…auf die Wilhelmstr., der ich nach rechts folge und durch das Brunntor…

Bild #45: Brunntorturm

…in die Klingenberger Altstadt:

Bild #46: Südlicher Eingang der Klingenberger Altstadt

Hübsch ist das hier: Enge Gassen, altes Fachwerk, Kopfsteinpflaster:

Bild #47: Lindenstr.

Und dazu noch die Weinberge obendrüber, irgendwie erinnert mich das Ganze so ein bisschen ans 40 km entfernte Zwingenberg auf der anderen Seite des Odenwalds. Sehr nett!

Ich laufe einmal mittendurch, auf der Straße „In der Altstadt“. Dauert nicht lange, denn wie sich´s für eine anständige Altstadt gehört, ist der Klingenberger Stadtkern nur ein paar schmale Straßenzüge groß.
Vorbei am Klingenberger Teddymuseum…

Bild #48: Statue für Max von Klingeberg am Teddymuseum. Offensichtlich ein Andenken an den „Meiste-Besucher-Mit-Teddybären“-Weltrekord aus dem Jahr 1998

…dann bin ich auch schon an der breiten Rathausstr….

Bild #49: Rathausstr.

…die geradewegs runter zum Main führt, und zur Klingenberger Mainbrücke, auf der ich laut Plan zurück auf die andere Flusseite wechseln werde. Na dann: Links runter, gen Main!

Unterwegs mach´ ich noch zwei kleine Abstecher, einmal kurz rechts ab, um mir den kleinen Park hinterm Klingenberger Stadtschloss anzuschauen…

Bild #50: Den älteren Herrn, der ein knappes Stück neben dem rechten Bildrand in die Büsche pinkelt, hab ich mal nicht abgelichtet. Diskretion und so…

…dann ein paar Meter weiter, um im Eiscafé neben dem Stadtschloss…

Bild #51: Da schau her: Gelbes Plus, der gute alte Saar-Rhein-Main-Weg, der von hier aus bis an die französische Grenze durchläuft (und dabei auch an zuhause vorbeikommt)

…einen Spontankauf zu tätigen:

Bild #52: Mmmh, Juliläumslaufeis…
Okay, ehrlich gesagt gar keine so gute Idee, denn mir ist dank der frischen Temperaturen und dem kalten Wind eh schon kalt, und die Eispause verstärkt das aus irgendwelchen Gründen noch.
Brrr. Aber man gönnt sich ja sonst nix 🙂

Mit dem Eis in der Hand schlendere ich dann neben der Fahrbahn über den Main (zum Joggen sitzt die Straciatelle-und-Vanille-Kombo doch etwas zu fragil in ihrem Hörnchen):

Bild #53: Blick zurück von der Brücke nach Klingenberg und auf die Weinhänge mit dem Rotweinwanderweg

Am anderen Ufer wartet der Klingenberger Stadtteil Trennfurt, der nicht mehr ganz so pittoresk daherkommt – eher so ein bisschen industriegebietig. Naja, macht nix, schließlich ist es ja auch nicht mehr allzuweit bis nach Wörth ins Ziel – noch zwei oder drei Kilometerchen, dann sollte ich da sein.

Erstmal rechts, die Bahnhofstr. entlang, parallel zum Mainufer, das man von hier allerdings nicht so richtig sehen kann. Ein paar hundert Meter, dann ist Klingenberg zu Ende…

Bild #54: Ciao, Klingenberg!

…und der Saar-Rhein-Main-Weg lotst mich halbrechts, erst an einem Firmengelände vorbei, dann durch einen riesigen, etwas trutschig wirkenden Campingplatz…

Bild #55 Campingplatz am Mainufer

…zurück zum FLuss, an dem ich dann nur noch dem Uferweg nach Norden folgen muss:

Bild #56: Saar-Rhein-Main-Weg am Mainufer zwischen Wörth und Trennfurt. Kein so richtig schönes Stück, mit etwas struppigem Gebüsch und relativ vielen alten Industriebauten.

Kurz darauf erreiche ich dann Wört. Das gelbe Plus führt mich erst kurz auf dem Wiesenweg in den Ort rein, dann an einer Sportanlage vorbei nochmal runter ans Ufer, von wo ich nach ein paar Metern links abbiege, durch ein massives Hochwasserschutztor…

Bild #57: Nur für den Fall, dass der Main mal beschließt, den Wörther Ortskern zu besuchen…

…nach Wörth rein:

Bild #58: Noch mehr Altstadt. Das ist in Franken offensichtlich total in.

Jetzt nur noch einmal rechts in die Rathausstr., vorbei an der ehemaligen Wolfgangsskirche, die heute ein Schiffbaumuseum beherbergt…

Bild #59: Ex-Kirche St. Wolfgang in Wörth

…dann bin ich am Ziel, wo meine Mitfahrgelegenheit zurück nach Hause bereits wartet:

Bild #60: Publikum beim Zieleinlauf

Und das war´s dann auch schon mit dem Jubiläumslauf.
Insgesamt eine schöne Tour, hat mal wieder richtig Spaß gemacht, auch wenn sowohl das Wetter als auch der erste Teil der Strecke noch ein bisschen besser hätten sein dürfen. Aber hey, nett war´s trotzdem. Ich glaub´, dieses Franken ist in der Tat noch einen oder zwei Blicke wert… 😉
Und was die Streckenlänge angeht, naja, da merk ich doch momentan gewisse Grenzen – ein paar Kilometer mehr wären vielleicht noch gegangen, aber nicht mehr soo viele. Die Ü-30er-Touren sind wohl erstmal außer Reichweite…

Achsojarichtig: Zum Abschluß gibt´s natürlich auch noch was zu Essen. Gestaltet sich erst etwas schwierig, da wir in Wörth nicht so wirklich fündig werden, also kehren wir auf der Rückfahrt durch den Odenwald nochmal ein, und zwar in der Schmelzmühle unterm Otzberg (zum Ausprobieren, war ein Geheimtipp von Gerd), wo eine anständige Mahlzeit auf alle wartet:

Bild #61: Mhhh, Kochkässchnitzel…

Naja, oder zumindest auf fast alle… 😀

Bild #62: Nix gibt´s! Meins!!!

Strecke: 17,7 km
Zeit: Laaang
Antei der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 97,85% (17,32 km von 17,7 km)
Karte:

M.
M.

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10 Antworten to “Jubiläumslauf im Spessart: Am Ostufer des Mains von Obernburg nach Wörth (mit Fotos, 17,7 km)”

  1. XYZ Says:

    Gratuliere zum 4jährigen Jubeljum! Da hast du ganz schön lange durchgehalten, einige Kilometerchen abgelaufen und überwiegend sehr detailiert dokumentiert. Bin oft bei dir virtuell mitgelaufen und habe dadurch viele Ecken kennengelernt in die ich nie komme/gekommen wäre. Hat Spass gemacht! Mal sehen wie es so weitergeht, laufen wirst du wohl weiterhin bei jeder Gelegenheit, aber wie es mit dem Bloggen aussieht…
    Ich „verfolge“ dich auf jeden Fall!


  2. Auch von mir einen herzlichen Glückwunsch für deine vier Jahre die du durchgehalten hast. Die meisten verlieren vorher schon die Lust an ihrem Blog. Die Bilder, die du geschossen hasst, finde ich auch sehr gut.

  3. Daniel Kopp Says:

    bild #22 – traumhaft schön. eine wirklich zauberhaft lieblich anzusehende gegend.

    lg
    daniel

    • matbs Says:

      Hehe, zumindest ein halbwegs Gutes hab´ ich als abgeknipst… 😉

      Ich muss sagen, so ganz überzeugt hat mich das Maintal da hinten noch nicht – die Weinhänge zwischen Erlenbach und Klingenberg sind zwar toll, aber andererseits ist das Tal erstaunlich dicht besiedelt, auch mit relativ viel Industrie und Gewerbe, gerade in Flussnähe. Das sieht unter ´nem grauen Wolkenhimmel nicht so richtig pittoresk aus. Andererseits gibt´s natürlich noch viel mehr Maintal. Das müsste man sich wohl auch nochmal anschauen, bevor man ein Urteil fällt… 🙂


  4. […] Das nur mal so als Teaser, die Details folgen dann in baldigster Bälde. Bis es soweit ist, könnt ihr euch gerne die Zeit mit vergangenen Laufblogjubiläen vertreiben: 1 Jahr Laufblog 2 Jahre Laufblog 3 Jahre Laufblog 4 Jahre Laufblog […]


  5. […] regnerischem Wetter zum ersten Mal überhaupt mit ein paar Kilometern in NRW. Oder das Jahr davor, meine erste Tour überhaupt auf rein bayerischem (naja, eigentlich ja fränkischem) Boden, durch den Spessart am Main […]


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