Posts Tagged ‘Jakobsweg’

Jubiläumslauf ins Mittelrheintal: Ingelheim-Waldeck – Bingen – Trechtingshausen (25,4 km)

1. Juli 2013

Frage:
Darf man eigentlich einen Bloggeburtstag feiern, wenn man seit dem letzten Bloggeburtstag quasi nicht mehr gebloggt hat?

Antwort:
Klar darf man, aber Hallo! 🙂

Sechs Jahre Laufblog, deshalb wie jedes Jahr am 1.7. ein Jubiläumslauf. Gehört sich so.

Dieses Jahr bin ich auf Heimurlaub in Hessen, das erschwert – aus vornehmlich geografischen Gründen – den ursprünglichen Plan, zum Jubiläum durchs Watt auf eine Insel zu laufen, doch irgendwie ganz immens.
Folgerichtig braucht´s jetzt eine Strecke in/an/um Rhein-Main.
Was Nettes. Gerne auch länger. Und natürlich irgendwohin, wo ich noch nie gewesen bin.
Zuuuum Beispiel… ..
…das Mittelrheintal.
UNESCO-Welterbestätte, verdammt hübsch und relativ nah am Rand des Heimstreckennetzes, und wenn man´s linksrheinisch machtt, gibt´s als Bonus noch den Hunsrück als neu erlaufenes Mittelgebirge gratis dazu.

Perfekt, das wird der Jubiläumslauf.
Konkret: Vom Bismarckturm auf der Waldeck über Ingelheim (wo ich vor eindreiviertel Jahren die Durchquerung Rheinhessens perfekt gemacht habe) westwärts durch die offene rheinhessische Hügellandschaft südlich des Rheins bis Bingen, dort dann über die Nahe, in die ersten Hunsrückausläufer und an den Steilhängen über dem Binger Loch ins Mittelrheintal, via Burg Rheinstein nach Trechtingshausen am Westufer des Rheins.

Tolle Strecke, das ist schon vorher klar. Abwechslungsreich, weil mit zwei sehr verschiedenen Landschaftstypen.
Und sehr wahrscheinlich weit und anstrengend.
Wie weit genau, das checke ich vorher nicht. Wieviele Höhenmeter sie hat hat auch nicht.
Ganz bewusst. Einfach mal gucken, ob ich das noch kann… 🙂

Ausgangspukt ist der Bismarckturm auf der Ingelheimer Rheinhöhe:
IMG_3678
Bild 1: Bismarckturm

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ENDLICH!!! Das Ende der Durchquerung von Rheinhessen: Jugenheim – Engelstadt – Waldeck – Ingelheim am Rhein (mit Fotos, 17,6 km)

1. Oktober 2011

Oje…
Wie konnte das denn jetzt passieren.

Da wollte ich diesen richtig, richtig großartigen Lauf mit den vielen schönen Fotos möglichst zeitnah bloggen, um die Eindrücke auch ja möglichst frisch und präsent zu haben und nicht schon wieder so einen eeewig langen Blog-Backlog zu haben, den ich dann abarbeiten muss –

– aber auf einmal, irgendwie, vor lauter Arbeiten und ständig irgendwoanders sein und anderen Kram im Kopf haben isses dann plötzlich mehr als zwei Monate später und das Ding ist immer noch nicht gebloggt.
Heidenei, ich werd wohl wirklich nachlässig auf meine alten Tage, furchtbar.

Aber hilft ja nix, jetzt muss ich das Ding – gelaufen Anfang Oktober – halt mit über zwei Monaten Verspätung bloggen (vorausgesetzt ich schaff´s jetzt mal, mir die Zeit zu nehmen).
Hrm.
Immerhin: Besser spät im Ziel als nie. Ist ja auch ein schönes Laufmotto… 😉

– – –

Aaalso, nochmal von vorne:
Ende September/Anfang Oktober: Ein Woche Heimurlaub, im Süden, in Hessen, an der Bergstraße (die mir immer hübscher vorkommt, je länger ich nicht dagewesen bin), und das bei bestem Goldeneroktoberwetter.
Deshalb: Jeden Tag laufen gehen. Endlich mal wieder. Tut soo gut.
Natürlich vor allem die guten, alten Standardstrecken, die ehrlich gesagt schon lange kein Standard mehr sind.
Passiert, wenn man sich erst mal ein gutes Halbes Jahr in der Fremde rumgetrieben hat und sie nur noch ganz sporadisch läuft…

Aber nach so ein paar Tagen am Odenwaldrand und dem Melibokus hat´s mich dann doch in den Füßen gejuckt: Mal wieder ´ne richtig neue Strecke, am Rand meines alten Laufnetzes, das wär ja auch mal wieder was.
Zum Beispiel in Rheinhessen. War ich jetzt schon ewig nicht mehr. Außerdem vermisse ich ja eh regelmäßig die Weinberge oben im Norden, und von denen gibt´s nirgendwo in Deutschland so viele wie da drüben.
Und: Ich hab´ da ja immer noch ein fast fertiges Laufprojekt ausstehen – Die Durchquerung von Rheinhessen. Da fehlen mir nur noch ein paar Kilometerchen aus nördlichen Hügelland hinter Mainz bis ans Rheinufer, und fertig is´ dat Dingen.

Klingt prima, also plotte ich mir schnell die Route (über die Tafelberge zwischen Selz- und Rheintal nach Norden, durch Engelstadt und an der Waldeck vorbei, dann runter bis an den großen Fluss), kläre die Abholung am Rheinufer (wird ´ne Einwegstrecke), pack den Foto ein und mach´ mich auf den Weg. Autobahn, erst nord- dann westwärts, übern Rhein, an Mainz vorbei und ins Hinterland, bis nach Jugenheim.
Nein, nicht das Jugenheim zuhause, das andere. Jugenheim in Rheinhessen eben.
Hier war ich schon einmal laufen, vor fast zwei Jahren, im Dezember, bei Schweinekälte und ein bisschen Schnee. Das bleibt mir heute zum Glück erspart. Fast 20 Grad und strahlende Herbstsonne – so schön kann Oktober sein.

Rein nach Jugenheim, Parken an der Hauptstraße, uuuuuuund

Bild #1: Los geht´s! 🙂

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Rostock: Um die Unterwarnow (9,9 km)

13. August 2011

So. Gerade an Hannover gewöhnt, schon geht´s weiter.
Nächste Station in meinem (inzwischen ja nicht mehr ganz so) neuen Leben als moderner Mediennomade.
Dieses Mal ganz weit im Nordosten – ein Monat Leben und Arbeiten in Rostock, und damit zugleich auch mein erster Monat überhaupt in Mecklenburg-Vorpommern (vorher hab ich mal einen Nachmittag Schwerin verbracht, abgesehen davon bin ich hier noch nie gewesen).

Zuerst mal das Positive: Rostock ist eine richtig angenehme Stadt. Eine gute Größe, viele hübsche Ecken, Wassernähe und maritimes Flair (wenn bei Sonnenschein die Möwen über den Dächern kreischen, das hat schon was), und sogar ein bisschen Topografie mit ein paar kleinen Hügelchen. Quasi als Bonus gibt´s dann auch noch das Umland obendrein, das einfach nur großartig ist – vor allem natürlich die nahe Ostseeküste, mit ihren langen weißen Stränden, bewaldeten Steilküsten und alten Seebädern, das macht alles richtig viel her. Und auch das Binnenland hat seine Reize, sanftes Hügelland, das auf den ersten Blick beinahe unnatürlich leer wirkt – MV ist das am dünnsten besiedelte Bundesland der Republik (gerade mal 71 Einwohner pro Quadratkilometer, und das auch noch bei schrumpfender Bevölkerungszahl), und das merkt man auch, wenn man über Land fährt. Alles in allem also ein richtig reizvolles Laufgebiet.

Was uns zum weniger Positiven bringt: Ich bin inzwischen schon zwei Wochen hier, und bis heute war ich nicht einmal laufen. Einerseits wegen der üblichen Eingewöhnungsphase (erstmal ankommen, sich orientieren, ans neue Arbeitsumfeld gewöhnen, neue Eindrücke verarbeiten), andererseits weil das Wetter in den letzten zwei Wochen größtenteils ziemlich beschisseneiden war, mit herbstlichen Temperaturen, ekligem Wind und so unglaublich viel Regen, dass rund um Rostock ständig irgendwelche Wohnsiedlungen absaufen und das Wasser kniehoch auf den Feldern steht, weil der Boden gesättigt ist. Ganz ehrlich: Da hat´s mich dann nicht so wirklich rausgetrieben.

Aber heute dann. Endlich mal wieder Sonnenschein und blauer Himmel über Rostock, dazu Temperaturen knapp über 20 Grad und relative Windstille – jetzt oder nie!
Also schnell nach Feierabend eine Strecke ausgeguckt, rein in die Laufsachen, und los.
Bevor das Wetter es sich wieder anders überlegt…

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Drei Mal durch den grünen Hamburger Norden (einmal mit Fotos) (12,4 km/12,1 km/18,7 km)

5. Juni 2011

So, dann fangen wir doch gleich mal mit was Positivem an: 😀

Tag Strecke Zeit Entfernung
Mo.
Di.
Mi.
Do. Von Wandsbek in den Hamburger Stadtpark ??? 12,4 km
Fr.
Sa.   Wandseaufwärts ??? 12,1 km
So. Ausflug im Hamburger Norden: Von Wellingsbüttel am Alsterufer und der Saselbeck nach Volksdorf – mit Fotos ??? 18,7 km
Wochenlaufleistung 43,2 km

Ja, genau, das ist eine Wochenübersicht!
Und dann auch noch eine mit ordentlich Strecke!!!

Das gab´s hier schon ´ne ganze Weile nicht mehr, aber endlich hat´s mal wieder mit den 40+ Wochenkilometern geklappt, die ich mir vor langer Zeit mal als Standardleistung während der Laufsaison definiert hab.
Und zwar nicht irgendwo draußen auf dem Land, sondern mittendrin in der zweitgrößten Metropole der Nation!
Geht doch!! 🙂

Wie genau, das erzähl ich euch nach dem Umbruch…
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Samstag im Zellertal: Harxheim – Bubenheim – Ottersheim – Immesheim – Albisheim – Einselthum (12,8 km)

23. Oktober 2010

Ach du je!
War mein letzter Samstagsmittagslauf in Rheinland-Pfalz wirklich im Juni?
Da wird´s aber mal wieder höchste Zeit, dass ich in die Hügel jenseits des Rheins komme!

Passenderweise bin ich heute mittag mal wieder drüben in Rheinhessen verabredet und nutze die Gelegenheit, um gleich mal ein paar nette Laufkilometerchen zwischen Weinbergen und Winzerdörfchen mitzunehmen.
Mal wieder im Zellertal, da wo Rheinhessen fast unmerklich in die Pfalz übergeht – wunderschöne Ecke, schon ein bisschen erlaufen aber mit noch ganz viel unbekanntem Terrain drumrum, genau das Richtige für heute!

Entsprechend finde ich mich am späten Nachmittag in Harxheim ein, einem kleinen alten Weinort am Ufer der Pfrimm im Grund des breiten, flachen Zellertals.
Hier geht´s dann los.
Und zwar auf dem Parkplatz der Zellertal-Schule, die eingerahmt von sanft aufsteigenden Weinhängen am Nordrand des Ortes liegt.
Von hier aus geht´s nach Süden, auf einer etwas überdimensioniert wirkenden Fußgängerbrücke über die B47, dann auf der Hauptstr. (die mit dem gelben Quadrat des Nibelungenwegs markiert ist) nach Harxheim rein.

Startet sich etwas zäh, so richtig fit fühl ich mich heute nicht, vor allem meine weiterhin verspannte linke Schulter murrt und mäkelt etwas zu viel, aber da muss ich jetzt durch. Aber wenigstens ist das Wetter nicht unfreundlich, mit ein bisschen fahler Herbstsonne, die zwischen den grauen Wolkenbanken am Himmel hervorlugt.

Harxheim kenne ich schon, von meinem Donnersberg-Projekt vor zweieinhalb Jahren. Ist hübsch, mit vielen schönen alten weinberankten Natursteinhäusern und Weinguthöfen, die sich dicht an die schmalen Pflastergassen drängen.

Ich folge der Hauptstr. vielleicht 250 m. leicht bergauf, mitten durchs Dorf, bevor ich rechts in die Zehntscheuergasse einbiege und langsam in die etwas neubaugebieterigen Randlagen von Harxheim komme, bevor es schließlich links unter den Bahnschienen durch und aus dem Dorf hinausgeht.

Asphaltweg, langsam aber stetig bergauf, am Rand der Talkerbe, in der der Ammelbach in Richtung Pfrimm fließt (das Violental, offensichtlich) – hinter mir bleibt Harxheim langsam zurück, rechts die kahle Hügelflanke, links ein Baumstreifen am Talufer, dahinter die Landstrasse und der nächste Hügel, über dem sich ein paar Windräder drehen.

Fällt gar nicht so leicht, hier bergaufzulaufen, auch wenn die Steigung eigentlich minimal ist. Aber irgendwie bin ich wirklich nicht ganz taufrisch heute, vielleicht auch etwas zu schnell (wenn ja, dann vermutlich WEIL die Steigung eigentlich minimal ist), entsprechend werde ich so ein bisschen kurzatmig. Außerdem wird´s frisch, unten im Zellertal war Windstille, da bin ich ein bisschen geschwitzt, hier hinten weht der Herbstwind allerdings auf einmal wieder kräftig und eist mich so ein bisschen durch. Und die Sonne ist auch weg, verschwunden hinter einer schweren Front aus bleigrauen Wolken, die fast den gesamten riesigen Rheinhessisch/Pfälzischen Himmel bedeckt.
Aber auch wenn´s nicht gerade perfekt läuft: Spaß hab´ ich immer noch, ist einfach schön, endlich mal wieder weit weg von zuhause durch die Fremde zu laufen. 🙂

Knapp 1,5 km nach dem Ende von Harxheim knickt der Asphaltweg rechts runter ab, zu den nahen ersten Häusern des Dörfchens Bubenheim, das friedlich unter den grauen Wolken in die Talrinne zwischen den grünbraunen Hügelflanken drapiert liegt.

Am Ortseingang empfängt mich die für die Gegend fast schon obligatorische Jakobsweg-Infotafel mit ein paar Infos zur Dorfgeschichte – besonders wird auf die frühromanische Dorfkirche (angebliche die älteste in der Pfalz) aus dem 11. Jahrhundert hingewiesen, sogar von UNESCO steht da was (aber das erscheint mir ein bisschen geflunkert), also beschließe ich spontan, einfach mal zu schauen, ob ich die entdecken kann.
Schließlich kommt man (vermutlich) nur einmal im Leben nach Bubenheim in der Pfalz… 😉

Zuerst kurz den Sonnenhang runter, dann auf der Hauptstr. erst in die Talmulde rein, dann wieder aufwärts und bergauf, bis ich die Kirchgasse erreiche.
Das klingt nach Dorfkirche und wird folgerichtig mal ausprobiert.
Das Türmchen, das rechterhand zwischen den alten Steinhäusern steht, sieht allerdings nicht wirklich frühromanisch aus, und direkt dahinter ist Bubenheim auch schon wieder zu Ende.
Also dreh ich wieder rum (nicht wissend, dass die Dorfkirche ein paar Meter weiter zwischen den Bäumen auf mich gewartet hätte) und mache mich wieder an die ursprüngliche Route, die noch ein Stückchen weiter das Tal entlang nach Süden führt: Erst ein bisschen auf der Hintergasse, dann auf dem Gartenweg wieder runter zum Ammelbach am Talgrund, an dessen Ufer mich ein bequemer, grasiger Weg am Rand einer gepflegten Freizeitanlage in das gerade mal 300 m. entfernten Nachbardorf Ottersheim bringt.

Ottersheim ist noch kleiner, und scheint vor allem aus einer langen Hauptstr. zu bestehen, die sich vom Talgrund aus den Hügel hinaufzieht.
Auf der geht´s aufwärts, vorbei an hübscher Dorfkirche und Rathaus (Rheinland-Pfalz und seine Gemeindeordnung, bei der selbst 400-Seelen-Dörfer einen Bürgermeister und ein Rathaus haben – immer wieder interessant), bis ich eine kleine Fußgängertreppe erreiche, auf der es aus dem Oberdorf hinaus bis an die höher gelegene Landstrasse nach Immesheim weitergeht.

Der folge ich.
Typische Rheinland-Pfälzische Landstrasse, mit den üblichen Pros (Kaum Verkehr) und Contras (schmal, weder Seitenstreifen noch Fußweg), weiterhin aufwärts (irgendwie hab´ ich heute das Gefühl, nur bergauf zu laufen), über den breiten, flachen, offenen Hügelrücken voller brauner Stoppelfelder, bis ich nach einem knappen Kilometer in Immesheim ankomme.
Dieses Dorf ist noch kleiner als die beiden letzten, ein paar Dutzend Häuser auf der flachen Anhöhe, zwischen den Äckern, über dem Zellertal (auf das man von hier aus einen schönen Blick hat), unter dem weiten, grauen Wolkenhimmel.

Selbst mit kleinem Ehrenschlenker (Friedhofsweg, Harxheimer Str., Hauptstr.) dauert es nicht lange, bis Immesheim zu Ende ist und ich einen ordentlich steilen Feldweg runter ins Zellertal laufe, bis zu den Bahngleisen im Talgrund, denen ich nach links bis zum Anfang von Albisheim folge.

Albisheim ist größer (nicht groß, aber immerhin mit vierstelliger Einwohnerzahl, das ist schon was für hiesige Verhältnisse), entsprechend brauche ich ein klein wenig länger zu seiner Durchquerung: Erstmal die untere Bahnhofstr. runter, vorbei am Neubaugebiet im Süden des Ortes, über die fröhlich dahinplätschernde Pfrimm im Talgrund, dann die merklich ansteigende Ratsgasse hinauf bis zum Rathaus an der Hauptstr., der ich ein paar hundert Meter nach rechts folge, bis ich das Ortsende an der B47 erreiche.

Kurzes Warten an der Bundesstrasse, dann rüber und einen grob gepflasterten Feldweg hoch, der mit erklecklicher Steigung durch die Stoppeläcker an der riesigen offenen Hügelflanke des Osterbergs hinaufführt – der letzte Aufstieg für heute, und einer, der´s (angesichts meiner immer noch nicht besser gewordenen Tagesform) noch mal in sich hat, auch wenn´s eigentlich nur ein paar Dutzend Höhenmeter sind.

Nachdem ich ein paar Minuten japsend bergauf gerannt bin, stellen sich leichte Navigationsprobleme ein. Richtig verirren kann man sich hier zwar nicht (denn dank der offenen Landschaftsform und der eindeutigen Topografie lässt sich jederzeit feststellen, wo man ist), aber irgendwie korrespondieren die dürren Linien auf meinem Streckenplänchen nicht so ganz mit der tatsächlichen Realität der schmalen, schlammigen Feldwege, die leicht beliebig zwischen den schier unendlichen Äckern am Hang verlaufen (oder auch nicht).
Entsprechend muss ich improvisieren und mich grob in die ungefähr richtige Richtung eiern (über die Felder mag ich nicht laufen), auf die Dächer von Einselthum zu, die jenseits der Äcker über die Hügelseite ragen.
Klappt so halbwegs, auch wenn es mir ein bisschen viel unsicheres Auf und Ab in der Pampa einbringt.
Was ja nicht schlimm wäre, wenn´s hier draußen nicht so langsam ungemütlich würde – so langsam dämmert´s schon ein bisschen, aus der inzwischen vollkommen geschlossenen grauen Wolkendecke nieselt leicht ein kalter Novemberregen runter, und der eisige Wind aus Südwest erwischt die ungeschütze Bergflanke über dem Tal mit voller, klammer Wucht.
Außerdem tut meine spannende linke Schulter ein bisschen weh, mein Nacken ist ein Eisklumpen, ich hab´ Durst, und zu spät dran bin ich auch wieder mal.
So langsam könnt ich eigentlich mal ans Ziel kommen…

Erst mal komme ich allerdings nach Einselthum, dem letzten bisher unerlaufenen Dorf auf der heutigen Strecke. Das liegt auf halber Höhe am Hang, zwischen Weinbergen und Feldern über dem Zellertal. Ist natürlich klein und natürlich hübsch (soweit ich das in der graunieseligen Dämmerstimmung sagen kann), wie sich das hier hinten eben gehört.

Ab hier ist dann auch endgültig Schluss mit Bergauflaufen, abwärts ist angesagt. Erstmal die Wellerstr. runter in den Dorfkern, dann Ostwärts die schmale, aparte Hauptstr. entlang, die nach 150 m. einen scharfen Rechtsknick macht, hinter dem es durch ein neueres Wohngebiet an Schulstr. und „Am Vogelsang“ zum unteren Dorfende geht, und dann weiter, auf einem bequemen, asphaltierten Weg zwischen den rostrot verfärbten Weinlagen zurück in Richtung Harxheim und Talgrund.

Da ich inzwischen wirklich so ein bisschen genug habe, erlaube ich mir kurz vor dem Ziel noch eine kleine Abkürzung, die mich (auf etwas, was möglicherweise ein Pfad ist, möglicherweise aber auch nicht) zwischen den Rebenreihen hindurch geradewegs den Hang runterührt, bis zum Sportplatz an der Zellertalschule, von dem aus es dann nur noch ein paar Meter bis zum Schulparkplatz, dem wartenden Auto und dem Ziel sind.

Ordentliche Tour. Hübsche Gegend, neue Orte, abwechslungsreiche Topografie – nicht übel, auch wenn eine etwas bessere Physis und stabileres Wetter sicher nicht geschadet hätten.
Aber so ist das eben, in der Nachsaison: Nix perfekt, da muss man nehmen, was man kriegt…

Strecke: 12,8 km
Zeit: ???
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 93,05% (11,91 km von 12,8 km)
Karte:

M.

Die Durchquerung von Rheinhessen: Mit dem Foto rund um den Wißberg (18 km)

24. April 2010

Eine der interessantesten Entdeckungen bei meiner letzten Tour durch Rheinhessen vor zwei Wochen war ganz zweifellos der Wißberg, ein imposanter und sehr ansehnlicher Tafelberg (oder besser: Tafelhügel – ist ja schließlich Rheinhessen… 😉 ), der sich auf der Grenze zwischen den Landkreisen Alzey-Worms und Mainz-Bingen inmitten des weiten Hügellands erhebt.
Der hat mir so gut gefallen, dass ich seinerzeit Folgendes geschrieben habe:

Der [Wißberg] beeindruckt mich übrigens ziemlich, als ich durch die Felder zwischen den Dörfern laufe: Ein mächtiger, mesaartiger Tafelberg mit scheinbar bügelbrettflacher Plateaukuppe, dessen Flanken mit steilen, in der Sonne schimmernden Weinlagen bedeckt sind zwischen denen eine einsame kleine Kapelle aus der Hangmitte herausragt.
Sieht toll aus, und von da oben am Rand des Plateaus hat man sicher eine grandiose Aussicht in alle Richtungen!
“Den nimmst du bei deiner nächsten Tour hier hinten auf jeden Fall mit”, beschließe ich spontan, “vielleicht sogar mit dem Foto, wenn das Wetter mitspielt”.

Heute ist es soweit: Die „nächste Tour hier hinten“, und wie vor zwei Wochen beschlossen, steht tatsächlich der Wißberg auf dem Plan, zusammen mit den Orten Wolfsheim, Partenheim (das ich letzten Dezember aus Richtung Mainz kommend schon mal erlaufen haben) und Vendersheim.
Übrigens mit Foto, denn das Wetter hat in der Tat mitgespielt und den Samstagnachmittag mit so viel wunderbar strahlendem Sonnenschein bedacht, dass es einfach jammerschade wäre, keine Bilder zu machen…

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Die Durchquerung von Rheinhessen: Wörrstadt – Wallertheim – Gau-Weinheim – Sulzheim (14,3 km)

10. April 2010

Okay:
Seit fast einem halben Jahr nutze ich meine mehr oder weniger regelmäßigen Samstagsausflüge über den Rhein dazu, immer weiter nordwärts durch das hübsche und ein bisschen exotische Hügelland Rheinhessens zu laufen.
Inzwischen ist da immerhin schon ein halbes Dutzend Touren mit insgesamt 75 Kilometern Strecke zusammengekommen, bei denen ich fast den gesamten Landkreis Alzey-Worms durchquert habe, von Flörsheim-Dalsheim im Süden über das zentral gelegene Alzey bis hinauf nach Wörrstadt, das schon deutlich näher an Mainz als an Worms liegt.
Hat viel Spaß gemacht, abwechslungsreich, landschaftlich reizvoll und vor allem richtig spannend.
Aus diesem Grund will ich es auch nicht dabei bewenden lassen – halb Rheinhessen hab´ ich nun schon durchquert, da nehm´ ich auch noch die andere Hälfte mit! 🙂

Deshalb habe auch ich mich auch entschlossen, aus der Geschichte endlich ein hochoffizielles Laufblogprojekt zu machen, komplett mit einem eigenen Namen, der da lautet:
Die Durchquerung von Rheinhessen.

Ziel: Einmal der Länge nach durch ganz Rheinhessen laufen (wer hätte das gedacht, bei diesem Namen? 😀 ), vom südlichsten Zipfel der Region an der Grenze zur Vorderpfalz bis hinauf nach Ingelheim am großen Rheinknie zwischen Mainz und Bingen. Insgesamt 45 Kilometer Luftlinie durch fast vollkommen unbekanntes Terrain, über sanfte Hügelrücken und durch breite Täler, durch steile Weinberge, weite Felder und wunderschöne alte Dörfer.
Ganz feine Sache.
Und die Hälfte hab´ ich in den letzten Monaten ja schon geschafft… 🙂

Passend zu diesem Entschluss bin ich auch diesen Samstag wieder in Rheinhessen, und nutze die Gelegenheit natürlich, das frisch erklärte Projekt „Durchquerung von Rheinhessen“ voranzutreiben.

Letzte Woche bin ich bis Wörrstadt gekommen, also setze ich heute genau dort wieder an, mit einer reizvollen Strecke, die in Richtung West-Nordwest zu den Dörfern Wallertheim und Gau-Weinheim am Fuß des imposanten Wißbergs führen soll, ehe es dann über die weiten, offenen Hügel zurück nach Osten geht, durch Sulzheim und schließlich wieder nach Wörrstadt hinauf.
Sieht schon bei Google Earth sehr interessant aus, da bin ich gespannt, wie sich die Tour vor Ort anlässt.

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Durchquerung von Rheinhessen: Spiesheim – Rommersheim – Wörrstadt (12,2 km)

3. April 2010

Wie so oft Samstags (und ja, ich weiss, ich hinke schrecklich mit den Laufberichten hinterher. Aber das lange Osterwochenende war so voll mit Freunden und Familie und Fressorgien und whatnot, da hat das alles ein bissken länger gedauert) bin ich heute mal wieder drüben in Rheinhessen.
Und wie so oft Samstags nutze ich die Gelegenheit, um dort gleich auch noch ein bisschen zu laufen.
So oft kommt man da schließlich nicht hin… 😉

Bei meinen letzten Ausflügen in der Gegend bin ich ja sukzessive immer weiter nach Norden gelaufen, tiefer ins unbekannte Herz der Region und damit immer auch näher an die Streckennetzteile hinter Mainz, die ich letzten Sommer erschlossen habe.
Da setze ich natürlich auch wieder heute an – beim letzten Mal hab´ ich bis ins Weindörfchen Spiesheim in den Hügeln nördlich von Alzey geschafft, folgerichtig wird das der Ausgangspunkt der heutigen Runde, auf der ich mir die nächstnördlicheren Orte Rommersheim und Wörrstadt erlaufen will.

Spiesheim ist ein enges, altes Dörfchen in schöner Lage, mitten zwischen Weinbergen und Windrädern in eine dieser riesigen, vermeintlich sanft ansteigenden Rheinhessischen Hügelflanken genestelt.
Hübsch hier, das hab´ ich schon beim letzten Mal rausgefunden…

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