Abschied von Hannover (mit Fotos, 15,1 km)

21. Juli 2012

Meine Wanderzeit durch Norddeutschland geht nach eineinhalb großartigen, spannenden, anstrengenden, unglaublich erlebnisreichen Jahren zu Ende.
Will heißen: Ab dem Spätsommer wird alles anders. Wieder mal.
Neues Arbeitsverhältnis, (mutmaßlich viel) mehr Geld, und ein fester Standort, von dem aus ich in Zukunft arbeiten werde (welcher? Lasst euch überraschen! Nur schonmal soviel: Es wird extreeeeem flach!!! ;)).
Nichts mehr mit „Jeden Monat anderswo sein“.

Einerseits freue ich mich riesig auf den Neustart. Nicht mehr aus dem Koffer leben und alle paar Wochen anderswo aufschlagen, sich endlich mal irgendwo richtig einarbeiten, ankommen, voll durchstarten. Das wird gut.
Aber andererseits bin ich auch ein bisschen traurig, denn es bedeutet, erstmal keine neuen Städte, Gegenden, Kollegen mehr kennenzulerenen, und auf viele Orte im Norden, die ich Mögen gelernt habe, zu verzichten.

Zum Beispiel Hannover. Hier hab´ ich die meiste Zeit der letzten 18 Monate verbracht, inklusive meiner letzten drei Arbeitswochen im alten Arbeitsverhältnis. Bis gestern. Da war letzter Arbeitstag. Komisches Gefühl.
Und heute reise ich ab. Und komme erstmal nicht mal her.
Vielleicht im Herbst wieder. Oder später/irgendwann/nie?
Mal schauen.
Ist auf jeden Fall schade. Hannover mag ich nämlich sehr gerne. Die Stadt ist viel besser als ihr Ruf, irgendwie angenehm entspannt und wenig allürenhaft (so hab´ ich es zumindest empfunden, auch wenn es Menschen gibt, die da anderer Meinung sind ;)), mit überraschend vielen hübschen Ecken (zusätzlich zu vielen nicht so hübschen. Aber das gehört auch dazu) und kurzen Wegen raus aus der Stadt ins Grüne.
Gute Stadt, zum Leben und zum Laufen, finde ich.
Deswegen will ich mich auch nicht ins Auto hocken und einfach abhauen.
„Bevor du weg bist“, denk ich mir, „machste noch´n Abschiedslauf. Und zwar nicht auf den ollen ausgetretenen Standartstrecken, die du seit eineinhalb Jahren läufst. Heute läufste nochmal anderswo. Mitten in die Stadt rein – da isses zwar nicht so wirklich hübsch, aber es ist neu und echt“.
Und genau das mach´ ich dann:


Bild #1: Start. Haustür des Hauses mit der Dienstwohnung, direkt hinterm Landesmuseum

Ich starte in der Langensalzastraße hinterm niedersächsischen Landesmuseum (das ich vorgestern zum ersten Mal besucht habe, nachdem ich´s über ein Jahr lang vorgehabt hatte – ist nett!).
Ein kühler, trüber Samstagvormittag, dunkle, hochaufgetürmte Wolken über der Stadt, frische 17 Grad – nicht gerade hochsommerlich, aber zum Laufen reicht´s. Und so ein bisschen grau zum Abschied, das passt ja eigentlich ganz gut.

Die ersten Meter westwärts. Rechts über den Häusern ragt der futuristische Turm der Nord LB in den Himmel…

Bild #2: Nord LB

…geradeaus wartet die ruhige Willy-Brandt-Allee, hinter der ich in den kleinen, feinen Maschpark am Neuen Rathaus einlaufe:

Bild #3: Maschpark

Hier kommt tatsächlich auch nochmal die Sonne raus, zum letzten Mal für heute. Ein bisschen Licht und Wärme, macht alles spontan nochmal viel hübscher:


Bild #4: Das niedersächsische Landesmuseum von vorne. Macht was her!


Bild #5: Brücke über den südlichen Arm des Maschteiches. Die überquere ich übrigens kurz darauf auch


Bild #6: Das neue Rathaus. Soll noch mal einer behaupten, Hannover wäre hässlich und graumäusig!

Einmal quer durch den Park durch, auf der anderen Seite über die Culemannstr. und am kleinen Pavillon mit dem netten Biergarten…

Bild #7: Das „Loretta’s“. Besonders empfehlenswert ist übrigens der Mediterrane Burger.

…über die Leine:

Bild #8: Hmm. Eigentlich sollte das Geländer unscharf sein und der Fluss scharf…

Eine genaue Strecke habe ich übrigens immer noch nicht, bloß dass ich westwärts will, so in Richtung Linden und Lindener Berg, das weiß ich (weil: Wenn´s schon etwas namens „Berg“ im Stadtgebiet gibt, dann will ich das auch mal erklommen haben, und wenn´s an meinem letzten Tag hier ist. Jawollja!). Also lauf´ ich einfach mal weiter westwärts. Noch kurz durch die hübsche Grünanlage an der Leine, dann links und auf der Straße „Am Schützenplatz“, nun ja, eben am Schützenplatz vorbei – Anfang des Monats war hier noch Schützenfest (das größte der Welt), inzwischen ist alles ruhig und bis auf ein paar parkende Autos ist die knapp 400 m lange offene Fläche frei.

Ist übrigens keine der szenischsten Ecken von Hannover. Süden der Calenberger Neustadt, hier stehen viele Ministerien und Verwaltungsgebäude, größtenteils große, blockige und weitgehend Charme-freie Betonklötze aus den 60igern und 70gern, die Gegend wirkt (wohl auch weil Samstagvormittag ist) ein bisschen tot und leer. Falls man auf der Suche nach einem Stück Hannover ist, dass den schlechten (und ja eigentlich unwahren) Vorurteilen über die Stadt entspricht, die Viele haben (= ein bisschen langweilig und graumäusig, bürokratisch und architektonisch wenig ansprechend), hier wäre sicher nicht der schlechteste Ort, um mit dieser Suche anzufangen…

Nach einer kurzen Gerade knickt die Straße halbrechts ab und mündet am Ostrand des riesigen, offenen Waterlooplatzes, einer langgezogenen Wiesenfläche am Rand der Innenstadt, in deren Mitte die fast 50 m. hohe Waterloosäule steht:

Bild #9: Wie bei dem Namen kaum anders zu erwarten, wurde die Säule in Erinnerung an die Schlacht von Waterloo errichtet, der die Fläche rundherum war der Hauptexerzierplatz des Königreichs Hannover.
Der Zirkus hinter der Säule gehört übrigens nicht zum Dauerinventar…


Bild 10: Obendrauf eine Skulptur der Siegesgötting Viktoria. Ist wohl sowas wie ein obligatorischer Klassiker für diese Art von Bauwerk, die in Berlin hat ja was Ähnliches…

Direkt hinter dem Waterlooplatz verläuft quer die breite Lavesallee, vorbei an mehr Ministerien und Verwaltungsgebäuden (von denen immerhin ein paar aus dem 19 Jahrhundert stammen und folgerichtig etwas repräsentativer daherkommen…) – rechts geht´s zurück in Richtung Rathaus, will ich nicht. Folgerichtig links, die Lavesallee runter und Legionsbrücke über die Ihme:

Bild #11: Obwohl sie eigentlich nur ein Nebenfluss ist, ist die Ihme hier breiter als die Leine. Was irgendwie damit zu tun hat, dass ein Teil der Leine auf Höhe des Maschsees abgeleitet wird und in die Ihme fliesst, die dann ihrerseits wieder ein Stück Flussaufwärts in die Leine mündet. Ist etwas kompliziert…

So richtig orientiert bin ich nicht, als ich am anderen Ufer ankomme – ich weiß, dass ich jetzt am Rand von Linden Süd bin und grob westwärts will, aber wo und wie genau…? Zum Glück hab´ ich den Stadtplan im Gürtel, und der sagt:
Kürzester weg zum Lindener Berg wäre geradeaus.
Aber: Ein Schlenker nach Norden wäre zwar ein Umweg, würde mich aber zum „Schwarzen Bären“ bringen. Was genau der schwarze Bär ist, weiß ich auch nach Monaten in Hannover noch nicht so richtig, aber der Name klingt einfach total cool.
Und cool schlägt nun mal kurz.
Ergo: Direkt hinter der Brücke links runter in die etwas struppigen Grünanlagen auf der linken Ihme-Seite und auf einem bequemen, weichen Uferweg nordwärts bis zur nächsten Ihme-Brücke…

Bild #12

…nämlich der am Schwarzen Bären.
Eine kleine Treppe hoch zur Brücke, dann links in die Deisterstraße und ich bin auf dem Platz am Schwarzen Bären:

Bild #13: Der Name stammt übrigens von einem Wirtshaus, das hier im 18. Jahrhundert gestanden hat. Warum das Wirtshaus allerdings so hieß, ist entweder nicht überliefert, oder es ist überliefert aber ich hab´s nicht rausfinden können…

Einmal einen Schlenker über den Platz, samt kurzem Fotozwischenstopp an der in Stein gehauenen Ortsbezeichnung…

Bild #14: Der schwarze Bär. Am Schwarzen Bären. Macht Sinn, finde ich…

…dann weiter westwärts auf der Falkenstraße.
Das Stadtbild hier ist übrigens wie ausgewechselt: Das hier ist Linden, einer der markantesten Hannoverschen Stadtteile mit einem sehr eigenen Charakter, allein schon aus historischen Gründen. Bis in die 30iger Jahre hinein war Linden nämlich eine eigenständige Stadt mit stark industrieller Prägung. Quasi die kleine Schwester von Hannover auf der anderen Flusseite. Und zwar die (um mal im Schwesternbild zu bleiben) mit den dreckigen, schwieligen Händen und den abgewetzten Klamotten – rechts der Ihme Hannover, die Residenz- und Beamtenstadt, mit den Grünanlagen, den Prachtbauten und Ministerien, gepflegt, distinguiert und ein bisschen hochnäsig. Und links eben die Malocherstadt Linden, hemdsärmelig, ein bisschen roh und verrußt, aber fleißig und geradeheraus.
Und diesen Unterschied sieht man auch heute noch, auf den ersten Blick, wenn man von Hannover nach Linden wechselt.
Die Straßen sind ein bisschen enger, nicht so sauber, kieziger, kleinere Läden, einfachere Leute, Menschen mit Migrationshintergund, junge Familien, auf den Bänken am Schwarzen Bären ein paar fertig aussehende Männer und Frauen beim ersten Vormittagsbier des Tages.
Schon irgendwie spannend, wie schnell manchmal so ein Wechsel geht…

Ich laufe geradeaus bis zum Lindener Marktplatz…

Bild #15: Samstagmorgen = Wochenmarkt

…wo ich dann doch noch mal den Stadtplan konsultieren muss (übrigens sehr praktisch, dass sich so ein Falk-Plan problemlos beim Laufen über den Gurt der Gürteltasche hängen lässt). Der Lindener Berg liegt weiter im Süden, wird Zeit, dass ich abbiege.
Und zwar links. Poststraße, südwärts. Hohe, eng stehende Stadthäuser, dann plötzlich rechterhand das hier:

Bild #16: Parkeingang

Der Eingang zum Von-Alten-Garten, einem kleinen Park zwischen Häusern und Schnellstraße. Ist zwar wieder mal nicht unbedingt der kürzeste Weg zum Lindener Berg, aber er sieht hübsch aus, und außerdem sagt mir der Name „Von Alten“ sogar was (altes Hannoversches Adelsgeschlecht. Weiß ich, weil ich Anfang des Jahres einen Bericht über General Carl von Alten gemacht habe. Arbeit bildet eben… ;)), also nehm ich den natürlich mit…

Bild #17: Von-Alten-Garten. Ist vielleicht nicht der schönste Park in Hannover, aber nach den letzten Kilometern auf Bordsteinen mitten durch die Stadt ist ein bisschen Grün hochwillkommen

…bevor ich wieder zurück nach Süden schwenke und auf einem kleinen Radweg zwischen Park und Westschnellweg weitder bis zum Deisterplatz laufe, einem großen Kreisverkehr am Knotenpunkt mehrerer Aus- und Einfallstraßen, in dessen Mitte ein pockennarbiger Hochbunker aus dem zweiten Weltkrieg sitzt:

Bild #18: Deisterplatz

Direkt dahinter beginnt der Lindener Berg. Der, das muss ich ganz ehrlich sagen, doch ein bisschen weniger bergig aussieht, als ich mir das erhofft hatte. Klar, ein bisschen bergauf geht´s da schon (89 m.ü.NN, so ca. 30 m. höher als die umliegenden Gebiete), aber so richtig schön fette, steile Höhenmeter lässen sich hier wohl eher nicht schrubben…
Aber gut, sei´s drum, wir sind ja in Norddeutschland, da muss man nehmen, was man kriegt und jedes Fitzelchen Steigung genießen :D.

Um´s richtig auszukosten, spare ich mir diesen Genuß übrigens noch ein bisschen auf. Nicht gleich den Berg hoch, sondern stattdessen noch ein Stückchen an ihm entlang. Bornumer Straße, eine Ausfallstraße, deren ästhetischer Gesamteindruck ungefähr mit dem eines Backsteins zu vergleichen ist (aber so ist das eben manchmal, wenn man auf gut Glück durch die Stadt rennt):

Bild #19: Und das hier ist noch der hübsche Teil der Bornumer Straße mit großen, alten Industriegebäuden aus der Gründerzeit. Kurz danach beginnt das seelenlose Ödland stadträndischer Baumärkte, Elektrogroßgeschäfte und Tankstellen (nicht fotografiert. Weil: irgendwo ist auch mal Schluss!).

Nach einem guten Kilometer hab ich dann genug Hauptverkehrsadernromantik, Zeit endlich den verflixten Linderer Berg zu erklimmen. Und zwar rechtsig, auf einem kleinen Pfad ab von der Bornumer Straße in die schier endlosen Kleingartenkolonien an der Lindener Berg-Flanke und auf einem glatt gepflasterten Weg names „Schwarze Flage“ gaaaaanz sanft aufwärts:

Bild #20: Schwarze Flage (beim ersten Lesen auf dem Stadtplan hat meine hyperaktive Phantasie bei „Flage“ ein „g“ zuviel reingelesen und sich schon auf Piratenromantik gefreut. Die Realität ist dann aber doch etwas mundaner…)

Wie gesagt: Gaaaaanz sanft, das läuft sich bestens runter, ohne dass ich auch nur außer Atem komme (und das obwohl ich alt, fett und unfit bin. Yay!). Auch der lokale Bergenthusiasmus ändert da wenig:

Bild #21: Really? Like, REALLY?!? 😀

Aber: Ein bisschen was machen die ein oder zwei Dutzend Höhenmeter durch die Schrebergärten dann doch aus. Es gibt Aussicht, und die ist gar nicht so übel:

Bild #22: Einer der Gründe, warum ich Hannover so gerne mag: Wenn du hier an der richtigen Stelle stehst, kannst du am Horizont die Berge sehen. Das gibt´s nicht so oft im Norden!
Links im Bild übrigens der Deister, rechts davor und etwas näher, das ist der Benther Berg.

Am oberen Ende der schwarzen Flage wartet die Querstraße „Am Lindener Berge“, und mit ihr die letzten Meter Aufstieg, im – relativ – Grünen. Alte Asphaltstraße, mehrfach geflickt, baumbestanden, rechts die Kleingartenkolonien, links ein Ziegelmäuerchen…

Bild #23: Am Lindener Berge

…hinter dem der waldige Alte Lindener Friedhof liegt, seines Zeichens dafür bekannt, dass hier im Frühjahr massenhaft eine kleine Blume namens Scilla blüht und das ganze Areal in ein Meer aus blauen Blüten verwandelt. Soll sehr hübsch sein.

Bild #24: Heute blüht nichts, aber der Friedhof mit den alten Gebäuden, die halb vom Laub verdeckt werden, sieht trotzdem sehr nett aus

Kurz danach dann schon der „Gipfel“. Oder so ähnlich… 😉
Höchster Punkt des Lindener Berges, 89 Meter über dem Meerespiegel und 35 Meter über dem Rest von Hannover. Leider etwas zu bewachsen und bebaut, um viel Aussicht auf die Stadt zu haben, aber immerhin mit einem Turm samt Biergarten…

Bild #25: Sieht nett aus, der Biergarten. Aber für ´ne Cola bin ich noch zu frisch, also nicht.

…und – kurz danach – ein riesiger Wasserhochbehälter samt Sternwarte:

Bild #26: Bin mir nicht so ganz sicher, ob ich das Ding hässlich oder eigentlich ganz cool finden soll…

Dann ist der Lindener Berg auch schon wieder zu Ende. Es geht abwärts, zurück in die Stadt. Erst noch ein paar prächtige Villen mit grünen Gärten am flachen Hang, gefolgt von einen blockige Gesamtschulkomplex, dann bin ich wieder unten, in Linden.
Hm. Wohin jetzt?
Zurück nach Osten in Richtung Südstadt ginge natürlich, aber eigentlich bin ich noch ganz fit – und an meinem letzten Tag hier, will ich eigentlich schon noch ein bisschen mehr Hannover mitnehmen.
Also mach ich das. Nordwärts, in Richtung Herrenhausen.
Da gibt´s nämlich ein Ex-Schloss mit Barockpark, englischem Garten usw. Seeehr hübsch.
Mit dem Auto war ich schon da, zu Fuß noch nicht.
Allerhöchste Zeit…

Vor Herrenhausen wartet allerdings erstmal wieder Linden, genauer gesagt Linden Nord. Schmale Straßen, schlichte Häuser, teilweise ein bisschen runtergekommen – nicht so sehr das kiezige Szeneviertel wie Linden-Mitte, stattdessen ein einfaches, altes Arbeiterquartier:

Bild #27: Linden Nord

Fünf bis zehn Minuten erstmal einfach geradeaus, durch Brauhofstr., Nieschlagstr. und Kötnerholzweg. Hin und wieder ein bisschen Slalom zwischen Fußgängern und Radfahren, regelmäßige Ampelpausen beim Überqueren von Querstraßen – wie das eben so ist, wenn man in der Stadt läuft.
Nach rund einem Kilometer dann links ab in die Limmerstraße und weiter bis zur Auffahrt auf den Westschnellweg:

Bild #28

Zwischen Linden und Herrenhausen fließt die Leine, und rüber geht´s auf meiner Strecke am besten direkt neben der Schnellstraße auf der Schwanenburg-Brücke – die zugegebenermaßen nicht ganz so pittoresk daherkommt, wie der Name vermuten lässt:

Bild #29: Hmja, das Panorama wird wahrscheinlich nicht so ganz weit oben auf meiner Liste der schönsten erlaufenen Anblicke 2012 landen… 😉

Einmal über die Leine…

Bild #30: …die hier oben übrigens schon mit der Ihme vereinigt und entsprechend breit ist…

…direkt danach dann halbrechts, weg von der Schnellstraße und auf einem kleinen Asphaltweg zwischen Kleingartenkolonien und Sportplätzen weiter nordwärts, bis ich die Graft am Rand des Großen Gartens erreiche:

Bild #31: Die Graft, das ist übrigens der breite Graben, der den gesamten Garten umschließt

Wie gesagt: Die Herrenhäuser Gärten sind sowas wie die gute Stube von Hannover – hier hat´s nicht nur einen Park, sondern gleich vier, angelegt und erweitert von diversen Welfenherrschern, und in direkter Nachbarschaft zueinander.
Prunkstück ist dabei wohl der Große Garten, an dessen Südostecke ich jetzt stehe: Eine 800 m. lange und 400 m. breite Parkanlage, aufgebaut nach streng barocken Prinzipien, also mit viel Symmetrie, langen Sichtachsen, in Form getrimmten Beeten und Büschen, Irrgärten, vergoldeten Statuen, Brunnen mit klassischen Skulpturen – the whole absolutistic shebang!

Durchlaufen ist allerdings nicht, denn wie sich das für ein herrschaftlich Lustwandelareal gehört ist der Große Garten fein säuberliche vom Rest der Welt separiert, eben durch die Graft, also den breiten Wassergraben, an dem ich jetzt stehe:

Bild #32: Drüben: Das ehemals royale Refugium. Hüben: ich.

Der einzige Eingang ist am anderen Ende des Parks, außerdem kostet das Ganze auch noch Eintritt, und ich hab´ auch nicht mehr so viel Zeit – ergo gibt´s den Großen Garten nur von außen, weiter nordwärts am östlichen Arm der Graft entlang:

Bild #33: Auch das ist aber durchaus ansehnlich

Einen knappen Kilometer später bin ich am oberen Ende des großen Gartens, wo sich Schlossreste (werden gerade wieder neu aufgebaut), barocke Galerie, Orangerie und diverse andere alte hofstaatlische Gebäude an der Herrenhäuser Straße drängen:

Bild #34: Das hier ist z.B. der Bibliothekspavillon am Eingang zum Berggarten, der auf der anderen Straßenseite mit Gewächshäusern, exotischen Pflanzen und Tropenhalle im SeaLifeCenter aufwartet.

Zeit, sich auf den Rückweg zu machen. Stadteinwärts geht´s scharf rechts durch den Georgengarten, der als englischer Landschaftspark mit gewundenen Wegen, runden Teichen und relativ natürlich gewachsenen Bäumen sowas wie das Gegenstück zum ordentlich-symmetrischen Großen Gartens ist.
Allerdings verzichte ich so ein bisschen auf die besagten gewundenen Wege sondern halte mich lieber an die kürzeste Streck, nämlich die Herrenhäuser Allee am Rand des Gartens. Wie mit dem Lineal gezogen, unter alten Allebäumen schnurgerade südostwärts in Richtung Innenstadt:

Bild #35: Herrenhäusern Allee

Und zwar lange.
Verdammt lange.
Bisher bin ich nach Herrenhausen raus nur mit dem Auto oder der Straßenbahn gefahren, da geht dieses Stück eigentlich ganz zügig vorbei.
Zu Fuß…?
Heidenei. Das ziiieht sich. Zwei Kilometer Allee, immer geradeaus, sieht immer ähnlich aus (wenn auch hübsch), und der leuchtende Punkt am Ende des langen, langen Laubtunnels will scheinbar nicht näherkommen.

Bild #36: hrgnmpflglaaarrgwannbonichnendlichda?

Zum Glück gibt´s unterwegs dann doch noch ein bisschen Abwechslung, wie zum Beispiel die arabische Popmusik, die irgendwo aus Richtung Leine aus Stadionlautsprechern rüberschwurbelt (keine Ahnung, was da los ist), oder ein bisschen mehr alt-hannöversche Architektur, wie beispielsweise rechterhand nach 750 m. das Georgenpalais…

Bild #37: Welfenschloss

…oder linkerhand 1,5 Kilometern das Welfenschloss, heute Sitz der Uni:

Bild #38: Georgenpalais, beherbergt heute das Wilhelm Busch-Museum für Karikatur und Zeichenkunst (das ich bisher noch nie besucht habe. Hmm, irgendwann muss ich wohl doch nochmal nach Hannover kommen…

Und auch wenn´s lange dauert: Irgendwann (real wahrscheinlich deutlich früher als gefühlt) ist die Herrenhäuser Allee dann doch zu Ende und vor mir tut sich die hannöversche Innenstadt am Königsworther Platz auf:

Bild #39: Ausgang nach Hannover

Über den Königsworther Platz rüber…

Bild #40: Wie an vielen anderen Stellen in Hannover auch hat´s einen mittelschweren Fall von moderner Kunst

…dann halblinks durch die kleine Grünfläche an der Brühlstraße…

Bild #41: War früher mal ein Friedhof, deswegen stehen hier noch viele alte Grabsteine

…und schließlich durch die Lange Laube (die wesentlich weniger grün und idyllisch ist, als der Name vermuten lässt)…

Bild #42: Lange Laube

…weiter zum großen, wuseligen Platz am Steintor.
Den hab´ ich übrigens aus einem einzigen Grund auf die Route eingebaut – Hier steht eines meiner absoluten Lieblingsgebäude in ganz Hannover: Das Anzeiger-Hochhaus.

Bild #43: Ich bin ja sonst gar nicht so für Hochhäuser, aber dieses hier ist doch wirklich großartig, oder?
Ende der 20iger erbaut, Stilrichtung „Backstein-Expressionismus“, wenn sich auf der Kuppel noch ein großer goldener Globus drehen würde, könnte man glatt meinen, dass Superman hier arbeitet. Außerdem liegt hier die Wiege von zwei großen Magazinen, nämlich „Spiegel“ und „Stern“. Ein echter Hingucker!

Kurze Fotopause, dann schnell weiter, über den Steintorplatz zur Goethestr…

Bild #44: Auch hier hat´s ein ganz interessantes Hochhaus, wenn auch ein deutlich jüngeres. Sowas der Schiefe Turm von Hannover…

…und weiter bis ans Hohe Ufer am Westrand der Altstadt über der Leine:

Bild #45: Leine vom Hohen Ufer (von dem sich übrigens der Name Hannover ableitet) aus. Nicht im Bild: Der extrem widerliche PissUringeruch auf der kleinen Terrasse über dem Fluss, von aus ich dieses Foto mache

Dem Hohen Ufer folge ich, ein Stück an der Leine entlang. Allerdings mehr gehend als laufend, weil:
Samstagmittag = Altstadtflohmarkt am Hohen Ufer = Alles voll mit Ständen und Flohmarktbesuchern = Nicht die allerbesten Joggingbedingungen aller Zeiten.
Aber da musste halt mal durch, wennste da durch willst…

Bild #46: Altstadtflohmarkt am Hohen Ufer

250 m. später hab ich aber dann doch genug vom Durchdiemengeschlängeln und versuche mein Glück lieber wieder etwas weiter ab vom Fluss: Am Historischen Museum links und durchs Marstalltor…

Bild #47: Marstalltor

…und nochmal mitten rein, in das bisschen historische Altstadt, das Hannover aus dem Zweiten Weltkrieg übrig behalten hat:

Bild #48: Verflixt, hier ist es ja genauso voll wie am Hohen Ufer.

Sehr hübsch: Alte, hohe Bürgerhauser mit viel Fachwerk, wenn auch nur ein paar Straßenzüge.

Ich halte mich ostwärts, über den Holzmarkt…

Bild #49: Oscar-Winter-Brunnen auf dem Holzmarkt. Noch ein Weltkriegsopfer, denn die ursprüngliche Schmiedestatue wurde 1941 eingeschmolzen – die neue steht erst seit 1954 hier, nah am Original aber ohne den Vollbart ihres Vorgängers

…und durch die Krämerstraße in Richtung Marktplatz:

Bild #50: Krämerstraße. Auch wieder gut besucht, so langsam gewöhn ich mich an den Menschenmengenslalom

Hier mach´ ich auch noch ´ne kurze Pause. Nach mehr als eineinhalb Stunden unterwegs, und das über Mittag ohne Mittagessen, ist es irgendwie Zeit, sich was zu gönnen. Außerdem hab´ ich zwei Eurostücke in der Tasche, die klimpern lästig und müssen weg. Also:

Bild 51: Mmmh. Nur so zum Spaß Laufen und dabei machen können was man will – herrlich… :D.
Bloß die klimpernden Münzen werd ich nicht wirklich los, auch wenn´s jetzt nur noch zwei 20-Cent-Stücke sind…

Jetzt ist es auch nicht mehr weit, quasi der letzte Endspurtkilometer, im Schatten der Marktkirche über den Marktplatz…

Bild #52: 97 m. Backsteingotik

…und am alten Rathaus entlang…

Bild #53: Mehr Backsteingotik, allerdings nicht 97 m. hoch

…dann weiter über den Köbelinger Markt, vorbei an der Ruine der Aegidienkirche (das entsprechende Foto ist wegen Gegenlicht leider unbrauchbar. Ersatz hier), bis das neue Rathaus zwischen den Hochhäusern am Friedrichswall in Sicht kommt:

Bild #54: Da simmer wieder: Neues Rathaus

Die letzten paar Meter folge ich dem breiten Friedrichswall nach links in Richtung des hoch aufragenden Nord-LB-Turms…

Bild #55: Das Ding ist schon ein verflixt praktischer Orientierungspunkt

…passiere noch schnell die peinlichste Stadtführung aller Zeiten…

Bild #56: Nee, sorry. Also nee, echt jetzt, nee!

…und rechts-links-rechtse mich schließlich via Willy-Brandt-Alle, Bleichstr. und Heinrich-Kümmel-Str….

Bild #57: Heinrich-Kümmel-Str., Hannover – Ort versteckter philosophischer Wahrheiten 😉

…ans Ziel:

Bild #58: Der Eingang zur Dienstwohnung – das wahrscheinlich letzte Mal, dass ich hier ankomme

Und das war er dann, mein (vorerst?) letzter Lauf in Hannover.
Schöne Tour, trotz grauem Himmel und nicht immer ganz so schönen Ecken. Nochmal ein paar Eindrücke und Teile der Stadt, die ich in den vergangenen eineinhalb Jahren nicht – oder zumindest nicht laufend – kennengelernt habe, und irgendwie ein guter Abschluss nach den Monaten, die ich hier verbracht habe.

Noch einmal die 89 Stufen zur Dienstwohnung im 5. Stock hoch, Duschen, Gepäck ins Auto – dann mach ich mich auf den Weg.
Anderswohin.
Mach´s gut, Hannover, bis irgendwann…

Strecke: 15,1 km
Zeit: Mit Foto und Sightseeingpausen um die zwei Stunden unterwegs
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 96,49% (14,57 km von 15,1 km)
Karte:

M.

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Eine Antwort to “Abschied von Hannover (mit Fotos, 15,1 km)”


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