Alles neu macht der Mai (?), oder: Was seitdem geschah

1. Mai 2012

Okay. Soviel zu den guten Vorsätzen.
Von Wegen „Blockrückstand aufholen“ und wieder regelmäßig schreiben.
Hat offensichtlich überhaupt nicht geklappt.
Stattdessen die Todsünde des Bloggens: Monatelang gar nix geschrieben.
Pft. Nicht gut.

Aber irgendwie hat´s in den letzten Monaten auch nie so recht hingehauen mit dem Laufen und Bloggen.
Andere Dinge im Kopf, viel Arbeit, mieses Winterwetter, ständige Ortswechsel, eine Verletzungspause, ein immer größer werdenden Rückstand, wenig Lust und Fitness – ´ne lange Liste, und am Ende stehen dann Monate der absoluten Funkstille auf dem Blog.
Und soviel hat sich an der Liste jetzt auch nicht geändert, entsprechend stellt sich da schon die Frage, ob und wie das hier weitergeht.

Denkbar ist viel:


Den Blog einfach still sterben lassen und nie wieder beachten?
Oder zumindest einen Schlusspunkt setzen und das Projekt Laufblog offiziell für beendet erklären?
Oder durchbeißen, den Rückstand an Einträgen irgendwie in der nächsten Zeit aufholen, um dann irgendwann mal wieder zeitnah zu bloggen?
Oder den Rückstand ignorieren und einfach ab jetzt wieder versuchen, normal (oder zumindest reduziert) weiterzubloggen.

Hmm…

Die ersten beiden möchte ich erstmal (noch?) nicht wählen – dazu hat mir der Blog in den letzten 5 Jahren zu viel bedeutet, habe ich zuviel investiert, und zuviel Freude an dem Projekt gehabt.
Also noch ein Versuch.
Und wenn schon, dann auch denn schon – bisher hab´ ich es irgendwie immer geschafft, alles zu bloggen, und das auch Jahrelang durchgehalten.
Also will ich das jetzt auch. Deshalb werd´ ich versuchen, die Läufe der letzten Monate seit Dezember irgendwie rückwirkend abzubilden (keine Angst, waren traurig wenige), und wenn auch nur kurz.
Ob und wie das klappt? Keine Ahnung, mal schauen…

Hier zumindest schonmal die ganz kurze Kurzversion:
Im Dezember noch ein Lauf mit Fotos in Berlin, Weihnachten und Jahreswechsel dann zuhause, ein paar kleine Touren um Sylvester.
Ab Januar bis Mitte Februar Hannover – extrem viel Arbeit, außerdem Schafskälte und frühe Dunkelheit, kaum gelaufen.
Mitte Februar und März Hamburg – nicht gelaufen. Erst wegen ungünstiger Wohnlage (Hoheluft West ist ziemlich mieses Laufgebiet), dann wegen Bänderverletzung – klang erst nach ´ner guten Idee, als mich eine Kollegin gefragt hat, ob ich mit ihr Eislaufen gehen mag. Zumindest bis es den Großteil von mir auf der Eisfläche hingehauen hat und nur der linke Fuß in unnatürlicher Position stehen geblieben ist.
Ergebnis: Bänderläsion, sechs bis acht Wochen Pause, Frust, keine Lust zu laufen oder drüber zu schreiben. F*ck!
Ein bisschen seltsam fühlt sich der Fuß immer noch an, trotzdem will ich jetzt so langsam wieder einsteigen.
Ist auch bitter nötig, und da ich gerade mal wieder in ´ner ganz neuen Ecke des Nordens bin (Oldenburg), gibt´s auch Einiges zu entdecken…

So, und zu guter Letzt noch was Positives nach der Grübelei.
Weil, 1. Mai, da ist mir auf den Tag genau vor zwei Jahren bei einer eigentlich wunderschönen Tour im Weschnitztal das hier passiert:

Irgendwo hier klingelt auf einmal mein Handy: Meine Eltern sind gerade im Kreiswald angekommen, früher als verabredet, und wollen wissen, wie lange ich noch brauche.
Noch ein Weilchen, sag´ ich, sie sollen schonmal anfangen.

Gerade als ich das das Telefon wieder in der Gürteltasche verschwinden lassen und mich wieder auf den Weg machen will, sehe ich, dass noch eine Nachricht von gestern auf der Mailbox ist.
“Nanu”, denke ich mir, “wer kann mir denn da aufs virtuelle Band gesprochen haben? Das hör´ ich doch gleich mal ab!”

Keine gute Idee.
Damit ist der schöne Teil vom Lauf nämlich zu Ende.

Auf der Mailbox meldet sich eine freundliche Dame mit leicht norddeutschem Akzent und erklärt mir, dass sie im Auftrag eines potentiellen Arbeitgebers anruft, bei dem ich mich vor kurzem Beworben habe.
Und zwar nicht irgendein potentieller Arbeitgeber, es ist einer von den absoluten Oh-Mann-wenn-das-klappen-würde-wär-das-unglaublich-großartig-Arbeitgebern, zu denen jeder will, der im selben Metier wie ich Fuß fassen möchte.

Es gehe um meine Bewerbung, sagt sie, und ich soll doch bitte mal zurückrufen, ich könne sie bis Freitag 14:00 Uhr erreichen.

Freitag war gestern.

Freitag 14:00 Uhr ist fast 24 Stunden her.

Und ich höre die Nachricht gerade zum ersten Mal.
Folgerichtig hab´ nicht zurückgerufen!

Scheiße!
Scheiße!
OH SCHEISSE!

Meine Gedanken, die eben noch mit satten Hügelweiden und blühenden Obstbäumen und grünen Bergrücken unter rissigen Nebelwolken beschäftigt waren, kreisen plötzlich um ganz andere Dinge, von einem Moment auf den anderen hab´ ich gar keinen Kopf mehr für die Lauferei.

Rhythmus weg.
Muße weg.
Spaß am Laufen weg.

Dafür ist der Ärger wieder da, ein kalter, bleierner Klumpen in der Magengrube und im Kopf, der alles andere erstickt.
Ärger auf mich selbst (“Warum hab´ ich das Dreckshandy nicht früher abgehört? Und warum hab´ ich da überhaupt noch eine Bewerbung mit meiner Handynummer verschickt, eigentlich hab´ ich die doch schon vor einiger Zeit aus genau so einem Grund aus Lebenslauf und Anschreiben getilgt?”), auf die freundliche Dame mit dem leicht norddeutschen Akzent, (“Warum hat die denn nicht die Festnetznummer angerufen oder eine Mail geschickt, dann wär´ das alles nicht passiert!!”), auf die Situation (“Prima, jetzt darf ich mich den Rest des Wochenendes ärgern und grübeln, bis ich am Montag morgen frühstmöglich zurückrufe”).
Garniert ist das Ganze noch mit einer gehörige Portion spontaner Unsicherheit (“Warum rufen die überhaupt an? Normalerweise werden doch eher Briefe verschickt. Hab´ ich irgendwas schlimm falsch gemacht? Oder besonders gut richtig? Hab´ ich jetzt gerade eine Riesenchance vermasselt?”), et voilà – Matthias ist vollkommen von der Rolle.

War seinerzeit überhaupt nicht schön.
Aber hatte dann doch ein Happy End, weils ja dann doch noch geklappt hat, und ich seit inzwischen eineinviertel Jahren für just diesen „oh-Mann-wenn-das-klappen-würde-wär-das-unglaublich-großartig-Arbeitgeber“ tätig bin.
Ist mir gerade heute mal wieder bewusst geworden, zum Jahrestag der Story… 😀

Und zu guterguteralleletzt noch das hier, damit´s auch was zu gucken gibt:

Mein Streckennetz aus 15 Monaten nördlich des Weißwurstäquators.
Da geht noch was…

Hoffentlich bis in Bälde

M.

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7 Antworten to “Alles neu macht der Mai (?), oder: Was seitdem geschah”


  1. Wenn´s dem Esel zu bunt wird geht er auf´s Eis! 😉
    Oder so ähnlich.
    Ich bin ja schon froh das Du überhaupt was schreibst. Wenn auch nicht gerade positive Nachrichten, aber er schreibt.
    Auch bei mir wahren die Blogbeiträge ein bisschen dünner gesät als früher. Aber das macht nichts. Schließlich gibt es Dinge im Leben die wirklich wichtiger sind. Dazu einen Ar… voll Arbeit und schon hängt die Sache durch.
    Schon mal positiv dass Du nicht alles an den Nagel hängen willst. Der Rest ergibt sich dann.

    Viele Grüße
    Gerd

    • matbs Says:

      Hmja, den Esel-Spruch hab´ ich auch gebracht.
      Kommt vor.

      Und ob ich das mit dem Schreiben durchhalte… mal gucken. Aber stimmt schon, irgendwie will ich schon.
      Müsser mer schaun…

      Gruß aus Oldenburg

      Matthias

  2. Laufhannes Says:

    Sehe ich das richtig, dass du fast die komplette Küste erlaufen hast? Oder sind das Relikte aus früheren Zeiten? Die vielen kleinen Pünktchen sehen natürlich erst cool aus, wenn sie verbunden sind – aber so ein kompletter Küstenweg, das wär stark.

    Also, schwing die Hufen und tipp die Tasten!

    • matbs Says:

      Was?!? Oh Gott, nein, nein, nein, die gelben Linien an der Waterkant sind natürlich die Original-Küstenlinien aus der Google Earth-Darstellung und nicht mein Laufpensum. Das wär´ ja was.
      Nee, aber in Wirklichkeit bin ich echt nur an den Klecksern unterwegs gewesen, wo die Pins drinstecken. Die gesamte Deutsche Küste mit ihren 1200 Kilometern wird wohl noch ein bisschen warten müssen… 😀

  3. Sebastian Says:

    Ich würde mir nicht mehr den Stiefel anziehen und die alten Einträge mühsam nachschreiben, bzw. rekonstruieren. Manche Sachen, die mal blogbar waren, lassen sich noch hervorkramen, mit dem Ergebnis ist man allerdings nie wirklich zufrieden.
    Aber für manche Sachen ist die Zeit einfach rum. So geht es mir zumindest in meinem eigenen Blog. Ich hab so viele Dinge auf Halde, die ich „irgendwann mal“ fertig schreiben muss. In der Regel wird jedoch nie was gutes draus (man merkt es den Einträgen dann meistens auch an, die geschrieben wurden, weil sie irgendwie geschrieben werden mussten).
    Darum mein Tip: Tritt die Dinge, in denen nicht wirklich Herzblut steckt in die Tonne und halte dir deine Ressourcen frei für was neues. Mach aber eines auf keinen Fall: deinen Blog ganz einstellen.

    • matbs Says:

      Hi Sebastian, schön von dir zu hören! 🙂
      Im Prinzip hast du auf jeden Fall recht – vorbei ist vorbei, und wenn man´s zu lange mit sich rumschleppt, wird´s schnell zu einer Extralast, die die Lust auf Neues erstickt.
      Aber andererseits… wenn man halt erst mal 5 Jahre lange Komplettist gewesen ist, lässt sich das nicht ganz so einfach über Bord werfen. Besonders weil da noch ein oder zwei Fototouren dabei sind, auch von Orten, an denen ich wohl nie wieder laufen werde (Regierungsviertel in Berlin, z.B.). Und die ganz wegzulassen….? Da sind wir dann schon irgendwie im Herzblutterritorium… 😉

      Naja, mal gucken, Vielleicht krieg ich ja irgendwann noch einen ganz kurzen tabellarischen Abriss der letzten Monate hin, einfach um Strecken und Kilometer irgendwie zu haben.
      Oder auch nicht.
      Schaumermal!

      Und zumindest das Blogende ist trotz stark verringertem Output zur Zeit gefühlt vom Tisch…

      Cheerio

      Matthias


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